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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-10 · 32 (10.8.1870) · p. Seite 262

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
Seite 262 (sequence 2)
Language
German
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262 Unterscheidungszeichen für die Snhänglichkett an da» ganze uud volle Judenthum. Aber um bbjfe zu betonen, um für jene Feier z» sprechen, genügt e» nicht (»fr die? di« unS bereit» vorliegenden Leitartikel de« „Israelit" u»d der „jüdischen Presse" thnn) au die »amen« losen Leid« zu erinnern, welch« seit — jetzt gerade MScs — 1800 Jahre« über un« «irgangm find, nicht au« dem eben ansgebrochenen furchtbaren Kriege die Lehre zu zieh«, daß da« Gottesreich noch nicht gekommen, die Verheißung« noch nicht erfüllt sind, daß daher der Dünkel der Kinder unserer Zeit, ihr Stolz auf die Errungenschaften uud Fortschritte de« Zeitgeistes ettel find, es genügt nicht, hinwiederum an die wunderbare Erhaltung J-rael» zu erinnern — fällt et denn dem Radikalsten ein, eine Silbe von diesen Thatfachen und ihr« natürlichen Folgen zu bezweifeln o?er gar zu läuguen?! Und weist man auf die Roth de« Kriege« hin und knüpft daran die Mahnung, zu Gott und feinem Gesetze zurückzukehren, so thun die« ja alle Prediger zumal, Ehristen wie Jude»; wendet sich aber die Mahnung speziell auf die Feier de« 9. Ab, so ist sie gewiß sehr eindringlich für diejenizeu» die dafür empfänglich find, aber diese bedürfen ihrer nicht, sie haben den Traurrtag auch in den Zeiten de« Frieden« gehalten! Die Andern aber «erde« Euch sage«: in so trauriger Zeit habm wir erst recht weder Sinn noch Muße ftir da« Gedächtnis einer uralten Begebenheit. Wer zu viel beweisen will, beweist nicht». Heben wir denn die Erörterung au« dem Gebiet der Deklamation, der orthodoxen wie der Reform-Phrase heran«. Auch auf andere und triftigere Gründe für die Trauerfeier de» Gerächtnihtage» wollen wir nicht eingehen, sondern den Kern der Sache suchen und die Frage klarer hmstellen. (Schloß folgt.) -in -orfchlag für -n-land. Die Eardtff-Entführuug-geschtchte (die Bekehrung der Miß Lyon» durch Thomas s. Nr. 29) regt noch immer di« jüdisch« Presse in England auf; mit Recht. lLfere Bemerkung, daß man de« Miffionairen und Seelen» fängern am Vesten und Einfachsten durch «»reichende Belehrung der jüdischen Jugend entgegen arbeite» werde; wird nicht nur von der „Revue isr." gebwigt, fivdern die «iugejaudt» der eng. °«sche, Blätter wache, setzt eucher diese« Sinne Vorschläge. Einer von dies«, in jeder Gemetnde Aue« tüchtige» jüdischen Lehrer anzustellen, ist leichter ansgesprochen al« »««geführt, und wenn der Oberrabbiner aufgefordert wird.'dafür zu wirken,, so bedarf es dessen nicht, da die« gewiß ei«' seßvtcher Wunsch jene» Herr» ist. Sehr vernünftig ist dagege» der Vorschlag, eine neue englische Bibelübersetzung von Juden bearbeiten z» lassen, damit di« übliche, christlich zubereitete und mit Ueberfchriftm in chrtsto» logischem Sinne versehene an« de« jüdischen Häusern verdrängt werde*). Es solle sich zu diesem Zwecke, wie die« in Deutschland mit Erfolg geschehen sei, eine jüdisch-englische Bibelgesellschaft bilden. Wir können jedoch (bet der hohen Wichtigkeit der Sache) nicht umhin einen andern Vorschlag zu machen, welcher schneller ansznführe» sei, wird, als die «eit an»s«h«de Aufgabe einer neuen Bibelübersetzung, und dabei von ««zweifelhafter Wirksamkeit sein muß. E« sollte ein kurze«, kernige« und gediegene« Buch verfaßt und unter de» engltsche» Jude» verbreitet werden, in dem einerseits die landläufigst« Argumente der Judenbekehrer widerlegt, anderersett« aber auch die Argumente zur Bekämpfung der letzteren geboten «erden; ein Büchlein also zu Schutz und Trutz. Unsere Position ist eine solche, daß »fr, wenn wir einmal angegriffen werden, fürwahr nicht genöthigt find un« auf die Defenfiv« zu beschränken! Wir haben Waffen, welche vernichtend wirken, und in England, einem Lande unbeschränkter Preßfreiheit, lassen sie sich gebrauche«! Di« ameri- *) «ir tragen bei dieser Gelegenheit »ach, da» gegenwärtig M» de» Behörden der engüfche» Hachtirch« «in« Revifia« »er .Mtaristrten vibeiltbersetznag" vorgenom me» wird, daß dt« dez» etngefetzt« Lommiffion befchiaffe» hat, auch aorerweiltg Gelehrt« al« veiräth« hinznznziehe». und daß z» diese» anch der Oberrabbtaer von England gehört. vir hatte» Bedenke« getragen, latere Rotiz den jüdischen Blättern zu entnehmen, weil wir in rtnnn Be» zeichniß der Mitglieder der Lommtsst», nnd de» Beirarhe» den Ra««» de» Herr» vr. Adler nicht gesunden hatten. Die Nachricht hat sich jedoch nu» mehr bestätigt. Feuilleton. ,) u a n i t a. (Fortsetzung.) Juantta hatte die Hände ihre« Barer» ergriffe» und drückte fi« krampfhaft, sprechen konnte sie nicht. „Und auch Du", fuhr Diego fort, „auch Du wärest verloren gewesen, den» diese Elenden kenn,« kein« Rücksicht. Ihre unversöhnliche Wuth kennt keine Schonimg für die Jugend, für die Unschuld. Sie vernichte« Alle», wc» ihrer Macht im Wege! steht, sie verderbe« all« diejenigen, deren Güter ihre Habsucht reize«. Ihre Mörderhand schont nicht einmal dt« wahrm Christen; sie entvölkern da» edle Land der Spanier, die Arbeit liegt darnieder» derAÄ: bleibrunbebaut, aber die Scheiterhaufm rauchen fort!" „Und der König!" warf Juanita ein, „weiß der Köuig, daß man seine unglücklichen Unterthanen in der Weise mißhandelt?" „Der König?!" cntwortete Diego bitter lächelnd, „er steht mit der Jnauifition im Bunde, wem, er sich überhaupt noch stark genug fühlt, sich nicht zu ihrem Schergen zu erniedrigen. Wehe diesem unwürdig« Hirten der Völker! Ich selber habe ihn der grausamen und unverdienten Hinrichtung seiner braven und treuen Unterthanen beiwohnen sehen. Unter den zahlreiche» | unglücklichen Opfern, dt« an einem Tag« umkamen, befand sich auch ein Weib, jung und schön, wie Du, «eine Juanita." Juantta schauderte. „Ach ja," sprach Diego träumerisch weiter, „sie war noch schön trotz der Letchenbläffe, di« ihr edles Antlitz bedeckte, trotz der schreckliche« Oualen, dt« st« offenbar hatte erdulden müssen. Ich weiß nicht, wie es kam, aber die Unglückliche glaubte sich auf dem Wege zum Henkettode dadurch retten zu können, daß sie sich unter den Schutz der königlichen Majestät flüchtete. Sie entschlüpfte de» Händen ihrer Mörder und warf sich der Königin zu Füßen. Sie beschwor sie bei ihrer Jugend, bet denen, die sie liebte, bei ihrer Mutterliebe — die Arme hatte ebenfalls Kinder — Mitleid mit ihr zu haben, sie zu retten, fi« betheuette ihre Unschuld . . . Die Königin war gerührt, sogar der König macht« eine Bewegung de« Mitleids: da trat der Großinquisitor hervor mit dem schwarzen Erucifix in der Hand» und da» Königspaar, die Beschützer des Volkes, blieben ohnmächtig gegenüber dem stechen Auftreten eine» Pfaffe» ... Der Scheiterhaufen verlor sein Opfer nicht." „Großer Gott! Und was hatte fie verbrochen?" fragte Juanita. „Ihr Gatte, der einige Zeit abwesend war, sollte nach Hause kommen ... In der Freude legte die Unvorsichtig« Festgewänder an ... e» war ein Samstag . . . man klagte sie de« Judatstreu« an . . . Der Gatte kam erst nach einige« Tagen an, fie wurde der Ketzerei verdächtigt und eingesperrt. Einer ihrer Le»

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