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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-31 · 35 (31.8.1870) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ni 85.— 1870. 1 Jahrgang üf |*raditt**iu für die religiösen «nd sociale« Interessen des Judenthums. Irschei« jede» Mittwoch. Preis vierteljShrlich 20 Eiiltergrosche». -»sertto»»«cMft fll Ht dreispaltig» Petitzeil« oder deren Wmn veraatwortticher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. A. Premufets in Stettin. .Breslau, 31. August 1870. Zu beziehe» durch alle Buchhandlauge« und Postaustalte». Küfer «ie». An »ah«« « der Bchletter'scheu Buchhandlung (H. Skutsch) iu Breilau. Inhalt. Lette«»« Artikel: Der cousessiouOlosr ReligiouS-Nuterrich«. (Gckiluß.) Lgtssorderuug uud Mahnung. Feuillet»»: Iuauita. »iu uugetauster Katholik. KrtegS-Machrtchtm. Berichte uud Lorrespoirdeuzeu: Deutschland: Stettin. Posen. Oesterreich: Wie». Darnow. Verwischte und »eueske Nachrichten: Berlin. Mecklenburg. Schwerin Lochen. Kascha». Wien. Prag. Salacz. Italien. Japan. Literaturbericht, »aeauze»»Liste. Iuserute. -er confesfionrlofe zleligion»-Unterricht. Entgegnung von Di. Buchholz. (Schluß.) Diese gedrängte Skizze möge genügen, um den sich dafür interesfirenden Leser einigermafien über den betr. Aufsatz zu orieatirea. Waö sagen Sie nun hiergegen, Herr H.? Bon jene» beide» erwähnten Borschlägen in Betreff des RtlizionS» Unterricht« an der konfessionslosen Schule ausgehend, sagen Sie; »Man muß gestehen, daß derjenige, welcher nicht mit einem dieser beiden Borschläge zufrieden zu stellen ist, ungenügsam und überhaupt nicht zufrieden zu stellen ist. Mehr können und dürfen wir wahrlich nicht verlangen. Entweder den Andern Nichts und unS auch Nicht-, oder unS so viel wie den Anderen.' Ist eS Ihnen nicht bekannt, daß Salomo in seinem berühmten Urtheil auS den Worten TP vb Di 'b CU »den Andern nicht- und uns auch nicht«', die falsche Mutter erkanute? Auch wir sind der Ansicht, daß, wer eS wahrhaft und treu mit der Religio» meint, dieselbe unter keinem Dorwande auS dm öffmtlichen Lehranstaltm verbannt wiffm möchte und gewiß nicht wie ein ungezogmeS Rind fazm wird: Wenn ich nicht» bekomme, darf der Kunz auch nichts habm. Ich bin nun einmal so ungmügsam, daß ich dm ReligionS-Unterricht zu einem Hebel der Humanität machm möchte, und darum empfehle ich dm con» fesfionSlosm ReligionS-Unterricht. Doch nun fangm Sie an, Ihrer Recmfion einm wiffmfchaftlichen Anstrich zu gebm. Die strmg objektiv«, rein wiffmfchaftliche Darstellung aller im Staate resp. an der Schule vorhandmm Religionen, ihrer Sittmlehre und Geschichte mit Bezug auf ihre Urkundm nmnen Sie »relizionSlosm ReligionS-Unterricht.' Warum? Au» welchm Gründm? Sie gebm keine an. Allein bald darauf sagm Sie: »Natürlich wird hier ReligionS-Unterricht mit ReligioaS-Gefchichte oder (!) Religions-Philosophie coafundirt,' natürlich nach Ihrer ebm gegeben« Definition religionslose Religion»-Philosophie, RrligionS-Geschtchte re. Aber da» ist heillose Confusioa der allergewöhnlichstm Denkgesetze vom Widerspruch! UebrigmS ist auch Ihre Anschauung über Religions-Philosophie höchst temerkenSwerth. Wir habm immer gehört, Religion»-Philosophie sei die wifsmschastliche Behandlung der religiösm Idem und die Untersuchung der historisch gegebmm Religionm bezüglich ihre» philosophisch« Gehalt». Rur dm ersten Theil dieser! Doppel-Aufgabe der ReligionS-Philosophie habe ich in meine Definition de» amfessionSlosen ReligionS-Unterricht» ausgenommen. Kmnen Sie aber überhaupt einen ReligionS-Unterricht ohne wissenschaftliche Behandlung der religiösen Idem, also ohne ReligionS-Philosophie? Nun dmn, warum verkündm Sie Ihre HeilSlehre nicht der Welt und machen allem wissenschaftliche», relizionSgefährlichen Schwindel, den man mit den lieben Kinder». »diesen unschuldigen Lämmern', zu höben versucht, eia klägliche» Ende?! Denn ich bin ja nicht der einzige Sünder auf diesem Gebiete. Denken Sie nur, der ganze Protestantm- Verein, der mir, wie Sie sagen, nicht weit genug geht, den Sie aber mit dm Herrm Hengstenberz, Knak und Consortm als da» rvthe Gespenst deS religiösen Radikalismus zu verwünschen scheinen, dem Sie aber trotz alledem einige pädagogische und philosophische Kenntnisse vielleicht doch zugestehm, dieser ganze Protestantenvereia verwirft iu der achten seiner vorjährizm Schulthesm jedm ReligionS-Unterricht der Schule, der etwas anderes als das Wissen und das Berständniß von der Religion, ihrer Urkundm und ihrer Geschichte vermitteln will, und spricht es, wenn auch mit andem Wortm au», was Sie als »eine sehr gewagte, gefährliche (!) und nicht minder falsche Behauptung' bezeichn«, daß nämlich keine RelizionSschule der W.lt eine Schule der Frömmigkeit sein kann, noch soll, und daß der Religionsunterricht der Schule nicht die Frömmigkeit, fondem da» Wissen und Erkennen der Schüler (warum lassm Sie dies« Zwischensatz auS?) al» fein zu ersttebmde« Ziel behachtm muß. Hättm Sie sich ein Wmig umgeschaut in der jüdisch« Welt nach Resultatm de» ReligionS-Unterricht» in Bezug auf die Frömmigkeit, Sie hättmjme Sätze, trotz derm Glfährlichkett und auch wenn Sie die pädagogische Richtigkeit derselbm nicht eingesehen hättm, doch unangesochtm gelassm kraft der überzmgmdm Macht der Thatsachen. Mein Borschlag erscheint Ihn« aber auch, abzesehm von seiner Gefährlichkeit, ganz unausführbar. »Denkm wir un»,' sagm Sie, »ein christlicher Lehrer gtebt sein« jüdisch«, katholisch«, protestantischen uud natürlich auch mennoiritischm u. s. w. Schülern eine strmg objektive Darstellung von Tesillio, Zizit, Mazzot rc. — denn diese gehören doch wohl zur Sittmlehre mit Bezug auf die religiösm Urkundm — zugleich aber auch von dm Dogmen, über di« Dreieinigkeit in .ihrer geschichtlichm Entwickelung.' Run, wir dmkm un» da», wa« dann? Wäre da« in der That so schrecklich, so religion-gefährlich? Gerade

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