Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
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272 scheu oder westfälischen. Ohne heut von dm Balusten mehr als andere bürgerliche ZeituugNeser zu wissen, müffm wir daher obige Vermuthuug leider als gewiß auseheu. DaS 58. Regiment z. B-, welches so bedeutmde Verluste am 4. August gehabt hat, rekrutirt sich auS der Stadt und dem Jtrrife Posen, man sagt unS, daß in demselbm fast der vierte Marin eiu Jude sei. Wie obeu angedeutet, hat die jüdische Anschauung auch in dm am preußischm Beilage (27. Juli) gehaltmm Predigtm AuSdrvck gefunden. Diesig Tag ist überall in dm Synagoge» gefeiert wordm, unbefohlen, wie man vielfach mit Mißbehagen auSgesprochm hat. llns will jedoch bedünkm, daß der König nur für die evangelische Landeskirche» beim Oberhaupt er ist, gotteSdimstlich« Anordnungen treffm kann; in Betreff der katho» lifchm werdm dagegm die Bischöfe veranlaßt eine kirchlich« Feier zu verfügm; wir haben keine solche Emtralstelle und — sehe« auch gar nicht ein, warum wir wünschen solltm, unsere kirchliche volle Selbstbestimmung geschmälert zu sehen. Wir wollm nicht solche Eonsequmzm hinrteüm, die schiverlich eiatretm war« dm, wir setzen nur einm gewiß mögliche« Fall, daß z. B. ein Bußtag auf einm jüdischm Festtag oder eia National «Freuden» fest auf Jom Kippur fallend «»geordnet würde, da würde eS fich doch als das Beffine erweifm, daß wir keinen Befehl anzunehmm, sondern selbst zu bestimmm haben, ob und wann wir feiern wollm. ^ei t>er FriedenSfeier im November 1866 ist an die einzelne« Gemeinden eine Einladung zur Betheiligung erganzm, dazu ist diesmal keine Zeit mohr gewesm. In der Provinz Hannover stad allerdings die Laadrabbinate durch das Ober-Präsidium aufgefordert wordm, in dm Synagogm eine Feier des Bettages anzuocdnm. ES liegen nun viele Berichte auS dm Gemeinden über die Tazesfeier vor. Wir ermähnen auS dmselbm nur Einiges. Zwei von Mäanem sehr verschied«« religiös« Richtung, dem Dt. Berlin« in der kipman TauSk-Synagoge in Valin und dem Dt. Säug« im Hamburg« Tempel, gehaltene Predigt« begeznm fich in Text, Thema und einig« Ansführuugm derselb«. Sie Hab« beide eine Parallele mit dem Kampfe geg« «malek, mit dem ahobmm Mosesstabe gezogm und seihst»«, stündlich beide dmselbm einschlägig« Midrasch benutzt. Dagegm trifft eine von dem Hauptpastor Hirsche in Hamburg üb« Ps. IIS, 76—81 gchaltme Predigt mit dem in «usaem Lettartikel tu Nr. 30 SuSgesprochmm zusammen. Wir setz« dah« dm be» treffmden Satz auS dem Berichte d« Deform" hiaha: „Er forderte im erst« Thelle Demuth und vußfertigkeit und motivirte diese Forderung «. s. w. Uns«« Schuld fand « besoad«» darin, daß wir selb« die Anmaßungm, die Ettelkett und Gleißnaeim d« Franzos« mit nähren geholfen und fie darin bestärkt hättm — durch unsere Uneinigkeit, durch «as«e Nachahmung und Nachäffung französisch« Sitte und Unsitte, durch uns« Wohlgefallm an französisch« Frivolität und Daartigem mehr." Gedruckt lieg« uuS zwei Predigtm vor. Die eine von Dr. Rahm« in Magdeburg „ron rarbo der heilige Krieg", die and«e von Dr. Schwarz in Köln üb« Auws 3, 6. Bon der erst«« ist baeitS eine zweite Auflage nöthig gewordm. Auszüge auS dmselbm könam wir nicht geben. Die «st«e zeichnet sich besonder« durch patriottfchm Schwung aus» «ährend Dr. Schwarz eindringlich zur Buße auffordert, doch fühlt « fich nicht „zum Sittenpredig« für die Nation« bestellt, soudan hat nur ins jüdische Gewiss« zu redm", « «innert dah« an dm Satz btrar ‘tjzo *6« K3 nun» fK! Da wir mit diesem Satze nicht schließ« dürfm, wollen Zgir noch hinzufügen, daß die von «ns hi« gehaltme Predigt theüweise, ab« wörtlich, in eine hiesige Zeitung übagegangm ist. _ Der Sieger.*) Ja der alten Schal') zu Staariw*) Sind versammelt di« Balbatim *), Zahlreich, du man sonst sie niemals Hier erblickt an Wochenregen. Tiefer »eigen sie die Hünpter, Trllber blicken ihre Augen; Tenn nach manch gewalt gem Siege Ueberfiutheten di« Feind« Ring» das Land, in wilrer Raubgier Leerend Speicher, Stall :ra» Scheune, Bon dem Gm der Armen prassend Und den lleberfluß verschwendend. Still« standen die Gewerke Bor dem rauhen LriegeShaudwerk, Emsiger Betrieb verstmmme Bor de« FeiudeS tollem Treiben; Jedes HauS ward zur Kaserne, Jeder Weg znr Heeresstraße; Und di« armen Khillehlente«) Sagte» sich nicht in di« Dörser, Mußten sich zur Ruh' faqnemen. Und sie hatten vollanf Maße, Um die Größe ihre« Unglück« Zu ermessen, alle Leiden Mir Bedacht auch durHukofirn. *) Diese« Gedicht ist im«, wie der Poststempel zeigt«, au« Oesterreich (Brüru?) zngesendet werden. ES ist au« einer Sanmlnug in Schillerforma« genommen «oft steht tat auf S. 181. Der Einsender hat e« ohne Zweißü *U zeitGrmüß b* trachtet, nud au» demselben tlruud« lasten wir d abdrncken. Berfaffer oder Ouelle können wir nicht benenne». An« derselben Sammlung war auch «in schöne« Frag»«« au» eiwun Lehrgedicht«, ohne Zweifel im Hinblick auf nnsern Darwin. Artikel, beigelegt. Oester fanden sie sich eiu jetzt In der alten Synagoge — Deren Mauern »iberhallten Nicht vom Schritt der Feindes horden — Mancher bloß, um feinem regen Geist Beschäftigung zu suchen, Doch die Meisten, tun ihr volle« Schwere« Herz in tiefer Andacht AuSznschiitren vor dem Herren. Graue», düstere« Gemäuer, Da« umrahmt di« Trauerstimumng; Trüb« Lichter malen qualmend Riesenschatten an die Sünde, Lasten ihre Dümmerprahlen Zittern auf den schwermuthsbleichen. Sorgenvollen Angstgesichtern. Dumpfer rauschen di« Gebete, Nicht mehr dann und wann durHucket Bon willkürlichem Getriller Kühngeschwnug'nen Schnörkelfanges; Und der Chosen*) intoniret Schon den Schluß mit Hellem Rufe, Klappet Pt den abgegriffnen Alten pergamentnen Siddnr*) .... An« der letzten Sttuderrrihe, So die Orchimt) nnd Awelim») Sitzen, hin bi« an die Stufen Bom Aron — hakodesch*) treten Ein Soldat vom FeindeSherre Und ein hager blaste« Knütlein An« der Khilleh. »Bin ein Owel« *•), »Owel bin ich,» sagen beide Ans die Frag« de« Balt'sUleh"). »»Kadisch»*) kann nur einer sagen; Mag der Siddnr da entscheiden. Den ich anstchlag', durch «in Zeichen: Ser ihn sage von Ench beiden.»« Andre Loose har der Siddnr Al» da« Kriegsglück: traf de« Siege« Loo« den Streiter, trifft den Knaben Doch da» Loo« zum Kadifchfagen. Und wie trinmphirrnd lächelt Still in sich hinein da» «nüblein. Neidlo« schaut ans ihn der Krieger, Denst dabei in sanfter Wehwnch: Sicher reiner all di« »einen Für'« Gebet sind dein« Lippen. Mit gar Heller frischer Stimm« Fängt da« Kind nun an den Kadisch. Ans sein kindlich fromme« Antlitz Ehrfurchtsvoller Ernst sich lagert. Langsam buchstabirt'S zusammen, Doch mit fühlende» Bersttndniß Und empfiudnugSrricher Ahunug All di« ungelenken Sorte; Denn der Kadisch war da» Erste, Sa» im Chebert*) e« erlernt«; Und mit solchem raschen Eifer, Daß erstaunte der Melammed t-). Weiß zwar noch nicht, wo« e» sag«. Weiß nur, daß t* also betet Für den lieben guten Vater, Der schon i» «taKbcnu) weilet. Hie nud da bloß stmkf» «in weu ig, Sir von Schlnchzcn nnterbrochen. Seufzt «», weil ihm so beschwerlich Noch da« Lesen, «der weil e« Diefbetrüb« gedenkt de« Todten? Und da» Letztste mag bedünken Sohl den seiudlichen Soldaten, Daß er schmerzlich tief erreget Auf da» arm» Knüblein schonet. Denv er an da« eigne Sshnlein, Da» mit dem in gleichem Alter Rach dem fernen Bat« fanget? — | Hinter ihm, da flüstert'» leise: -Seht, eiu falch« Bilmilchrnw >*) Lar'», »er in d« Schlacht den Bat«