Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 35 (31.8.1870)
- Date
- 1870-08-31
- Page
- Seite 290 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935217--0396-5370111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
290 H«1 «ch die Brüderlichst kam, sahen wir dt« Familien der. Inden, an« ihren demoltrte» Häusern flüchte ch, bei nn« et« Asyl suche». (B»d.) — Der „Times".wir!» au» Verdun vom IS. geschrieben, daß am Tage vorher in Diedie Leiche eine« jüdischm Gteiugutwaareuhändler«, Namen!« Mayer,' im Gchomstein seine« Hause« erhänzt vorgefunden wurde. Der Unglückliche war der Spionage verdächtig gewesen, und alle seine Waaren-V rrräth« waren einige Tage vorher von der erbitterten £ctbatetfa zertrümmert worden. Berichte und Correspondmzen. Veutschland. Stettin, 25. August. Der Herausgeber diese« Blatte«'hat an die Ministerien de« Cultu« und de« Kiiege« gleichlautende Eingaben wegea Anstellung jüdischer Feldgeistlichen gerichtet, welche, mit Weglassung der Einleitung und de« Schlüsse«, wie folgt lauten: „Während für die im Felde stehenden und die bereit« an ihren Wunden darniederliezmdm Soldaten katholsschm und evangelsschen Bekenntnisse« Geistliche ihrer Confesfion bestellt find, welche da« Heer begleüea, um die Kämpfetiden zu ermuthige«, dm Leidmdm und Sterbmdm religiösen*Trost zu bringm, ist für die jüdischm Soldatm, derm Zahl im Ganzen und besonder« in einzelnm ArmeecorsiS beträchtlich ist, keine diesem auch für fie gewiß tief empfmnmm Bedürfnisse mtsprechmde Fürsorge getroffen. Die Zeit ist zu auSfülirlichm Erörtemngm nicht angethan, fie erfcheinm auch unnöthig. Daß de« König« Majestät Allerhöchstselbst den unter den preußischm — bezw. deutschen Fahnen— dienenden und sterbmdm Judm die Woh'.that religiösm Zuspruch« frmdig gönnm, daß Sr. Majestät Behörden gem die Hand bieten werdm, dm jüdischm Soldatm diese Wohlthat soweit thunlich zuzuwmdm, daran zu zweifeln wird der ehrerbietigst Unterzeichnete sich nicht gestattm. Der Ausbruch de« Kriege« ist so plötzlich erfolgt, daß fich wohl vorher keine Maßregeln in der fraglichen Richtung habm treffm lasfm, jetzt aber würde zu Verhandlungm zwischen dm dabei betheiligten könizl. Civil» und Militärbehörden und jüdischm Geistlichen u. s. w. keine Zeit mehr sein. Der gehorsamst Unterzeichnete erlaubt sich daher einen schnell auSführbarm Vorschlag zu unterbreiten. ES habm sich zwei junge jüd. Theologm, die Herren .... erboten, „ohneAnspruch auf irgend welche Vortheile, pekuniäre oder welcher Art immer", ihre Dimste ihren jüd. Glaubmszmossm im Heere zu widmen. Die.Gmanntm Halm an der Universität zu BreSlau und gleichzeitig an dem dorttzm jüd.-theol. Seminar ihreStudim gemacht und abfolvirt. Sie habm fich an dm Unterzeichneten mit dem Ersuchen gewendet, ihre Bitte in directer «Angabe dem hohm Ministerium zu unterbreiten, da sie „etwaiger Mißdeutungm wegen Bedenkm tragen" dies selbst zu thun. Sie erklärm, daß noch mehrere ihrer Cell«gen bereit feim ihrem Beispiele zu solgm. Es würde also wohl nur erforderlich sein, schlmnigst die fraglichm Herren mit dm erforderlich« Instructionen und Legitimationm zu versehen und was sonst zu ihrer Sicherheit, zur Förderung ihres Zweckes urd zur Beschützung ihrer Ehre al« wissmschaftlich gebildeter und patriotisch gesinnter Männer nöthig erscheint, anzuordnm." — Obgleich wir bei Abgang dieser Eingabe von der Erfolglosigkeit des von Hannover aus geschchmm SchrstteS (s. vor. Nr.) bereits unterrichtet warm, so glaublm wir doch, daß das hier gemachte Anerbieten wohl anzmommm werdm dürste. Wir hattm erwogen, daß eS vielleicht besser fein würde direct an dm Köniz sich zu wendm, furchtetm aber wiederum, daß die Sache dadnrch zu spät znr Erledigung kommm könnte. — Der hmte eingegangene Bescheid (der Leitartikel dieser Nr. war berett« früher gefchriebm) lautet: Berlin, dm 20. August 1870. In ergebenster Erwiederung Euer Wohlgeborm Schreib«» vom IS. d. M. bedauert da« unterzeichnet« Departemmt, von dem Anerbietm, zwei jüdische Theologen, Behuf« Wahmehmung der Seelsorge bei Soldatm jüdischm Glauben«, zur Armee zu smdm, keinm Gebrauch machm zu könnm. Die an sich geringe Zahl von Goldatm Ihre» Glanbm« ist durch die ganze Armee bei dm einzelnm Tmppmkörpem der« maßm verthellt*), daß die Regelung einer besonder« Seelsorge für dteselbm und die Verwendung der von Jham bezeichnet« Persönlichkeit« zur Wahmehmung dieser Seelsorge unausführbar erscheint. Aehnliche von anderm Seit« eingegangene Anträge habm daher au» gleichm Gründen abgelehnt werdm müfsm Kriegs-Ministerium. Allgemeine« Krieg»-Departemmt. Jftfen, 13. August. ES erregt in unserer Stadt mtt Recht große« Aufsehm, daß der Direktor eine« hiesig« köntgl. Lehr- Institut« die Aufnahme eine« Zögling« au» evnfessionellm Rücksicht« verweigert hat. Die .Juden', dmm bekanntlich die Verfassung nicht» in'dm Weg legt, find nach der privat« Ansicht de« Herrn Direktors in diesem höheren Lehrinstitut nur »Ho«pitonten*, für die eigentlich »kein Platz* frei ist. Obwohl der betreffmde Zögling bereit« aufgmommm war, wurde er doch, weil die Anstalt angeblich zu »überfüllt* war, wieder mtfernt. Wir sind in der That höchst neugierig, ob die höher« Instanz« geneigt sein werden, in dieser Frage ebmfall« ein« so überconfessionellm Standpunkt einzunehmen. Nicht nur die jetzige Zeit, in welcher auf dem Schlachtfeld« zwischen jüdischem und christlichem Blut kein Unterschied gemacht wird, sondem überhaupt da« IS. Jahrhundert scheint un» denn doch für Anregung solcher Streitfragen ebmso unglücklich als verspätet gewählt zu sein. (Ostd. Ztg.) Oesterreich. rz. Mi«, 18. August. (Orig.-Corr.) Wie die „Oesterr. Corr." meldet, hat der Kaiser auf Vortrag de« CultuSminister« v. Stremayr die Errichtung einer öffentlichen israelitisch« theologischen Lehr »Anstalt zur Heranbildung von Rabbtnem und iSraelitischm ReligionSlehrem bewilligt und zugleich eine angemessme Subvention aus Staatsmitteln zur Besoldung der Professoren der theologischen DiSeiplinm und zur Dotimng der Bibliothek der zu errichtend« Lehranstalt zugestandm. Wie man berichtet, werden demnächst die nöthigen Vorkehrung« bezüglich der Feststellung deS OrganisationS-StatutS der Lehranstalt, sowie de» OrteS der Errichtung derselben getroffm werdm. Ich habe Jhnm bereits früher mitgetheilt, daß für dies« Zweck von der Regierung 6000 Fl. gefordert, von dem ReichSrath aber (für den Rest deS JahreS) nur 1500 Fl. bewilligt wordm warm. — Ohne Zweifel wird nun auch die ungarische Regiemng mit der Begründung eines jüd.-theol. Seminars, wofür ihr der Lande«- massafonds zur Verfügung steht, Vorgehen. Wmn nun die jetzt zusammentretenden Orthodox« auch ihrerseits ein Seminar, d. h. eine anerkannte Jefchiba verlangen, so werdm wir im nächst« Jahre in Oesterreich drei öffentliche theol Lehranstaltm haben. Lmdnrrns äs riekessvl Farnow, August. Üeber dm bereits kurz erwähnt« Krawall erhaltm wir folgmde briefliche Mittheilung. ES findm hier jetzt ebm die Landtags- und Lürgermeister-Wahlm statt. Unter den hiesigm Einwohnern befindm sich 18,000 Judm, während die christliche Bevölkerung 7-—8000 beträgt; die Majorität habm demnach die Judm, diese aber wollm sich in der Wahlangelegmheit der Christenpartei nicht anschließm. Diese Zurückhaltung *) »Die« Soll ist zerstreut und zerfplitert ("neei ttbo) unter den Böllern» (Lsth. 3,8) — wer hat doch da» schon vor langer Zeit gesagt? Red.