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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-24 · 34 (24.8.1870) · p. Seite 280

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
34 (24.8.1870)
Date
1870-08-24
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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280 iuIc Mildthätigkeit .für 'tue Tautologie.der christlichen an» ficht. Wie man dabei mit den Juden, mit ihrer so gern gegebenen alS angenommene« Mildthätigkeit, mit ihren reiche» Gabe» fertig wird — und wie die Juden mit diesem Schlage in» Angesicht ihrer Religion fertig werde», mögm fie zusehenl Konti possickevte»! Aber aufrichtig gesagt — haben die Juden nicht vielfach selbst Schuld daran, wenn sie sammt ihrem Glauben ignorirt werden? Sie wollen ja ignorirt fein, fi« wollen beileibe keine Organisation, keine staatliche Anerkennung ihre- Glauben-, keine staatlich anerkannten Vertreter ihre» Cultu-! Wenigsten» liegen die Beweise vor, daß, wo diese energisch unsere Gleichberechtigung vertreten, auch der entsprechende Erfolg nicht fehlt. Der hiesige Landrabbiner ist auf feto Vorgehen von dein hiesigen Ober-Präsidenten beauftragt worden, in dm unter seiner Leitung stehenden LaudrabbinatS-Bezirlm, einschließlich de» Landrabbinat»- Bezirke» HildeSheim (da» bekanntlich jetzt vacant ist), einm außerordentlichen allgemeinen Beitag abhaltm zu kaffen und zu diesem Behuf« die ersorderlichm Verfügungm zu tresfm. Ebmfo ist angeordnet, daß wäbrmd der Dauer de» gegenwärtigen Kriege» in allm Cynagogm der Provinz ein entsprechende» Gebet gehaltm werde. In Folge t-cffm ist ein Rundschreibm an fännntliche Synagogen-Gemeinten der Provinz ergaagm, worin da» Nöthige angeordnet ist. Da» Gmeral-Eommaudo de» zehntm Armeecorp» (VoigtS-Rheetz) hat auf gefchehme Anzeige unter Bezeugung de» Danke» veranlaßt, daß die jütischen Soldaten dem Gotte»dimst am 27. v. M. beiwohnm folltm, der dmn auch hier, wie wohl überall, unter großer Betheiligung stattgefunden hat. Sie berichtm, daß her Grand-Rabbin Isidor seine fran-! zSfifchm Sollegm zur Uebcruahme von Feidgeiftltchm - Stellm I aofgefordert hat. Bon hier au» war bereit» am 20. Juli an I dm Eultu«miaister von Mühler offieiell der Antrag gestellt, bet j dem Krieg-Ministerium zu bewirk«, daß eine dem vedürfniffe! und dm Berhältniffm angemeffme Anzahl von jüdisch« Feld- 1 getstlichm bei der Armee angestellt werdm möge. In der Motivimng war nammtlich darauf hinzewiesen, daß di« jüdisch« Soltatm zum gemeinsamm Gotte»dtenste keine Gelegmhrtt haben» zur todekmuthigm Weihe vor der Schlacht *), wie, so Gott will, zum innig« Dankgebete nach gewonnmem Siege fehle ihn« jede» anregmde Wort au» dem Munde eine» Geistlich« threü Glaub«», ebmfo wie fie, gewiß mit tiefem Schmerze, auf dem Krankm- und Sterbelager de» tröstmdm Zuspruche» «ine» Glau» bmtgmoffm mtbehrm müßten. Sei auch die vereinzelte Stellung der Judm im Heere ein Htnderniß, so gebe e» doch Regimenter, in welch« eine größere Zahl von Judm sich find«; jedmfall» sei bet dm Hauptlazarethm die Anstellung eine» jüdisch« Geistlich« umsomehr angezeigt, al» die Anerkennung, welche dem Principe der Gleichstellung dadurch gezollt werde, an sich schon ein erhebmde» Mommt für die jüdisch« Soldat« sein würde. — Bom Krieg-Ministerium wurde darauf unter dem *) Aoth«tisch wird na« berichtet, daß im Krieg« M» 1866, »«hreud Protestant« und Katholiken feierliche» Gottesdienst hielten, fich ei» nicht nabe» deutend^ Häuflein Juden zusammeogefunden, dir, so gut es -ehe» wollt«, gemeinsam gebetet. (Corrcfp.) Wir filzen hing», da» im Jahre Ist»» die jüdischen österreichisch« Kriegsgefangenen, deren besonder» t» de« zum Depot eingerichtet« Lager bei Eörlm (Hinterpommem) über hnndert Vorhand« war«, sich regelmLßig Minjau in besonder« Zelt« eingerichtet Hab«. Der Religionslehrer Herr veudtt au» velgard hat ihn« auch mehrere Wale Gottesdienst i« Lager abgehalten. (Lied.) Bor dem Antlitz unsre» Vaters, Kajinsmäler an der Stirn;, Blut des Bruder» an den Händ«! Wie soll ich für meine aere Trant« Heimath, der« S<hicksal, Wohl uad Wehe, voll Berirau« Hoch mich ehr«d, in die Hände Sie mir legt«, noamehr streit«, Da, um ihr« Ruh» zu h:b«, Dich zu Bod« ich muß fäll«! Horch, es dröhnt sch»" ungeduldig Raffelnd drüben in d« Reih«. Sicher rennt und raunt geschäftig Scheeler Haß, und die Berleumdnng Reu« Berräther uns nnd Feige. Ans, zum Kampfe, Herzmsbrnder, All« Kräfte raff -usamm« — Gott mag unsre Waffm Imtra! . . . Klirr«d schlag« ihre Schnener Aus einander — FunlM sprühen — Und da blitzt es wie Berstäadniß Beid« in d« kühn« Augen. Und mit sei««, Kampsgeswicke Führ« wuchtig fie die Waft«. Xeiner benft daran, zu decken Sein« eignen Leib vor Hielt«, Roch d« And«« schwer zu treff«: Schwert tobt gegm Schwert gewaltig — Eine Flamm«klinge reißet Schartenwund« in die andre. Still bewundernd, bang erwattend, Schau'» die Heere auf d« lange U»««schied'ntn .üampf der Held«. Doch da holt der eine Stteiier Furchtbar au« zu jähem Stteiche. Saufend trifft da» Schwert sie Kliuge, Die zersplinett gellen» klirret — Und es statt der tachrc Gegner Wehrlos und betäubt zu Bob«. Durch die Reihen beider Heere Zuckt ein Aufschrei markerschlitterud, Wälzt ein Jubelfturm fich hüb«. Als ein Schreckens ruf fich drüb« Fort in wachsende« Getöse. Unberührt von dem Getümmel, Sanfte Wehmuth in dem AnUitz, B«gt zu dem besiegt« vruder Nieder sich der Ueberwinder; Uad er wehrt d« Kriegsgeaoffm, Di« ihn froh« Danks umjauchz«, Und er wehrt d« Ungestüm«, Die mir grimmig« Geberden Rach dem hingesunkn« Gegner Dir bewehrt« Hände streck«: Lass'« ihn! wund ist ihm die Seele Boa dem Schlag des Mißgeschicke« — Und ihr wollet diesem Tapfe« Schnöd noch neue Sund« schlag«? Ehret sein« Schmerz, sein Unglück, Und ihr ehrt «ch selber; wiffet: Adelt auch der Math d« Krieger, Adelt Großmath mehr d« Sieger. Aus und folget meinem Beispiel! Seht, wie ich dm Uebrrwuud'n« Heb' empor in meine Arme, Liebreich an mein Herz ihn drücke, So besiege. Eure Feind« Jetzt durch Gdelsinn «ad reichet Ihnen brüderlich dir Hände. Ihr gewährt mir dies« Bitte Als d« einz'g« Preis des Sieges! Aus dem Wahlplay wird begrab« Rauh« Kriege» Haß und Ingrimm; Und der Fried« ist geschloff«. An drr Hand den Bruder ftlhrmd, Ziehet «hmreich heim der Sieger. Preisend dank« ihm dir Sein«, In Bewunderung di« Feinde. — Diese» Gleichniß mag, mein Sah», dir Deiner Seel« Zwir pal» lös« Und d« Widerstreit versöhn« Zwisch« Pflicht und Herzen«regnng. Folge ttenlich mir der Faha«, Die dein Fürst emporgehob«; Folg' dem Ruse deines Landes, Unbekümmert, seine Sache, Ob sie auch sei di« gerechte. Deine Schuldigkeit erfüllend, Thust du jedenfalls dein Bestes. Kämpfst du mannhaft, todverachtmd Für di« Sache, der verpfändet Deine Treue, so verfichtst du Deine» Stamme» Ruhm uad Ihre. Doch zugleich erfüll« kannst d» Menschenpflicht uad Pflicht des Juden Auch mit dem Beruf des Kriegers, Wenn da rückfichtsmilde Schonung Gegen d« Besiegt« übest. Laß di« Hand, di« kampsgestählte, Lind und sLnstigmd fich leg« Auf di« Bund«, di« i« Di«ft sie Der Rothwendigkeit — muß schlag«. Laß dir deines jüdsch« Herz«» Mitleid«weiche« menschlich Rühr« Durch da« grause Schlachtenwürgen Und der Waff« ehe« Tos« Nie und airgmds übertäub«. Gieb dem Todesblitz des Kriege«, TheUnahmsinaiger Empfindung Mild« Reg« zum Begleiter: Hilfreich löschend senk« dieser Rieder fich, wo j«er zündet. Zeigst du dich als wackrer Streiter In dem Kampfe, dann erweisest Du dich auch als rechter Jude; Zeigst du dich al» wackrer Jude Rach dem Kampfe, dann bewährst du Dich zugleich als rechter Streiter. — Nicht genug, daß du hochherzig gm erobert« Gebiet» Roth und Leid« mindernd waltest,

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