Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
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254 nicht erlosch« war, uni) ein Echma jiSroel, ein 8'maan Hascher» hat ein wunderbare» Echo gefunden. Und bei dm zu Hanfe Bleibenden, in d« Gareiud« sollte daS Befühl der Zusammengehörigkeit nicht Diffevmz« überwind«?! „ES geht nicht liinger, sagt mau, wir könnm nicht mehr vereinigt blech«, man hat daS Baud zernssm." Aber redet doch nicht so, als ob früher in d« jüd. Gemeind« nur Fried« geherrscht hätte. ES macht sich in der Predigt recht gut (falleS nicht zu oft geschieht), wem. mau die Tugend« der Borfahr« dm Zuhörem alS Muster vorführt; aber Länfchung ist darum doch nicht erlaubt. Parteiung« und Zwistigkeit« hat eS immer ge» gebm: geh« sie jetzt tum Orgelfragen au», so stritt mau früher erbtttett um ein« MiSmor; galt eS nicht dm Stteit zwischm Orthodox« und Reformern, so spaltete man sich um Familienzwist und Brodnech; gibt eS jetzt in Deutschland kaum ein Dutzend Gemeind«, in welch« zwei Fraktion« sich verschied«« Gottesdienst eingerichtlt Hab«, so gab e» früher Hunderte, in welch« ein Tbeil sich zeitweilig separttte und für sich „Minjan machte". DaS werdm wir doch nicht etwa alS mustergiltig nachahm« und als Prädik tt eine» „hartnäckig« Volk«!" al» Ehrm» tttel in Anspmch «ehrt« soll«?! Nun sagt mau uni freilich, daß eS sich jetzt um ein Princip handele, während früher wohl um Nebmdinge oder Erbärmlichkeiten gestritten, da» Princip de» gefchrieb«« und deS mündlich« Gesetze» aber nicht in Krage gestellt wmde. Wir räum« ein, daß der Zwiespalt jetzt tief geht; aber wir bestretten, daß dämm die Einhett zerriss« werdm müsse. „Da» Ergebniß der Gerechtigkeit wird Frieden sein", so sei« wtt nach beidm Seit« hi« gerecht. E4 ist denn wahr, daß hier und da die Otthodoxm von dm Reform« arg bcträngt und gekränkt ward« find, daß man fie vor die Wahl gestellt hat, mtweder ihren GewiffmSpflichtm zu entsag«, oder sich obzusondern"). Aber in der unermeßlich« Mehrzahl der Gemeüldm ist dieS nicht gefcheh«! Hat man denn gehött, daß diejenig«, welche die Speisegesetze nicht halt«, gesagt Hab«: „wer eneii Schochet braucht, der hatte sich ein«", und diejmigm, welche der Synagoge fem bleib«: „wer einen Ehasau hör« will, der besolde ihn, wtt wollm nicht dazu beittagm"? Oder selbst da, wo e» fich um durchaus freiwillige *) Wir geben dahei vollständig jn, daß seiner Zeit i» Frankfurt a. M. die Sezession unvermeidlich gewesen ist. Wegen der Bergewaltignng, die vielsach in Berlin gegen Äe Orthodoxen geübt ward« ist, verweisen wtt ans dtt von nn» gebrachten Briefe au« Berlin. Gab« handett, wo man um Koscherspeise, um Matzot für Arme u. s. «. bittet, hört man, daß gesagt «ttd: „ich gebe nicht«, fie köun« eff«, wa» fie habe»"? Werdm nicht überall jüdische Waisenhäuser u. dergl. rituell geführt? sag« die Reformer etwa, e» sei Unsinn, Verschwendung, und halten fie ihre Betträge zurück? Einzelne wögen immerhin so fprechm und handeln, aber dafür darf dtt Maffe sowenig verantwortlich gemacht «erdm, al» die Orthodox« für dtt Thorhettm eine» Querkopf«», oder für dtt Anathemata deS Pefak-Bet din entsteh« woll«. Also ist da» Bewußtsein der Einheit, da» Sttebm nach Erhaltung derselbm stark genug, und man appellirt höchst seit« vergeblich an da» Gefühl der Zusammmgehörigkeit — wenn nun aber dtt Freunde einer gemäßigten Reform fprechm: „nun thut auch uns einmal wa» zu Gefall«, verschont un» mtt einig« Pijutim, laßt un» dm Almemor verschttbm, oder da» Gitter vor der Frauwbühne mtfemm", dann soll e» heiß«: „ihr habt «ch vom Judmthum loSgesagt — da» Band ist zerriffm"? Bergefle man nicht, daß diejenig«, welche am lautest« nach Absonderung ruf«, allerdings auch um solcher Dinge will« die Einheit der Gemeinde lös«, oder doch auch in derarttgm Frag« von Nachgiebigkeit nicht» hör« woll« Werdm fie doch auch jetzt wieder unS vorwerfm, daß wtt so red«, al» ob eS fich überall nur um Jekum Purkan handele, und dann wieder, daß wtt Diejmigm, welche die Speifegesetze übertrctm, gerechtfertigt Hab«, weil und wmn fie Armm koscher zu eff« gebm! Sei'» bintnt — Entstellung und Verdrehung ihrer Worte Hab« noch ganz andere Männer über sich ergeh« lassen müssen; wir fprechm für Fried« und nicht für dm Zank. Gerechttgkett nach beidm' Seit« fühtt zur Versöhnung. Iudenthum, Lhrikrnthum und Philosophie über den Krieg. „Der Herr wird richtm zwijchm dm Nation« und «t» scheid« zwischm viel« Völkern; sie werdm ihre Schwerter zu Smsm umschmttdm und ihre Lanzm zu Rebmeffem; ein Volk wird nicht mehr gezm das andere da» Schwert erheb«, und fie werdm nicht mehr dm Krieg erlernen." So verkünd« JesaiaS und Micha, derselbe Gedanke geht durch die Redm aller Prophet« und heiligen Dichter Israel». DaS Judenthum erkennt als gerecht nur den Krieg, der aufgezwungm wird, dm Krieg der Abwehr und Vertheidigung — auSgmommm dm erst« Krieg Israel», der der Besitznahme feine» Lande» galt. Und Feuilleton. Juanita. (Fortsetzung.) Bei dem schrccklichm Worte Inquisition war Juanita unwillkürlich ein« Schritt zurückgewichen. Sie ließ Diego» Hände lo» und blieb eine Zeit lang starr und unbeweglich steh« Bleich und zitternd sah fie bald ihren Vater, bald dtt Gegenstände, die ihn umgab«, an, als ob sie sich fragte, ob Alle-, waS fie ebm gehört, wahr sei, ob sie nicht in einem schweren Traume besang« sei. Diego war durch dtt Bewegung, die seine Tochter machte, auf« Tiefste erschrocken und beobachtete fie mtt unsäglicher Aengsttichkett. Er hätte di der Tiefe ihre« HerzmS lesm mögm, ob die schreckliche Euthü iung eine ewige Scheidewand zwischm ihn« erricht«, oder ob sie da» Band der Liede, welche« fie umfing, noch fester um fie schlingen würde. „Und nun, weine Tochter," nahm er wieder da» Wort, „ich weiß, daß man Dich gelehrt hat — wa» sage ich? ich selbst habe Dich gelehtt, daß eS die heüigste Pflicht ist, Diejmigm, die, wie ich, falsche Kinder der Kirche find, beim Tribunal de» heilig« Officium» anzugebm..." „Wie, ich Dich angebm? Vater! Ich Dich der Jnquifitton überliefem?" flüsterte Juanita und mtt einer stürmsschm Bewegung ttat fie wieder zu ihrem Vater. Mtt einem Arm umschlang sie Diego, währmd fie dm andem wtt zur Abwehr de» Feinde» vor ihm emporhod. „Ich theile Dein« Glaub« und Deine Gefahr«, Du bist mein Vater und mein Lehrer. Dein Glaube muß der wahre sein; dm Gott, dm Du verehrst, will auch ich anbetm." Entzückt schloß Diego seine Tochter in seine Arme. „Ich erwattet« e» nicht ander» von meiner Juanita. O, Du bist in Wahrhett mein Fleisch und Blut, brave» Mädch« — Aber Du bist so bleich, mein Kind, rege Dich nicht zu sehr auf. Du hast ja immer mhig und friedlich gelebt. Vorsicht und Verschwiegenheit ist da» einzig Erforderliche." In der That war da» arme Mädch« tief ergriff« von de» Mittheiluugm, dtt fie foebm erfahr« hatte. Geste« »och er» öffnete sich vor ihr« Augm eine glückliche, freie »nd schönt