Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 30 (27.7.1870)
- Date
- 1870-07-27
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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250 aufhebt; die Bestimmung wegen deS Legatwurde daher von den Erben angegriffen und durch Dermittckung dedamals »och hier bestehenden jüdischen Gerichtekam eS zu einem Vergleich, wodurch der für die Stiftung bestimmte Fondum ein sehr Bedeutendegekürzt wurde. Am 12. Juli ist hier die zweite Smduug russischer Juden, 150 Köpfe stark, von Königsberg angelaagt und am 15. an die beiden amerikanischen (somitein Rewyork und San Francisco befördert worden. In der Altonaer Friedhofs-Angelegenheit hat bei einem Theil der Gemeinde die Bestimmung Bedenken erregt, wonach der Comp lex den jüdischen Gemeinden nur auf 30 Jahre überlasien ist; man hat sich daher supplicirmd an die Behörde gewandt, von solcher Bestimmung abzustehm. ES ist wohl schwerlich ein Erfolg zu erwarten. Benjamin Leja, uier deffen Stistuozeu in Altona wir neulich berichtet, ist am 7. Juli im Alter von 74 Jahren gestorben. Lckmtnrß, im Juli. Die Verwaltung deisraelitischen Mädchen-Bekleidung--Vereins hat einer Bericht für daS Jahr 1869 abgestattet. Die Thätigkett deS Vereins bezweckt bekanntlich, Schulkindern israelitischer Confession die nöthige Kleidung zu verschaffen. Auch die rechtschaffensten Eltern müssen oft ihre Kinder vom Schulbesuch zurückhalten, weil eS an der nöthigen Kleidung, namentlich cm Fußzeuz, fehlt. Der Verein hat fett einer Reihe von Jahren ungefähr 70 Kindern vollständige Bekleidung, in zwei Vertl«ilungen jährlich, durch 6—7 Schuljahre hindurch gereicht. Mit größter Sparsamkeit wird die Rücksicht auf Dauerhaftigkeit bei: gekauften Stoffe verbunden, und auch eine gewiffe Zierlichkeit in Form und Farbe der Kleider in-Auge gefaßt, um den Eltern wie den Kindern Freude zu erregm und jede» Gefühl der Beschämung fern zu halten. — Der Verein verausgabte 1869 kür Bekleidung von drirchschnittlich 70 Kindern Crt. Mk. 1577. 14 Schill., für llakostm 136 Mk., und vereinnahmte Ert. Mk. 226!». 6 Schill, an Zinsen, Beiträgen, Geschenken >md Legaten. DaS Kapital beS Vereins betrug am 31. December v. I. Ert. Mk. 11,064. 2 Schill. — Angesichts der bevorstehenden Veräiiderunzm im Schulwesen Hamburgs wäre die Grünrung eineähnlichen Verein-, der es sich zur Aufgabe stellte, zur Erleichterung de- Schulbesuchs für Kinder aller Confesfionen in bezeichneter Att zu wirken, höchst zettgemäß. Die Wohlthat des Besuchs oiuer Volksschule, in welcher auch Kindern von Eltern, die Schulzi-ld zahlen, unterrichtet werden, wird einer großen Anzahl von Kindern deshalb nicht zu gute kommen, weil ihre Eltern nicht im Stande find, sie mit crdentlicher Kleidung zu versorgen, und dem armen Kinde, daS im defecten Jäckchen und auf Holzpantoffeln zur Schule kommt, wird die bessere Kleidung der Mitschüler ein drückendes Giffüh! erregen. Menschenfreunde finden hier ein großes Feld vor, defsm Bebauung der Vaterstadt zum unberechenbaren Segen gereichm würde. (Reform.) AuS Hüpreuhe«, 11. Juli. (Ong.-Corresp.) Die seit Rofch Haschana 1868 hier errichtete israelitische Waisen-Anstalt hat durch den Abgang deS Herrn vr. Steppuhn und deffen Gattin treue Freunde verloren; in uneigennütziger Weise hat derselbe ärztliche Hülfe den kranken Waisen geleistet, und dennoch einen fest« Beittag zur Anstalt gezahlt. Seine Frau, eine geborene von Schlichting» hat da- Amt einer Ehrenmutter mit Treue und Liebe unvervrossi: bis zum Abzüge von hier verwaltet, und in dankbarer Anerkennung der Humanität und Toleranz überreichten die zeitigeir Vorsteher gedachten Institutdem schrillenden Freunde eine Dauk-Adreffe. Bei dem hier vor wenigen Tagen ftattgefundenen städtischen »Lchulur.d Schütz-nfe't erhielt der jüdische Waisenknabe Albert ttvin die KönigSwürde, wurde vom Schulvorstande decorirt und »rämiirt, mit Musik und in Begleitung de- Lehrer-Collegium- :md der Schüler im Triumph nach Haufe durch die Stadt geführt. In der Sttafaastalt zu Rhein befindet sich die Frau Rosenberg; dieselbe bittet inständig, daß ein Rabbiner sie befnche» möge, da keiner im Orte ist. Möchte ihr dieser Wunsch erfüllt werden, vielleicht hat sie Mittheilungen zu machen. Von Seiten der AnstaltS-Dttertion, so wie deren Prediger dürste der Herr Rabbiner sich deS besten Entgegenkommenversichert halten. Sesterreich. 3?»« der unter» Dona», 11. Juli. (Orig.-Correfp.) Niemand entgeht seinem Geschicke, auch der Norddeutsche nicht, wenn er über ungarische Zustände au» Originalquellen schöpfe« will. Er deckt sich freilich mit seiner totalen llnkenntniß de» magyarischen Idiome-, aber für eine gute Uebersetzung dein dieser Sprache Geschriebenen soll er nicht länger Blindheit vorschützen. Ihre urdeutschen Leser lese« positiv den ,Hon" nicht,. — diesen Rivalen de» „Journal de- Dsbat» — natürlich nur in Bezug auf Format. Dieser „Hon" bringt nun die für strenggläubige Gemüther so überaus erquickende Kunde, daß mit Genehmigung dehohen Ministeriums für Cultus und Unterricht noch im Laufe diese- Monatdie Häupter de- Glauben-Wächter» bundeS in Pest zosammentteten, daselbst „tagen" — Sit venia verbo —, sich zu einem Kongreß konftituiren, und ein Organisationsstatut für Gründung orthodoxer Gemeinden auSarbetten und berathen werden. DaS wäre nun der Schlußstein deS Trennungswerkes. Nach allen Prämiffen mit Inbegriff defamose« landtäglichen Gutachtenüber dm Dualismus im unga» rischen Judmthume läßt sich eine andere Lösung der ttagiko» mischm Handlung, wie sie in dem Schaustücke „die feindlichm Brüder" sich abspielt, in der Thar nicht gewärtigm. Doch bei der Glaubwürdigkeit, die wtt Eingeweihten jenem tmdmtiösm Blatte, daS JtalimS ewig blaum Himmel in feinm oppofitionrllm Privatgelüstm so geme schwarz färben möchte, von jeher entgegen» trugm und heute mehr denn je mtzegenttagen, find wtt so frei, die an und für sich so anrüchige Nottz auS dem Observatorium irgmd eines Wächterhäuschenetwas sehr stark zu bezweifeln, wo nicht gar für rein erfunden zu haltm. Trmnm werdm sich zweifelsohne Gemeinden von Gemeinden — dafür gibt e» ja seit geraumer Zeit schon einige Vorlezemuster, vide: Weißenburg, Großwardein rc. — aber im Wege eine- ConzreffeS ad hoc? Das glaube ich bei all meiner Gläubigkeit nicht — ich bin eben kein Judäus Apella, wie so viele Andere auch nicht. Uebrigms kostet mich hier da» Glaubm blutwmig» da ich auch eine ziemliche Dosis „Wiffm" und zwar „Wiffm aus vollkommm kompetenter Quelle" zu Hilfe nehmm kann. So z. B. weiß ich, daß die von fortschrittlicher Sette in nächster Frist dem hohm Landtage durch die Vermittelung einegutaccreditirtm Deputirten, der Gott Lob mtt Lug und Trug nichtzu schaffm hat, einzureichmdm Petttionm schon audem Grunde sich der günstizstm Aufnahme zu erfteum habm werdm, weil sie durchweg dm Stempel der Echtheit und der Wahrhaftigkeit an der Stime ttazm, indem sie vom legalm Vorstande der jeweiligm Gemeinde auSgehm, da» rechtmäßige Sttgel einer vom Gesetze, wie vom jüdischen UsuS als autonom anerkanntm, regelrecht constituirtm und als Ausdruck de- GemeindewillmS autorisirtm Körperschaft aufweffm. Ich könnte zur Bekräftigung dieser meiner freundlicheren Aussicht noch manche» Gewichttge anführm, so ich Zukunftspolitik treibm wollte, die dm geneigt« Lesern sogar mehr mundm dürste, al» die vielbelobte Zukunftsmusik der Wagner'schm Melpomme. Doch toill ich mtt keine «eitere JndiScretton zu Schuld« kommm lassen. E» genüge jedem Krmnde des Lichte- und der Wahrhett die ganz und gar verbürgte Versicherung: die Akttm der Fortschritt-Partei steh» recht gut. —