Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 32 (10.8.1870)
- Date
- 1870-08-10
- Page
- Seite 267 (sequence 7)
- Language
- German
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267 Da» „R. J»r. Wcrkbl." berichtet, daß der Professor vr. G. Rosenstein in Groningen (Sohn de» sei. 9t Tlchattön R. in Berlin) für 1870—71 "zumRtttör magnlffcuV der dortige« Universität ernannt worden ist. Dir haben in Nr. v d. Bl. »rwähnt, daß in Leyden Professor Goidsmit, ebenfalls Israelit, zu demselben hohen Ehrenposten für da» laufende Jahr befördert ist, «nd haben dabei bemerkt» daß Holland da» erste Land sei, welche» einen jüdischen UniverfitätSrcctor erkoren habe. Dir benutzen diese Gelegenheit, »m nachträglich zu sagen, daß wir un» damal» wahrscheinlich geirrt haben, indem, wenn wir uo» recht erinnern, der bekannte Prof. Valentin (aus Preußen) vor Jahrzehnten schon da» Rectoramt der Berner Hochschale bekleidet hat. Auch in Schwede» hat da» jüngst erlassene Emanzipationsgesetz alsbald die Beförderung eine» Juden, de» vr. Rob. Rubenson, zum Professor der Meteorologie an der Universität Upsala herbeigeführt. Die schwedische Zeitung „Allehanda" enthielt eine ausführliche Mittheilung über die wissenschaftlichen Leistungen diese» Gelehrten, beklagt, daß er seine» Bekenntnisses wegen solange der Lehrthatigkeit entzog« geblieb«, und freut sich, daß die altehrwürdige Universität Upsala die erste gewesm, welche «für sich und die Wissenschaft au» dem n«m Gesetze Nutz« gezogen. In England ist da» Programm einer Gesellschaft für hebräische Literatur erschien«. Dieselbe hat sich ein weites — aber viel zu weites — Ziel gesteckt: e» soll« Uebersetzung« oder Auszüge au» allen bedeutmdm Werk« der nachbiblisch« Literatur, von dm Apokryphen und ältest» Midraschim an bi» zu dm Arbeit« von Zunz, Sach» und Munk hinunter verösfmtlicht werdm, agadische Werke und Bibelcommmtare, ReligionSphllosophtt, Geschichte und Reis«, Poesie, dazu, wie man bemerkt, die Schrift« der »euestmZeit! Sehr anerkennmSwerth und förderlich ist dagegm da» Streb«, Vorlesung« über jüdische Geschichte und Lehre zu halt«. Wir find« Bericht über solche fast in jeder Nummer der mglischm Blätter. Die nmeste Nr. de» „Jew. Record" bespricht ein« von vr. Herm. Adler im jüdisch« Handwerkerverein über Geschichte der Judm in England gehaltmm und veröffenttichtm Borttag. Eia Au»schreiben deS Her« Isidor, Troßrabbiner von Arnnkreich, fordert seine französisch« College» auf, sich zur Uebernahme von Feldgeistlichen- (AumOnttr-) Stell« währmd de» Kriege» zu meldm und theilt die sehr günstig« Bedingung« und Ehr« mit. Parallel« find nicht zettgemäß. Von a»erikauische» Blatte« sind un» nur „JSraelite und Deborah" zugegangm. In letzteier polemifirt Herr Wise gegm unsere V.-Correspondeuz in Nr. 24—25 (welch ein Sturm wird jetzt erst loSbrechm!). Thatfächliche» enthält die Abwehr nicht. Nur eine Bemerkung theilm wir mtt, da wtt ebm nur Wahrheit such«, soweit sie uaS von hier au» erkennbar ist. Herr Wife meint, die Spaltungen in dm amerikanisch« Gemeind« rutftündm hanvtsächlich ,H«rch die Landsmannschaft, well ebm Deutsch« und Pol« um fett« gleich gesinnt sind." — Dir» dünkt unS, wie angedeutet, richttg. Wenn er aber anch sagt, daß in d« Reformgemeindm die Spaltung« höchst fett« seien, so vergißt er die heftig« Fehdm zwischm dm Re- | formrabbin« selbst, vergißt, wie er in derselbe«Nummer sich j gegm ein« bitterbösen Ausfall der „Je». Time»" vertheidig« muß. Da» Eine aber müff« wtt noch sag«. E» liegt un» nicht» ferner al» Geringschätzung oder Mißachtung der Juden tu Amerika und ihre» Gememdelebm», im Gegentheil! Wir blick» auf dtt Eatwickeluag de» Judeathnm» in dm Bereinigt« Staat« mtt der gespannteftm Aufmerksamkett, mtt hohen Erwartung«, vielfach mit inniger Befriedigung. Damit genug für heutt. ,t „Jew. Record" bringt Uebersetzung nur» ausführlich« Berichte» der in St. Lhe«a< erscheinmd« dänisch« Zeitung über eine Versammlung, welche dort aus Anregung derMiaNce weg« Adoption «ssischer Waism stattgefundm bat R«. Nathan hatte sie beruf«, Männer von all« Religion« hatten sich eingefundm und nachdem Herr Nathan die Sachlage geschildert, unterstützte ein christlicher Geistlicher, Herr Allan, welcher die «sfischen Judm au» längerem Aufenthalte gmau kennt, dtt Schilderung und die daran geknüpftt Bitte. Er gibt dem Fleiße, der Inttlligenz und Tüchtigkeit der russisch« Juden da» beste Zeugnih. ES wurde beschloss«, ComitöS zu ernennen zu „vereinigt« Geldsammlungm der Judm und Ehrist« n in St. Thomas zur Unterstützung jüdischer Waism au» Rusiland und Polen", da die Verhältnisse eine Aufnahme von solch»« auf der Insel selbst nicht thunlich erscheinen ließ«. Ein auS Anenos Kyrer zurückgekehrter GlaubmSgenosse theilt dem „Educt. iSr." folgmde Notizen mit: Die Zahl unserer Glaubensgenossen daselbst beläuft sich auf ca. 500, meist Deutsche, während noch vor wenig« Jahr« kanin 50 zu find« warm. Alle ohne Ausnahme nehm« geachtete Stellung« ein. Eine der erst« Druckerei« der Stadt ist dtt der Gebr. Bomheim, ausgezeichnet durch ihr« besonders schönen und elegant« Dmck. Eine» der erst« Manufactur-Ln^rvs-Geschäfte ist da» deS Her« Jsak L«i. Ein Banquier, Herr Emil Hardt, ein einflußreicher Mann, hat vielfache Beziehung« mit dem Präsidmtm der Republik. — Der Gottesdienst an Sabbath» und Festtag« wttd in dem Saale eines eifrig« Gemeindemitgliedes abgehalten und zwar nach dmtschem RituS; eine Sefta Thora wurde schon vor mehrerm Jahr« aus Europa angeschasst. — Die Gräber der J»ra«liten auf dem zemeiuschastlichen Kirchhofe zichnm sich von den« der Katholik« dadurch auS, daß sie keine Bilder und Ver» zierungm ttagm; man besttedt sich indeffm, ein« besonder« israelitisch« Friedhof zu erwerb«. Literaturbericht. Ak«PP, Michael. Zweierlei Judm. A. HarllebenS Verlag. Wim, Pest und Leipzig 1870. Der Herr Verfasser gibt in den drei Erzählung«, di« er un* liefert, ein recht lebhafte« und anschauliche« Bild im Ghetto. Dtt Darstellung de« Sauzen ist klar und anmulhig, und sämmtliche Eharaltere, dtt uu« in dem Bächlein entgegrutre»«, find nach allen Seiten hin licht jüdisch. Dabei ist dtt Sprache augemeffeu und nirgend», wie e» leider nur p häutig bei Beschichten dttse« Genre» verkommt, durch Satzverdrehnngen und gewaltsame Lonstrnctwnen verunstaltet. Di» Erklärungen t«r hebräischen Wörter unter dem Text find kurz und so bezeichnend, daß stt anch tem Laien verständlich find. Luch die äußere Aulftattimz läßt nicht» p n-ünschen übrig. Da» Buch bärste sich sehr zur Prämienvertheilnng in jüdisch« Schnttn empfehlen. chrütz, Monatsschrift, Auzust-Hest 1870 «thält: Beiträge zum vrrständniß der Genealogien der Lhronik. Bon B.Behrend. — Joseph b« «quin, von Ld. Neubauer. — Halachad-kritische Forschnngen. (Schluß.) Von ttr. Dünner. — Dtt moderne LuUur und da« Jnbmthmn. Bon Dt. Guttmann. — Etymologische Stulfien »c. (Fortsetzung.) Bon Dr. I. Perle». — Dtt grüßte Bibel der Welt, eine prechtvolle Maellin'sche Lu«» gab«, ist jüngst in einer tlnrtion p London sttr ISS Psnnd Sterl. verkanft worb». Stt enthielt 11,000 Stiche und Holzschnitte und war in 63 z vßeu Foliobänd« prächtig gebimdm. Der verstorbene Bücherfreund I. Bell in Manchester hatte diese kostbare Bildersammlung psammengetragen.