Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
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- 270 > > Und die, Jahrzeit * Mosel ist unS wirklich überliefert, ist sie eia Trauertag? (Denjenigen, welche überhaupt davon wissen, brauchen wir nicht zu sagpu, daß die, Gedächtnißfei«, die man wohl begeht, nicht Mose» gilt.) Der Mann Mose ist todt, der „Meister der Propheten" lebt. v Wir halten also an der MefsiaShosftiung fest, so wie und ganz so wie und weil die Propheten sie verkündet, und wir trauern um die Zcrstörurz de» Tempel», 'weil die Bollendung der verheißenen Zukunft an dessen Wied««stehnnz geknüpft ist. Noch einmal sprechen wir es auS: wir trauern nicht um die Steine und dm Staub (Pf. 102, 15), sondern wir liebm sie, weil an dieser Steine Wieirerzufammenfügung der Bau deS Gottes» reiche» geknüpft, und w>.'il dieser Staub der heilige Bodm ist, auS dem dasselbe erwachsm wird. „Es werdm alle Völker dm Namm Gottes fürchtm, wmn der Ewige Zion erbaut" (Das. 17.) Es schmerzt uns, aber et. macht unS nicht irre, wenn viele unserer Zeitgenossm das Wort der Klagelieder (5, 17) nur noch ironisch wiedergebm: „Darüber sollte unser Herz Weh empfinden, darüber unsere Augen sich trüben, über den Berg Zion, der wüst liegt?!" — lieber Rechtfertigung unserer Liebe und Anhänglichkeit an das hr-ilige Land und die Verträglichkeit derselbm mit deutschem, französischem oder tvaS für einem Patriotismus verlierm wir kein unnützes Wort, spottm der Angriffe, die von da auS gemacht werden, wir sprechen wie Gott selbst (1. Kön. 9, 3»: „meine Augm und mein Herz sollm dahin gerichtet sein alle Zeit", darum sind doch Gottes Augen überall und feiner Herrlichkeit voll die ganze Erde — so gehört auch unser Herz doch der Heimath und dem Vaterlande. Wir glaubm erwie'm zu habm, daß die Trauer um Jerusalem ein Zeichen des 4)ekmntnisses zu der vollm Wahrheit des GottrsworteS ist._ -ir-ifche Klimmen über die IettverhAtnisse. ES liegm uu» hmt die AmßSttnM, Mt jüdtschm Zeitschrift« veefchtedmirr 8£«bcr, sowie aicker<Wl«chchsungm in Predigsrn #. dglt' über h«n dmtsch-stanMs<tzsn Krieg vor.*) Alle sind einstimWtg in B«Wktheilnng. deS K»gWrm» an sich, beklagen eS, daß da'» Reich de« Frieden», die Hoffnung Israel» und der Gefammtheit, wieder in weite ^erue gep-ckt ist. 3» Uebrigen gHbm sie einm treum Widerhäll-'der öffeirkllchm Äkei» nung ihrer Länder und der Völker, unter dmm sie erscheinen. Der Jude hat sich überall der Nation angeschlofsm, ist und fühtt in Deutschland deutsch, in Frankreich französisch #. (,». Da» ist freilich unS längst bekannt, aber wir wollm die traurige Gelegenheit, bei der dies besonders deutlich und lebhaft hervortritt, nicht unbmutzt lassen, um die Stimmen zu sammeln und die Thatsache dadurch festzustellen. ES wird schwerlich nutzlos feig. Die deutschen Stimmen betonm lebhaft, daß da» Recht auf unserer Seite sei, daß der Krieg ein uns aufgezwungeuer, unvermeidlicher und darum ein „heiliger" N21N ncrho sei. Der Franzose appellirt lediglich an den Patriotismus, hüllt sich wegen des Krieges selbst in ein vorsichtige- (erklärliches und gewiß nicht zu tadelndes) Schweigen „teuons noua tranqnilles“ **) und erinnert die jüdischen französischen Soldaten daran, „daß sie für das edelmüthize Frankreich kämpfen, welches vor allen Völkern die volle Emancipation der Israeliten ausgesprochen und ihnen *) Auch .Lew. Mess." und .Lew. Zimei" vom 22. Juli, beide in Newport erscheinend und ,Hebr. Lead." haben Leitartikel darüber. „Univ. J«r." aber ist uns seit dem 15. Juli (incl.) nicht mehr zugegangen. **) „Rev. i»r." hat daher auch noch Zeit, uu» wegeu unserer Artikel über den Darwiui»mn«> Artige» zu sagen. Wir — e» ist ja jetzt Alle» kriegerisch — falutiren, den Degen seukend, und danken höflich, bedauern sogar «och di« B. St. Notiz. Feuilleton. 3 h o n i t ö. i (Fortsetzung.) | 4> i Al» Diego diese letzten Worte gesprochen hatte, öffnete er j die Thür und ging, von Juanita begleitet, hinaus. Da» arme; junge Mädchen fühlte sich bedeutend erleichtert, als sie da» myste-! riöfe Halbdunkel des Gemache», in welchem sie ein so furchtbares I Geheimniß erfahren hatte, hinter sich sah; sie war viel gefaßter, als sic sich wieder in d« freien Lust befand und das Helle Tageslicht ihr neuen Muth einflößte. Aber ihre Phantasie war noch > voll von den schrecklichen Bildern und ihr Herz war schwer beengt. I Das junge Mädchen ttat an daS weit geöffnete Fenster, um freier j athmen zu können; sprachlos stand sie da, bleich und zttterud. Sicatte im Hofe soeben den Bruder Enriquez bemerkt, der seine Schritte auf das Haus zu nahm. Es war ein menschenfeindlicher Dominikaner, der als erster Geheimschreiber deS Großinquisitors der Stadt, Molina de Medrano, für einen der fanatischsten Anhänger deS heiligen Officiumgatt. Noch nie hatte Juauüa den Mönch bei ihrem Vater gesehen, und alS sie ihn jetzt erblickte, wurde sie von einem unbeschreiblichen Schrecken ergriffen; alle Schauderscenen der Inquisition, die ihr Diego vorhin mit so beredten Wortm und in so glühenden Farben geschildert hatte, ttaten ihr wieder vor Augen; sie fühtte schon, wie die gewaltige Hand der Jnquifitton mit aller Wucht auf sie und die Ihrigen niederst«. Ihr« ganze Gestalt nahm den Ausdruck einer grausen Angst an, die noch zunahm, je mehr sie sich bemühte ihr« Meist« zu werden. „Großer Gott, wa« ist ©STmein Kind?" rief Diego auß« sich vor Schreck. Juanita »«suchte zu antworten, ab« die Angst «stickte ihre Stimme. Sie wollte die Hand ausstrecken, um auf den Mönch hinzuweisen, sie besaß jedoch noch Vorsicht genug, sich an da» Gefahrvolle diese» Minenspiel» zu erinnern; so »«harrte sie stumm und unbeweglich; nur ihre Blicke warm nach dem Hofe hinau» gerichtet. Diego eilte an'S Fmst«, aber « sah nicht»; d« Mönch hatte b«eit» die Schwelle deS Hause» überschritten. Umsomehr war er «staunt und wandte sich ftagend zu sein« Tochtn um. In diesem Augenblicke üffnete sich die Thür; Juanita hatte ttotz deS Schreckens mit ein« schnellm Bewegung einm Fing« auf dm Mund gelegt; sie nahm alle Kraft zusammm, um die möglichste Kälte zur Schau zu tragm. D« Mönch ttat ein. Er war ein Mann in dm vi«ziger Jahrm, von hoh« Statur und einnehmendem Aeußem; unter sein« hohm und brettm ©Hm blitzten zwei lebhafte und durchdrinzmde Augm h«vor; seine Züge warm sttmg und ttugen dabei dm AuSdmck großer Klugheit und tiefen VnstandeS. Brud« Enriquez bem«kte sofort die Blässe und Aufteguug deS jungm Mädchen», « trat an sie h«an mit ein« Miene, die von dem lebhastestm Jnt«effe für sie Zmgniß gab. Juanita wich unwillkürlich einm Schritt zurück. Jetzt v«stand Diego erst dm plötzlichm Schreckm, d« Juanita befallen hatte; er näherte sich ihr geheimnißvoll lächelnd. „Fürchte nicht», mein Kind," sagte et leise zu ihr, „et ist ei« Freund. Auch « gehört zu dm Uasern." Juanita war im höchstm Grad« überrascht. „Wie?" murmelte sie, „Brud« Enriquez zu dm Unsrigenl*