Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-09-07 · 36 (7.9.1870) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
36 (7.9.1870)
Date
1870-09-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935218--0400-5370114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1. Jahrgang 7i°S6.-1«7«. z»pGeMiseke - Wochen-Zchrifl für Me religiöse« und soriale» Interessen des Z«de«thums. -rsch«i«t jebcs Mittwoch, breit oierteljährllch 20 Silbergroschen. -«sertit—Mssßr fti Mi dreispaltige Petit,eile »der deren ftum IV* «gr. Verantwortlicher vedattsnr and Hrrantgeber Rabbiner vr. A. Aremnfets in Stettin. Breslau. 7. September. 1870. Zn beziehen durch alle Lachhandlungen und Poftaustalten. Anserate»-Annahme i« der Schletter'scheu Buchhandlung (H. Skutsch) in Breslau. Inhalt. Krieg»»Nachrichten. Senilleton: Jnauita. — «t» DoppelgLuger Rapoleou». Berichte und Lvrrespondenzea: Dentschland: Berlin. Stettin, «ltona. vranutber,. Frankfurt «. M. Oesterreich: Wien, von der galipschrn «renze. van der unteren Donau. Vermischte »nd »enestr Nachrichten: Samoezy». Wien. Prag. Taruow. Daruöw. Krakau. Ungarn. Rumänien. Pest. Ofen. Holland. Damatcu«. New-Aork. Sesesrüchte. vemerknng. vertchtignng. vacauzrn »Liste. Iuserete. Kriegs-Nachrichtm. Berliner Blätter vom 21. August berichten: »Heute wurde hier ein jüdischer Soldat mit militärischen Ehren begraben, der in der Schlacht bei Weißenburg gefallen ist, und der, nachdem er bereit» verwundet war, auf den Rath seiner Eameraden nicht härte, den Verbandplatz aufzusuchen.' E» sind uu« jetzt schon( viele Nachrichten über Pen Tod jüdischer Soldaten bekannt ge^" worden, und viele ergreifende Traueranzeigen haben wir gelesen (Gott wolle den tiefgebeugten Elt,wn und Angehörigen der Gebliebenen Trost spenden!). Wenn wir vorstehende Notiz mittheilen, so geschieht e», weil hier in Stettin und so auch wohl anderwärts verlautet hatte, e» sei ein nach Berlin gebrachter jüdischer Krieger, St., mit Of^izterSrang beerdigt worden. Da sich die Zeitungsnachricht höchst wahrscheinlich auf denselben Fall bezieht, so muß jene« Gerücht nicht wahr fein. St. ist auch nicht nach dem Tode zum Offizier ernannt norden. Di« »Jüdische Presse' bringt von einem Noncombattanten einen Brief vom Kriegsschauplätze, dem wir einige Stellen entnehmen: »Ich hatte mich in eine» der zahlreichen Kreuzzäßchm der Stadt verirrt, und wurde da plötzlich von einem am rechten Fuß stark verwundeten, wettergebräunten Achtondfünfzizer mit folgenden Dorten festgehalt«: »Entschuldigen Sie, lieber'Herr, find Sie nicht ein Bar JiSroel?" »Ja wohl, mein Guter!' rief ich auS. »Dann sind Sie vielleicht fo gut, mit mir in da» Hau» da oben zu kommen; mein Freund Josef auS Polzin hat »Jahrzeit' und möchte gerne mit »Minsen oren'. (Aber die -8 er und die Polziner speciell »dawen«'. Red.) Sie sind gerade der Zehnte.* Daß ich sofort diesem Wunsche willfahrte, läßt sich leicht denken. Den wackeren Soldaten — fast lauter Achtundfünfzizern, der« Heimath die Provinz Pos« — flössen gar reichlich die Thränm während der Schmone E-ra. und als der eine, ein Reservist, mit sonorer Gttmme tat „JiSzadal wejiSkadasch" begann, da ward mir. der ich sonst nicht an GefühlSüberströmung« lelde, fo weh umS Herz, daß ich vergeblich nach Wotten suche, «m diese Sttmmung zu schildern. Gestern Hab« wir hier ein« jüdisch« Unteroffizier au» dem Bayerisch« begraben. Bei seinem Sterb« warm mehrere Zehndim anwesend, die ihm die Widui vorsaztm, und in der« Anwesmheit er sein« Geist aufgab. Wir Hab« ihm auf einem kleinen Sandhügel unweit de» Städtchen» seine letzte Ruhestätte gegraben. Bor seinem bei vollem Selbstbewußtfein erfolgt« Tode übergab er einem Camerad« sein Arbe-Kanfek und seine Tefillin, sowie da» Bild seiner treu« Geliebt«, die er als snne kostbarst« Güter bi» zum Tode mit sich führte. Geste« hatte ich zufällig Gelegenheit, ein« pr«ß. Major tat Feldlazarethe längere Zeit fprechm zu könnm, und brachte selbstverständlich da» Gespräch auf unsere GlaubmSgmoffm. Der edle Major — von sonst gut conse«ativer Gesinnung — sagte mir darauf FolzmdeS: „Ihre Glaubensbrüder, lieber Doctor, Hab« sich, sowohl bei Saarbrücken wie bei Wörth, fo eminmt tapfer geschlazm, daß ich nicht zweifle, die nächste Beförderungsliste werde eine bedeutende Anzahl israelitischer Namen in ziemlich hohem Range bringen. Hoffmtlich wird dieS zur Wahrheit werden!" Daß Verthold Auerbach sich bei dem BelagerunzScorpS vor Straßburg befindet, ist unfern Lese« wohl bekannt. — Bon französischer Seite könnm wir nichts erzähl«, da uns n«e Blätter nicht zugegangm sind. Dagegm erhielt« wir ein ältere« Stück de» „Univ. JSr." und knüpf« an dasielbe eine Bemerkung. ES liegt unS in diesem Blatte ganz fem über da» Recht der deutsch« und französisch« Sache zu debattirm, wir find« die innige Sympathie, mit welcher unsere französisch« Collegm ihrem Baterlande zugethan sind, höchst natürlich, und e» kann un» daher auch nicht wunde«, wmn sie in die dort üblich« Phrasm von dem Glanze, der civilisatorisch« und völkerbefreiendm Mission Frankreich« und inSbesondetrseiner Armeen einstimmm. Ja. auch wir selbst wiffm sehr gut, waS wir in früheren Zeiten den Männern von 178V, dm freiheitzlühendm Schaaren der Republik und auch Napoleon zu verdank« hattm; aber eS zeugt von der Einseitigkeit, Selbstbespiezelunz und Verkennung alle« Fremd«, welche Frankreich wesmtlich in» Unglück gebracht Hab«, wmn auch die jüdisch« Blätter drübm so red«, als ob sich seitdem nichts geändert hätte, als ob man noch jetzt durch ein« Sieg französischer Marschälle (von Turco'S und Zuavm gar nicht zu red«) irgmd etwa» Gute» für die Sache der Mmfchheit erwart«, von dem Empire etwa» Nützlichehabe hoff« können. Lasten wir jedock die politisch« Ansicht« de» geehrt« Herausgeber» deS „Univ. JSr." auf sich be«h«, sie geh« unS nicht» weiter an, über Ein» aber könnm wir ihn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.