Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- Seite 303 (sequence 3)
- Language
- German
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308 läßt. Folgerecht find entschiedene Raubvögel dem Inden zu« Verspeisen verboten. Die Idee der »Vegetarier* dürfte auf diesem Wege allein sich praktisch venoirklicht sehe«. Die Bibel verbietet den Genuß de« Fleische« eine« stößigen, «mfchmtödtmdm Ochse«, -L Buch Mose 21, 28—29. Ich erinnere anch an da» vorge» schriebe« Salzen de« Fleische« und verweise auf Bernstein» «atmgeschichtl. Bolk»b. I. Bd., p«g. 189, 4. «nfl., Berlin 1867. G« heißt dort: »Aber in dem'elbm Maß«; wie da« Fleisch Lheile ««scheidet und sein Wasser obgiebt, nimmt et Kochsalz in fich auf, wodurch e« nicht nur schmackhafter und verdaulicher, sondern auch nahrhafter wird. Erst in neuerer (7!) Zeit ist die Bedeutung de« Kochsalze« al» Nahrungsmittel erkannt worden, denn sowohl die Gewebe de« »«schlich« Körper«, wie auch da« Blut und namentlich die Knorpel bedürfe« zu ihrer Bildung de« Salze«." Hat aber nicht da« jüdisch« Speisegesetz alle« diese« 1« Auge? Somit werden die jüdische« Spetsegesetze ein wahre« Crite» rium höchster sittlicher und rationaler Eivilisatton, wobei man sich der Einsicht auch nicht verschließen kann, daß kein Thier owuivor ist, wa» also auch bei dem Mensche« zu beachten bleibt. Vvel Walcorwonk. (Wir stimmen mit de« Grundpriucip de» vorstehenden Aufsätze« überein und sind ebenfall« der Ansicht, daß ein gewisse« Speisegesetz in der unverdorbenen und unverkünstelten menschlichen Natur liegt. E» ist jedoch zu zeigen, wie die« Gefühl degenerirt ist, denn sonst steht da« biblische Speisegesetz nur in gleichem Range mit den entgegengesichter, der oben erwähnten Völker. .Mehr hierüber in einer beiläufige» Anmerkung zu sagen, wäre ««geeignet. Red.) Kriegs-Nachrichten. Ueber den bei Wörth gefallenen Reut. Ja ff« entnehmen wir einem Berichte de« „ Rcwiczer Kreisblatte«" vom 27. Aug. nachstehende Zellen: Am verflossenen Donnerstag Nachmittag fand hier ein keichenbegängniß unter so zahlreicher Betheiligung aller Schichten der Bevölkerung statt, daß der wohl eine halb« Meile lange Weg vom Bahnhof bi« zum jüdischen Friedhof von der von nah und fem herbeigeströmteu Menschenmenge erfüllt war. E« galt der letzt« Ehre eine» allgemein geachteten und hochgeschätzten jung«. Manne«, de« Eec.-8ieutenant» Adolph Jaffö, welcher, wie bereit« berichtet, in der Schlacht bei Wörth für König und Baterland kämpfend, in »ollster Jugendkraft gefall« war. D« Bemühung« feine« Bruder«, de« Rittergutsbesitzer« und Lieutenant« Sa«. Jaffö, war e» gelang«, die th«er« Ueberrrste de« gefallen« Helden auf dem Schlachtfelde aufzufindm und hierher zu bringst, indem er hierbei durch dm Oberstabsarzt Neithardt Mit dem diesem Herrn eigenen Wohlwollen unterstützt wurde. Auf dem Bahnhof, woselbst die Leiche in d« Traaerwag« gelegt wurde, bildete der Kriegervereiu und da» Militär-Com« mando ein Spalier. Der imposante Zug wurde von zwei Tambour« eröffnet, dmen fich die städtische Kapelle anschloß; hieran reiht« sich die Veteran« und die zur Besatzung zuräckzebliebe» n« Mannschaft« unserer in« Feld auSgerückt« Garnison. Auf dem Friedhofe hielt der zufällig hier anwesend; Rabbiner Brann au« Schneidemühl die Standred«. Da letztere nicht am offm« Grabe, sonde« in der Kapelle gehalten wurde, die von einer harrend« M«ge bereit« vor Ankunft der Leich« omi» pirt war, so war e« Ihrem Refer. nicht vergönnt durchzudringen und die Worte de« ehrwürdig« Her« zu vernehmen. Bei der Einsmkung wurden die üblich« Salven zegeb«. — Der in Berlin beerdigte jüdische Krieger, dess« wir im vor. Blatte gedacht Hab«, ohne dessm Namen zu nenn« (wir halt« nur gerüchtweise davon gehört, und eine Namenverwechselung könnte höchst vnaugenehme Folg« Hab«), heißt Joseph KönigSberger. Derselbe hatte, wie dem „JSr." geschrieben wird, schon den Krieg 1866 mitgrmacht und fich durch sein muthige« und braüb« Wes« in jenem Feldzuge rühmlich hervorgethan. Bei Wörth wurde er am Fuß verwundet; sei« Hauptmann forderte ihn auf, sich auf dm Verbandplatz zu begeben, um fich die Wunde verbind« zu lass«; er lehnte e« aber ab und kämpfte weiter. Kurz darauf wurde er von einer Kugel gettoffm und nach Heidelberg ttanSportirt; dort wurde die Kugel herauSgmomm«, aber nach der Operation ist er im Alter von 26 Jahren gestorben. Seine Mutter, die aa das Krankmbett geeilt war, drückte ihm die Augen zu. Die Leiche wurde, da die Eltern sehr reich find, hirrhergebracht und kam h«te unter „Meine Brüder, laßt un» beim." Und er begann leise, aber feierlich und inbrünstig da« Abendgebet anznstimmm. Die Versammlung antwortete in derselbm Weise. E» war ein fremdartige«, feierliche« und ergreifendes Schauspiel, diese betmd« Männer mit dm bleichen, emstrn Gestalt« abgeschieden von aller Welt zu erblick«, ring« umgeb« von Geheimniß und Finsterniß, Gefahr und TodeSseindschaft. Da« drohende Gewölbe, da« sich über ihn« befand, war gleichsam ei» trme« Bild der Gefahr«, die ohne Unterlaß über ihr« Häupte« schwebten; aber wie ihre Gebete trotz der Felsen zum Himmel emporstiegm, so glänzte die Reinheit ihres Glauben« vor dem Her«, sogar unter dm äußeren Eeremonien eine« an»! de« Cultu«, der in ihr« Aug« al« Götzmdienst erschein« mußte. Jetzt beugt« sie sich unter der Hand de« Höchst«, die schwer auf ihn« lastete; aber ihre Kraft wurde durch die Größe -der Opfer, die sie bracht«, merkwürdig gestählt; sie fühlt« ihre Größe in d« schrecklich« Gefahr«, dm« sie muthig die Sti« bot«, um noch einmal die Vorschrift« ihre« wahr« Glauben« zu erfüll«; und sie warm stolz darauf mitten k« Elend, sie, die w«ig« Unglücklich«, trotz der-Matte« und Verfolgung«, Gott nach sein« Gebote» zu verehr«,'- «st Verachtung der «Schetteehanfm-ihrer unzähltz«, allmächttg« fanatisch« Feinde, ^Höv-wwevsöhnlichmar« BttfolMg, >,hue Erbarm« bei der blutigen Strafe. Als da- Gebet zu Ende war, nahm der Mönch da» Tuch ab, wandte sich um und bedeutete die Anwesenden durch ein Zeichm, daß er sie sprechen wolle. Alle schaarten sich schweigend um ihn, und Enriquez redete sie halblaut folgendermaßen an: „Brüder, ich habe Euch hierher komm« lass«, um noch einmal daS hohe, aber allzugefährliche Glück zu genieß«, Gott in Gemeinschaft mit Euch nach dem heilig« Gesetze anzubet«; aber ich wollte Euch auch von unserer jetzig« Lage in Kenntniß setz«. Beherziget diese Wahrheit Niemals war« unsere Gefahren größer, alS sie jetzt zu wert en dröhn! Vor wenigen Tag« sagte der Großinquisitor Molina zu mir: „„Die verderblich« Lehr« de» Mönche» von Wittenberg mach« unS viel Sorge, und wir bedürf« unseres ganz« Ansehens, um die Ketzerei« mit Erfolg zu bekämpfen, die der Hölle entsprungm find, um dem Teufel Scelen zu gewinnen. Wir habm seit einiger Zeit auch die Reuchristen vemachlässtzt, die doch immer noch im Verdacht deS Judaisirentz stehen. Abersie mög« sich nur nicht täusch«; wenn die Inquisition auch nicht alle« auf einmal thun kan», so wacht sie trotzdem ohne Unterlaß über die Juteress« deS Glaub«». Und wenn diezahlreichen Prozesse gegen die Anhänger Luther« beendet sein «erd«,'- werben wir uNftte Aufmerksamkeit von N«em auf die ande« Feinde'- der heilig« 1 ' r.,:, njn:t