Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 35 (31.8.1870)
- Date
- 1870-08-31
- Page
- Seite 288 (sequence 4)
- Language
- German
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288 höherer Lehranstalten bilden» ei» enormer ist, wie dieerst kürzlich die amtliche Statistik erwies« hat. Die jüdische» Sol-- datm werden ihre Schuldigkei: thna gleich allen, e« werde» auch einzelne sich Hervorthun durch Math oder Edelmuth, Hingebung während oder nach der Schlacht, gegm Freund und Feind. Ed ist nicht partikularistische Ruhmsucht, nicht Neugier, e« ist eine traurige Nothwendigkeit, welch«! gebieterisch fordert, daß das Alle» zusammengestellt, zuverlässig urd genau ausgezeichnet werde. Die Gemeinden wiffm und erfahren alle- Hierhergehörige über ihre Mitglieder. So sorge man, daß es zum Gebrauche bei der Hand sei. ES genügt nicht, daß Zetungm, Provinzialblätter einzelne Notizen bringen, die verweht der Wind. Mögen zunächst di« jüdischen Blätter diese unsere Anregung und Aufforderung sich anetgnen und sie verbreiten. Aber eist noch ein Zweite-, wozu u»S der Krieg ermuthigt und auffordert. Wir haben wahrlich nicht energisch g-nug bisher unser Recht gefordert! Um den einzelnen Asseffor, Lehrer u. s. w., der zurückgesetzt worden, hat man wohl Lärm geschlagen; die Zurücksetzung, die Jznorirunz deS ZudenthumS, namenttich in Preußen, hat man so ruhig über sich ergehen lassen, daß die Behörden am Ende dann Säe glauben konnten, eS fei unS selber so ganz recht. Die Gegenwehr gegm Unbildm, gegen schamlose Angriffe der Presse, der ulttaniontanm wie der feudal »pietisti» schm, ist eine schwächliche gewesen. Höchst seltm hat man ge» richtliche Anklage erhobm, fetter: kräftige biS zur Offmfive vor» gehende Abwehr versucht. Hat man sich geschämt oder gefürchtet? Die jüdischen Ltteratm, die »Preßjudm', haben unS vielfach geschadet; habm sie mtsprechend auch genützt? DaS Wort: „Eure Brüder sollm in dm Krieg ziehen, und ihr wollet müsfig daheim sitzen?" (4 Mos. 32, 6) ist am »Bettage' vielfach angerufm wordm, die Anwendung wird zumeist die zewesm sein: so opfert ihr zu Hause von mrer Habe! Ganz gut, aber wir sprechm eine andere Wendung auS Wie?, tausende mrer Brüder kämpfm, stürmm, blutm, fallm, und ihr wolltet mch fürchtm ein Wort zu sprechen oder zu schreibm, wecheS ein Minister ungnädig auf» nehmm, welches euch eine Preß» Anklage oder in GotteS Namen eine Geld», ja eine Gefängnißstrife — die ja nicht entehrt! — zuziehen könnte? Gewiß, wir wollm nicht zum Provocirm und Streitsuchen auffordern, noch wmizer zu etwa- Ungesetzlichem, aber hier handeü e» sich ja nur um Preßgesetz«, der« Unbestimmtheit und llubestimmbarkri. jedem bekannt ist; vor der Möglichkett einer Anklage schon znrückbebm, ziemt da«, wenn Tausende ihr Blut verspritzt habm!? Und nun erst di« Arm» seligkett, welche durch Bethelligunz an einer Agttatton, einer Petition im jüdisch« Interesse Aussicht auf elmdm Gewinn oder einm TUel einzubüßm fürchtet! Müßte e« dann nicht auch von na« heiß«: Die Lässigkeit der Feder oder de« »orte» ver» derbt, waS da« Schwert gut gemacht hat? Die jüngst« Nummer de« »Univ. i«r.' sagt: ,L«ei Lyoner Ammale find wegm Beleidigung der katholtschm Religion zu Geld» und Gefängnißstrafm verurtheilt worden. Di« tSraeltttfch« Religio» ist in dieser Beziehung noch immer vogelftei. Die fana» ttschm Schriftsteller und Blätter könnm sie ungestraft verhöhnen. Da« Eeittral»Eonfistorium findet in seiner Weisheit stettaufend Gründe nicht» zu thun. Da« ist einfach und bequem.' Da« gmamtte Blatt ist, wir wiffm das, dem Central »Eonfistorium nicht hold, aber diese Klage wird gerecht sei», denn al« Staatsbehörde ist da« Eentral» Eonfistorium nicht unabhängig genug, um energisch vorgehm zu könnm. Al» Privatmann, nicht al«. Mitglied de- Eentral »Eonfistorium» oder gar in deffm Namen, hat Erömieox jmm bekanntm derbm Brief an Loui« Napoleon gefchriebm. Wir in dm altprmßischm Provinzm genießm nicht die Borthelle, so haltm wir un» auch von dm Nachtheilm ftei, welche die Stellung der ftanzösischm Rabbiner mtt sich bringt. Jndeffm handelt e« sich nicht um die Rabbiner. Wft verwessm auf dm Bericht au« Hannover im vorigm Blatte: der dorttge Landrabbiner hat da» Seinige in Betteff der Seelsorge für jüdssche Soldalm (wie in andem Fragm) redlich gethan.. WaS güt die Stimme eine« einzelum Rabbiner»? Die Gemeinden müßtm fordern, daß dem Judm dasselbe werde wie dem Christen, in Krieg und Friedm! Sie „findm in ihrer Weisheit stet» tausend Gründe nicht» zu thun. Da» ist einfach und bequem!" Die» eine Beispiel gelte für hundert andere. Man hat sonst sich darüber geärgert, wmn in Rußland ein jedeL Gesetz die stehmde Clausel mthielt: „auSzmommm die Hebräer." Nun, geschrieben wird daS bei un» nicht — aber ist eS nicht faktisch in hundert Dinzm bei un» ebmso? „Wir aber schweigen, und e« trifft un» Schuld.' (2. Kön. 7, 9.) Jetzt Die Ausführung diese» Plane» machte vor Allem die so» forttge Berheirathung Fernandos mit Juanita erforderlich. Denn sonst hätte die Reise dejungm Mädchen» zu einen Manne, der ihr officiell noch nicht einmal verlobt war, unausbleiblich die Aufmerkfamkett de» heiligm Officium» und feiner unzähligm Spione auf sich gezogm. Aber vor der kirchlichm H.'chzeit-feieriichkeil wollte Diego die jungm Lmte nach dem Gesetze Most» vereinig« lassen. Er wartete schon lange auf eine günstige Gelegenheit, die ihm oerstattete» bei sich einige seiner ReligionSgenosfen aufzunehmm und dies, heilige Eeremonie vornehm«» zu lassen. Tie öffentlichen Feierlichkeiten in Saragossa schufen ihm endlich den langersehnten Augenblick. Die Freunde Diegos warm also nicht nur zu dem Zwecke nach Saragossa gekommm, um ihre Geschäfte und gegen» seitigen Interessen zu ordnm, sonder» and? um all Zmgen bei der bevorstehendm Hochzeit zu dienen. Diese Erklärungen gab Diez) noch am selb« Tage seiner Tochter, und au» diesem Grunde hatte er ihr gerate heute end» lich da» Geheimniß ihrer wahren Religion anvertrcut. (Aorrseyoufelgt.) Sin ungetaufter Katholik. Der „DolkSfreund" erzählt: Dieser Tage meldete sich bet einem Pfarrer der innerm Stadt Wim ei» junger Mann, der in Gegenwart zweier mitgebrachter Zmgm sich für einm Katho» likm auSzab und seinm KatholiciSmu» mit einem Atteste de« Wtmer Magistrat» auSwie», vor dem er seinm Au»ttitt au» dem Judenthume und seinm Eintritt in die katholische Kirche erklärte. Aufmerksam gemacht, daß erst die erhaltme Taufe ihn zu eine,» Gltede der katholischen Kirche mache, sagte er» daß er nicht im Mindestm Lust habe sich taufen zu lassen, fondem sich schon jetzt al» Katholik und al» berechtigt erachte eine Katholikin zu heirathm, da ja auch bei dm Juden die Beschneiduckg nicht mehr strmge gefordert werde, wmn man Jude sein wolle. Der Pfarrer klärte ihn über da» Unstatthafte feiner Meinung auf, allein der unzetaufte Katholik beharrte darauf und verlangte ein Zmgniß, worin ihm der Pfarrer-seine Weigerung, ihn al» Ka» tholikm anzuerkennm und al» solchm mit seiner Braut zu verkünd«, bestätigen sollte. Al» auch die» verweigert wordm war, mtfemte sich der neuarttge katholisch« Christ, und man ist gespannt, welche Schritte er machen werde, um seinm Katholici»» mu» zur gewünscht« Anerkmnung zu bringen."