Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 36 (7.9.1870)
- Date
- 1870-09-07
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
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-294 beruhigen: wir sind nicht „Marias", wie er glaubt; wir fühlen unS nicht bloß äußerlich mit dem Geschicke deS Vaterlandes verknüpft, wir wußten von Anfang an, daß auch unS eine Niederlage unserer Heere nur Verderben hätte bringen könne«. Im Uebrigen stimmen ustr von ganzem Herzen mit unserm geehrten Hrn. Il.-Eorreipond>mtm auS Berlin lim heut. Blatte) überein: wir kennen, wie im GotteShause, so auch hier, wo wir von und zu Juden reden, feinen Unterschied, keinen Gegensatz zwischen den feindlichen Nationen. Wie wir am vorigen Sabbat gethan. 'o mögen auch unsere Leser innig beten, daß der Allerbarmer die grählichm Leider lindem und bald endigm möge, von denen jetzt zwei der ältesten, größestm und chrwürdigstm „beiligm Gemeinden", Metz und Straßburz, vorzugsweise beimgcsucht werden. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. H. Berlin, 28. August. (Oriz.-Corr.) Einm würdigen Mann haben wir begraben, und unS war er mehr. Heinrich B. Markwald, ausgezeichnet durch Intelligenz, gepaart mit Bescheidenheit, Wohlthätigkeit ohne alle Osteniation, war einer der Wenigm, die in hiesiger Gemeinde mit allen ihnen zu Gebot stehenden Mitteln für die Erhaltung deS überliefertm Judmthums kämpften. Er hatte in feiner Jugend sich mit dem Gotteswert in der Ursprache vertraut gemacht und war deshalb um so mehr Feind der hohlen Phrasenhaftigkeit und der ephemerm Schöpfungen der Neolozie, welche je nach den Zeitströ» mungm tag Gewand wechseln. Es ist für unsere Partei ein unersetzlicher Verlust um so mehr, als leider derjenigen so wmize find, die ein Verständniß haben für die das Judenthum bewegenden Fragm. Ja, eS sieht sehr trostlos aus in unserer Gemeinde, und mit dem Psalmistm dürfen wir rufen: Wir richten unsere Augen zu den Höhm, von wem foi da unsere Hülfe kommen? Sie ttehcn auf der Höhe der Zeit, treiben Politik im GotteShause, die Herren Rabbiner; donnern von der Kanzel gegm daS Volk, welches mit falschen Phrasen von Freiheit und Gleichheit, Kain Feuilleton. Z u a n i t a. (Fortsetzung.) 5. An demselbm Abmd hattm sich Diego, seine Familie, seine Freunde und Bekanntm ebenso wie alle Bewohner SaragoffaS wie gewöhnlich zur Ruhe begcbm; aber mittm im Schweigm der Nacht, als tiefes Dunkel alles verhüllte, Manfcen sich Diego und die Leinen in feinem Zimmer, in der Tiefe deS Gemacheversammelt. Der Mönch war auch da; man hatte ihn in der Abendstunde eingelassen, nachdem mau die Dienstboten für einen Augenblick entfernt hatte. Die schweren Fenstervorhänze waren sorgsam geschlossen und die Thür fest verrammelt; ein weicher Teppich dämpfte daS Geräusch der Schritte; das Erucifix und die Heiligenbilder waren verschwunden; eine einzige Ampel beleuchtete da« Gemach und warf nur ein schwaches Licht auf die Personen dieser stunimen nächtlichen Scene. Fernando und Juanita waren in der Mitte deS ZimmerS, dicht bei ihnen Diego und feine Freunde. Der Mönch näherte sich der Gruppe; er hatte das Kreuz, daS er stetbei sich trug, bei Seite gelegt, und seine hagere Gestalt in ein weiße» wollenes l gleich, keinem andern Volke Raum gönnen will und mit Mord! die Erde erfüllt. Statt Worte de» Frieden« hören wir Schrecken«- j «orte mn non rm ovffl myen, da». Gotte-hauS wird ein Kampfplatz; könne« wir da Hülfe erwarten? Ist eS Aufgabe! des jüdischen Geistlichen, die schon so hoch gehendea Wogen de» Nationalhasst« noch mehr zu schüren? Ist die Synagoge der Platz, zwischen Nationen zu richten, und der Rabbiner dazu berufen, da« Urtheil zu fällen? Inden Synagogen sind i wir nicht Deutsche,.nicht Franzosen, da sind wir Kind« Gotte«. Wir beten für das Heil unserer Fürsten, für da« Wohl unsere» , Lande-, aber nicht sollen wir »och nähren Zwietracht und Haß. Ab« eS ist die« daS bei unS sich einschleichende Pfaffen-! thum, welches, statt das Volk zu «mahne», eS zurechtzuweifen und ihm seine Irrwege zu zeigen, ihm schmeichelt, dem Zeitbewußtsein Rechnung trägt und so den Neigungen d« Menge huldigt, statt ihnen entgegen zu treten. Ich komme von dieser Abschweifung auf den V«storbenen , zurück. Er hatte die rra, daß daS officiell« Rabbinat bei seinem Begräbnisse nicht zugegen war. Nachschrift. Sie haben im vorigen Blatte von Wise'» »demokratischem* Gebetbuch berichtet, in welchem d« »Köniz. . der Welt* durch eine» Präsidenten ersetzt w«den müßte. Nur > d« Wahlakt oder die Wahlperiode scheinen Ihnen Schwierigkeiten zu machen. Warum haben Sie nicht daran gedacht, daß es nicht» Neues unter d« Sonne giebt? O’BHn '‘TN 1 n 2 ’ — und daß daraus Kämpf hervorgeht, ist auch nichts Neue», Ciyz' DD1? TN. Stettin, 31. August. Gestern starb hier eine jüdische Frau in dem Alter von 114 Jahren. Sie hatte hier keine Verwandte und wurde von Fremden liebevoll verpflegt. Die Angabe ihre- Alterberuht nur auf ihrer eigenen Aussage, da sie ab« von der Anwesenheit der Russen in d« Mark während desieben- ' jährigen Krieges noch sehr Genaues zu «zählen wußte, so ist sie wahrscheinlich um noch einige Jahre älter geworden. Sie «• , freute sich bi« zuletzt ziemlich guter Gesundheit, war geistig regsam und obgleich seit mehr«en Jahren erblindet, mahnte sie doch stets Freitags die Hausgenossen »Sabbat zu machen*, da e« ihr Zeit zu sein scheine; sie hatte auch in der Regel sich nicht getäuscht. - Altona, 30. August. <Orig.-Eorresp) Anbei übersende; ich Ihnen einen „Offenen Brief", dem Sie gütigst in d« Tuch gehüllt, wie e« die Juden beim Gotte-dienst zu ttagen pflegen; ein ähnliche» Tuch war üb« dem Haupte der Verlobte» auSgebreitet. D« Mönch sprach leise und langsam, ab« deutlich die sieben vorgefchriebmen Segnungen, und die Umstehenden antworteten jede-mal murmelnd: Gepriesen sei d« Name de» Herrn, Amen. Dann nahm dn Mönch einen Kelch, füllte ihn mit Wein, sprach dm Segm darüb« und reichte ihn dem Bräutigam. Femando nippte daran und gab ihn Juauita, die dasselbe that. Darauf nahm Fernando einm Ring, steckte ihn an dm Fing« de» jungm Mädchm« und sprach mit leis« Stimme die alth«zebrachte Formel: Siehe, du bist mir anzettaut durch, diesm Ring nach dem Gesetze Most» und J-rael». Diese geheimnißvolle Ceremonie, diese um Mitt«nacht, beim zwstfelhaften Scheine ein« Lampe gefeinte Bneinizung gewährte einm traurigm und zugleich «greifendm Anblick. Die ernstm und feierlichen Augenblicke waren in wunderbar« Weise dazu geeignet, dm Anwesenden dm ganzen Schrecken ihr« Lage zu» rückzurufm. Alle diese Männer, die gewohnt waren unt« tau» smd hinterlistizm Feindm zu lebm, die jeden Auzmblick Gut und Blut auf» Spiel zu setzm bereit warm, standm bleich uab tief «regt da; sie drückten d« Reihe nach Juanita und Jemand» schweigmd zum Zeichm de« Glückwünsche« die Hand; Tieg» allein umarmte seine Tochter und hielt sie lange innig um» schlungm.