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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-17 · 33 (17.8.1870) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
33 (17.8.1870)
Date
1870-08-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1. Jahrgang. NI 8*.-1870. Wschen-Schrift für die religiSfe« und soriale« Interesse« des Zndenthums. Srscheim j^e» Mittwoch. Prri« vitrteljLtzttich 20 lStlberPvsche«. Petich«« »tot der«, Raum IV.««». BeraatwvrNicher Kdalttn und Heraulgeber Rabbiner vr. A. IreReufeks in Stettin. Breslau. 17. August 1870. Zu brztehe» durch alle Buchhaudluageu «ob Postaastalte». Austtaieu-Auuaßu«« tx der Schletter'schen Buchhandlung (H. Sknrsch) tu vretlau. IuhaNi'Netteud« Artikel: Da» »evachtui» der Zerstör««, Jerusalem« und der Drostsabbat. (Schbiß.) Jüdisch« Stimmen »der dt» ZettderhRltntsse. Jeullet»»: Iuautta. Der Sie,er. lvertchte uud «orrrs»oudt»,eu: Deutschland: «erliu. Berlin, «u» Süddeutschland. Oesterreich: Ap»m. «rostbritau-ieu: Londo«. Cardiff. Spante», Palästina: Jerusalem, vermischte uud »euestr Vach, richte»: Frankreich. Ungar». Rumituie». tlu» Lmerika. Nett». Literaturdericht. Kaeauzeu-Liste. Inserate. s- W« GedSchtniß der Zerstörung Jerusalem» und der Krsstsadbat. (Schluß.) Sehen wir also noch einmal von her Mesfiallehre, von der zukünftige« Erlösung au«. Diese vrrhekhk^un» eia Sotte«retch, herbetgeführt durch die fortschreitende Entwickelung de« Menschen» geschlecht». Bleibt man bet dieser einen Seit« stehen, löst man sie los von den SstraefWkikll gegebmeN^Berheißungm, so haben wir in Betreff der messtantsche« Zukunft «ine Ansicht, eine Hoffnung, «ine Idee, ein Ideal; weiter nicht». Zunächst fallt die bezeichnend« und untersä-etdend« Lehre de» Juden» thum» «eg; auch die Heiden sprachen von dem zukünftigen <wt«derkehrendea) goldeum Zeitalter; e» ist fteiltch durchau» ander» gestattet, aber die Srund tdee ist doch dieselbe. Wir haben dann eine Idee, welche edle Geister und große Herzen aller Zeiten und Zungen beseelt und getröstet hat; aber andere, auch große edle Männer habe» sie bestritten, die Gkepttker, Slltagömenschen und Menschenverächter zucken die Achseln und spotten: »Die Menschen werden immer bleiben, so wie sie sind, und find wie sie gewesen, der Glaube an ein« endliche Vervollkommnung der Menschheit, an di« endlich« Herrschaft der Wahrhett, de» Lichte«, de» Rechte» «. s. w. ist ei» Phantom.' Man kann dann über da» Für und Wider streite». Halten wir, Du mein l^ser uud ich, die au» Vernunft, Gemüth, Geschichte geschöpften Gründe .für' für die triftigeren, so ist da» gut für un«, aber warum sollte unser Ja mehr gelte» al» da» Nein der Andern? Ganz ander», wenn die MessiaShoffnung un», wie sie e» unfern Vorfahre« war, Verheißung de« göttlichen Worte« durch die Propheten ist! Dann aber müssen wir sie ganz hinnehme», wie sie in hundertfältiger Wiederholung uud Wendung durch die Propheten von Mose» bi» Maleachi gegeben ist. Der erste Blick in die Bibel, wie die tausendste Wiederholung und Vertiefung dieses Einblick» zeigt, daß alle jene Verheißungen mit der der Wiederherstellung Jerusalem», de« Tempel», J»rael» untrennbar verbünd« sind. Sagt man un» nun: .wir wählen au», wir halten die letzteren Verkündigungen für blldliche Einkleidung, Leitaaschauuug', so ist nicht abzufehen, warum die andere Seite «ehr al» persönliche Ansicht der Prophet« sein solle. Und ist der Prophet ein Mann hoh« Geiste» und kühnen Gedankmfkuge», dann ist er um fo mehr dem Jrrthum auSgesetzt! 8» ist dann Thorheit, durch Prophctmworte etwa» beweisen zu voll«; in der That will man dann mit ihn« auch nicht» beweisen, man rttirt sie lediglich, wie man Plato und Herder, Horaz und Schiller citirt. Man stellt dann feine An- und Einsicht über die hellige Schrift, wählt aut> dieser au», wa» jmer zusagt, nimmt diese« Zusagmde an, aber nicht well e« in der Schrift steht*); d. h., wie wir gesagt haben, da» Wort Gotte» und der Propheten ist dann nicht mehr Wahrheit im Ginnr .che» Judenthum», der Boden de« letzteren, seine uubeftrittm« eßrnndkag«, ist vertäfle». Blick« wir nun auf Jerusalem und dm S. Ab. |TOD 'S min tan heißt da»: .von Zion ist die Lehre einst auSzegangm,' so Hab« wir eine geschichtliche Thatsache, wahr, aber nackt und nüchtem. Dann ist Jerusalem, dann ist Palästina .die Stätte, die ein edler Mmsch bettat, ist einzeweiht' — aber weiter nicht». Auch die Schiller« und Göthe-Häuser werdm pietätSvoll gehütet; sollte aber eine» derselbm zerstört werd«, so könnte nur grmzmlofe Ueberspanntheit ein Nationalunglück darin erblick«. Und jener Herr in Berlin, dem der Kronprinz von Prmßm ein« Stein von der Tempelstötte mitgebracht hat, hat sich de» huldvoll« Geschmk» sehr gefreut, aber ein Stein von der Akropoli», von d« Pyramiden, ja von der Roßttappe wäre ihm ebm so lieb gewesen, vielleicht —. Wir sehen in der Bibel mehr al» ein Buch unter Büchern, in dm Prophet« mehr al» Mälmer unter Männe«, der Unterschied ist un» nicht quantttativ, sondern qualttativ; darum ist un« die Zerstörung Jerusalem», de« Tempel», der Fall Juda'« und alle», wa» sich daran knüpft, etwa« Andere», al» die Zerstörung einer Stadt, eine« Monumente», al» der Untergang eine» Reiche». Sind denn die Jud« nur die Entdecker de» Monotheismus, die Erfinder gewiffer Wahrheit« gewesm? Auch Pythagora» und Newron Hab« entdeckt und erfundm, sie find todt — wa» ist da weiter?! Wir ttauem über dm Tod, besonder» über den vorzeitig« Tod eine» großen Manne» — aber wir begeh« doch nicht ewige» Gedächtniß! Sollte man etwa die .Jahrzeit' der Ermordung Winckelmann» trauernd begeh«? *) Der Leser steht «in, daß die un» grgnrüberstehnrde Partei mit dem „Gesetze" ebenso rersührt, st« wühlt da» Zusagende Hera«». Z.B. ,,D» sollst »echt stehlen," freilich nicht, aber daß.da» di« Zchngebotr sagen, ist Nebensache, und spricht man dabei doch von „GoNe»w»rt und Smailehre", so ist da» eitel Phrase, ein ikiral. Siehe unseru Seitart iCr(: „Der Kern de» Streite»," in Nr. 3 t. Bl. 1

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