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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-08-03 · 31 (3.8.1870) · p. Seite 255

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
31 (3.8.1870)
Date
1870-08-03
Page
Seite 255 (sequence 3)
Language
German
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855 nicht rar al» Verheißung und Ideal einer endliche» Zukunft rad ol» Ziel der Menschheit »ird der ewige Fried« hiugestrllt, nicht t» allgemeine» Sätze» nur »ird kriegerische Gewaltthätigkett alt unberechtigt zurückgewiesen, sondern bestimmte Gesetze beuge» der Rohheit, der Rücksicht-lofigkeit, de« Kriegsnche» vor. Unbeschadet der allgemeinen Wehrpflicht soll humanste Schonrag walten (5. M. 20, 5 ff.), Frieden soll entbot» <das. 10), die Gefangen» müde behandelt werd» (21,10 ff.), jede Verwüstung selbst zn kriegerisch» Zwecke» wird verbot« (das. IS). Da» Gesammtgesetz hat dm Judm ein» tief« 8bsch« vor Blut» verzieh» einzeflößt und ihn mtt Wetchhett de- Gnnütheerfüllt. Leicht ist e« au der Hand der alt» und der neuest» Geschichte d» Vorwurf der Muthlosigkeit und Feigheit» die man dem jüdisch» Charakter so oft zugeschriebm hat, zurüehuweism, wahr aber ist daß die Freude am Krieg-» und Waffmhandwerk, am «,Raufen", dem Judm fremd ist; ist chm doch auch „de- Kriege» Schwester, die edle Jägerlust" fremd, wie sie edem Gesetz zn» folge bleib» muhte. Doch heiliger gerechter Zo» über Unter» irückung, frech» Raub und Trmbruch, Vertreibung von Gewalt durch Gewalt wird von der Lehre de- Judmthumgebilligt und gelobt. Da- Christenthum ist, al»Versuch die «alö»bar«Gegensätze zwisch» Judmthum und Heidenthum tu sich aufzunehm«, mtt iuuerem Widerspruche behaftet in die Welt getreten. Die» güt sowohl von dem Grunddogma, wie von der Lehre überhaupt und zeigt sich auch tn Beziehung auf dm hier tu Rede stehend» Gegmstand. Gleich dem Judmthum preist und empfiehlt da» 'Ehnstmthum Lieb« uud Fried«, räth lieber Umecht leid» al» Unrecht thun (mtt dm bekannt« Uebertreibuugm) und doch heißt «- wieder' „ich bin nicht gekommm dm Fried« zu bring«, sondem da» Schwer^'. So entwickelt sich in der Kirche da» Strebm, Fried« dm Völkern zu gebm, und wiederum gibt ihn» dieselbe Kttch« tausendfach da» Schwert in die Hand. Da» Papstthum strebt dahin, die mesfiautsche Idee de- Judmthum» tu sich zu verwirkliche«^ der Papst will „Richter zwisch» dm Völkern" sei«, Gotte-ftiedm befehlen, Thron» und Grenzstrettig» kritm schlicht« uud — ruft dann wieder zum Verntchtuog-kriege -auf, nicht nur gezm die Ungläubig», sondem gegen Alle, die sich seiner Allmacht nicht füg» wollm. Der Protestanti-mu» dagegen hat sich al-bald in dm Dienst de- Staate», refp. der Fürstm gestellt, er . in nicht in die Geschicke der Völker eingreife». So ist die > 'rübende Erscheinung zu erklärm, daß da» Ehristmthum, uugmchtet aller fittigmdm Elemente, die e» in so reicher Fülle in sich besitzt oder »ufgenommm hat, und trotz einer Zukunft — und h^ sah c.t sich überall von Gefahrm umgeben, von Schreckm umtiugt, einem ewigm Zwang unterworfm und bedroht von zahllosm unbekannt« und unbannherzigm Hemden. Diego merkte wohl die Gefühle, die Juanita'» Herz be» «vegtm. „Bergieb mir, meine Tochter," fuhr er «ach einigen Augenblick« peinlich» Stillschweigen» fort, „vergieb mir» daß ich Dich in diese schmerzlich« Beängstigung« de» geheimnihvollm Streite» «tngeweiht habe. Ich hätte Deiner Jugmd gern die Känrpf« und die Furcht, die unser hatte- Loo» find, erspatt, ich hätte Dir nur zu gem da» schreckliche Geheimniß, welches alle Deine glücklich« Jugendttäume mit einem Schlage zettrümmett, vor- «thattm. Ich habe lange gezögett, aber könnte ich meinStillschweigm jetzt noch vor Gott rechtfertige«? Schuldete ich Dtt nicht die Wahrheit«, die ich besitze? Denn darin besteht jetzt vor allem unsere Pflicht und unsere Größe, «nsem Nachkomme» trotz der zahllosm Gefahr«, ttotz lwr grausamst« Mattem mtt wahrhafter Todesverachtung dm GlaubmSschatz» der fett Jahrlausend« dm Trost uud die Hoffnung unsere» Volke» au-macht, 140üjthrigm nnnmschränktm Herrschaft über die europäisch« Völker »och nicht dahin gelragt ist. dm Krieg z» bannen, ja rach rar die Lust am Kriegfihre» wesentlich zn schwäche», »der dm Satz zu erschüttern, daß e» zwisch« Völkem ei» andere» „Recht" gebe, alzwiichm Individuen. Aber die Philosophie verabscheut doch dm Krieg! 9tm, die Philosophie de» unverdorben« Herzen», de» gesund« Der» stand«» allerdings, aber keineswegs die Philosophie der Schule. Wir wollm drei ihrer bedeutmdstm Vertreter und Häupter der neuer» Philosophie hören. Spinoza jagt tu seiner Abhandlung über Polttik Cap. IH, § 13: „Die» läßt sich aber noch deutlicher erkenn«, wenn wir erwäg«, daß zwei Staat« von Natur Feind« find. Dm« die M«schm sind im Naturzustände Feinde. Dtejmigm also, die außerhalb de» Staate» da» Naturrecht behalten» bleib« Feinde. Wenn also ei» Staat dm audem bekrieg« und Mt äußer« Mittel ergreif« will, um ihn unter seine Botmäßigkett zu bring«, so darf er e» mtt Recht versuch«, indem ei für ihn, um Krieg zu führen, htnretcht, dm Will« dazu zu habm." Kant hat zwar eia Buch „zum ewig« Fried«" geschtted«, aber er sagt: „auf der Stufe der Cultur, worauf da» «umschliche Geschlecht noch steht, ist der Krieg ein uumtbehrliche» Mittel, diese «oetter zu bring«". Der unglückselige Wahn also, dm Krieg al» Förderer der Cultur zu bettachtm! Dafür wird denn auch von Kant da- Gotte-reich, ganz in christlicher Weise, al» eia Hiauaelreich au- Ende der Welt versetzt — da» Judmthum, welche» diese» GotteSreich de» Frieden» „bald und in unsem Tazm" verwirklicht sehm möchte, wird (zrvar nicht darum, aber im Allgemein«) von Kant ein „Inbegriff bloß statutarischer Gesetze uud eigentlich gar keine Rtttgion" genannt. Hegel «blich sagt (Grundlinien der Phllosophie de» Recht», t 334—335): „Der Streit der Staat« kann deswegen, in» sofem die besonder« Will« keine Ueberemkunst find«, nur durch Krieg mtfchiedm «verd«. Welche Verletzung aber, der« in ihrem wett umfaffmdm Bereich uud bei dm vielseitig« Beziehung« durch ihre Aagehöttgm leicht rad in Mmge vor» komm« köuum, al» bestimatter Bmch der Traktate oder Verletzung der Anerkennung und Ehre anzusehm sei«, bleibt rin au sich llubestinnubare», indem ein Staar seine Unendlichkeit und Ehre in jede seiner Einzelhettm leg« kann, und umsomehr zu dieser Reizbarkett gmeigt ist, je mehr eiae kräftige Individualität durch lauge innere Ruhe dazu getriebm wird» sich ein« Stoff der Thätigkett nach Außm zu such« und zu schaff«. Ueberdem kann der Staat al» Geistige» überhaupt nicht dabei steh« ungefälscht zu überliefern. Und fürwahr, er bitttt un» tausendfachen Ersatz für die Uamaffe unserer schtverm Prüfung« Später, «vmn Du mehr wiffm «virst, wirst Du begreif«, «velche beseligmde Gmugthuung, welch« erheb««, bitte« Stolz die Erfüllung unserer heüigm, aber schmerzlich« Mission «n» verleiht, wie sehr wir unü geadelt fühl« durch diese unvergängliche Hingebung an dm Glaub« der Väter, durch dies« heimlich«, aber unbesiegbar« Widerstand gegm die grausamste, gezm die furchtbarste aller Mächte, durch dm Trotz gegm die Gefäugntsie, die Folterqual« und Scheiterhaufen! Und in welch«, Maße befestig« diese ewigm Gefahren, diese unaufhöttichm Drohung« die süß« Bande, die un» verein« l Glaube mir, mein Kmd, ich Hab« Dich immer unaussprechlich geliebt, um so mehr, al» ich dazu beruf« war, Dich in Mittm unversöhnlicher Feinde zu erziehe», Dich zu bewahr« vor ihr« Schling«; nun den», Du bist mir tausendmal thmrer, stttdem Du so muthig die Gefahr« theilm willst, die Du jetzt kennst. Ach, ich habe schon viel geltst« für mein« Glaub«! Ich habe grausame Schicksalsschläge überstandm, aber in sdiesem Augenblick fühle ich mich reichlich belohnt durch Deine Liebe und Deine kindliche Hingebung."

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