Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 36 (7.9.1870)
- Date
- 1870-09-07
- Page
- Seite 297 (sequence 5)
- Language
- German
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297 giebt: Triftet mich, mich triftet, «et» Volk! spricht der Ewige, Euer Gott. 3a, dei« Himmel! tiostbedürftig wäre, recht sehr trostbedürftig wäre der Allvater, der feinem Volk« die „ewig flammende kehre" vom Staat hat gegeben und vererbt, so diese kehre von 120 Deputirten zum Emgrefse in Ungern (so viel betrug in runder Lumme die Majorität der Versammlung) sie — gerade wieder nur N221 *7’TO — „mit teuflischer Vehemenz" absorbiren könnte oder wollte, — und noch trostbedürftiger wäre der ewige Gesetzgeber, wenn die in Pest versammelten rrbv nvto zu Seinem Cotpns jnris dm Eommentar schreibm, für dm weltmtragmdm Atla» Seine« Riesmbaue« die Herkule»- schultern hergcben müßtm. Gmug von dem! Ich wollte nur dm Standpunkt kennzeichnen, dm der Sprecher jene« „offenm Worte«" im Allgemeium einnimmt und wie er so ganz ähnelt einem ehemaligm Congreßmitzliede au« der Minorität, da« in seiner kemgesunden, kugelrundm Behäbigkeit in einer der größten und ältestm Ge» meindm Ungarns den Titel Prediger weit lieber hört, al« dm de« Rabbi, dessm beim Bankette im Februar 1869 in Pest der Toastsprecher aus Baja mit dm?8orten gedachte: „Ein Hoch dem Mann' mit seiner Sphäroide, da« er mit sich durch« liebe Leben trägt, der stet« gepredigt: Friede, Brüder! Friede! und tüchtig un« dabei in« Antlitz schlägt." — Nein! Da« sind sie nicht, die Therapeutm für dm schad» haftm Körper de« ungarischen Iudmthume«, da« find nun und nimmermehr die Diplomatm, die „vor Gott und aller Welt" feierlichst constatirm wollen, daß sie »ganz vorzüglich die Anbahnung eine« dauernden Frieden«' wollm. Wir lehnen den Friede» und seine diplomatischen, ja sogar seine diplomirten Vermittler artigst ab; wir sind un« keinm Augenblick bewußt, Krieg gewollt oder Krieg geführt za habm — nicht wir, nicht 400 petitionirende Gemeindm Unzam-Siebmbürgm« und ebmso wmig 32 Männer von Fach, derm rabbiaische Gutachten zu Gunstm der Congreßstatutm in diesm Tagm die Presse verlaffm. Wer so einm gutm Theil der »Friedm«bahubeamten' in Pest kmnt, wie ich sie ebm kenne, kann nicht lange dm stoi» schm Emst bewahren, e« wird ihm überau» schwer »eine Satyre nicht zn schreiben'. 3m »Magyar Zsidö' vom 18. d. M. protestirt ein Bm-Zeew gegm die Legalität de« Vertreter« der orthodoxen Mitglieder seiner Gemeinde — Namen« 8. köwinger Der Mann wußte in seiner Allwiffmheit, daß er am 15. Aug. »erde gewählt werdm zur Versammlung nach Pest. — Während die Wahl erst am lb. August ftattfindm sollte, figurirt er in dem am 11. August au»zegebmm Blatte in der Deputirtmliste bereit« al« solcher. Ist der Mann nicht »klug und weise' .■6un PK nKnrrran m Soweit ich aber dm wahrhaft jüdi» schm Sinn jener Gemeinde kmne, der der weise keop. köwinger natürlich nur nominell und nicht nach Maßgabe anderer Postu» late — angehürt, wird diese seinerzeit dem rechtgläubigen, vorsichtigen Abgeordnetm weder KHODl KT»p noch da« Benesicium der Talmud-Thora für seine unmündigm Kinder an der Gemeindeschule lieblo« versagen.') Zch schwöre unbedingt darauf, daß der Mann für kein einzige« Wort de« vr. 3. 3. Hammerssblaz einsteht. Wmn er noch ungarisch gesprochm hätte, in der heil. Sprache der Orthodoxen! Aber Deutsch? Vermischte und neueste Nachrichten. Die „W. P. Z." schreibt: Einem uns gütigft zur Einsicht gestelltm Privatbriefe mtnehmm wir, daß in dem kleinm Städtchm Samoczyn, Reg.-Bez. Posm, in der verfloffmm Woche die Firma Gebe. Seligsohn (5 Brüder) zu patriotkschm Zwecken an Se. Majestät dm König 19,000 Thlr. baar gesendet und für 1000 Thlr. Hafer an da« nächste Militär-Magazin zu überweism sich erboten haben. Wie». Heber die verhandlungm zur Gründung einer theolozischm Lehranstalt für Israeliten verlautet weiter, daß ein vom CultuSminister zu emmnendc« Special - Comitö da« OrganifationSstatut der Anstalt entwerfen und diese« dann einer Commission von Fachmännern zur Prüfung übergebm werdm solle. An den Arbeiten dieser Commission sollen Vertreter der fünf bedeutendstm Gemeindm Oesterreich« dieSs. d. 8. (Wien, Prag, Lemberg, Krakau und Brünn) und andere Vertrauensmänner sich betheiligm. *) Wir kennen, wie un* jeder glauben wird, die hier besprochenen Persönlichkeiten nicht. Soll aber hier angedenlet werde», daß der Betreffende unbemittelt ist, so ist die» kein Grund ihn sür unfthig zur Gemeiodevertretuag zu erklären. Wir müssen und können dem Herrn Lorrespoadeaten die veriottworttichkeü sür den Satz überlassen. (Red.) glauben« nach Kräftm beitrugm; ei! war die« da« beste Mittel, Neugierige und Spione dauernd fer» zu haltm. Bei Tage ging man bei dm Ruinm nicht vorbei, ohne da» Zeichm de« Kreuzes zu machm, und selbst die kühnstm Männer würdm sich bei Nacht nicht in die Nähe derfelbm gewagt habm. 3n der Tiefe der Ruinm, unter dm eiugestürztm Galerim und dm geborstmm Schwibbogm hielt» die Marannm in einer von der Natur vertiestm geräumigm Höhlung ihre heimlichen Zusammmküufte. Diese Vertiefung bildete einm uuzugänzlichm Schlupfwinkel für alle diejenigen, die nicht genau mit dm Krümmungm bekannt waren, welche ihren Eingang verbargen. Wmn man sich durch den dichtm Gürtel von Gedüschm und Sträuchem hindurch gearbeitet hatte, gelangte man durch eine enge, von einizm verwittertm Sä ulmschäften gedeckte Oeffnung in einm nnterirdischm Gang. Anstatt diesm Gang zu verfolgm, der in ein wahre« Labyrinth au«lief, mußte man sich an einer bestimmten Stelle scharf nach link» wmdm, eine verfallme Stiege, die durch ungehmre Steinblöcke gebilt-t ward, hinauf- und an der andem Sette wieder hinabsteigea; untm angelanzk, befand man sich vor einer Oeffnung, durch welche man nur in gebückter Stelling hindurch geh» konnte; man wandte sich nochmals nach recht« und kam endlich durch einm nmm Gang an den verjammlunz«ort. E« war, wie gesagt, eine Art Höhle, derm Fußbodm vom Felsm gebildet ward; früher war sie beinahe zu klein gewesm für die Marannm, die sich hier zum geheimm Gottesdienst versammelten; aber Auswanderung und Scheiterhaufm hattm in merkliiher Weise die Zahl derer abnehmm lassm, die e« wagtm diesm Ceremonim beizuwohnm, die im kaufe der Zeit immer gefährlicher und deshalb auch stet« seltmer gewordm warm. (Fortsetzung solgt.) ein Doppelgänger Napoleon«. Sonntag Nachmittags war mit dem Oderberger Zuge ein israelitischer Handelsmann au« Polen in Prerau angekommm» welcher im höchstm Grade die Aufmerksamkeit der im Bahnhofe Anwesenden erregte. »Napoleon auf der Flucht'» hieß e« von allm Settm, und Jeder drängte sich heran, um dm interesiantm Fremdm zu sehen, der sich im Waggon einschließm mußte, um sich dm lästigen Blickm der Nmgierigm zu entziehen. Der Reisende soll in der Thal eine solche auffallmde Aehnlichkeit mit Napoleon gehabt haben, daß eS sich viele Anwesende nicht nehmen ließm: E« fei der Kaiser plötzlich in Prerau angekommm. um — wie er bei seiner Flucht au« Metz sagte — die Invasion zu bekämpfen. (Presse.)