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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-10 · 32 (10.8.1870) · p. Seite 264

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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264 Hause, mit jeuem bekannt« hehlen Phrasengckliagel -egen jede Spaltung und Lreuauag, welche dt« anstrebeu, die sich der unerhörten Gewalt nicht fügen wollte»*). Zwei Rabbiner und ein Rabbiuat-^lffeffor — und doch dt« jüdische Gemeinde al« solch« mit ihr« religiös« Institutionen ohne jede vertrauen«. würdige Vertretung! Hiervon nur ei» -»röbchm. Daß die Kojcherfleisch-Angelegmhett**) hier im Arge», wie in keiner jüdischen Gemeinde, sich befindet, ist allgemein bekannt. Al« der prüfe« der sog. Fletsch. Eommiffion, Banquier Mende (wir nenne» absichtlich Namen, um auch dem leisesten Zweifel an der Wahrheit zu begegnen), dem Vorsteher Stadtrath M. Magnu» nach dieser Richtung hin ernstliche Vorstellungen machte, er. wiederte Letzterer: „Sie sind ein zu gckildeter Mann, al« daß Sie noch au solche Sachen von koscher und trefa glauben sollten (sic!)“. Unzerleider, der sich al« den Vertreter der eigentlich specifisch-religiösm Jaterefien — von orthodoxen oder confervativeu Interessen ist gar nicht mehr die Rede — ansehen möchte, strebte dahin, daß für fämmtliche Fleischwaaren-Handlungen — 13 an der Zahl und über die ganze Stadt zerstreut — ein Inspektor angestellt werde, de»' allerdings nichts weiter thun könnt«, als von Zeit zu Zeit eine» Besuch in dies « Läden abzustatten. ES war sehr schwer die Bewilligung zur Anstellung einesolchen (Schein-)JnsperlorS zu erhalte«; nunmehr drang dieser Antrag in Folge einer von ander,t Seite her drohenden Concurrenz durch. Doch konnte nicht so leicht Jemard 'gefunden werden, bereit, sich gegen ein jährliches Honorar von 40V Thalern zu solchem Strohmann erniedrig« zu lassen. Endlich fand sich ein alter Mann hierzu bereit; schon nach einem zweimaligen Umgänge bei den Fleischhändiern wußte er von haarsträubenden Entdeckungen in Bezug auf Schechita und ^äschruS feine» Freunden zu berichten, ohne auch nur die geringste Abhilfe auzustredm. Ukid als bald hierauf der Inspektor in Folge eiueS Beinbruches fünf Monate hindurch verhindert war, fiüien Besuch in den Fleischhandlunge« zu mache»«, blieb SlleS beim Alten — nur auf dem AuSzabe-Et-t stand d»S Gehalt deS Inspektors als neuer Posten. WaS kümmert'S die Vertreter der Gemeinde- Sie haben ja drei Rabbiner hiefrr bestallt, von denen der Eine laut, die beiden Andern mehr odei: minder laut einstimmmd, verkündet hat: „Da- Judtmlhum wird Wesen, Grundlage, erschöpfende» Ausdruck nicht mein in verbodmen Speisen, Schlachtregeln, strenger Sabbathfeier ». tgl. finden." (Schluß folgt.) Hßerli«. Beim Füsilier-Bataillon deS 2. Garde-RegimentS meldete sich dieser Tage auch ein kleiner» nicht eben gardemäßig auSsehrnder Mann in Begleitung seine» OheimS als Freiwilliger. Der junge Mann bat inständigst um Annahme; der Commaudeur lehnte wegen lleberfüllung feine» Bataillons diese» Gesuch wiederholt ab, erklärte sich aber dann sofort zur Annahme bereit, al» der Oheim deS jungen Menschen sich ihm als der Abgeordnete LaSker zu erkennen gab. •) Wir stad überzeugt, daß einsichtige Leser zwischen dieser Leußeruug de« Herrn rorrespoudetäeu und de«, wa» wir i» unserem vorigeu Leitartikel ,^ur Versöhnung" gesagt haben, knuen Widerspruch finden «erde», abgesehen davon, daß wir aus di« Verhältnisse in Berlin dort ausdrücklich hiugtsirsea haben. Wir räume» vollkommen ein, daß da, «v ein« wirklich» oder zu« fällige Majorität ihr llebergewicht mißbraucht, nicht» übrig bleibt, al» daß diejenigen, welche nach dem Sefes>e de« Judeuthnm« leben «ollen» für sich selbst sorge», und wenn sie dann Ixt Beitragspslicht für ihnen nicht zu Gut« kommend« Jnstitotionea ledig zu werden streben, so ist das sicherlich nicht Unrecht. >der das oben geschilderte Bersahrea bildet eine Ausnahme. Ausnahmen bestätigen di« bieget, und diese lamet: keine Trennung und Spaltung, so lange es anders möglich ist! (Red.) •*) Anfangs hatte Dr. Anb s:lbft die Schächter geprüft. „3tn. Times" sagte jüngst: ^Männer wie Anb nnd Seiger haben nicht» mit Schochtim zn thnn, und auch hier zu Land« würde sich niemand um «ine!bsp an Adler oder Einhorn wenden." Lab aber erklärte später das hildesheimerlche Fleisch für trefa »nd derlei sich anf den «Lchulcha» arnchl — ck. »rmü«, 4. «ngnst. (OAg-Emrch».) jEonsesst^ nelle Schule« »nd. confesslon»lose:La,ar«ths.1 Der vreSlauer Gchulstrett «tarnt seinen ungestörten Fortgang. So». fesstonSlos« Schule» verlangt der Magistrat, christlich« Schule» der Herr Minister. Da» schöne nenerbante JohanneS^Syn»' uafium wird daher, da man hier de» confessioneüea Schrillen de« Herrn v. Mühler nicht »eichen wird, andern eonfesfionSlose» Zwecken dienen, e» wird al« Krteg«lazareth gebraucht werden. Katholiken, Protestanten und Juden werden in der mm doch confesfionSlosea Anstalt brüderlich bessnmme» wohnen — wie sie jcht mit gleicher Begeisterung und ohne eonfesfioaellea Unterschied in den Kampf ziehen. Doch wie. ist nicht auch der Krieg confesfionell? Richteten sich z. B. die Aufforderungen zum Buß. und Bettage an andere äl« an die christlichen Unterthauend Gebetet habm wir frellich auch für Brüder und Söhne «nd Gatten, die jetzt den confesfioaSlosen französischen Ehaffepot» gezenüberstehe«, gebetet habm wtafür dm Sieg der dmtsch« Waffm, wenn auch «nanfgefordert. Doch wa» „christlicher"' oder jüdischer Bettag, aufgefordert oder nicht! lln» liegt etwa« Andere« auf dem Herzm! Mühler'sche Idee« schein« auch aus andern Gebieten deS Staate« zu herrschen. Tausmde von Juden dienm ihrem Vaterlande al« Soldatm. Nur vereinzelt aber wird — und auch da« erst fest dm letztm Jahren — ein Jode als Offizier in der Landwehr zugelassm: in der Linie gißt e« noch heute nicht einm jüdisch« Lieutenant. Wa« sagt aber Th. Mommsen, ein prmßischer Prsfessor, der die Geschichte kmut und die Gegenwart versteht, über dies« Punkt? „Wer Soldat werden muß, muß auch Offizier werden können, so lange der Staat nicht faul ist". (3t. G. I, 94.) Daö galt schon für die Plebejer 'in dm Zeiten de« alten Köniz« von Rom, Serviu», vor so und so viel tausmd Jahrm; für un« Judm giltheute noch nicht! Aber c« ist Zeit an dies« Satz zu erinnern, hmte da Tausende jüdischer Soldat«, „die nicht Offizier werdm könnm", Tausmdm ihrer GlaubenSzmoffm feindlich gegmüberstehm, welche in ihrer Armee die höchst« Ehrmstellm innr habm. Und wmn jetzt nicht die Zeit zu Forderungm ist, da der heuchlerische DeSpot an der Seine diese und jene zum Kampfe gezwungm hat: wir werdm ihrer gedenkm, wmn ein ruhmreicher Fried« von unsem Brüdern erkämpft sein wird und dann vielleicht wieder die Phrase vom „christliche« Staat" unS entgegmklingt. Wir werdm dann uns erinnern, daß in der Zeit de« Kriege« die Bayonette nicht „christlich" warm, die man in unsere Hand gab, ebmsowmig wie die Kugeln, welche jüdische Herzm durch» bohrt«. * A-nigrtzer«, 1. Aug. (Orig.-Corresp.) Am 15. Juli wurde der, für jetzt leider letzte, Transport russischer Judm nach Amerika von Hamburg auS expedirt. Die Einschiffung wurde durch dm gerade dort anwesmdm hiesig« Rabbiner vr. Bau», berger in Gemeinschaft mit dm Herrm P. Simon und M. I. Michael persönlich geleitet. Da« Newyorker Eomitö (Mr. JsaacS, Brodway 243) hatte die Bedingung gestellt, daß die ihm überwiesen« Person« sich verpflicht«, auf Anordnung des ComitöS in da» Innere zu geh«, und man hat deßhalb dieselbm vorher einm deßsalfigm SieverS unterschreiben lasse«, der dorthin geschickt wurde. Hoffmt» lich ist man mit der Auswahl zufrieden. Jnzwischm ist hier nicht nur die Auswanderung, sondem auch die Beförderung, der Waisenkinder eingestellt: neun bereit» eingekleidete Kinder mußten in ihre Heimath zurückgeschickt werdm, da der Transport gegmwärtig unmöglich und viele Gemeindm geradezu gebet« haben, die gewünscht« Waisen erst später zu senden. — Geben Sie diese kurze Notiz, damit man aller Ortm sich anf friedlichere Zeit« vertröste. Magdetzurg, 2. Aug (Orig-Eorresp.) Von dm mancherlei Ungleichheit« vor dem Gesetze, derm sich die Judm in Preußen

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