Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ni 87. -1870. 1. Jahrgang. für die religiöse» ««d soeivle» Interessen deS Jndenthnms. Erschit»« jeke» KttttWoch. Peel« dterttljLhrUch 20 Gtlkergrasche«. 9afnti»»«gt«*f( fltl M kreitpaltig« PetiPelle ttot km» Kam l'/^egr. Beraatwarrlicher KfkatMr mk HaumBgeb« Rabbiner Dr. A. Ire«Ufet» in Stettin Bre-lau, 14. September 1870. Za keztehe» t«ch all« B»chha»kl»»g«» »ak Patzanftalteu. ta Wt Gchlettee^ch« Ktt4|aakbag (H. Gkotsch) t» Bn«la». Anhalt. Sfitrak« Nrttkelr PraphetrnMart« mk Zeltereigulss«. Lt» «prtfegesetz» der Dtensche». Krieg« »Nachricht«. Aeuilleü«: Inauita. — Ca» Kmaakt». Vertcht« »«k Lrrrrsvaakenzr»: Deatschlank: vttliu. Frankfarr a. M. Sone«. Kam Mai». 0,»»rr«ich: Ungarisch-Brak. Kiekm-Uagar». »«mischt« u»k »«»«st« Nachrichte»: Pari«. Part«. Waba». «ew-vart. Atevtarkertcht. »rirskastr». Natiz. vertchtigrag. vara»»«»»Liste. Inserate. Prophetenmorte «nd Zeitereignisse. Früh Morgen« am verwichen«» Sabbath (0DVV, 8. Sept.) durchflog, wie unsere Leser wissen, die Nachricht von der Gefangennahme Napoleon» di« kutsch« Städte. Al« die Stund« de« Gottesdienste« gekommen wir, hatte noch Niemand unter ua« eine Ahnung von de« Geschehenen vir waren in der Synagoge versammelt, da« Schach« rtthgebet ging zu Ende» da kam dt« Wundermähr in da« Gotteihau«, fie drang durch die Wände, flog durch di« Fenster; tausendstimmiger Anbei ruf lönt« hier von der Straße herein, dort von dem nahen freien Plage herüber, von der Schuljugend, welche, entlasten, jauchzend die Botschaft aulrief. Eintreten de brachten die Kunde, fie bligt« au« jedem Auge, ging flüstemd durch die Reihen Di« Vorlesung au« der Lhora bietet der Beziehungen auf den Krieg so viele, doch werde« wenige fie beachtet, wenige überhaupt aufmerksam zu gehört haben; »nicht jeden Tag «reiznet sich eia Wunder/ und der Moment verlangt sein Recht. An jedem Blicke glaubte ich die Aufforderung zu lesen «nd iä> vernahm sie auch in mir selbst: »Gieb de» un« durchwogenden Gefühle« Ausdruck!' Wa« sollte auch der Vortrag, den ich vorl>ereitet hatte? So folgte ich den Eingebungen de» Augenblick« und sprach etwa Folgende«. ■wao onnn bvrmino »Wie lieblich find auf dm Bergm dt« Tritte de« Frmdenbotm, übv JPtX'U der da verkündet nahe Friedm« «Wiederkehr, 21V "VOD der gute Botschaft meldet, rpw 1POBHO Sieg und Heil verbündet!* (Jes. 52, 7.) Ich weih, an welche Botschaft ihr in diesem Augmbltcke dmkt, woraus ihr hmte diese Worte bezieht. Ja, von fernm Bergm her ist un« ftohe Kunde gewerdm, weckt jnbelndm Widerhall in Milltonm Herzm, Sieg ist gemeldet und Hell, vor allem übv Hoffnung auf Frieden«»Wiederkehr. Und wir, die wir gerade in dem Hause unsere« Gotte« versammelt find, wir bringm ihm lobpreismd die Opfer unsere« Danke«, weihm ihm betend unsere iantgftm Gefühle. Wie trefflich paßt zu diesm unserm Gefühl« da» Prophetmwort! Und sehet, ich Hab« e« ja nicht ««gewählt, e« ist ja der hmligm Haftara entnommen. Welch et« Wink, daß wir e« recht versteh« und wohl beacht«. Dmn fteüich e« knüpft ja nicht au da» Eretgniß de« Lage« an, gründet und bezieht fich nicht aus neue Zeitung, wir haim e« ja in jede« Jahr an diesem Sabbat gelesm; nicht für ein« flüchtigen, wenn auch wichtig« Augenblick hat da» Wort unsere« Gotte« Geltung. So richte ich eure Aufmerksamkeit auf de« Verse« Schluß, *pr6K "(m "OH bie Botschaft spricht: »Dein Gott, o Zion, regiert die Welt!' I» Gerechtigkeit waltet der Allmächtige, richtet dt« Völker, wägt ihre Gejchicke, hebt und stürzt «ach seinem Recht«spruch ihre Herrscher. Langmltthig ist er, lange ist sein Arm erhob« gewesm, ehe er zum vernichten» den Schlage sich senkte. Nun ist gestürzt von seiner schwindeln» dm Höh« der Mann, der zwei Jahrzehnte ntchr nur ei« große« Volk regierte, sondern auch eine» Erdthrtl« Geschicke zu leitm schim, destm Winke« in Krieg und Fried«, zu Krieg oder Frto» Veit, Million« gewärtig «arm, an destm Blicke, an best» Munde Million« hing«, um zu lausch«, ob Frmndschast und Wohlwollm, ob Unwille und Zom sein Herz bewege. Zwei Jahrzehnte hindurch sich stützend JWP3 auf Gewalt und Trug, auf Meineid und Mord, auf Täuschung und Schein — und endlich im Nu zerbrochm, zerschmettert, vernichtet — wie ich, anknüpfmd an da» «kV ’V gelesene Prophetmwort, schon nach dem erst« Schlage, der seine Macht getrost«, «» euch andeut« konnte: »Er macht Fürst« zu Nicht» — noch hat ihr Stamm nicht Wurzel gefaßt, da haucht er fie an, fie verdorr«, der Sturm trägt sie wie Stoppel davon!* (Jes. 40, 28.) Ja, wir erkenn« Gotte« Walten, er läßt den Frevel nicht ungestraft, sein Gericht vollzieht sich doch. Mag noch so oft und immer wieder n«e Welkheit, auf augenblickliche oder lange Erfolge schaumd, da« Wort unsere» Gotte« für veraltet erklären, auf er» träumter Höhe neuen Zeitbewußtsein» und fortgeschrittener Erkmntniß sich erhabm dünken über die ewigm Lehren und die unabänderlich« Gesetze Gotte«, die Grundsäulm der Welt — da» Wort bleibt doch ewig wahr, e« spricht: Dein Gott, o Zion, regiert die Welt! W 'Dp im »Darum*, heißt ti vor dem Verse, mtt dem ich begonnen, »darum möge mein Volk meinm Namen erkenn«', J«rael der Lehre treu verbleiben. Wi: mancher Israelit« überhebt sich doch in seinem Glücke, in seinem Wohlstand« und stimmt ein in de« Tage« Redm von veraltetm Satzung«, von einem alle« längst bester wistenden Geschlechte. Wahrheit ist unveränderlich l Da« Gebäude der Lüge, wie fest fie e« gegründet und mit allm Künstm und Erfindung« der Zeit, dm heilsam« wie dm verderblichen, gestützt, wie klug fie auch alle Fortschritte der Bildung in ihr« Dimst genommm Hab« mag — f» bricht zusammen über de« Erbauer» Haupt und wir les» dann uralte prophetmworte, H möchte ua» bedüuken, al« sei« fie in diesem Augmbltcke gesprochen und aufgezrtchuet!