Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- Seite 273 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Berichte und Correspondenzen. Dentschl««-. 8 Briefe au« Werk«, VL (Schluß.) (St ist natürlich, daß unter solchen Verhältaifsm bei jeder Gelegenheit gesucht wird, der destruktiven Richtung die weiteste Susdehnnag zu verschaff«. Vorzüglich äußert sich die« bet der Besetzung von Stell« an Institut« oder Verleihung von Benefici« au» religiös« Stiftung«. Au« viel« mir bekannt gewordmm Thatsachen will ich Ihn« nur eine derfelb« mtttheil«. Bet der Vacauz einer sog. Echinrstelle für Mischna-Lernen halt« sich an 40 Bewerber gemeldet; es erhielt die Stelle ein Mann, der sich öffmtlich gerühmt» bereit« seit 27 Jahr« ein jüdische« Bethau« nicht besucht zu Hab«! Wollm Sie noch mehr hör« von der Art uud Weise, wie der Vorstand der Talmud-Thora mit d« Geldern dieser Stiftung« verfährt? Sie Hab« in dem «in« Factum, da« ich eb« erwähnt, wohl genug gehört.*) Eine Zusammenstellung aller dieser horribeln Thatsach« müßte eine besondere Jllustrattou abgebm für die Geschichte der hiesig« Gemeinde, welche gegmwärtig von Seit« de« Vorstände« zu der im künftig« Jahre zu bestehenden Jubelfeier de« 200 jährig« Bestände« vorbereitet wird. Die bi«her j üdische Gemeinde Berlin« hat allerding« nunmehr ein« bedeutsam« Abschluß gesund«; sie schickt sich jetzt an, in da« Stadium einer freireligiösen Gemeinde zu *) Sir trinnrrn ata: auch Md? bann, wie di« Zinsen ta Vettel Hein« Ephraim'scheu vet - homidrasch - Stiftung ein Menschenaltrr lang zu Stipendien für protestantische Theologen and jnr Remuneration eine« Prosesior» oder Docenten ta christlichen Theologie verwendet worden find. 1 Natürlich ist das nicht nnter den Aufpicttu de« jetzigen Gemeinde-Borstandes geschehen, es ist eine schon alte Geschichte (stehe Hirsch, Jeschmanu 1857, 1 Januarheft), ata cm «n m (Red.) treten! Die eigentlich jüdische Gemeinde mit ihr« Organ« uud Einrichtung« ist in einer Neubildung begriff«; zwar noch klein ist ihr Beginn«, aber mit vertrau« und Hoffnung für die Zukunft erfüllt ua« ihr Streb«, für da« ein Mann thätig ist, besten Werth nur diejmtzm erkmnm können, welche in der Nähe da« uuauögesetzte Arbeit« DW Otffb desselben zu beobachten Gelegenheit Hab«. Jeder Tag bringt ein« n«m Beitrag zur wetteren Entwickelung und Förderung dieser n«m, aber altjüdisch« Gemeind«. Daher läßt sich noch nicht« Nähere« und Definitive« über diese N«gestaltung mittheilm; ich hoffe, Ihn« unter de« Höchst« Beistand zur gelezmerm Zett mit fertig« Resultat« diese Neubildung um so lebendiger schildem zu könnm. Hsterkl«. Am 27. Juli starb hier nach langjährig« Leid« der in dm wettest« Kreis« bekannte Dichter und Schriftsteller vr. Hermann Hersch im 49. Jahre seine« rastlo« thätig« Leben«. E« hat eine Zett gegebm, wo Hersch — wmn man so sag« darf — Mode gewesen ist, wo seine »Anualiese' und seine »Modepupp«' die beliebtest« Repertoirstücke war«. Eine schon mehrere Jahre andauernde langwierige Krankheit — ein Zungenkrebs — hemmte natürlich da« heitere Spiel seine« sprudelnd« Humor«, und so kam e«, daß der Dichter bald vergeff« ward» bi« die mttleidigm Zeitung«reporter unter ander« »vermischt« Nachricht«' auch die dürre Notiz von dem Hinscheidm de« einst vielbeliebtm Dichter« bracht«. So niederdrückrnd diese Betrachtung auch ist, so tröstend ist für un« die Todt«anzeige, daß Hersch »im fest« Glaub« seiner Väter gestorbm ist'. Wer da weiß, wie e« mtt dm religiös« Anschauung« der jüdischen Schriftsteller und Dichter beschaff« ist, wo da Jeder, der nur irgend ein lad«hütendeü Bändch« leer« Reimgebim- Dttse« Joffe« >7) «odt^schossenl» Ha, wie er Mgmmenzncket, von dem Wtad j«h erschlttlerll >n tafelten Stell« bleibt er Festgebannt noch lange stehen, Schttttett manchmal wie verneinend Rasch da« Haupt, bald fährt er hastig Mtt ta Hand stch nach ta Stirn«, Gleich al« wollte er verscheuchen v«se lästige Gebauten. Sn» ta dunkeln Wimper luget Scheu hervor die klare Zähre, Augebtiuzett von dem sohlen Scheine gelber Om«»-Achter>*), Deren Strahl verwundert irret von der Maiden Zier M Helme« Zn ta Thräne Helle» Glitzern. — Stile ward e« » ta Schul schon Und ta Scham»««»), ta verlöschte «Ule Lichter bi« ans tüut, Trippelt lange unentschlossen Um ta Fremden, bi« er endlich Ihn erweckt an« seinen Träumen. »Ans den Rabbi will ich warten, Suche Rath bei feiner Wedshett.» Halb gntmüthig, halb verdrießlich Draus der Scham»««: »»Unser Rabbi» Hundert Jahre soll er leben» Weih «ein «nd' sltr sein« Tsille»«); Sett «tt KrttgeMwch und Krankheit Heimg«sucht un« der »Imächt'ge, Setzt er jeden « der Khilleh, Mann und Weib und Kind besonder«, Wer an letzend etwa« leibet, Betend «in in sein J^i-rozen«), Daß «» zichtt schon gn den Dingen, Di« nicht «inen Schtter») haben. Wenn sich Gm» nicht bald erbarmet, Mut’ e« noch gescheht, bah einem Früher ansgeht die Reschome«), »l» er sein Schmoneßn ansgeht»»). Werdet nur nicht nngebnlbig; Fertig ist er gleich, ich hör' t» Ln dem brünstig tiefen Klagen, Sn de« ungestümen Flehen.»» Immer noch Gebete murmelnd, Naht der Rabbi sich de« Kriegsmann, Reicht die Hand ihm hin znm Gruße Und er fragt ihn dann vertraulich: »Bist du von den Unfern Cintr*}, Wenn du auch znm Feind gehörest?» »»Wie ich eben trotz de» einen. Doch vermöcht zu sein da« andre — Sch, das ist es — klagt der Krieger — Wo« mir all« Sinne falten! Diesen ZwiespaU anszngleichen, Quäl ich fruchtlos ab mein Deuten. Wie ein Riß ging es vollen»« mir Durch bi« Seel«, all der Jammer Meiner Lage ütatam mich, Sl« ich hier da» arme Knäblein Hörte seufzend Kubisch sagen Um den Vater, ta die Kugel Lödtlich traf an« unfern Reihen. Wie mtt scharfen Krallen packte Mein Gewissen da der Vorwurf: Weh«, wehe! bist ein Jude Und entsendest die Geschosse, Daß blindwüthend sie so manche« Edle jüd'sche Her, zerreißen; Dein« Hand zersleischn jene, Die dir dreisach hat verbrütat Glaube, Stamm und gleiche« Elend. Sch, für »tt ich täglich bett, Ob st« auch zerstreuet leben Wett in aller Herren Landen, Und an »tt so unauflöslich Dausen»« von Jahresringen Der Vergangenheit mich ketten Und der Zukunft, ta verheißnen, Dtt herbei wir stündlich sehnen, Stt, mtt denen gern ich theilte Luft und Leid und Wohl und Wehe — Gegen diese soll ich wüthen, Soll mein SchweN mtt ihrem Herzblnt Tränken, ein Erbarmungsloser Ihren Jammer mehren helfen?! Und all da« für eine Sach«, Deren Recht ein zweiselbaste« — Dem Soldateneide folgend, Streu für ste ich unbegeiftert. Mag da« Schlachtgewühl von Außen Grimmig auch mich ring« umtoben: Schwerer ist der Kampf ttn Inner», Den ich Hab mtt meine« Herzen Ausznsechteu, wenn dtt Trommel Bald mich ruft zu neuen Schlachten. Leucht' hinein mtt, frommer Rabbi, Mtt ta Fackel deiner Weisheit In den Jrrgaug meiner Seett!»» (Schluß folgt.) >) Synagoge. *) Abendgebete. *) Familienväter. s) Khilleh — Gemeinde. •) vorbeter. s) Gebetbuch. *) Fremde. *) Trauernde. *) Heilige Lade. ») Trauernder. Jl) vorbeter. <*) Gebet für verstorbene. >*) Schutt. **) Lehrer. l5) Paradtt«. >s) Soldat. ,T) Waise. >*) Omed — vnpult. >») Shuagogendiener. w) Getae. *•) Anfang eine« Getae« — möchte doch Gott.... **) Maaß. *») Seele. **) — Geta beendigen. ») vgl. Jos. 5, 13.