Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- Seite 278 (sequence 2)
- Language
- German
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278 »atittltchm Gezmsatz gesprochen, welch« der Eonfefstonali-muzwbchen Religion und Humanität geschaffen »nd in dttMsschichte eins.eführt hat, begrüßt er die Agitatttm» der Gegenwatt für con'esfionSlose Schule» alt eine neue Epoche in dem Kampfe für Humanität, dem« d e confessioMose Schule ist dem Verfasser nicht blot ein Mittel, dm jüdischen Sch«Iamtt-Candldaten den Weg zu den öffentlicher Lehranstalten zu ebnen, sondern noch weit mehr der wirksamste Hebel zur Beseitigung der religiösen Vorurtheile der verschiedenen Eonfessio« ne» gegen einander und die sicherste Grundlage für eh: confefsion-loseS Gesellschaftsleben. Da aber von den Gegnem der confef icnslosm Schule wieder die Religio» alt Vorwand ihrer Opposition gebraucht wird, so wendet er fich zu der Frage: Wie soll et in der confesfion-losm Schule mtt der, Religion--Unterricht gehalten werde»? und bespricht zunächst die beide« Vorschläge, die bi« dahin in dieser Beziehung gemacht «o:dea sind: 1) Et wird Religion--Unterricht gar nicht, oder 2) Er wird für jede an der Schule in genügender Anzahl vertreime Confeffion besonderertheilt. Beit« Vorschläge haben— und mit Recht — Widerspruch erfahren Der erstere würde ein Bildung-mittel ersten Rangeau» der Schule entferne«, ohne de» humanen Zweck der confesfion-lom Schule zu fördern. Denn an die Stelle det Religions-Unterrichtan dm öffmt» lichm Schulen, der selbst in feiner jetzig« Beschaffmhett doch immer einig ermaß« dem Wesm und Organi-mueiner Anstalt der Wiflmschast entsprechen muß, würdm streng confesstonelle Religion-schulm uarer wiumschränkter Herrschaft der Geistlichkeit ttetm und der Bigotterie, dem Aberglaubi« und dem Religions- Hasse wäre Thür und Thor erst recht geöffnet. — Der zweite Vorschlag aber würde dem höher« Zweck der confesfion-lesm Schule noch weniger. «utft»r«ch». Denn sobald auch nur et» Unterricht»-Geg«starch, und Kvar gerade die Religion, die Schüler um dei Beßmntttiffch will« ttmnt und di« Jattssm derftlb« Klaffe »ach dem BÄmntniffe von dm ander« absondert, wird der confeffioniklle Unterschied schon in dm jung« Gemüthern geweckt und gepflegt und hie Trmypog und der Zwiespalt allmählich groß gezog«, »nd die Schul« kttn nicht mehr die Vorurtheile und dm Haß vernichten, der' die Confessionm im Leben feindlich ttmnt. — Ja, der Name eonfessionSlo» ist gar nicht mehr zntteffmd, sobald auch nur ei» Lehrobjeet in streng confesfioneller Scheidung vorgettagm wttd. Darum wttd dmn der ronfefstoNtlose Religionsunterricht alt allein geeignet empfohlm, alle Bedenken gegm die konfessionslose Schule zu beseitigm, und zwar wird derselbe alt die streng objektive Darstellung aller im Staate resp. an der Schule vorhandene« Religionen, ihrer Sittenlehre und Geschichte mit Bezug auf ihre urkünden ervärt. Denn an ein«, solch« Unterricht könnm alle Schüler ohne Unterschied der Eonfesston theilnehmm »nd durch dmfelbm dasjenige Maaß de« religiös« Wissen» fich aueignen, welche« für jedm auf dm Ramm eine» Gebildeten Anspruchmachmdm unmtbehrlich ist. Da» Wissen und Erkennen aber ist et und nicht die Frömmigkeit, welche die Religion»- stunde, oh der besonder« Religionsschule oder der öffmtltchm Lehranstalt, al» ihr Ziel zu betrachtm hat. (Schluß folgt.) Feuilleton. I u a n i t a. (Fortsetzung.) So war dieser Waismkuab« Fernando, deffm Abkunft man nicht kannte und der ett so unsichere- Lebm gefühtt hatte, biihn ein glückliche- Geschick mtt Diego m Verbindung brachte, diesem letzterm dmchauS nicht unbekannt gewesen; er selbst hatte ihn einst nach Saragossa kommm lasser, in der Absicht, sich seiner anzunehmm und ihn einst zum Gemahl seiner Tochter zu mache«. Femando war der Sohn jmer unglücklichen Jüdin, die Diego bei einem Autodafe hatte sterk«n sehen, und die da« König-paar, trotz ihre- Mitleid» mit der jugendlich« Schönheit de- Opfer-, den Henkern der Jnquisitton nicht zu entreißen gewagt hatte. Zum Glüci für da- Kind befand esich damals fem von seiner Mutter unter der Obhut einer Amme, die seine Elte« nicht kannte. Man ließ dm jung« Fernando al- Waise gelt«, dmn al- Sohn einer Ketzerin, btt ihr Leben auf dem Scheiterhaufm geendet hatte, war er für ewige Zeit« für infam erklätt, von jedem öffmllichm Amte, von jeder Ehrwstelle ausgeschlossen, und durste weder Waffm, noch -Gold und Silber, ««der Perl« und Seide, «och feine Sinnen besitzen. Der junge Mann hätte fich durch lleberttetung dieser Verbote in die größte Lebensgefahr gestürzt, «mn die Inquisition da- Geheimniß feiner Geburt entdeckt hätte; jedenfalls mußte fich Dttgo der Verficht halber vor dm Augm aller Welt unwissend stell«, um vorkom» mmdm Fallnicht mtt in Fernando- Unglück verstrickt zu werdm. Diego hatte dm jimgm Fernando zum erst« Mal in einer jmer nächtlich« Zusammenkünfte gesehen, in den« dtt Marannm ganz i» Geheim« dtt Eeremontt» de« jüdisch« Kultus fettrtt» und ihre Kinder t« nnchrm (Maxim unterrichtete». Dawar immer eine der ergreifendst« und schrecklichstm Sttoch«» i» Leb« dieser Familie». Für dtt junge» Mädch« wählte wm, je »ach dm Verhältniffm, Ort und Stunde für diese Enthüllung«; mttunter wartete man, wie e» Diego getha.« hatte, die Zeit ihrer Derheirathung ab; denn vor der kirchlich« Trauung erhieltm die Verlobten immer erst in der Sttlle der Nacht dm ehelich« Segm nach dem Gesetze Most». Die Knabm hingegm führtt man, wenn sie in'» vierzehnte Lebm-jahr ttaten, tu eine religiöse Versammlung ihre- Volke-; man sagte ihn« ihre Abstammung und die Gesetze, die sie verdammt«. Man forderte sie auf zu wählen zwischm dem Gott ihrer Väter und dem ihrer Verfolger; man reichte ihnen ein Schwert, und «mn fie katholisch bleiben wollt«, forderte man fie aus» ihre Eltem lieber zu durchbohr« al» der Inquisition zu dmuncttm, dmn da» machte ihn« ihr religiöser Glaube zur Pflicht. Nach einer derattigm Mittheilung, vor einer so grausam« Alternative bliebm die Knabm mitunter starr vor Erstaun«, aber keiner schwankte lange zwischm sein« Eltem und dem heilige« Officium. Al» man bei dieser feierlichm Gelegmheit dem jung« Fernando da- Schwert in die Hand gedrückt hatte, damit er seine Wohlthäter tödte, anstatt fie dm Inquisitoren zu überliefern» alman ihm gesagt hatte, wie seine unglücklich« Eltem umge» kommm warm, erfaßte der muthige Knabe lebhaft die Waffe und ttat hocherhobmm Haupte» mit feurigem Blick in die Mitte der Versammlung: „Ja," sagte er mtt dumpfer Sttmme, „ich will dm Degm ergreif«, „aber unsere Feinde will ich mtt ihm überfall«. Laßt mtt diese Waffe, damtt ich Euch alle räch« kann!" Dieser Muth, diese cbl« Ädignatton fa einem so zarten Alter entzücktm Dttgo. Sr beschloß dm arm« Waismknabm zu adopttt« «nd ihn eine- Tage» zu« Gatte» seiner einzig« Tochter zu mache», »nd wtt Hai« gesehen, mtt welcher Vorsicht er an diese» gute Werk hatte gch» müsse«. ftf*)