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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-17 · 33 (17.8.1870) · p. Seite 274

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
33 (17.8.1870)
Date
1870-08-17
Page
Seite 274 (sequence 6)
Language
German
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274 meid, oder einen schauerlichen Ritter- und Räuberroman in die Welt hinauSgejagt hat, mitleidig lächelnd auf fein »ehemaliges Judenthum' herabsieht, oder gar in einem Sthemzuge feine jüdische Abstammung verlcugnet, der wird eS zu schätzen wissen, daß Hersch im festen Glauben seiner Väter gestorben, dem er wäbrend seiner ganzen Lebenszeit stets tteu geblieben ist. (Jüd. Pr.) X Ans Südd«tfch!»»l>> 3. Aug. (Oriz.-Corresp.) sEin Jude muß eS sein.) Wie auS den TazeSblättern längst bekannt, verunglückte bei Hagenau eine deutsche Pattouille, bestehend aus vier Offizieren und drei Gemeinen, die sich und ihre nach zweitägigem Ritte in Feindesland erschöpften Pferde erftischen wollte«. Wie nun der 8.-Correspondeat der .Augsb. Allz. 3tfl.' auS Karlsruhe mit Recht bemerkt, waren Ungeduld de« ThatendursteS und Leichtsinn an diesem Unglücksfalle Schuld. Wieso aber verunglückte die Pattouille? Niemand weiß es, aber man vermuthet, daß Berrath im Spiele gewesen. Wer aber kann auf ftanzöfischem Bc>der der Verräther (wenn man einen dort Einheimischen, nach den üblichen Begriffen, überhaupt so nennen darf) gewesen fein? Natürlich er» Franzose, den man nach dem Sachverhalte, wer weih in welcher Entfernung, mit Hilfe von Fernrohren gesehen haben will. Dieser Umstand hindert aber den allwissenden Eorrespondenten der »AogSb. Allg.' nicht, zu behaupten: Der Vorüberfahrende sei ein Jude gewesen.') So zu lesen in der Beilage dieser mehrerwähnten Zeitung vom 30. Juli 1870! Ich unterlaffe jede sich mir in die Feder drängende bittere Bemerkung zu einer solch perfid« Behauptung; die verehrliche Redaction und die geschätzten Leser dieser Blätter mögen ihre Glossen dazu selber machen. Geürrreich. Agr««. Die kroattschc Landesregierung hat kürzlich der Stadtbehörde von Wukowar befohlen, darüber zu wachen, daß christliche Kinder die jüdische Schule nicht besuchen. Die Regierung beruft sich cabei auf ein Bach'scheS Gesetz vom Jahre 1850, welches ausdrücklich verbietet, daß jüdische Lehrer christliche Kinder unterrichten. Die Bürger nicht-jüdischen Glaubens icheinen sich dies« Zwang nicht gefallen lassen zu wollen, obwohl die Regierung mit Verhängung von Geldstrafen droht. (?«mfc. Jer.) Großbritannien. 4>r)«K. Julian Goldsmtt ist zum ParlamentSmitgliede für Rochefter erwählt worden, es fitzen nunmehr acht Jsraelitm im Parlament. Julian Goldsmit ist 1838 geboren, Sohn des verstorbenen Fred. Dao. Goldsmit M. P. und Neffe von Sir Francis Goldsmit, dessen Titel er erben wird. Er ist in der London- Universität graduirt, hat die juristische Laufbahn betreten, und sah schon einmal kurze Zeit im Parlament für den eingegangenen Fleckm Honiton. (Rach Je«. R«c.) tzardiff. DaS letzte Wort in dem bekannten Prozesse ist doch noch nicht zejprocher- Mr. Lyons hat appellirt, und Thomas hat ihm nunmehr angeboten, die Hälfte der bisher entstandenen Gerichtskosten, welche sich auf 3000 Pfd. belaufen, zu ersetzen, wenn man ihm dafür das junge Mädchen überlasse. Dieses Anerbieten hat L. zurückgewiesen. Die MissionSzesellschaft wttd am Ende nachgeben, da die Erwerbung einer Seele denn doch enorm tbeuer zu stehen kommt. (Jew. «hr«.) Spanien. Die carlistische Junta trat jüngst zusammen, um ihr Programm zu entwerfen. Sie sprach sich einstimmig für die Wiederherstellung der Intoleranz in religiösen Dingen und mit einer *) Rach kM mU jh »«sichte gttommracn Bericht«» soll der Pfarrer von Riederbroa» di« fraglich« Lnzeig« gemacht habe». Unsere sittliche, ««. griffe «rknmea hier keine» -verrach«. (Red.) Majorität von zwei Stimmen für die Wiedereinführung der Inquisition au«. Als die Junta jedoch de» üblen Eindruck, den diese Beschlüsse hervorriefen, bemerkte, gab sie bezüglich der Inquisition eine schüchterne Berichtigung ab. Nun seid Ihr, Juden und Mauren! — so rufen ,Arch. J«r.' auS — wohl und gehörig avifirt! Torquemada hat nicht abgedaokt! Man sage nicht, eS feien die« blo« leere, wirkungslose Drohungen; wir möchten eS wohl hoffen, aber bei der großen Zerklüftung der heute herrschenden Meinungen kann jeder gehässige Anschlag sein« geeigneten Moment haben. Palästina. Zernsate«. Ein jämmerlicher Etikettenstteit hat einen Tbeil der hiesigen Juden in groß« Bestürzung versetzt. »Libanon' berichtet über denselben: Ein Herr Rosenberg au« Petersburg hatte der Synagoge de« R. Zeh. hachafid ein werthvolleS Geschenk gemacht. Am Wochenfeste wurde dasselbe festlich eiugeweiht, der englische und russische Consul wohnten der Feier bet. Der Vorsänger sprach den Segen über den Kaiser von Rußland, die Königin von England und den Kaiser von Frankreich au«. Gleich nach Beeudi.zunz der Feier ließ nun der englische Consul den Herrn Auerbach, Rabbiner der Aschkenafimgemeiude, wissen, daß er dieser den englischen Schutz entziehen werde, weil der Vorsänger dm Kaiser von Rußland vor der Königin von England genannt habe. Abgesehm von jedem Rangstreit ist da« Verfahren deenglisch« Consul« ein ungerechte« zu nmnm, da erstmS der Geber ein Russe und zwettm« die meistm JSraelstm, die diese Synagoge besuch«, russische Unterthanm sind. (Wie die »Jüd. Presse' berichtet, soll da- Entsetzliche gesühnt und da» Unhell abzewendet sei». Di« Diplomatm hallm bekanntlich die »Ordnung im ALC', und so hat immer Angle» terre dm ersten Platz; die Juden hätten fazm soll«, daß ste de» Fürsten dm Sezm ertheilm und daß da Alexander da« K habe, dann Victoria (st, zuletzt LouiS.) Hst Vermischte und neueste Nachrichten. Kraukreich. Wir mtnehmm der »Rev. i«r.' eine Reihe von Nachricht«, welche sich auf die große Auzelezmheit de» Tage« bezieh«. Bei der französisch« Armee sind 3 jüdische Feldgeistliche neben 59 katholischm und 9 protestantischen angestelll. Ein Nr. Oulmont ist Generalinspertor der Feldlazarethe. Die Wittwe deS ehemalig« FinanzministerS Goudchaux und noch eine jüdische Dame folzm der Armee alS Krankenpflegerinnen. (Auch hier in Stettin hat eine jüdische Dame ihre Dienste dazu anzeboten.) Baron Edmond v. Rothschild ist am 1. d. M. mtt der Mobilgarde auSmarschirt. Die Bemerkung de« »TempS' darüber müssen wir wörtlich wiedergebm: »Ach, werdet ihr fagm, der 100 Million«-Baron, Direktor der Ostbahu, hat gewiß ein« Grad in der Mobil«? — Ihr irrt euch nicht, er hat wirklich eia« Grad, er ist Corporal.' — ES ist doch alle« drübm anders, al« bei un». Bei un« ist nicht» darüber zu bemerk«, wenn ein junger Mann, und wäre er zu dem »Rothschild' noch Sohn eines Ministerpräsident«, ohne Grad in» Feld rückt, vielmehr, wmn er eb« erst «inttttt» ist er selbstverständlich erst Gemeiner. Dazegm würde man e« bemerkenSwerth find«, wenn er Offizier würde, und dann allerdings fagm: Nun fteiltch ein »Rothschild'. Wir Hab« aber au« derselbm »Rev. iSr.' noch einige andere Auszüge zu gebm, welch« zur Charakteristrunz de« Zustande« der Ding« gehören. Sie schreibt: Der Krieg bringt nothwendig 'gewisse religiöse Leidenschaft« an« Licht» welche tu gewöhnlich« Zeit« SchaMhastigkett genug

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