Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-09-14 · 37 (14.9.1870) · p. Seite 304

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
37 (14.9.1870)
Date
1870-09-14
Page
Seite 304 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935219--0412-5370125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

außerordentlich zahlreicher Bereitung zu bvnv' "Op. Die Beerdigung fand unter militärischen Ehren statt Eine Abtheilung deS 2. Garde-Regimentgab die drei üblichen Salve«. - > — Au» dem „Fr. Jorrn." ist dmch viele Blätter eine Correspondeaz au» Berlin gegangen, »ach welcher daS Ministerium bei dem Gememderorstande angeftagt habe, ob man einige jüdische Geistliche ans i m Kriegsschauplatz gesendet zu fehm wünsche. ES solle daun von t er Gemeindevertretung vorgeschlagen sein, die Rabbiner Geiger und Hildesheimer «bzuordnea. Unsere Leser haben auS dm von u»S mitgrtheiltm Bescheid« deS Krieg»« Ministeriums an dm Rabbimr in Hannover «ad au unS «rsehm, daß jme Nachricht falsch sein müsse, wir htrbm daher von der» selb« auch gar keine Notiz genommen. Die Red. d«S „JSr. Lehrer»" vermuthet, daß da» Ganze eia fhlechterWitz fei; ne m^Recht habm, sie knüpft aber daran eine Bemerkung, die wir sehv^ppne mittheilm. „ES sollt« in grö zerm Lazarethm tüchtige," Praktisch geübte jüdische Kraukmwärter fein, die dann auch die Mittel fiodm würden» dm Leidmdm zu tröstm und ihm, wenn er seine Sterbestunde nahm fühlt, diejmigm Tröstung« zu verschaffen, die die geheiligt« jüdischen krttbräuche bieten; sie werdm e» ermögliche», daß er in Gegmwart von Glaubmöbrüdem, da» VCW auf dm Lippen» seine Seele ruShaucht. So entftemdet Manch« dm jüdischen Observanz« auch sein mögm: diese heilige Sitte ist einem Jeden eine Erhel ang, eia lindernder Trost in der Sterbestunde." Freilich ist eS zur Ausführung diese» ttefflichm Borschlage« jetzt auch fast >u spät. Da» ist ja die Folg« der schmählick»« Verachtung und Jgnorirung d«S Judenthum». Für die Chriltm ist alles im Voraus besorgt; Feldgeistliche u. s. w. gehör« da eb«so gut zu t>« Requisit« de» Feldzüge», wie Kanon«; mag der Krieg noch so jähling» auSbrech«, e» ist in Preußm auch für die Seelsorge der christlich« Soldat« Fürsorge vorsorglich getroffen. Für un» — nicht». Und da» „hilf dir selbst" ist hier ein schlechter Trost, den« wir könnt« und mochtm un» nicht auf oen Kriegsfall vordere iten. Unter dm nieder« und höher« Chargen de» SanitätScorp» find allerdings viele Judm; wir wollm vea dm Aerzten in diesem Zusammenhang« gar nicht red«, aber unter d« Kraakenträge«, Lazarethgehülfm u. s. w. giebt e» (w r kenn« der« selbst) junge fromm erzogme Leute, und der Red. deS ,J»r. Lehr.' hat ja Roht, daß man keine« Rabbiner» bevürfe, um mit einem Krank« zu b-tm, einem Sterbend« die letzt« heilig« Gprüche vorzufprechm. Hier hätte also der Krieg-minister die Person«, die bei all« ArmeecvrpS vertheilt sind — sie war« vorher designtrt, leicht hätte e« sich bewerkstellig« laffm, daß die Geeignet« inftruirt und dann angemeffm diSlocirt Word« wärm— aber—. Rabb. Dr. Adler in Cassel widmet eine Nachricht einem ebenfalls bei Wötth gefall«« Sud«, einem Mitgliedder dorttg« sehr geachtet« Famllte Goldschwidt, und theilt dabei mit, daß noch vier Jud« auS Cassel in derfelb« Schlacht verwundet Word« sei«. — Boa frauzös. Seite berichtet die »Politik': Am 16. Aug. ttaf in Amsterdam ein ganzer Zug voll Pariser Judm ein, die sich und ihre Besitztümer in Part« nicht mehr sicher glaubt«." »Univ. J»r.' nennt wettere fünf Jud«, welche zu Artillerie» Lieutmant» der Mobilgard« allein in der sechstm Division ernannt find. „Unsere drei AumSnier» (die jüdisch« Feldgeistlich«) find jetzt in Metz", bettchtet dasselbe Blatt Wetter. Gott g^e, daß die Notiz veraltet sei, sie würde sonst auch wohl nicht so «hig «iedergeschriebm Word« sein! — Ueber die von un» bereit» gmannte Mm«. Mayer Eah« au» Pari», welche al» Krankenpflegerin da« Heer beglettet, bringt „llniv. J»r." Berichte au» dem „National" und der „öibertö." Wie geme thellm wir einige Worte au» dm Lobeserhebung« mtt, welche beide Blätter der edlm Frau ertheilm. »Unter all dies« ehrmwerthm Person« ist e« besonder» Eine, welche die Bewundenmg Aller erregt. E» ist eine Frau, oder besser ein Engel der Mildthättgkett. Sie kenn« sie sehr wohl, denn da» ganze elegante Pari», die ganz« Geldaristokratte der Hauptstadt ist längst gewohrtt, dm Ramm der Mad. Lahe» täglich und stündlich nmnm zu hör«. — Mad. Cahm gehört einer der reichst« Israel. Famtlim in Nancy an; sie war in Pari« verhettathet und erfrmte sich all de» Wohlbehag«», all der Vorzüge, welche da» Glück gewähr« kann." (Nattonal.) (Libertö.) „Mad. Cahm kam nach Metz mtt dm Ambulancm der Gesellschaft zur Hilfeleistung für Verwundete. — Nach drei Tag« wußte man wer und wa» sie ist, und fing au sie anzubet«. Nicht» erregt Furcht bei ihr, weder Kugeln noch Mttratllmsm, noch da« Blut, da» sie fließ« sieht; gegenüber dm Leid« Aller entwickelt sie eine zarte Stärke, eine mütterliche Sorgfalt, welche sich wie Balsam selbst über dm herbst« Schmerz au»- „Ihr seht, Brüder, e» gllr die Vorsicht zu verdoppeln «ud Eure Gedankm und Hoffnung« an der tiefst« Stelle de» Herzen» zu verbergm; unterwerfet Euch dem wiabänderlichm Geschick; wer abreism kann, thue e» bald» aber nur mit der größt« Umsicht. Der Gott Abraham», Isaak» und Jakob», der sein Volk niemals vollständig verlass« hat» wttd über Euch wach«. Wa» meine Person angeht, ich werde keinem von Euch nützlich sein könne», zähtt auf mich nicht wehr! Wer weiß, ich werde vielleicht selber überwacht,! lttwal» hat mtt der Inquisitor solche Blicke zugeworfen, al» bei der letzt« Unterredung. klebrigen», ich werde auch abreism; nuiue Flucht ist vorbereitet. Ich watte nur darauf, daß unser Freund Diego mtt sein« Kinde« Spaui« wttd verlass« habm, um sie zu beschützen, wmn da« Unglück sie bi» dahin tteff« sollte. Enthaltet Euch also von jetzt ab, auch im Verborg««, )er genügst« Handlung, die Eurm Glauben venathm könnte; Gott wttd Euch verzeih«, er, der die Herz« läutert! Aber überliefert Eue« Kinde« tt« dm Glaubm-schatz der wahr« Religion, damtt am Tage der Befreiung. der früher oder später einttetm wird, Israel all die Sein« wtederfindet, und nicht dm Verlust feiner Kinder, die zerstreut «urd« in Mtttm der Nation«, zu bellag« hat." „Enriquez," antwortet« einer der Umstehende«, Frau«»« d'Ariza de Teruel, „Ihr seid unser Freund, ich kömtte fast sag« u»ser Aller Vater, «ud Ihr habt un» Euere Ratschläge sich« in unserem eigmm Interesse ertheilt. Aber ist dtt Unterwerfung immer da» beste Mtttel der Gefahr zu entgehen f Glaubet mtt: wenn wir un» gegm die Inquisition verschwör« wollten» wtt würdm nicht die Einzig« bleib«. Ich habe die Festlichkeit« in Saragossa im Hause de» Her« Gil de Mesa, eine» meiner Frmnd«, verlebt. Nun wohl, auch dort hat man sich vereinigt, um im Geheim« Rath zu pfleg«. Dtt Arragoaier habm dtt Caftilianer nie geliebt, dtt ihn« die Jaquisttton bescheert Hab«. Nun wißt Ihr aber, daß Antonio Perez in Saragossa ist..." „Antonio Perez?" ließ« sich einige ftagmd« Stimm« vernehmm. „Ja, ja, Antontt Perez," sagte der Mönch seiuersett», sich zu dm Fragmden wendend, „der frühere Minister de» König» Philipp II. Ich glaub« wohl, daß Ihr da» vergeff« habt; er befindet sich bereit» zwölf Jahre im Gefängniß. Der König läßt ihn anklagm, well er dm Staattsecretatt E-covedo ermordet Hab« soll, und doch war er nur da» Werkzmg de» König» selber; aber der Unglückliche büßt eine andere Schuld, dtt Phllipp ihm nicht verzeiht." „Nun gut," nah« Franc«»« d'Ariza wieder da» Wort, ^» ist Perez gelungm, au» seine« Gefängniß 1» Madrid zu entkomm«, und er hat sich nach Saragossa geflüchtet. Dort befindet sich der Gefangene unter de» Schutze der Julid» major, de» oberst« Gerichtshöfe» von Arragonttu, geg» »elch« sogar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.