Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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282 für den Köniz ein vorgeschriebener Abschnitt eingeschaltet. — Berthold Auerbach, der beim Beginn de» Kriege» in feiner Heimath Nordstetten weilte, erließ von dort au» im »Schwab. Merkur' eine Ansprache an seine Landsleute, die meisterhaft die Lage kennzeichnet. Al» der gefeierte Schriftsteller einige Tage darauf nach Cannstatt kam, forderten Maueranschläge in Cannstatt und Stuttgart zu einer Ovation für den edlen Patrioten aus, und Abends erschien ein unabsehbarer Zug vor seinem Hotel, um ihm den Dank der schwäbischen Landsleute zu bringen. Herr 0r. Tritschler verlieh dem allgemeinen Drange beredte Worte. Auerbach erwidette in einer längeren Rede, die nicht nur die Hörer electrifirte, sondern stinograpHirt auch alle Leser begeistert. Er sagte unter Anderem: Geborener Schwabe sei er durch freie Wahl naturalisitter Preuße; er kenne Norddeutschland und seine Liebe zum Süden, aber dies; Lieb« sei bi» jetzt eine unerwiderte geblieben; jetzt, im gemeinschaftlichen Kampfe, werde da» Liebe«, band festgeschlungm und wrzerreißlich werden. Die Rede läßt sich nicht excerpiren; ich werde beide Schriftstücke Ihnen senden.— Der »Schwäbische Merkur' beklagt den Unverstand oberrheini» scher Christen, welche badische Israeliten deshalb beleidigte», weil »in französischer Jude die deutschen Offiziere entdeckte, welche in Frankreich eine R«rognoScirunz gewagt hatten. Sollte denn etwa die Confessio« den Markstein für den Patriotismus bilden? — Die Confessio» hat nichts mit der Politik zu thun und sollte in keinem Falle so Hervorzehoben werden, wie gesche- Heu. Wer spricht von einen Juden, wenn er Berth. Auerbach hört? wer denkt an einen Juden, wenn LaSker im Reichstag oder in der preuß. Kammer spricht? (Die KreuzzeitungSpattei! Red.) — Unter unsere Freiwilligen ließen sich Joden einreihe». Ein Jude führte einen Prcviantzug den Siege« von Wörth aus« Schlachtfeld zu, um die ermatteten und verwundeten Sieger und Krieger zu laben und zu speisen. — In der Gemeinde Laupheim verzichteten die Schüler der israelitischen Schule auf ihre Erntevacanz und arbeiteten in der Schule unter Aufsicht des LehrerS und seiner Gattin für den Sanität».Verein. Ich berichte Ihnen heute nichts specifisch Jüdisches, nur Deutschevom deutschen Muth, vom deutschen Siez, von deutscher Einigfeit vom Bodensee bis zum balti'-hen Meere. Vermischte und neueste Nachrichten. Liegnitz Die von Herrn Rabbiner vr. M. LandSberg am Bettaze gehaltene Predigt: »Schwert Gottes, wie kannst du ruh'n. da Gott dich entboten hat!' (Irrem. 47, 7) ist in zweiter Auflage erschienen. Spricht diegenügend für den Anklang, den sie in der Stadt (natürlich bei der Gefammtbevölkerung) gefunden haben muß, so erklätt <6 sich auch durch die schön und kräftig ausgesprochene patriotisch« Gesinnung, welche die Predigt durchweht. Kritik einer solchen Gelegenheitsrede ist nicht am Platze, für unsere persönliche Anschauung lodert etwas zu viel kriegerisches Feuer in derselben, doch ist dies individuelle Ansicht. Lostyitz (Mähren). Die »Jüd. Presto' berichtet von Rohheilen, die gegen die dortigen Judm durch die Czechen verübt worden sind. Gelegenheits-Ursache bot die durch die Stimmen der jüdischen Bürger durchgesetzte Wahl eine» Deustchm zum Bürgermeister. Am 9. Ai wurde die dcttige Synagoge geplündert! Die» führt unS auf andere Berichte über Feindseligkeiten gegen Juden, zwar nicht thätliche, aber literarische. Die Etberfelder Zeitung brachte einen bitter boshaften Artikel gegen daS Hau» Rothschild, dem man leicht anfieht, daß nicht die reichen Bankier», sondern die Juden gemeint sind. Der blinde Haß sieht nicht, daß der Parster Zweig jener Familie längst in Frankreich aaturalifitt ist, und daß die jetzt lebenden Mit. glieder derselben Franzosen find; er gebehrdet sich daher wüthend darüber, daß ei« Rothschild in der Uniform der Mobilgarde »gegen sein Land in» Feld ziehe'. Wir haben de« hiesigen Zettungen, welche jenen «rttkel abgedruckt hatte«, eine Berichtigung zugehen lassen, worin wir fragten, ob auch der General von Franyoi», dessen Name und Abstammung ebenso französisch, wie der Rothschilds deustch, »gegen sei» Vaterland kämpfend' gefallen sei. Aber die Feindseligkeit hött nicht auf Berichtigungen. E« ist kein Trost, daß auch die Juden in -rankretch über dieselbe Feindseligkeit zu klagen haben. Die »Azence HavaS' „mit ihrer officiellm Zuversichtlichkeit hat sich (sagt »Rev. i»r.') dazu hergezeben, den Pfeil abzoschießen, indem sie den Klatsch einer bethöttm Menge widergiebt." Dieselbe hat nämliib am 8. August ein Telegramm mitgetheilt, welche» besagt, daß diejenizm österreichischen Blätter, welche sich gegen Frankreich au», sprechen (e« sind die» aber fast alle!), jüdische« Bankier» gehören. Daß der »Uaiver»' gegm da» Zusammenwirken von Katholik« mit Jude« und Protestanten in dem Werke der Pflege Verwundeter u. dgl. eifett, haben wir schon berichttt; wir füg« jetzt noch hinzu, daß in demselben ultramontancn Blatte ein Ka» tholik wirklich schreibt: »Nur um die Ehre de» Lande» aufrecht zu erhalten, hat sich mein Schn unter Juden und Protestanten gemischt.' ES liegt darin also Confequenz*): Juden und Protestanten. Darum merktt e» Euch an, e» wird die Zeit kommen, in der wir im protestantischen Deutschland mit den einseitig Juden-Hastenden ,« reden haben werden. Von Frankreich führen wir dm Leser nach — R««i»ie»! Ja de« Krieges Sturm treibt dm Schlamm vom Bodm an die Oberfläche, der Glanz der Phrase, der Lack der Civilisation hält nicht länger vor, al« der Paradcauzug, der im Feldzug bald unscheinbar wird. In Rumänien also ist die Kammer auseinander gezangm, nachdem sie noch einmal die Ausschließung der Judm von der Pacht der Staatsgüter ausgesprochen hat. Von einem Richter an einem rumänischen Obergericht wird der Ausspruch mitgetheilt: »Es ist mir peinlich, einen Judm in einem Prozeß obsiegen zu lastm, selbst wenn beide Partei« Juden sind.' Der Congreß der Schomre Hadat in N«g«r« hat am 9. d. M. seine erste Sitzung gehaltm. ,Z«r. Közl.' enthält einm offenbar rein tatsächlich gehalten« Bericht, dem wir Folgende» entnehmen: Es waren einige 60 Mitglieder erschienen. Der Alter«- Präsident, Rabb. Katz, eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er die Versammlung ermahnt, Alle» aufzubieten, damtt der Friede in den vaterländischen i«r. Gemeind« wieder hergestellt werde! Friede sei daS Erhabmste und Heiligste, da» die jüdische Religion lehrt! — Domüny beantragt die 15 Mitglieder der VerificationS-Commission zu wählen. Eisler meint, der AuSdruck »VerificationS-Commission' sei nicht anwendbar, und will an destm Stelle dm Ausdruck »AuthmticationS-Commission' gesetzt wiffm. Die 15 Mitglieder der AuthmticationS »Commission sollen vom Alter»-Präsidmtm vorgeschlazen werden. Die» wird einstimmig angenommm, und die Sitzung auf eine Stunde aufgehob«. Der Obmann reseritt, daß die Protokolle von 62 Mitgliedern authmttcirt seien und daß im Sinne de« 8 13 der prov. Hausordnung, nach welchem die Versammlung, wmn 50 Mitglieder anwesend sind, beschlußfähig ist, dieselbe nunmehr sich constituirm könne. Die Versammlung wähtt durch Aeclamation zum Präse« Herm Krau» au» K.-Ladüny, zum Vtcepräfe» Hem» EiSler au» Freistadtl. Präses ergreift da» Wott, schildett di« Situation, in der sich die otthodoxm Judm Uagam» befindm, und weist jede TranSaction auf Kostm der Religion mstchiedm *) Dieselbe Lo-seq-ea» der Drsimum-srohheit hat betamulich eine» sra»- zSsisch« Plnblicißr» auch dagegen Protest«« lasse», da» maa txra*»fete Deutsche ebenso ah« die Landsleute pflege» wolle!