Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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N® 31. -1870. IsyKelttiseke 1. Jahrgang. Wochen-Schrift für die religiösen und sociale« Interesse« des J«denth»«s. Lrschria« jede« Mittwoch. Preis vierteljährlich 2» Vilhergrosche». juftxiUnH***)* für »x dreispaltige Petitzeile »der der« Raum IV» Sgr. Veraattovnlicher Rtba'tm «ad Herausgeter Rabbiner Dr. A. Irnienfel» in Stettin. Breslau. 3. August 1870. Za beziehe« durch all« vachhaadlaagen »ad Pofiaaftalte». -aferate« - Aaaahiae tu NC Schletter'schea vachhaadluag (H. Skatsch) ta V.es laa. Inhalt. Na die Leser «ad Freaad» der Wocheaschrist. üebrnbe Artikel: Zar versshaaag. Jadeatham. rhristeatha« und -Philosophie über den «rteg. — -eatllet»«: Jaanita. vor IS0 Jahre«, vertcht« »ad Torrrspoadea,««: Deatschlaad: «wde». Gleiwi». »l-^a. Oesterreich: Lemberg. Pest, «srika: Molul. «merika: Rndamertta. »sie«: Damaska». vermtschle «ad aeaestr Rachrtchtea: Altoaa. vrüffel. «rakaa. Lemberg. Oesterreich. Ungar». Jtaliea. England. Paersbarg. Ltteratarbericht. vrteska-e«. Baeaazea-LtslK. Zaserare. An die Leser und Freunde der Wochenschrift! Verzögerungen und Unregelmäßigkeit« 1» der Ausgabe und Expedition d. Bl. werden in den jetzigen Zettverhältnissen keiner Entschuldigung bedürfen. Die Entfernung des Redakteurs von dem Druckorte ist jetzt eine weite geworden, da» zum Druck -Gesandte wird schwerlich immer rechtzeitig anlangen. Durch da» zu erwartmde Ausbleiben von Briefen und Zeitungen werden aber auch der Redaktion bisher unbekannte SchwAIßkeiteu Erwachsen. Bi» jetzt hatten wir nur mit Raummangel zu kämpfen und mußten, obwohl wir bei Mittheilungen von Zeitungsnachrichten und Notizen «n» der gedrängtesten Kürze befleißigt haben, so manche größere werthvolle Correspondenz oder Abhandlung bei Seite legen. Für Einzelne», nicht veraltete, wird sich vielleicht jetzt Platz finden. Wir bitten aber unsere Herren Correspondenten, College» und Freunde jetzt um fleißige Einsendung von kurzen Berichten, Zeitungsausschnitten und Notizen. Mit der Übersendung ausführlicher gedruckter Berichte, Programme «. dgl., auS denen wir «rst daS Brauchbare herauslesen sollen, ist «nwenig gedient. Zur -ersöhnuug. ES war im Oktober deS Jahre» 1806. Während draußen, dicht vor den Thoren, die eisernen Würfel rollte», ein stolzer, mächtiger Staat zusammenbrach, saß in seiner Stndierstube zu Jena («bsit omen!) Georg Wilh. Friedr. Hegel und schrieb die große Borrede zu seinem ersten großen, eine neue Bah» brechenden Werke: „Die Phänomenologie de» Geiste«". Ihn kümmerte nicht da» Getöse der Schlacht, da» übermüthige Jauchzen de» Sieger», da» Wehe der Besiegten; da» Gefühl, daß die Knechtschaft Deutschland« für lange Zeit besiegelt sei, mochte zahllose Herzen gleich einem gewaltigen elektrischen Schlage durchzucken, lähmeu, er empfand von dem Allen nichts. Gr suchte die Philosophie zu „wirklichem Wissen" zu erhebe», er glaubt«, daß ihm die» gelungen sei; die „Selbstbewrgung de» Begriffe»" ist die Wissenschaft und diese, dt« „Arbeit de» Begriffe»," de» Leben» Inhalt. „ES ist nicht schwer zu sehen, schrieb er, daß unsere Zett eine Zeit der Geburt und de» Uebergang» zu einer neuen Periode ist." MD no JTT »6l MD Er prophezeiet« und wußte «licht was — «r dachte nur an die Geburt eine» neuen Ehsteins der „absoluten Philosophie". Man kann da» groß und erhabm nennen. Sich in die „vier Ellen" de» Denken» und Forschen» versenke«, während draußen ein Weltbrand wüthet, da« war bei unseren Vorfahren nichts Seltene». Ihr Gebundeusein an die Geschick« der Länder, welche sie bewohMen, war in Krieg und Frieden ein lockere«, man ließ sie nirgends feste Wurzeln schlag«, ihre Söhne und Brüder befanden sich nicht unter de» Kämpfenden, man verschmähte sie al» Mitstreiter; so mochte der Gelehrte, allen Tages» beMächeite» ferubleibend, ruhig lerne«, solange-der Krieg nicht unmittelbar an die Thür feiner Klause pochte. Ob es unter den in diesem Augenblick zum furchtbarste» Kampfe hinausziehenden beiden Nationen noch einen gibt, der ruhig, wie im tiefsten Frieden, sich seinem Forschen hingibt? Wie dem sei, da» große Publikum lauscht mit verhauenem Athem auf da» näherziehende KriezSgetümmel. Die polüifchen Partei« in Deutschland haben ihre Kämpfe bei Seite gesetzt, die religiösen Streittzkeiten, die jüdischen Parteiftagen ruhen. Möchten auch die Füh.er den Hader fortsetzen wollen, sie würden Niemanden finden, der auf sie hört, Streitartikel — wer würde sie jetzt lesen? So benutzen wir diese Zeit einer durch höhere Macht auferlegten Waffenruhe, um von Versöhnung zu rede». „Willst du den Frieden, so rüste zum Kriege" — diese« Wort haben wir in voriger Woche zurückgewiesen, so sprechen vir denn umgekehrt: „Im Kriege thue etwa» für den Frieden." Gemeinsame Noth und Gefahr einigen. Die Unterschiede von Rang, Stand und Religion treten zurück, verschwind«, man duldet mtt einander, hilft einander» steht zusammen, tritt zusammen. Traurig genug, daß so oft, ja gewöhnlich, wmn die Noch vorüber, de» alten Wolf Wunnensteta Wort gehört wird: ,,e» steht im alte» Recht". Niemand hat die» bitterer erfahre» al» die Juden. Aber wir wollen von dem Frieden in unserer Mitte reden. Kann jetzt von einem Zerreißen und Lu-ein» andergehen der Gemeindm die Rede sein, da eine jede genug zu thuü haben wird, um in Einheit sich und ihre Jnftitntionm zu erhalten, die großen Gemeinde« um chre großen, die kleine» um chre klein« Cultut» und Wohlthätigkettsbedürfnisfe zu decken? Settdem die Jsraeltten in die Reihen der verschiedenen Heere eingetteten find und oft genug da gegen einander gekämpft habe», hat man viele Beispiele erlebt, daß mitte« im Schlachtgetümmel, auf dem Leichmfelde, da» Gefühl der Verbrüderung