Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 32 (10.8.1870)
- Date
- 1870-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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t. Jahrgang NI 82. - 1870. ... ffir die religiöse« MMimiMIr m M Petttzetl, der ttrw Rna lVbCfc ♦ uud sociale» Interesse« des Judntthnms. j 9Mmw$ttA4ti WtWhwr nb tzer«r»-rber Rabbiner Dr. JU Ire»e»fet« in Stettin. Breslau, 10. August 1870. Z» hqtehe» durch allr Buchhandlung« and Pißaaßaltea. -nsttntrn-.HNMch»« -* t» d^e w , SchleUer'scheu Buchhandlnng (H. Skutsch) in Brelsau. Iahalt. üettmt« Arttßel: Da« chedUchtath der Z«rstlr»»> Ierasale«» »»d de, rrostsabbat. »in »erschlag f«r «nglaad. Amtleto«: In«»!,», Berichte Mt C*mf«Mtea|ai-. D»»tfchland: Berlin verliu. «re«lau. «aigrberg. Magdeburg. Oesterreich: Bau mt nm vvwhl PkK. mau mau mMertvt: utOfDLmen». WrnWpWk «m Miipi MOGNHVkNi vemverg. vro«»Anu Vlywe»«iu rngra»». ymakeitch. «n» «WgNU^. ..Wt. «hm,«.- vnend «her«. MtuhMtHt. twii|tl sttstr. Jrisrrat«. **.. .. _______ ’__ -as Gedächtnih der ZerWu», Ieryfav»» «m> der rreßfqlchßU Wen» tiefe« vlaib'i» die Händ« der Leser gelnngt, wird der S. Ab vorüber fei» und der „Lrostsabbat- »echt» 'Wir »olle« daher beide i» sich eng verbünd«« Taste Pismumnfaff« »ud vo» letztere» ausgchm. > w ‘tnifan t *r Ar'*~m' rff“ berammich mrt de» Worten Rachamu, nach«««, ^trßstet, twfta «ein Volk". beginnt. Der Midrasch gibt für dfiiBerdoppebmg diese« Worbe« vielerlei finnige Deutungen, aber ein« Wendung und Anwendung hat er nicht, und doch liegt diese in der Gegen» wart recht nahe. ,tröstet mein Soft", wenn el um Zion trauert; „tröstet ti“, wenn e« auch nicht mehr trauert «nd! keine« Tröste« mehr zu bedürfm meint. Wir brauch« nicht ' zu sagm, daß diese« bei sehr viel« Jndm in dm Sündern, die ' ihn« ganz oder wesentlich die bürgerliche Gleichstellnng gewährthabm, der Fall ist. Darüber nun lediglich zu klatzm «Nd die Zeitgmoffm zu fcheltm ist unnütz uud thöricht. Etz läßt Dch ja nicht verkenn«, daß die veränderte Anschauung erkUMp «nd natürlich ist; setzm wir wiederum die Mitwelt nicht Wer Gebühr gegm die Vorzeit zurück. In früherm Tagen, al« noch alle Juden heiße Thränm über die Zerstörung Jerusalem« vergoss«, al« man über dm Tempelbrand klagte „wie man bitter weint um ein« Erstgebornm", da warm e« anch nur Einzelne, geistig höher Stehende, der« Trauer der Stadt, dem Heiligthum an sich galt, die Thränm der Mmge galten dem fortdauernden Galat und Rischu«, dm blutigm oder unblutigm Verfol» gungm, dm Kränkung«, die fich täglich ernmetm, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt drohetm; und so wie in dm Klageliedern für dm Lrauertag fich die Erinnerungm an Hadrian, die Kreuzfahrer und Flagellant« zu dmm an Nebukadnezar und Titu« füg«, so klagte am S. Ab jeder Jude zugleich über seinen Titu«, weinte über Druck «nd Schmach, die ihn selbst betraf, und da« Nächstliegende bleibt naturgemäß da« Nächste. Damm begeh« unsere Glaubensgenossen in Rußland und Rumänien, Persien und Marocco dm Trauertag noch ganz so, wie e« unsere Vorfahr« an allm Ortm gethan. Darum hat aber doch der v. Ab nicht« von seiner Bedmtnug verlorm, er sollte vielmehr eine reinere und höhere gewonnm haben. So wie da« Gebet für die Gefammthett erhabmer da» ftrht, al« da« Bitten de« Einzeln« für fich und fein Han«» so ist nnser Schmerz, wenn er den Tansmtm unserer Brüder gilt» die noch dal Joch tragen und im eigen,« Schmerze «einen, rin chlerer, al« wen» er und so lange er un« selbst galt. Uud so wie da« Gebet «m geistige Güter höher steht, al« die Bitte um Leibliche«, so steht unsere Trauer am k. Ab reiner und er» habmer da, wenn und weil fie nicht Irdischem gilt, wen» «d weil wir dabei durch Gotte« Gnade nicht an uu«, au Misere lin dni Gedächtnißtag in seiner ideal« Bedeutung auffaffm. Um diese zu erkennen, werfm wir erst ein« Blick auf den mg verbunden« Trostsabbat, auf deffm meffianisch« Der» hetßunzm. Die Arffaffnag dieser letzter« ist bei unser« Zetrgeiwffm eine sehr verschiedene und entgegengesetzte.-. Die Reformpartei findet der« Bedeutung in der Herstellimg ^d«S Gotte«- reiche« ans Erd«, einer Zeit der allgemeine« Gotte«erkmntniß, der Tugmd, de« Frieden«; die Hoffnung auf di« Wiederherstellung Jemsalem«, die Erbauung de« Tempel«, Emmeruug de« GotteSdimste«, Sammlung der Zerstreutm Israel« weist sie ab"). Die Orthodoxen sehm in der Mesfia-lehre die für die Menschheit und für J«rael verheißme Zukunft ganz «nd voll. Daher kenn« jme keine Trauer um die Zerstörung, de« Tempel«, um die Betreibung Jörrel« au« dem heilig« Lande, e« find für fie verblichme Erinnerung«,' Verluste von Gütem, der« Werth fie in Abrede stell«. Wir aber ttauem um dm Fall de« wahr« GotteSheiltgthum», Min die Zerstörung und noch nicht erfolgte Wiederaufrichtung jene« Vorbildes de« GotteSreiche«, welche« der jüdische'Staat, so er fich von dem GotteSgesetz leitm ließ, verwirklich« sollte und in verschiedmen Phase« «ehr oder wmiger verwirklicht hat. Die Trauer güt daun freilich nicht Irdischen,, Greifbarem — desto besser! Der Midrasch sagt: „Gott hat seinm Zom auSgegoffm über Holz und Steine, da« ist seine Gnade, und darum stimmt Asaph einm Psalm, nicht eine Klage an" — auch wir finge» nicht Klagelieder um Holz und Steine. Wer find denn diese „Wir"? Wa« soll« leere, vieldeutt'ge Ramm —? „wir", da« find diejmigm, denen da« Wort Gotte« wahr und seine Propheten wahr. Die Feier de« 9. Ab ist allerdings von großer Bedeutung, -in Merk- und ' ")^Die kehre von t*» Meffial selbst br«ch« wir in diese» Zufammrn» ha»gr »icht M drrthrru