Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
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281 31. 3uli geantwortet, dag es bedauere dem Anträge nicht entspreche» zu können, weil die Soldaten jüdischen Glauben» nur eine »erhältnißmäßig geringe Zahl antmachen und ihre Zer« strennng bei allen Truppen der Armee eunausführbar mache, die jüdische Militär-Seelsorge etatSmäßlg zu regeln. Ist daß Resultat nach dieser Seite hin leider kein erfreuliche-, so dürste doch die gegebene Anregung nicht verloren sein und den betreffenden Behörden die Überzeugung gegeben haben, daß die Juden nicht gesonnen find ihren Glauben zu verleugnen und ignoriren zu lasten. Freilich ist enur die Stimme eine- Einzelnen, aber warum hört man Sehnliche« nicht von den altpreußischen Rabbinern? Warum nicht gemeinsame Schritte? Statt unfruchtbarer Klagen energische» Auftreten, statt deS Winseln« über mangelnde Berücksichtigung entschiedene« Fordern denn« zostehenden Rechte- — und e« wird und muß endlich auch darin bester werden. Berzeffm wir nicht, daß Preußen« Borgehen jetzt für Deutschland, vielleicht für Europa maßgebend ist! Ware e« übrigen» nicht auch angezeigt, wenn denn der Staat un« im Stiche läßt, selbst für die religiösen Vedürfniste der jüdischen Soldaten nach Kräften zu sorgen und entsprechende Eomitö'« zu bilden? Bon den vielen Liebesgaben sollte doch auch wohl ein Scherfleia übrig sein, den Soldaten nfop und wo e« fehlen sollte, auch mitzugeben! Dringende- Be» dürfniß wäre ein »Gebetbuch für jüdische Soldaten im Felde'; woran e« noch gänzlich fehlt. Da« Nöthtgste und Unerläßlichste au« den Pflichtgebeten, daneben aber eine Zusammenstellung der paffendsten Stellen au« dem reichen, gerade für Krieg-zetten unerschöpflichen Schatze unserer Bibel, vor Allem der Psalmen. — Wo Hospitäler am Sitze jüdischer Gemeinden sind, r.ird fteilich jüdische Liebe und Barmherzigkeit die Kranken, Sterbenden und Verstorbene» auch ohne staatliche Beipflichtung «ad amtliche Stellung — nicht unberücksichtigt lasten!*) .wfttte«, im August. (Orig.-Eorr.) Am Vorabende de« von Sr. Majestät dem Könige angeordneten Bet- und Bußtage« gelaugte hierher, wie auch an die Borsteher der andern jüdischen Gemeinden O tfrie«IandS, ein Telegramm von der Landdrostei zu «urich, in welchem die Erwartung auSgesprochm wurde, daß die jüd schm Gemeinden die Aufforderung zur Abhaltung der besonde.m Feier al» auch an sich gerichtet bettachten und demgemäß Anstalten dazu gettoffen haben. Selbstverständlich waren schon vorher Anordnungen gemacht worden, und fand die erhebende Feier im Anschlüsse an den MorgengotteSdirnst statt. Bor der Predigt wurdm Ps. 7 und 35, nach derselben Ps. 72 in Respoasorien, sowie da« übliche Gebet für den König und sein Hau» vom Cantor vorgetrageu. — Die interimistische Verwaltung de« hiesigen Landrabbinat« ist dem Oberlehrer vr. Krone, in Surich überttage« worden. E. JU» Mürttemöerg, 10. August. (Orig.-Corresp.) Unsere israelitische Ober-Kirchenbehörde hat für alle Synagogen de« Lande« Gebete für die Dauer de« Kriege« angeordnet; täglich werden 5 Psalmen vor dem JHJ »6 yrwi eingeschaltet; am Montag und Donnerstcig wird nach dem Borlesen au« der Thora ein besonderer jun VT gesprochen und allsabbatlich in da» Gebet 1 Sir h-u» bei Einpsang dieser Lorrespoadenz bereit» eine» eigene» Artikel, der dieselben Gedanken «»«sprach, geschrieben, wir lege» ih» zurück, »m bald daraus zurückzutonmen. Ja der Angelegenheit betreffend Mich» Feldgeistliche ist auch von lster au» eia Schritt geschehen, über dessen Erfolg nächsten«. (Red.) Mußt da »och de« Ueberumthe Zügelloser Soldate»ka Ernst »ad mild mtgegentrrtea; Darch die Macht der Ueberredung Deiner Freunde Herz gewinnend Für de» Gram der Ueberwund'aeu, Die da schuld lo«, wehrlo« seufzen Unter scharser Kriegelgeißel. Du, al» Jude, sollst st« lehren I» de« Feind de» Bruder lieben Und in jedem Meuscheawesen Gott den Vater Aller ehren. Seist ihnen unablässtg Ans da» letzte höchste Ziel hi», Da« die Menschheit, anr verbrüdert Und in Liebe einst verschmolzen, Kana erreiche», »iveaa der Schöpfer »vlnt'gea Kampf an'» Erdeneude »Lang baaaet, Schlachtgeschoffe, -Speer »ad La»,' »ad Kriege«»vagea »Bricht nnd in di« Flammen schleudert;») »Senn di« Sahrhett Schild »ad Panzer») Und wenn Vater Jakob« Losung! Al» der einz'g, Krieglnis schallet: -Hört, mei» Schwert ist fromme» SLuscheu, > »Und mein Vogen ist die Bitte;») i -Kein« Waffe schwingt «i» Volk mehr, »Lern,» nicht da» KriegMhandwerk.««); Siehst und ebrst Du schon i» Jedem. > Ohne Unterschied de» Stamme», Sie de« Glauben», eiaea Bruder, Sollst Da gleichwohl i» dem Inden Doppelt de» verwandte» schätzen Und von chm de« Kriege» Unbill Mir gesteigerter vesorgaist Fernehalten uud erleichtern. »Zwiefach leiste», doppelt leiden.» Ist die Lrbschasl, die vom Bruder Linst stch miser »eltervmer Mit der Lrstgebnn erkaufte; Den» von jedem Mißgeschicke Fühlt der Jade Schlag aad Rückschlag. Zweimal sagt Jesaiä» »tröstet, »Da er »wei,ach hat zu büßea: »Lr bedars de« Tröste» doppelt, »Seil der Herr ihm zueriannte »Zwiefach stet» da» Maaß der Thränen«).» Brach die Pestilenz verheerend Ja de» Lande« heitern Frieden, Hieß e«: Sicher hat der Jude Unsre vrunaeu als vergiftet I Und »bschoa auch er beweinen Maßte manche« theare wese». Da» di« Seuche ihm entrissen Ach, «a» hals e«! arg verfolgend, Onältrn Haß and vorurtheile Mir der Pest ihn uw die wett». Zwiefach flösse» seine Thräae», Und er brauchte doppelt Tröstuag . .. Hat der Himmel seinen Regen Und die Lrde ihre» Segen Rauh versagt dem Fleiß der Menschen, Daß der Huager sein gespenstisch Bleich entstelle» Antlitz zeiget; Heißt «* wiederum: der Jude Spetuliret auf den Mißwach«, Durch Setreidewucher schraub» er Höher an» hiaauf da» Llend l Mag auch ihm da» Mark vertrocknen Harte Roth, muß er daz» »och Alldi« Suth der rohen Menge Uedrr stch ergehen laffea, Doppelt darum ttofibedürftig. — Und eaifeffelt seine Schrecken All' der Krieg, mit Schwer« und Feuer Segca»flurea wild verwüstend, Zischeln -Ubald die Verleumder Tückisch: Ja zewih. »er Jude Macht den Späher und Btrrätherl Und obgleich omh jüd'sch» Her?» Auf de» Schlachtgefilden bluten. Ob da» Ungemach de« Kriege« Auch auf un« mag bleiern lasten; Doch gesellt zu dem de» Feinde» Sich der Druck der Uaserigeu. Darum »tröstet» zweimal — »tröstet!» Drob, mein Sohn, magst Du di« Sorgfal: Und den Eifer, den Du Allen Hier in diesem hartgeprüften, Heimgesuchten Laad willst weihen. Noch verdoppeln für die Sohlsahrt Deiner alten Stammgen offen I Du vermagst dann, so kerschwisternd Krieglgebot der Pflicht de» Juden, Tanseudfältig zu vergüten Un» da» Drangsal, da» Du tapfer Treugehorfam helfen mußtest lieber imser Lau» zu bringen. Dir dem edlen Feinde darf ich Dann auch meinen Segm geben.« — La der Pforte war der Schamme» Mit den Schlüsseln in den Händen Sarten«müd« eiagefchla'en . . . Plötzlich klingt e« ihm zur Seit«, Raffelnd in'« Mathan-baßester«). Rasch empor fährt da der Alte; Sieht noch durch die Dhllr entschwinden Die Gestalt de» Balmilchome, Und er marmelt schlase»trnnken, HetmwärU taumelnd: Unser Rabbi, Hundrrt Jahre soll er lebe»! Sein J'hirozen nimmt kein End«, Senn stch Gott nicht bald erbarmet. — >) bi« *) Stellen au» der Prophetie. ») Midrasch zu Jes. 40, 1. *) Opf rbüchse.