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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-09-14 · 37 (14.9.1870) · p. Seite 302

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
37 (14.9.1870)
Date
1870-09-14
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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302 Aber lesen denn nicht unsere Glaubensgenossen in dem Lande, welches jetzt im Kriege mit unS begriffen ist, HM dieselbe Hastara? WaS na» stohe Botschaft ist, ist ihnen EchreckmSkunde — glaubt Ihr, da« GotteSwort sei n»r einseitig wahr!? Nein! Auch zu ihnm sprich!' die Haftara. Sie ruft ihnen zunächst steilich zu: t51» 19'?.) »Zwiefachehat dich betroffen, Verderben und Sturz, Hur zer und Schwert. Deine Kinder liegen veflchm achtend an den Ecke« der Straßen,' wie «in umstrickter Hirsche — von Feinden umstellt, feiler Gegenwehr Mehr mächtig. Aber tröstend fährt die GotteSstimne iort: (D. 21—23) »Darum höre die», unglückliches Land, stv t«^> mXH du trunkene«, doch nicht von Wein!' — Land, da» man berauscht und betäubt, dessen Sinn man verwirrt hat durch Lug und Trug — »So spricht dein Gott, der Ewige: ich nehme au» deiner Hand den Taumelkelch, dm Beche: meine» Grimrres, du sollst ihn nicht länger trink«, und ich gebe ihn in die Hand deiner bi»- herigm Gewalthaber, die dich> dahin gebracht, daß man nun zu dir spricht: bmge dich, daß wir über dich hinweggehen, dm Fuß auf deium Nackm setzm!' So wird der Ewige in Bälde ganz erfüllen da» große Wort, welche» dm Anfang der Hastara bildet: (81,12ff.) creruo «in o» 1« »Ich, ich bin», dermch beide tröstet!' Hat er zuerst un» frei gehalten von jrxcn non »der Wuth de» Dränger», der da gerüstet stand un» zu verderbm — wo ist jetzt die Wuth des Drlager»?' — so wird er auch jmm zurufm: »Der Geschloffene wird bald erlöst, wird nicht sterbm im Gefängniß, nicht wird si'hlm sein Brot.' (B. 16) *733 ■fTVTO Im Schattm seiner Hand berge er seine Kinder alle, DW pflanze not in allen Landm de» Himmel» Friedm 10^ und gründe neu die Erde und spreche zu Zion: mein Volk bist du nrw ’cy |r«6 Sie Jpeisegesehe der Mensche«. .17. August 1870. In Ihrer Wochmschrift vom 10. d. M. ist die Aeußerung de» Herrn M. Dt. referirt: »Sie sind ein zu gebildeter Mann, i al» daß-^ie noch an solche Sachen wie Koscher und Trefa > glaubm sollten.' Die bezeilhnete Nummer kommt mir hmte zu | Gesicht, und gestern habe ich »achstehmden Aussatz niederzej I schrieb«, um Ihnen denfelbm in ruhigerer Zett mit der Bitte zugehm zu lassm, ihn «wfzunehmen. 9$ scheint »ir heute, daß ich nicht zöget» soll». — Ich kam, versichern, daß ich die betref-! sende Idee Mehrfach Nichtjudm gegenüber mtt ganz durchgreifender Wirkung für die Auffassung «nd beste Würdigung! der jüdsschm Speisegesetze geltend gemacht habe. E» ergiebt sich al» ein Naturgesetz, daß Niemand au» der Zahl der Mensch«, e» sei denn in bitterster Hungerluoth, »unreine Thiere' verspeiset. Dean e» giebt kein un» bekannte-, irgendwie civilisirte» Volk, welche» nicht gewisse Thiere und Speism al» zum Effm unzulässig zurückwiese, oder doch die heftigste Schm und dm widerwillkgstm Ekel dabei empfände, j währmd andere Völker diese Dinge unbefangen essm. Die Speisej gesetze der Bibel, Speisegewohnheitm der Judm wider »unreine Thiere' und folgeweise wider »unreine Speism' wiederholen sich al»'Naturgesetz bei allm Völkern; nur betrifft da» abwechselnd die verschiedmartigstm Thiere und Speism. Ohngefähr 600 Millionen civilisirte Chinesen, Japaner, Siamesm und Stammverwandte gmießm weder Milch, Butter oder Käse, «och Rind¬ oder Kalbfleisch, sonst aber ziemlich Alle» und Biele», wa» un» ganz abscheulich ist. *■ ' Damit hängt wohl zusammm, wa» der Maker Hildebrandt in seiner »Reise um die Welt' berichtet (3. Band, pag. 97): »Da» Nationalleiden der Ehiuesm ist der Bandwurm» mit welchem Alt und Jung dort behaftet ist.' Da Ratten, Regmwürmer, Schweine u. s. w. dort allgemeine VolkSaahrung find, dürste e» an Trichinose wohl auch nicht fehl«, welche dm Judm, nach Jes. 66,17, bekannt gewefm ist, indem dort Schwein und Mau» al» Träger mörderischm Gewürm» gmaant werdm und e» jetzt sicher ist, daß Rattmgmuß da» Schwein mtt Trichinm bevölkert. Da» Vernünftigere also in dm Speisezesetzm habm die Judm, indem von Säugethierm nur eine Kategorie, die Pflanzmsteffer, der Verfpeisung (Assimilirung) anheimzegebm bleibt. Da» Pferd ist auSzeschloffm, weil dessen Schweiß, widerlich dünstmd, e» verdächtig macht, und dürfte da» Verspeis« der Wiederkäuer- Huffpalter allein noch sonst wohlbegründet erscheinen. Al» leitmde Idee ergiebt sich dabei die Absicht, den menschlichen Organismus durch da» Zurückweisen de» Gmusse» von Fleischstessern (carni- Toren) möglichst wenig zur Grausamkeit überzuführen; ihn auch nicht zu inficirm, wo üble» Aroma de» Thiere» die» fürchtm Feuilleton. Z u a n i t a. (Fortsetzung.) In der Mitte der Höhle befand sich eine kleine steinerne Erhöhung, die zur Verlesung des heiligen Gesetzes diente; dort hatte man die einzige Lampe angebracht, die die Seme beleuchtete und ihr unheimliches Licht auf die niedrige Wölbung des Felsens fallen ließ. Um die« Tisch hatten 'ich die Marannen, in der Reihenfolge, in der sie angekommen waren, schweigend gruppirt. Zwei von ihnen hielt« sich am Eingänge der Höhle; jedesmal', wenn ein neu Angekommener eintreten wollte, setzten ihm beide gleichzettiz ein Schwert an die Kehle; der so Bedrohte mußte dann, ohne ein Zeichm des Schreckens zu verrathm, ruhig und leise das Losungswort „Io ammi“ geben, wo nicht, war er ein Derräther und mußte sterben. Jndessm fand sich ein,' gewisse Anzahl von Marannm in der Höhle vereinigt; hier begeznetm sich nicht nur Fernando und DiegoS Frmnde, fondem auch andere ihrer GlaubmSgenossm, die rt verschiedenen Städten Arrazonien» zerstrmt wohnten, hattm die, Umstände bmutzt, um sich in Eiaragoffa zu sehm und sich dann in dm „Ruinen" mtt ihnm zumGeietezu versammeln. Da warm Adelige, Bürger, Männer aus dem Volke, Handwerker, Mönche, auch einige Dimer der Jnquksitton. Sie unterhielten sich mit leiser Stimme. ES war schon lange her feit der letzten Versammlung. Biele, die in derselben anwefmd gewefm waren, fehlten heute. Die einen hattm Spanien verlassen können, sie waren die Glücklichsten; andere hatten nicht zu kommm gewagt; einige waren gestorben, andere warm in die Hände der Inquisition gefallen und als Märtyrer für ihren Glauben umzekommen; manche schmachteten in den Gefänzniffm, ihr Loo» war Folter und Scheiterhaufen. In diesem Augenblicke wandtm sich Aller Augen nach dem Eingang der Höhle; Bruder Enriquez trat soeben ein. Er näherte sich langsam der Gruppe, begrüßte die Anwesenden durch ein stummes Zeichen, und alle schaarten sich um ihn mit einer gewissen Ergebenheit. Enriquez hatte sein Kreuz abgelegt, er mtfemte einm Stein unter dem Tische und holte ein Gebetbuch und ein weißwollmr» Tuch hervor; die andern Marannen nahmen eben solche Bücher aus verschiedenen Verstecken, währmd zwei von ihnm einm Stein von der Felswand herabgleitm ließm, hinter welchem nun eine Nische zum Vorschein kam, die zur Aufbewahmng der heilig« Gesetzrollm dtmte. ' •' -1 Enriquez hüllte sich in da» weiße Tuch und sagte mit ernster, tiefbewegter Stimme zu dm Umstehend«: ' '

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