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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-31 · 35 (31.8.1870) · p. Seite 286

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
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286 daS »ollen wir ja und find deS beste» Erfolge» gewiß. Ja, der Lehrer soll den Kindern aller Confeffion«. .natürlich auch den mmnonitischon u. s.Zizit, Tefillia rc. vortragen, und wenn er zur christliche» Re'igstu kommt, auch da» Dogma von der Dreieinigkeit in ihrer geschichtlichen Entwickelung darstelle», und wir versprechen un» hiervon die beste» kllefultate für unsere Religion und sür unsere Glaubensgenossen Sie bringen dann noch, .um alle Möglichkeiten zu erschöpfen«, mehrere .Oder« «st Modifikationen, wie ich mst den confesfiouSlosm Religion»-Unterricht wohl gedacht habe» mag, die wohl keine» Anspruch auf ernstliche Besprechung machen. Hören Sie, wie et» pädagogisch gebüdeter Schulmann, Vr. Maaß, Gymnasiallehrer in Sprotta», sich die Sache denkt. 3» einem über mein Programm stch anerkennend auSsprechendeu Schreiben sagt Herr M: .Die ganze Dogmeulehre würde ich au» dem confesfionSlosen Religionsunterricht entferne». Diese bleibt Sache de» zur Lonfirmation, Firmelung, Varmizwah ein tretenden ReligionS-Unterricht» de» betreffenden ConfesfionS-Geistlichen; oder da da» Judenthum keine Dogmen hat, würde un die Stelle der für de» fpecielle» Confeffion«-Unterricht im Chttstenthum eintretmdm Dogmenlehre im Judenthum das C.-remonial- und Rstualgefetz zu fegen fei«.* Sehen Sie, dieser Er« Satz eine» pädagogssch gebildete» Manne« überhebt mich der Beantwortung einer ganzen Reihe von Fragen, die Sie in Ihrer fast nur au» Frage» bestehende» Recmsion an mich richte«. — Die einzige Thatsache» die ich in derselben finde, liegt in Ihren Worten: »ES ist un» beim beste» Willen unerfindlich, wie sich dt. Berfasser die Ausführung feine« Projektes gedacht hat.« 9ha., da» ist Ihre Sache. »Objective Darstellung!« rufen Sie au». .Wo ist wohl da» Tribunal, da» über die strenge Objektivität wachen kann?« Nu», wir find nicht so mißtrauisch, wst wünschen kein Juquifition»-Tribunal, daS über die gute Gesinnung deS Lehrer» zu wachen hätte. Wir würden einem ehrlich« Schulmaune, der eS übernimmt, den confeffionSlosen Religion» -Unteri-icht zu ertheiler, gleichviel welcher Confeffion er angehöre, auf Manneswort volle! Zuttauen schenken. — Sie führen selbst an, daß ich auf die Frage: .WaS soll, wenn confessionsloser ReligionS-Unterricht in den Schulen eingefühtt wird, aus dm jüdisch« Religionsschul« verb«?* die Antwort gebe: Sie haben fich mit dem Unterricht im Hebräischen zu befass«. Sie werdm also selbst zuzebm müsse», daß dieselbm dann aufhörm confessionelle Schul» tz» sein, nnd daß Kind« all« Konfessionen, wen» sie hebräisch lern« wolle», dieselbe besuch« könnte». Und dennoch ruf« Sie an«: .Also so wett wärm »st, besondere Religionöfchnl« »«dm vorausgesetzt!« Und Sie fprechm noch von Sonfuudirnug? Od« versteh« Sie wirklich d« Unterschied nicht? Ihre in d« Receufion dargelegte pädagogische und logische Eapacttät berechtigt zu ähnlich« Vermuthungen. Doch t« Grunde thue ich Ihn« Unrecht, Sie an Dinge wie Logik rc. zu erinnern. Sie kämpf« dm heilig« Kampf für die Religio« und da kommt e» auf dergleichen Dinge nicht an. Darum wende ich «ich endlich zu de« Schlußsätze Ihr« Recmstou, in welche« Sie «n» dm ganz« groß« heilig« Zweck derselbm offenbar«: .Und darum soll hi« ebm constatirt (!) werden, daß wst in unser«, diese brennende Frage betreffende» Bestrebung« auch Grenz« kennen, daß wst nicht dst Toleranz de» Staate» k tont prix selbst um dm Preis unserer Religion aeceptiren.« Da» ist also de» Pudel» Ke«! Sine förmliche Anklage! Kenn» Sie eine Partei im Judenthum od« auch nur Ein» Inden, der da» thu» will? Damm halt« «st e» nicht der Mühe «erth, dst Verleumdung, welche Sie in diesem Schlußsätze gegm un» aussprechen, al» ob «st dst Tostranz de» Staate» selbst um dm Preis uns«« Religion acceptsttm od« forderten, zurückzn» weisen. — vielleicht Hab« Sie auch gar nicht» gegm un» sag« wollen. In dem Gemisch von Zom und blindem Eis« verschwindet dst Klarheit der Anschauung und dst Fädigkeit, dst Gedanke» zum klar« Ausdruck zu bring« 0V2 K"SB JTO mpD hhcb (G und nicht mehr im Staude unfern Idem zu folge», «geht fich d« so in dst 3rre gerathme Recmsmt in Apostroph«, falsch« Behauptung«, ungerechtfertigt« Anklag«. Wohl wissm auch wir, daß uns« Vorschlag noch lauge ein pinm dwiderinm bleib« wird, und lass« un» gem d« Vorwurf gefallen, daß ein solch« Modu» im Religion» - Unterricht, wie wir ihn wünsch«» nstgendbesteht. Müssm doch auch — ai licet parva componere magnis — die Prophet« e< fich gefall« lass«, leid« für WolkmkukukSheim gesproch« und geschri-bm zu Hab«, wmn sie sag«: »Sie werdm ihre Schwert« abstumpfm zu Pflugschaarm, ihre Lanz« zu Rebmessem; Volk wird gegm Volk nicht mehr da» Schwert «heb« und d« Krieg Feuilleton. Inanitn (Fo.lsctzuug.) Nebm Alledem hing die projecttrte Ehe zwischm Fernando und Juanita auch innig mit dem AuSwanderungSplan Diego» zufammm; denn daS war dai Ziel, auf welches alle Marannm loSgingm: sie wollt« dem non dm Schreck« d« Inquisition verwüstet« Lande so bald al» möglich dm Rück« kehr«. Ab« wie viel Vorsicht war erforderlich, um zu diesem Ziele zu gelang«. ES gab viele Marannm, d«en jüdische Abstammung im Allgemein« unbekannt war; denn drei od« vi« Geschlecht« warm dahingeganzen, seitdem ihre Vorfahr« zur Abfchwörung ihre» Glauben» gezwungen Word« war«. Ab« dst Jnquifitton hatte ihre Tradition«, sie v«lor die Nachkomm« d« Neuchristea, wst sie sie ocmute, niemals an» dm Augm und umringte sie mit Spstnm und Angebern. Jed« versuch zur Abreise war ein gefährliche« Eöazestück und konnte die Unglücklich« nur zu leicht erst recht in dm Abgrund stürz«, dem sie um jed« Preis mtflsthm wellten. Die Stadt Saragossa zählte schon fett lang« Zest um noch sehr wmige Marannm in chnm Mauern, obgleich ehemal» ihre angesehmst« Bewohn« Nachkommm getauft« Judm gewesm war«; ab« dst meist« von ihn« warm getödtet Word« od« halt« fich in Folge dn Verschwörung, dst dem berüchtigt« Großinquisitor von Arragonim, Pet« von Arbue», dem sögenwmtm Meist« Epila, einem d« blutgierigst« Dstu« de» fluchwürdig« Torquemada, da» Leb« gekostet hatte, «ach all« Seit« hin z«stt«t. Die u«e Jnquifitstn hatte bei ihr« Einführung, die ungefähr ein Jahrhundert vor dem Beginn uns«« Erzählung stattfand, üb«all und besonder» in A«agonim heftig« Widerstand gesund«. Dst Grausamkettm, die au dm Angeklagten und Berurthesttm verübt wurdm. dst Gütereiaziehungm, dst dm Fu«o» od« dm Gmndgesetzm d« Provinz schnurstracks zuwiderliefm, hatte alle Gemüth« auf» Höchste g«eizt. Die Verschwörung« und Empörung»-versuche emmertm stch imm« mied«; endlich schloff« dst vornehmst« d« Rmchristen, die fich am meist« in ihr« Ehre und in ihr« thtsteuz bedroht sah«, ein« geheim« Bund, deflm Zweck dst Ermordung de» Großinquisitor« war. Sie wollt« dadurch ein abschreckende» Beispiel für alle seine Nachfolg« statuirm. In d« That ftsthm sie Pet« von Arbue» in der Eathedrale selbst »std«; al» e» ab« bekannt wurde, daß dst Nmchristm sei« Mörder' seien, wurde d« bi»h« allgemein verfluchte Peter von Arbue» ei» Heilig« und Märtyr«. Dst alt« Christen, und besonder« d« Pöbel» wollte selb« dm Tod de» Meist« EpÜa räch»; aber

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