Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 35 (31.8.1870)
- Date
- 1870-08-31
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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267 wird man nicht mehr lernen.* Aber dar»« verzweifeln wir doch nicht daran, daß für diese» wie für jene» einst wird Kannen der Lag. Diese» unser erste» «ad letzte» Wort in dieser Angelegenheit. » » » Schlußwort der Red. Die Herren H. und B. mögen e» nicht anmaßlich finde», wenn wir glaube», mit wenigen Worten (KTO"0 itcrorb) den Streit zurechtlege» zu können. EonfefstonSloser d. h. allgemeiner Religioaö-llnterricht ist möglich, ist nicht ne«, e» giebt manche Lehrbücher für eine» solche«. Wie nun aber bei jedem Religion»«Unterrichte zwischen dem, na» man Schülern von etwa 11 Jahren, und dem, wa» man Primanern eine» Gymnasium» zu biete» hat, unterschieden werden muß, so gilt dir» auch von dem coufessionSlosen. Die» hat Herr B. nicht genügend auseinandergehalten, und Herr H. hat e» nicht ergänzt. Ein allgemeiner Unterricht über di« allen Konfessionen gemeinsamen Glauben»« und Pflichtenlehren läßt fich Kinder» im zartesten Alter vortrefflich geben und da» Judenthum kommt dabei sehr gut zurecht — die» wird und kann Herr H. nicht bestreiten. Eine Darstellung der verschiedenen Religion»- systeme nach Lehre, Culto» und Geschichte läßt 'fich auf den höheren UnterrichtSstufm geben und ist ersprießlich, gehört aber nickt in die Elementarklafse. Die» letztere wird wieder Hr. B. zugeben. Also vfo »6rtnn TON td Aüfforüerung und Mahnung. Durch ganz Deutschland geht der Ruf: »Da» Blut, welche» in Strömen fließt, darf nicht umsonst vergosien sein!* Waal» Preis desselben gewünscht und gefordert wird, kann keinen Gegenstand der Erwähnung in diesem Blatte bilden. Aber jener Ruf und Wunsch geht auch durch die nicht am Kriege betheiligten gefitteten Völker Europa» und Amerika»; im Namen alle» dessen, wa» menschlich ist, hofft man, daß ein sicherer und dauernder Friede der Preis de» Blute» fein werde. E» wäre gut, wenn wir Israeliten keinerlei besonderen Wünsche und Hoffnungen zu hegen, nicht unsererseits noch die Forderung zu stellen hätten: ,Da» jüdisch« Blut darf nicht umsonst geflossen sein!' Wir habe» aber dazu Ursache, und da» ist nicht unsere Schuld. Unsere Leser mögen bemerkt haben, daß wir, für unsere Person, der Anficht gewesen find, da» AuSspreche» unserer besondere« Wünsch« und Beschwerden solle während de» Kriege» vertagt werden. Wir finden un» jedoch von unseren Mitarbei» tern und Freunden, auch von den Leitern anderer jüdischer Blätter überstimmt und stehen durchaus nicht an, von unserer Anfickt zurüchutretm. Die Forderung, welche ttii: zu stellen haben, ist mit wenigen Worten au»gesprochm: endlich vollständige Gleichberechtigung der Juden und de» Judenthum». Sie bedarf keiner weiterm Begründung. Jeder jüdische Krieger kämpft, und jeder Tropfm jüdischen Blute» fließt für eine dop« pelt heilige und «n» untrennbar verbundene Sache: für da» Vaterland und für da» Recht der Juden. Sa» haben wir nun zu thun? Zweierlei scheint un» zunächst erforderlich. Ersten»: e» muß eine vollständige, zuverlässige Statistik der kämpfenden, der gefallenen und der schwerer verwundeten Juden und eine Zusammenstellung der Thateu, durch welche einzelne Juden fich hervorgethan haben, veranstaltet werden. Wenn ein Jude einen gestohlenen Theelöffel gekauft, oder fich eine» Verbrechen» oder Vergehen» auch nur verdächtig gemacht hat, so »erben Polizeilisteu, ZeitungSreporter und Steckbriefe nicht verfehlen den »Juden' zu notirm. Hier aber werden sie die ReligionSrubrik nicht ausfüllen. Die officiellen Armeelisten, welche über die Religion AuSwei» geben, stehen un» nicht zu Gebote. Wir müssen daran erinnern, daß Bruno Bauer und Wagener e» wagen konnten, den Antheil der Juden an den Befreiungskriegen als höchst unbedeutend hinzustellen, un» Uebertreibung und Anmaßung vorzuwerfen! Unseres Wissens sind nur in drr Synagoge zu Kassel (auch inBreSlau; Anm. d. Corr.) die Namen der 1813—15 gefallenen hessischen (oderKasseler?) Juden und die ihnen verliehenen Ehrenzeichen ausgezeichnet und ausgestellt; die anderen Länder sind auf mündliche Ueberlieferunz, deren letzte Träger bald zu Grabe gehen werden, hingewiesen. Die Zahl der Juden in den deusschen Heeren ist groß — wie groß? — Die Zahl de» moralisch bedeutendsten Theües dieser Heere, der »Einjährigen', ist unter den Juden besonder», unverhältnißmäßig groß, weil der Prorenssatz, dm die Judm unter dm Schülem die Inquisition übemahm diese Arbeit auf eigme Faust. Die Rache war schrecklich: di« meistm der Nmchristm verlorm ihr Lebm; die einm starben in der Tiefe der Gefängnisse, die andem in dm Flammm der Scheiterhaufm. Nur einige mtflohm glücklich nach Frankreich; eine noch geringere Anzahl vermochte sogar im Lande selber der Jnquisitton verborgm zu bleibm. Später verließm sie nach und nach mit Anwmdung der größten Vorsichtsmaßregeln Spanim. In langm Zwischmräumen und mit Benutzung mancher Zufälle, die sie in schlauer Weise herbeizuführm gewußt hattm, reistm sie ab. So gab e» in der Zeit, von welcher wir sprechm, in Saragossa keine anderm Marannm mehr al» einige Mönche in abgelegenm Klöstern, Bruder Enriqnez, dm Secretär de» Inquisitor» Molina de Medrano, und mdlich Diego und seine Familie. Und auch dieser Letztere berettete schon lange seine Flucht vor. Ruhig abwartmd hmchelte er die größte Frömmigkeit; er machte häufig dm Kirchm und Priester» reiche Geschmke und bedeckte die Bilder der Madonna und der Helligm mit kostbarm Geschmeidm. Don Zeit zu ZeU vergaß er auch nicht hie und da liegend« Gründe anzukaufm, um jedm Verdacht eine» Fluchtversuch» vorsichtig zu zerftrmm. Außerdem aber unterhielt Diego eine lebhafte Handel»Verbindung mit seinm Glauben»- geuoflm in aridem Etädtm, von der man in Saragossa keine Ahnung hatte und zu derm Ausführung er so häufig die Dimste der Gardunja nöthig hatte. Er bezahlte ihre Leistunzm reichlich, ohne jemal» zu feilschen; -und dadurch hatte er sich die Gnade und Beschützung dieser berüchtigtm Gmossmschaft erworbm, ein I Glück, da» durchaus nicht zu unterschätzen war. Er und alle die Seinigm besaßm ein Losungswort, welche» allm Gardunja» der Provinz bekannt war, und der Name Diego» reichte hin, die gewalttge Hand der gefürchtetstm Räuber, wo immer man sie traf, schlaff und unthätig zu machm. Während Diego so seine Güter durch Länderankauf zu immobilifirm schim, ließ er in Wirklichkeit dm größten Theil seine» Vermözm» in» Ausland wandem, um sich Hülfsquellm vorzubereitm und im günstigen Augmblick sofort abreisen zu könnm. Aber diese Abreise erforderte die größte Umsicht und Gewandtheit. Der Plan Diegos war übrigens sehr schlau erdacht und mußte, wmn nur einigermaßm geschickt auSgeführt, auch dm gerinzstm Verdacht zersttmm. Am besttmmtm Tage sollte Femando eine Geschäftsreise nach einem der Seehafenplätze untemehmm, wo immer mzlische und holländische Schiffe zur Abfahrt bereit vor Anker lagm. Dort anzekommm berichtete er nach Saragossa, daß er plötzlich gefährlich erkrankt sei; Diego und seine Tochter mußten dann hineilm, um ihn zu pflegen, und so wolltm sie Spanim zusammen verlassm.