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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-09-07 · 36 (7.9.1870) · p. Seite 296

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
36 (7.9.1870)
Date
1870-09-07
Page
Seite 296 (sequence 4)
Language
German
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296 auf den Index zu setzen, und einen Kleru« zu schaffen, bei dem allein alle Weisheit ist? 6. der giNzische« Grenze, 23. August. (Orig.-Eorr.) WaS nickt Alle« Stoff zu Judmkrawallm bietet? Wie jüngst in Lemberg gelegentlich der Landtag«wahlm, hat vor einigen Tagen ein schrecklicher »Judenkrawall' in Tarnaw, wo eine zahlreiche jüdische Bevölkerung ist wie man sagt, au« Meinungs- Verschiedenheiten über den gegenwärtigen Krieg, stattgehabt. (Vergl. unter »Vermischte Nachr.') Ke» der ««tere» Dana«, 24. August. (Orig.-Corresp.) Ich habe lange gesäumt, die Zeder zu ergreifen, und Einige« aus Ungarn Ihnen mitzutheilen, weil endlick die Berichte über vaterländische Zustände innerhalb unserer Judenheit so monoton werden, daß sich kein Reiz de, Neuheit ihnen abzewinnen läßt, und andererseits die Schilderung derselben dmn doch nur mehr oder weniger lokale« Interesse zu erwecken iin Stande wäre. Und gar in diesen Zeitläufen, wo alle Theilnahme an öffentlichen Vorgängen von den bluttriefenden Berichten über Sieg und Niederlage jenseits des Rbeines und der D!osel so ganz und gar absvrbirt wird, bat der Korrespondent ein>!s specifisch jüdischen Wochenblattes einen doppelt hartm Stand. E pue »i inuove, und doch setzt sich me me Feder in Bewegung, weil sie eben auch über Schlachtgetümmel und Schlachtruf und parlamentarisches Geplänkel und Mittailleusenverwüstung, die 7/„ oder doch mindestens s/< der ungarisch-siebenburgischm Judenheit au« den Reihen der Lebenden wegfegen — möchte, berichten muß. Gehen wir gleich in wedin« ros. Kennen Sie Or. I. I. Hammerschlag? Gewiß nicht, oder kaum. Kennen Sie Se. Ehrw. Herrn Oberrabb. Katz aus Deutsch-Kreuz? Geioiß nicht. Doch ssN '2V mm der Mann ist Alterspräsident der Versammlung, ich sage nichts weiter; aber Sie kennen Herrn l>r. I. I. Hammerschlaz nicht? Nun denn, es ward Ihnen an der Wiege auch nicht vorgesunzen im Jahre 1870 die Bekanntschaft mit echten, originalen TurkoS zu machen, und doch ist'S nun geschehen. Darum sei es mir verstattet, Ihnen Herrn vr. Hammerschlag— ich sage absichtlich nicht: in optima form» — vorzuführen. Dieser Dvctor spricht ein »offene- Wort an d e constituireade Versammlung der otthodoxen Judenheit'. — Dagegen habe ich grundsätzlich nichts — so wenic, als dagegen, daß aus dem »offenen Wort' ein 5 Spalten langer Artikel auf gut Quart geworden ist. Denn so ein »offene« Wort' ist allüberall, i» allen Gauen und Winkeln journalistischer vielschreiberei stet« nur fafon de parier. Daß diese« »offene Wort' so gröblich verletzend geworden ist, da« verarge ich schon etwa« «ehr, verwinde e« aber mit frischem Gleichmuth. «l« der bramarbafirende Dichter au« der Provence den bibelfesten, schlagfertigen Immanuel au« Rom unter Anderem ftagte: ,Wa» wirst du sage» dem Hau--Wächter, wenn er auf offenem Marktc seine Stimme hören läßt?' da erwidette der römisch« Poet mit seiner unnachahmlichen Alliteration: vh -JtWti -pcn noA, so spreche auch ich. Läßt man nun dergestalt »Brüdern' gegenüber seine Stimme auf offenem Markte ertönen? Da« wäre »der Schleier der Versöhnung, der über die Vergangenheit gezogen'? Da ist mir der BW mos de« Abimelech noch tausendmal lieber: der hat doch wenigsteneinen guten Klang. Aber Ton, nicht« al« großmäulige« Getön. Da heißt e« gleich im Beginne: »Sie... find herbeigeströmt-da« — überkommene Judeuthum .. zu schützen und zu stützen.' — Das Judenthum bedürfte eine« Schutzes? Wo ist der Feind, der ihm zu Leibe tritt? Wo ist der Feind, meine ich, au« der Mitte der Judenheft hervorgeganzen? Ist'S jener, der heute noch wie vor Jahrtausenden der Erbfeind Israel« dem närrischen AhaSver gegenüber die Jude» in den drei Motten TT« DP IX" charakterisiere, die unauflösliche Einheit des jüdischm VolkSstammes anerkennt und zu Recht erkennt, — oder ist es jener, der in der zu Pest jetzt tagende» sogenannten Eonstituante einzig und allein darechtgläubige Judenthum anerkennt und rechtlich vertrtten wissen will, während die enorme Majotttät aller Jehudim de« gemeinsamen Vaterlandes alaußer dem Verbände deS Judenthum« bttrachttt und erklärt wird, mag diese nun den Congreßstatuten unbedingt anhänzen oder dieselben nur theilweise unterschreiben, oder auch ganz und gar ignottren wollen? Mau muß in der Thal recht gläubig sein, um solche rechtgläubige Zumuthungen für blanko Wahrheit hinzunehmeu. Wie? »Die Majorität de« Eongreffes' hätte »ein Werk geschaffen, mittelst deffm sie die totale Absorption des JudenthumS mit teuflischer Vehemenz ansttebte'? Da« hätte die Eonzreßmajotttät gewollt, und daS hätte sie vermocht, so Ihr »Sendboten Gotte«' Euch nicht dazezenstemmttt? Jetzt» jetzt verstehe ich den gttstvollen Midrasch, der zu den inhalt- 1'chweren Motten de« Propheten: VS U3TU raru die Deutung Jeden, der sie bezahlen konnte, gern zu verkaufm erbötig war. Ansangs wollte er Fernando durch dm Dolch der Sttauchräuber fallen lassm; diese That hätte zwar die beabsiihtigte Ehe verhindett, aber der Vater hätte trotzdem noch bei sinner Weigerung verharrm könnm; es galt also erst deffen Widerstand zu brechm, Diego mußte zuerst fallm. War dieses Hinderriß befeüigt, so besaß der Graf Einfluß genug, um durch Geschicklichkeit und Jntttgum das gewünschte Ziel schnell zu errttchm. 6. Jndcssm warm die Festlickkeitm in Saragossa zu Ende gegangm, und die zahlreichm Pr.vinzialen, die ich dazu eiugefunden hattm, begannen in chre Heimath zurückzukehrm. Alle Landsttaßen und Wege in der Nahe der Stadt waren mit hnmkehrendm Reisenden bedeckt, die sich zur Sicherheit gegm die Ueberfälle von Räubem und Diebm zu größerm Earavanm vereinigt hattm. Eines Abends waren auch Diegos Frmnde abgereift und Fernando hatte ihnm bis vor die Stadt das Geleit gegebm; wie die andern ReHntm schlugen sie die Richtung ein, in der sie nach ihrm Wohuortm gelanzm mußten. Aber wer fit aufmerksamer beobachtete, würde bemekt haben, wie sie zu je zwei bis drei nach und nah die geebnetm Wege verließm und sich in dm niedrigm Gebüjs-m, die die steilen Bergadhänge bedeckten, zu oerbergm suchten. So zerstrmtm sie sich allmählich, die einen nach recht«, die andern nach links, und schimm eifrig ihren Weg fortzusetzen. Aber al« die dunkele schweigende Nacht gekommm war, faudm sie sich in der Nähe der Stadt wieder. Mit größter Vorsicht und mft Vermeidung jede« verräthettschm Geräusches wanden sie sich durch die dichtm Gebüsche hindurch und kämm nach einander au dem längst bekauutm Versammlungsplatz an. ES war eia verlaffmer und verdächtiger Ott, den mau »die Ruinm' nannte. In der That befandm sich daselbst die Ueberreste eines antiken Tempels, der ftzend einer römischm Gottheit geweiht gewesm war; aber die Jahrhunderte hatten diese ehr» würdigm Trümmer mit einer dichtm und üppigm Begttatio» umjponnm, die in dem Erdrttch, welche« nach und nach vo» dem jetzt bloßzeleztm felsig« Gestein herabgeglittm war, Wurzel geschlazm hatte. Allmählige Einstürze hattm noch dazu de» Boden gedüngt, auf welchem nun eine Unmasse hoher Gräser» unentwirrbarer Schlingpflanzm und stachliger Dornmgewächse hervorschossm, welche den Zuttttt zu diesem Otte Jedermann abschnitten. Der Aberglaube verlegte hierher dm Versammlung«» platz böser Geister, wo die Hexm ihrm Sabbat fttem und um SatauaS, ihrm Herrn und Meister, dm höllisch« Reigen tanz«. Die Reuchristm, die sich hier vereinigten, um im Dunkel der Nacht die Gebräuche der jüdischm Religion zu beobachten» warm nicht die letztm gewesm, die zur Verbreüung diese« Aber»

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