Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- Seite 256 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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t 256 h(«ft«, bloß die Wirklichkeit der Verletzung beachte« zu wollen, sondern e» kommt die Vorstellung von einer solchen alS einer von einem andern Staate drohenden Gefahr, mit dem Herauf- und Hinabgehen an größeren und geringeren Wahrscheinlichkeiten, Vermuthungen der Absichten u. f. f. alS Ursache von Zwist« hinzu." So Hegel. ES kann unmöglich dem Leser entgangen sein, wie die neueste KriegSursache und Kriegserklärung den praktischen, man möchte fast sagen, dm wörtlichm Commentar hierzu liefert. Emm Stoff der Thätixfeit nach außm suchen und schaffen — Reizbarkeit — ist danicht die Ursache? „Die Vorstellung von einer Gefahr", die französische KriegSerklämng spricht von „Hintergedanken" — ist'S nicht dasselbe? Nach Hegel wäre also der Krieg von jmer Seite vollständig gerecht. Hegel war lange Zeit der tonangebende Phllosoph in Prmßm, derselbe Hegel, der ein stehende- Heer aS besonderen Stand für eine Nothwendig^eit erklärt, wie dies auch Plato und Aristoteles gethan haben. Hodie mihi et;. Doch keine Politik. Ihr aber, Israelit«. ist euer Judenthum ein überwundener Standpunkt, hat e» keinm Schatz mehr für die Menschheit zu wahrm, ihr zu bieten? So wird der Krieg roch einmal „Cultur fördem", und Blotströme werdm dieReagmz liefern, in welcher die Probe gemacht wird für die Echtheit der GotteSlehre- Berichte und Correspondenzen. Deutschland. -V- Km de», im Juli 1870. (Orig.-Corresp.) Der Notiz über dm Tod unseret LandrabbinerS Hamburger Vw erlauben Sie mir wohl noch Folgende» beizufügen. Der Verewigte, ein Jünger deS R. Nachrm Trebitzsch, war 1810 in Prag geborm und mtstammte mütterlicherseits dem bekanntm Oberjuriftm R. Eleasar Fleckeles. Mit tüchtigm Kenntniffm, besonders deS Hebräifchm, versehm, mit einer ungewöhnlichm Redegewandtheit und einer meisterhasten Behandlung der Sprache ausgerüstet, gewann er schon mit seinm erstm Predigtm im Jahre 1837 in der dortigm Neusynagoze ei« ihn dankbar verehrmde- Publikum. Von 1840— 51 war er Rabbiner in Böhmisch »Leipa, hierauf ward er anher zum Landrabbiner von OstfrieSland und deS LaaddrofteibezirkS Osnabrück berufm. Besonders zeichnete er in dieser Stellung sich als tüchtiger VerwaltungSbeamter aus, waS er nicht nur im Verkehre mit dm vorgefetztm Behördm, sondem auch durch di« Gründung und Leitung d«S nunmehr 12 Jahre segmSreich wirkmdm Vereins „zur Beförderung von Handwerk« und foustigm bürgerlich« Geschäft« unter den Judm der Synagogm-Gemetnde Emdm" bekundete. Unermüdlich in seinem Wtrkm, obschon seit fünf Jahr« in Folge einer schwer« Krankheit eine theilweise Lähmung der Sprach« und der ArmmuSkeln eingetretm war erreichte ihn ein plötzlicher Tod auf einer Inspektion-reife in Nord« am 12. d. M. Die in der Nacht vom 13. zum 14. hierher gebrachte Leiche wurde am 15. unter ehrmvollem Geleite der ganz« Gemeinde und sämmtlicher 'Honoratioren der hiesig« Stadt an der Sette der früher« hiesig« Rabbinm R. Baruch Köslin und R. Abraham Löwenstamm beigesetzt! Sein Andmkm bleibt in Segm! So ist denn die Frage, ob unter prmßischem Regime dir LandrabbinatSverbände aufrecht erhalt« werdm würd«, zu einer für fast die Hälfte (da auch HildeSheim erledigt ist) der Provinz Hannover zu einer brmnendm gewordm, umsomehr, alS dir Anstellung und Besoldung befähigter Stadtrabbin« die Krästr der einzeln« Gemeind« — mit Ausnahme der ehemalig« Refidmz — übersteig« würde. Hleiwitz. Das Reviforat der hiesig« jüdisch« kommunal» schule hatte bisher der jedesmalige Pastor von Gleiwitz. Der gegenwärtige Pastor Schultz hatte die Enthebung von diesem Amte bei der Regierung in Oppeln beauttagt und andererseits hatte die jüdische Gemeinde die lleberttagung dieses Amtes auf dm Rabbiner vorgeschlagm. Da» Ministerium hat nun, wie wir glaub«, im Gegmsatz zur Oppelner Regierung, mtschiedm, daß daS Reviforat von jüdisch« Communalschulen auf Rabbiner, falls sie pädagogische Bildung habm, übertrag« werdm könne; demgemäß ist der hiesige Rabbiner vr. Hirschfeld mit demRevi» sorat der Schule betraut Word«. AuS $!»§«» berichtet man: Der auch in weiter« Kreis« als tüchtiger Gelehrter bekannte Prof. vr. Eduard Munk lebt hier in seiner Vaterstadt seit längerer Zeit al» Privatgelehrter. Seine „Geschichte der römisch« Literatur" (3 Bde.) und seine „Geschichte der griechisch« Literatur" (2 Me.) haben von der Krittk bereit» die günstigstm Bmttheilung« gesund«. In dies« Tag« ist nun von dm spanisch« Gelehttm vr. Camu» Professor an der Universität in Madrid, und vr. Rivero, De» putitter in dm constttuirmdm CorteS, da» uachfolgmde Schreib« an dm Profeffor vr. Munk gelangt: „Nmhdem wir Ihre beidm trefflichen Werke: Geschichte der griechisch« Literatur und Geschichte der römisch« Literatur, geles« Hab«, waren wir Beide überzeugt, daß diese Schrift«, die bet Ihn« zur Förderung Die Stimme Diego'» zitterte, währmd er die letzt« Wotte sprach. Juanita vergaß beim Anblick d,w Erregung ihre» Vater» de» cign« tief« SeelmschmerzeS. Sie dachte nur an ihn, und bebend am ganz« Körper warf sie sich in Diego'» Arme. „O, mein Vater," murmelte sie halblaut, „ich werde Dich stet« lieben." Sie konnte nicht fortfahren, heiße Zähren erstickt« ihre Stimme. Vater und Tochter verharttm einige Zeit in inniger stummer Umarmung. Juanita unterbraih zuerst da» Schweiz«. .Klater," sagte sie, „setze jetzt nicht sott; Du siehst, daß Du zu aufgeregt bist, daß Du zitterst. Ein ander Mal ..." „Ach nein, meine Juanita," antwottete Diego, „laß mich sprechm, «» thut mir wohl. Ich wollte Dir schon lange diese« furchtbare Geheimniß offmbarm. Ich habe immer damit zurückgehaltm, aber e» scheint mir. daß Du erst jetzt recht meine Tochter bist, jetzt, da!vu mein Hoff« und Glaub« und mein Leid« für beide» kennst." „Armer Vater, wie unglücklich mußtest Du Dich fühl«," sagte Joantta. „Mein Herz schaudett noch," fuhr Diego fmfzmd fort, „w«n ich mich an da» erinnere, wa» meine Augm gefehm habm. Ich habe jmm schrecklich« Metzelei«, mit dm« sie Gott zu preis« vermein«, beigewohnt. O» die Teufel! Du ahnst nicht di« Foltem, die sie erfundm Hab«, ihre Opfer zu martern, mit welcher kalt« Grausamkeit sie täglich die Majestät de» Schöpfer» i« feinem Meisterwerk, da» er in seinem Ebmbilde geschaffm, schändm. Ach, ich habe meine bestm Frmnde gesehen, längst gebrochen durch die Schreck« de» Kerker», durch die höllisch« Qualm, ich Hab« sie dm Schetterhaufm besteig« seh«; auf mich warm ihre letzt« verzweifelnd« Blicke gerichtet; mein Ohr hat der jähe Aufschrei tswe» grausig« TodeSkampfe» gettoffm; ich habe di« fanatisch« Mönche und die verthtettm Volk»- massm diesem infam« Schauspiel wie einem Opfer, dargebracht dem Höchst«, beiwohn« sehen. Auch ich war da, ja ich selbst t — Ich mußte wohl, dmn hätte ich mich femgehaltm, man hätte mich verdächtigt, unh der Verdacht der Inquisition — tödtet! ... Ich war dabei, mein Herz war zerriffm von Schmerz und Mitleid, meine Seele empört von solcher Lerderbtheit und Grausamkeit, und doch mußte ich alle meine Gefühle