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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-10 · 32 (10.8.1870) · p. Seite 266

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
Seite 266 (sequence 6)
Language
German
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266 um dies« Vorzug ganz unnöthig für sie alt« abgespielt« Frankfurter und Braunschneiger Vorschläge preiSzugebenf Konnte do» selbst Dr. M. Creizenach (in feine« Vorworte zum Heidmheimsch« Siddur) nicht- Besserethun, denn auf dm Wiener Gottesdienst als musteigiltig hinzuweifm! Man steht indeffm, daß dm Refor.nem & tont prix kein Ittei» zu hoch ist, ihre Absicht« durchzosetze», und daß sie sich selbst dazu »ersteh«, unsere Gemeinde, die weitaus größte in Deutschland, bei dem Erst« Best« in die Schule zu schick« l ES ist nur schade, daß selbst wirklich gebildete und für die Religion aufrichtig empfängliche Männer sich leicht bethörm laffm und dm Machi« nationm einzelner Wmizer keinen energischm Widerstand ent» gezmsetzm, obwohl eS ihnen nicht unbekannt sein kann, daß grade hier einseitige, vom Vorstände dekretirte Tempelreformm daS größte Zerwürfniß iri der Gemeinde und einm CultuSzustand herbeiführm würdm, auf welchm sogar noch nicht einmal Berlin herunterzekommm ist. Borläostz hat man indeffm die Sache, wie ich höre, wieder auf sich beruh« lasten und ich will daher gern über die Jntrigum und diplomatisch« Kunststückch«, durch welche ste überhaupt ins Dasein gerufen wurde, dm Schleier deS Stillschweigens ziehen. Ich dmke, wenn auch Oesterreich fein 1866 hat hinnehmen und auf seiner Vorrang in Deuffch» laad hat verzichten müffm, so wird doch unsere Gemeinde nicht vergeff«, daß sie in Ztezug auf Einheit deS CultuS und dm Frieden in der Gemeinde dm Vorrang annoch behauptet und ihn zu wahren hat. Nie«. Verläßlichen, aus Siebmbärzm einzelangtm Nachricht« zufolge dauem die judmfeindlichm Demonstration« an der Grmze der Moldau und Walachei noch immer fort. Vor Kurzem ereignete sich ein solcher Fall in Llekuffch und in nmester Zeit bereitete sich AehvlicheS in Barm vor; die Juden, dieß wahmehmmd, begabm sich zum Präfertm und gab« ihm zu versteh«, daß sie im Augmblicke, wo eine Judmverfolgung auSbricht, die Stadt mit Petroleum in Brand setzen würdm. In Folge dieser Drohung dankte der Präfect ab und rückte ein Infanterie-Regiment auS dem Tekutfcher Lager in Bacm ein. Seitdem ist Alles ruhig. Amerika. W. 8. MordameriÜ«, im Juni. (Orig.-Corr.) sSchluß.s Mit diesem Judenthuni, daS noch durch andere Gereimtheitm poetffch verklärt werdm könnte, reist Dise durch'S Land, den» er ist der mglische Redner pur exoellevee, so steht'S in seinem eignm Blatte. Zwar uiacht der englische Redner manchm Bombast, dafür ist er Amerikaner, zwar raacht er auch manchm grammatischm Schnitzer, dafür ist er ein Deutscher. *) Da» ist eine Skizze! Nun erlaub« Sie mir auch die Jünger zu skizzir«, die dieser Weise in's Land fmdet. um seine Lehr« zu verkünd« und seinm Minhaz Amerika zu verkauf«. Der Mann hat Unglück mit seinm Jüngem: eine Zett lang schwimmm sie mit mllm Segeln, und die jüdisch« Blätter flattern auf ihrm Misten mit Flatteriem und Lobpreisung«; plötzlich werdm sie vm ihrm Gemeind« abgetakelt, und der Meister läßt sie mitten im Sturm stehm und untergehm. Einer der klassisch tm Apostel der Weisheit ist oder vielmehr war Rev. vr. N. Von Geburt ist er ein Orthodorer ander Preßburger Jeschi ia, ausgerüstet mit Autorisation« (irrri mon) von derm Vsrfitzmdm. Ein kleiner Formfehler wird •) Um bn vayrbeit di» Lhr» zu gebe», fügen wir übrigen» dieser Skizze hinzu, daß Bekannte, welche länger« Zeit in Lmerika gelebt, erzählt haben, bat Herr «ife alertiug» als guter Redner gelte »ud durch sei» Sieden viel dazu beigetragi» habe, den Amerikaner», besonder» im Weste», wo «an die Inden vor 20 Jahren kam» kannte, eine vortheilhafterr Idee vom Jndenthmn beiznbriegeu. (Red.) an dies« Zmgntffm von einem naseweis« Schnüffler entdeckt, daß sie nämlich nie vom »ussteller ausgestellt worden sind, «ck nach dieser Entdeckung bleibt dem Enttarvtm Nicht» andere» übrig, al» in da» Lager der schrrtmd« Reform überzugehm, wo ein derartiger Formfehler von keiner prakttsch« Bedmtung ist. In Philadelphia hatte dieser Reformheld bewies«, daß der zweite Tag Peffach wichttger sei al» der erste, da an ihm — da» goldene Kalb gemacht worden sei! (Ich bitte wiederholmtlich nicht zu lach«, soudem zu bedmk«, daß der geistteiche , Redner an diese feine historische Entdeckung die philosophische! oder theosophische oder phyfiologffche Frage knüpfte: „Ist dm»! Gott eine Kuh, daß er sich um ei» Kalb kümmert?"•); In Cleveland, wohin er sich nach jener ande« Entdeckung I von der wunderbar« Entstehung seiner RabbinatSzeugniffe, sowie; anderer Schulden halber geflüchtet hat, gibt er sich als Einhorn'» ' intimsten Freund und GestnnungSgmoffm au», stellt sich aber! gleichzeitig Her« Bise durch eine originelle, in deffm Dimstm! bearbettele Bibelübersetzung zu Gebote, von der er folgende, hier zu Lande unter dm Rabbinm, welche etwa» Hebräisch versteh« (diese Specie» gedeiht hier seltm) sprüchwörtlich gewordme Probe in der „Deborah" mittheilt: t<vn >«1 rb HO KOD K2 pnsn 2jyi pto am (Gm. 24, 62) „Und Isaak kam von der einleitendm Erklärung zur lebendig« Einsicht, obgleich er weilte in einem Lande voller Opposition!!" Glaub« Sie nicht etwa, daß die» eine Persiflage einer chassidisch« „Thora" sein soll; nein, voller Ernst. Für die nähere Begründung dieser originell« Uebersrtzung verweist Herr N.auf seine demnächst erscheinende Bibelübersetzung, einstweilen aber habe er diese Probe veröffentlicht, well hier offenbar die Thora prototypisch Isaak Bise angej deutet hat, welcher trotz aller Oppofitton zur lebendig« Einsicht! gekommen, die er durch die beiden Geschwister „JSraelite" und | „Deborah" lichtstrahlend in die Welt sende. | Ich würde es sehr bedauern, Herr Redactmr, wenn Ihre Leser zweifelnd den Kopf schütteln sollt« ob solcher Skizzm, für derm Wahrhaftigkeit ich Ihnen mit meinem Namm bürg«. Ihren Lesern muß ich ihn vormthaltm, well ich mich nicht gem der Mißliebigkeit auSsetzm möchte, welche von meiner Schilderung auf mich übergeh« würde, da der Amerikaner seine Schwäch« nicht ge« vor dem alt« Europa getadelt sieht. Derselbe Herr N.wmde bald auch in Clevelaad abgetakelt, und entreformirt ergriff er dm Wanderstab al» „Mädchm für Alle»" und glaubte eine Ruhestätte tu der altorthodoxe» Synagoge zu Boston zu finden. Aber auch dort hat er die gehoffte Ruhe nicht gesund«, denn die Bostoner Judm Hab« ihm nicht bloß beim Red« soudem auch beim Eff« in dm Mund gesehm und auSgefunden, daß nicht bloß au» demselb« Unreine» hervor-, soudem auch in dmselbm Unreine» hineingeht, und zum drittm Male abgetakelt spannt er ganz nme Segel auf und gelangt in da» ruhige Fahrwasser der christlich« Mfffion, für die er annoch Traftätleiu schreibt mtt kunstferttger Hand. Wie gefällt Ihn« diese LebmSskizze? Doch noch Ein». Derselbe Herr N.läßt auch gleichzeitig ein« Aufruf zur Vereinigung der Judm mtt dm Unttariem ergeh«! Genug für heute. Vermischte und neueste Nachrichten. Bei dm in Lemberg neulich begangen« Excess« geg« die Judm soll, wie die „9t Fr. Pr." wissen, will „rrwirseuerwaßm" russischer Einfluß i« Spiele gewesm sei». •) «örttich.

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