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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-10 · 32 (10.8.1870) · p. Seite 265

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
Seite 265 (sequence 5)
Language
German
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205 jn «fr«« Hot«, hat sich auch «tu« tu dm Lag« d« Mobil» «achung t« ziemlich empfindlich« weise geltmd gemacht. Dag t» solch« Zeit viele d« int Feld ziehend« Soldat« sich noch rasch mit ihr« vrtnt« kau» (aff«, ist bekannt. Reben an» dem Motiv« fällt auch das in die Wagschale, daß man d« Braut resp. Gattin für dm Fall des Umkomm«» im Krieg« hindurch die Wsttwenpmfion fichem will. Für die Geistlich« da verschieden« christlich« Eonfesstenm gibt es, glaub ich, (es ist ganz richtig. Red.) eine Baordnung, wonach mit Umgehung des kirchlich« Lufgebots (und kostmfrei. Sied.) die Trauung voll» zog« wad« kann u»> auch hi« in Masse vollzog« Word« ist. Wie ab« stehts um di« jüdisch« Soldat«? Hi« wünsch» 1« mehr«« vom Rabbin« gekaut zu »«den, allein das hätte ohne ctvilgerichtliche Trauung, d« ein mehrw-chmtliches Lusgebot vorangeh« muß, doch nichts genützt, darum untablieb es. (Auch hi« war die Frage angeregt Word«, zur prakttschm Erledigung kam es nicht. Red.) Sollte ab« ein Ausweg ftir solch« Fälle nicht möglich sein? und d« Grundsatz: „Intor nrmn •ilent lege*“, „Während de» Krieges schweig« die Gesetze" nicht auch dm jüdisch« Soldat« zu Gute komm«? Schweig« ja doch in Betreff d« Zud« die Gesetze und gesetzlichen Organe gar oft in empfindlich« Weise. Hat da- „Schweig«" in Betteff d« Juden bet Ansetzung de» Beilage» nicht alle, an Patriotismus und Freigiebigkeit doch wahrlich nicht zurückftehend« Glauben»» gmoffm nicht sehr empfindlich berührt? Gebe Gott, daß d« bevorstehende Krieg auch die letzt« Spur« d« „Ungleichheit vor dem Gesetze" au» dm deutsch« Gesetzbüchern hinwegfege, daß « dm Sieg btt Einheit, Freiheit und Gleichheit bringe! Al» solche» SiegeSzeich« möge die mit da MobilmachungSordre «folgte Emennung de» hiefiz« jüdisch« Stabsarztes Dr. Rosen» thal zum Regimmt»arzt in diesem Blatte registrirt werden. Oesterreich. Uv» der unteren Ztsnnn, 29. Juli. (Orig.»Eorresp.) Die Angelegmheit mit dem arm« Rabbin« in Palanka (s. m. Brief in Nr. 22) ist noch immer nicht auSgekagm. Bon dort au» wird da» District-präfidtum, von diesem da» CultuSmtnistaium um Abhilfe gedrängt. D« z. Z. stellverketmde DistrictSpräfidmt holte nun üb« Auftrag de» h. Ministerium« durch Vermittlung eine« d« geachtetst« Männer Palanka'» die genauest«, durchweg» constatirt« und lezalifictm Nachricht« üb« dm ganz« Vorgang de« Wahlakte» ein, übafandte die Ortgtnalstücke in Bausch und Bog« ^ur «blich« Amtshandlung an die höchste Behörde, mtt dem (ausdrücklich abvalangtm) Gutachten, e» möge höher« Orte» d« Wahlakt de» damalig« Borsteh«» für null und nichtig erklärt und so d« Hunga de« Her« Rabbiner» und da noch größae Eollecttvhung« de» Lehrerpersonals «blich dreri wnnu gestillt w«dm. Denn da« Widerrechtliche d« Vorgänge daselbst war so schlagend nachgewies«, daß auch mit dem Sonnmmikro»kope eine Bemängelung d« übersendet« Act« nicht zu erkenn« gewesm wäre. Nun, dachte man, wird fich d« arme Rabbin« mal wird« satt «ff«. Aba nein! Da» h. Mmist«ium gab in seinem Re» scripte die Weisung, die Angelegenheit zur endlichen Lösung dem — vom jüdischen Congreßstatute als allein maßgebend bezeichneten und jede-mal für ein Semester nä hoc zu organifirenden Schiedsgerichte zu überantworten. — Da« ist denn doch die eklatanteste Anerkennung desim, wa» wir gefchaffm, und wa» un» zum Trotze hmte von einem gutm Theil jüdisch« LandeSbewohn« al» durchaus ungüttg erklärt wkd. Da» ist doch «blich einmal rin Respecttrm d« im Eongreßapparate gipfelnd« Autonomie, wie es nimm« vollständig« gedacht wad« kann. — E» läßt fich doch unmöglich hint« diesem zähm Festhalt« an dem so vielfach angesochtmm Statute ein maSkirte» Liebäugeln inst d« otthodor« Partei haauswitteru. Man könnte in angestammt« Gupa» Äughett wohl auch da» annehm«: ab« die Aaadhett de» ganz« ministeriell« Vorgehen«, und d« Umstand, daß in mehr Homo» gm« Distrietm thatsächlich ein Schied»g«icht zusammengesetzt worden und al» solche» «dgiltig analonnt ward« ist, laff« «in« solche gemeine Spitzfindigkeit nicht aufkomm«. Da« Mini» sterium meint es ganz gut und ganz «nstlich, und nur wir kleingläubigen Phlltst«, die wir nicht eine Stunde lang dm trau» lich«, heimisch« Herd valafsm, so uv» nicht ein speculative- Lande»product au» den 4 pfähl« hinau-drängt, — nur wir, die wir etwa» Furcht habm vor d« nagelneuen Eomposition eine» derartig« Tribunal», — nur wir «blich, die wir unf«n Grofchm g««e sich« und nutzbringmd «mlezm, und wenn schon nicht die Zins«, doch wmigstm» da« tziapital noch in diesem Jammererdmleb« einrissirm möchten, — wir Hintakeiben die Sache, al» ginge sie un» «eit« nicht» an. Ja, wir find faul und lässig, und da«m wird e» dem Gegner so leicht, die Schwachgliedrig« und Schwachsinnigen tüchtig zu schwänz« — jan »yy nnxi o^nr n« "p am &efl, im Juli. Aeltae Leute «innan sich de» ungeheurm Aufsehm», welche» da» plötzlich« Verschwind« des hiesig« Juwe» lier» Hirscp im Jahre 1439 verursacht hat. Derselbe hatte nämlich einer an ihn erz-ngmen Einladung, seine kostbarsten Waaren nach Ofen in die Festung zu bringen, Folge geleistet und war seit jenem Tage mit dm die Summe von 89,000 Fl. auSmachendm Effect« »«schollen. Bor einig« Tagen traf e» sich nun, daß der HanSmeist« eine» in der Festung befindlich« Hause» sein Ende herannahen fühlte. Derselbe ließ nun die Nachbarn herbei» rufen und machte ihnen, von GewissmSbissm gepeinigt, di« «t» setzliche Entdeckung, daß n und sein Hau»h«r vor 31 Jahr« dm Juwelin Hirsch ermordet und desim Leichnam im Kell« »«scharrt hält«. Da» Bewußtsein dies« llnthat hätte ihm schon lange die Seele belastet, doch Furcht doi: irdisch« Strafe wäre e» gewesen, die ihn bi« jetzt vor der Selbstanzeige zurückgehaltm. Jetzt fühle er den Tod im H«zen, un!> « könne nicht früher ft«bm, al» bis n diese Mittheilungm gemacht. Dn bekeffmde Hausbesitzer soll 14 Häuser besitzen. (P.Bl) -rz. Wie«, 25. Juli. (Orig^Corr.) Während die Aufmerksamkeit ganz Dmsichland» augmblicklich von dem drohend« Kriege in Anspruch genommen ist, taucht in unserm Gemrinde» vorstand plötzlich d« Antrag auf eine umfassmde Synagogenreform (Orgel, Abschaffung d« auf Jerusalem und die Opf« bezüglich« Gebete u. s, w.) auf. Ich weiß nicht, ob mau dm Kriegslärm bmutzt hat, im dies« Antrag unvermerkt durchzu» setz«, in derselbm Weise, wie der Papst unter dem Gnäusch der Mobilmachung sich für unfehlbar erklärt hat, oder ob man dm Hochsommer, die Babesaison cibgewartet hat in dem Glaub«, daß die kleine Anzahl der zurückbleibmd« Vorsteh« fich eh« würde von dem Reformantrag überrumpeln lass«; g«ug, in der ganz« Gemeinde ward derselbe wie ein« Ueber» raschung aufgmommeu. Es ist weder jetzt noch früher eine Pe» tition an dm Vorstand gelaugt, welche eine reformistische Umänderung de» Gottesdienste» verlangte, muh zeigt sich, nach dem Besuch >mser« Tempel zu urtheilen, überhaupt ein vedürfniß danach Wohn stammt dmn der Anttaz? Lion der Synode. Sie kann es sich zur großen Ehre rechnen, daß sie, d«m Be« schlüffe, soviel un» bekannt ist, in allen deutschen Gemeind« spurlos vorübnzegangen sind, grade hier nach Jahr und Tag noch eine Wirkung, nämlich ein« Reformaatrag, zur Reife bringt. Al» wa» aber unserer Gemeinde dieser Gehorsam gegen die Leipzig« „veschlüsie" cmzurechnm wäre, will ich vor der Hand nicht auSsprechen. Ich dächte, in CultuSsachm wäre bi»h« unsere Gemeinde für ganz Dmtschland und darüber hinan» tonan» gebend und mustergiltig gewesen. Soll sie nun hingehen,

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