Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 30 (27.7.1870)
- Date
- 1870-07-27
- Page
- Seite 249 (sequence 5)
- Language
- German
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219 Hi von StUtMabrnrn zur €*t unmöglich mrtra, daß kcr bevorstehend» stampf aste unsere Mittel an Geld, Zeit »ad straft vollständig in Anspruch nehmen, auch an unlere So-lthätigkelt riestge Anforderungen stellen wird, dürfen wir un« auch nicht der Mißdeutung -ul fetzen, die eine verbiudnag mit der „All. J»r. Ua> augenblicklich treffen müßte. Möge Gott un« in Bälde beffere Zeiten sehen lasten, dann wird mit feiner Hülfe auch die« Serk wieder ausgenommen werden. Ginstweilea möge» unsere Leser sich merken, daß da« leitend« Haupt der Alliance, lkromieup, unter denen gewesen ist, die in der Deputirtenkammer für di« Erhaltung de« Frieden« eingetteten stad. Ueber die Angriffe gegen da« stönig»derger Somit« nur wenige Worte, von den stlage» sind einige gerecht, aber ste geben keinen Stoff zu Anklagen. E» ist wahr, daß viel« rusfische Jude», deren Namen zur Au«- «andernag in stöaiglberg vorgrmerkt nwrde» waren, al«bald and ttotz wiederholter Abmahnuagea ihre Habe verkauft und sich nach stöaig«berg begeben haben, dort nicht ernährt werden konnten und an» bettelnd «ad ans da» Somit«, welche« ste „vernaglückt" habe, scheltend umherziehen. Ist die« aber die Schuld de» Somit«'*? E« find »u Anfang Mai Schaaren solcher Arme» hierher gekommen, angeblich von dem Somit« hierher,/>bgeschickt". Die« mußt« mich sehr befremde», ich fragt« in stöaig»berg an und erhielt zur Amwon, daß man Niemand hierher geschickt, daß diejenigen, welche vom Somit« beförden werden, eia« Legitimation vorzetgeu, auch vorher angemeldn sei» würden — so ist e« auch seitdem geschehen. Di« Andern waren in ihrer Noth, in dt« st« sich aber durch ihre Unwissenheit selbst gestürzt hatten, hierher gekommen, immer «ft dem stereotype», aber doch in ihrem Munde etwa« unvernünftigen „Sloit wird helfen". Ganz gewiß find dft nach Amerika Gelangten, über deren Hülslosigkeft nnd Unbrauchbarkeit d»N ein Schrei de« Unwillen» stch erhoben bat, auch größere» Dhetl« nicht vom Somit« gesendet, sondern» nachdem st« Im vorigen Sommer und Herbst da« Geld zusammengebracht, ans eigen« Hand hinübergezogen, um dort — weiter zu betteln. Wie wäre e« sonst möglich, daß dft «merikanisch-jüdffche» Blätter schon im März »in solche« Geschrei erhoben hätte», nachdem bi» dahin oamm» »ammarwn erst 97 Köpfe nach New-York eppedir» waren. Aber 97 russische Juden stud im »orige» Sommer halbmonatlich hierher gekommen, welch Zetergeschrei hätten wir da erhebe« müffeal Dft Zahl wird als» «och größer gewesen sein, doch da« K»nig«bergrr Somit« hat damit nicht« zu thun. Ebenso ist t* undenkbar, daß dasselbe Kranke und Krüppel abgeschickt haben solle. Man ist nicht so unvernünftig. Der vericht versichert da« Siegen «heil, un» ,.e» ist hier Lande« nicht Branch", da« Wort von Ehrenmännern ohne Weitere« Lügen zu nennen. Wft c* «ft dem eine» Kranken, deffe» Brief .Hamagid" veröffentlicht, sei» mag, wissen wft nicht; e« wird stch ansklären lassen. Andere, haben amerikanisch« Blätter berichtet, sind in jämmerlichem Zustande gelandet — nach der Seereise per Segelschiff, und natürlich nicht erster Kajüte, kein Wunder. Woher sollen denn dft Menschen seefest sein?! Der aadere Vorwurf de« Herrn Sftberman», daß man besser gethaa hätte, dft Au«wähl der Abzaschickeaden den Snb-amit«'« an der Grenze zu überlasse», müssen wft dagegen al« berechtigt anerkennen. Wa« endlich dft SabbMhseftr betrifft, so verweisen wft auf den im »origen Blatte gegebenen Au»zug. Man kann doch nicht stivulirrn, daß der christlich« Meister die Jangea beaassichtigea solle, daß ste den Sabbatb nicht «mweihen?! Freilich lentt mancher jüngere und ältere russische Jude, wenn er über dft Grenze kommt, nicht« schneller» al« da« Religionlgesetz brechen. Da« ist ftider ein« ttaurig« Eigenschaft jener Bevölkirung. woher rekrutire» sich dft Missionäre? Au« Deutschland?! Doch kein Wort mehr I Wir wollen umsoweniger «adeln, da wir leider jetzt nicht zu Helsen vermögen. Berichte und Korrespondenzen. Deutschland. M. 17. Juli. (Orig.-Corrcsp.) Nach dm durch Smat-beschluß vom 4. November 1867 gmehmigtm, von dm Vorstehern und Repräsentanten mtworfmm und festgesteUten Gemeindestatutm ist für dm Eulius durch zwei selbstständige CultuSverbände, dm Gynagogenverband und dm Tempelverband, unabhängig von der Gemeindeverwaltung, Sorge zu tragm. Zu dem Ende wurdm am 29. April 1868 sog. Delegirte, 15 an der Zahl, von dm Mitgliedern de» SynazogenverbandeS zur Ent» werfung eine» Statut» gewählt. Sehr bald darauf habm die Gewähltm sich constttuirt und, wie man sagt, Statutm au-gearbeitet; an dl: Oeffentltchkeit find dieselbm indeß bi« jetzt noch nicht gelangt, da e« über einige Punkte zu Differmzm gekommm, derm AuSglt-ich, dem Anscheine nach, manche Schwierigkeit bereitet. Offirielles erfährt man nicht, da Alle» am zrünm Tisch verhandelt wird. In Angelegenheiten, die nicht administrativer Natur find, hat auch der Rabbiner Stem eine sehr maßgebende Stimme. — Die Mitglieder de» Tempelverbcmde» habm in dem» selbm Jahre, etwaspäter, zu demselben Zwecke Repräsentanten gewählt, und ist da« Statut, nachdem evom Gemeindmorstand und vom Smate gebilligt war, schon einige Monate in Wirksamkeit. Durch dm am 17. Juni erfolgtm Tod dean einer hiefigm Prtvat-Stistung angestelltm Klau-rabbtner» Mose- Michael ttchtmstetn ist daselbst eine Bacanz eingetretm. Lichtmstein zeichnete sich durch hervorragmde Kenntnisse in Bibel und Talmud auulid hatte sich nebmbei eine große Belefmheit in deutschen Elasfikem angeeignet, was bei seiner a-ketischm Leben-weise wirNich bewundern-werth war. Gmannte Stiftung ist Anfang diese- Jahrhundert» von einem *?KTP **1 oder Daniel Wallich begründet; da» Einkommm de- Angestelltm ist nicht bedeutmd. Elag in dem Willen de- Testator-, daß zu solchem Zwecke eine sehr große Summe verwandt werde; indeß bei dem plötzlichm Hinscheidm desselben trat der Umstand ein, daß man da- Testament unter seinm Papierm in seiner eizmm Behausung vorfand, was bekanntlich nach jüdischem Rechte da- Testament gibt e- Mmschm, die mich verfolgen, die mich tödten würdm, I wmn sie mein Geheimniß erführm, wenn sie es nur abntm j durch eine Unvorsichtigkeit, tie Du begehm könntest, durch ein Wort, da- Dir vielleicht mtschlüpfte." „Niemals, mein Vater," erwiederte Juanita leise und bebmd, „niemals, was Du mir auch zu sagm habest und waS immer geschehe. . . Aber waS hattest Du zu befürchtm. Du, dm jedermann schätzt und achtet, Du, der so treu an unserem König, so ergebm an unserer heiligm Kirche hält?" „Meine Tochter," mtgegnete Diego ebmfallS mit gedämpfter Stimme, „Du bist jung und hast keine Ahnung davon, welche heißm Kämpfe die kälteste Stim, der ruhigste Blick verberzm kann. . . . Ohne Zweifel," setzte er mtt einem unsäglich ironi» schm Blick auf die Helligenbilder, welch« die Wände seine- Gemachebuchstäblich bedeckt«, hinzu, „ohne Zweifel kann dakatholischeste Hau» in Saragossa kein schönere- Crucifft oder mehr Heiligenbilder und (Reliquien aufweism, aldas weinige. Und dennoch, mein Kind,-kennst Du mein Gebet, wmn ich vor dem gekreuzigt« Gotte, dem Werk sterblicher Hände, niederkniee? Weißt Du, welche Gedankm sich au« | meiner Brust emporringen zum Höchstm, währmd meine Lippen i mechanisch die Worte des Glaubens und der Anbetung her» sagen? „Mein Vater l" rief Juanita schreckensbleich . . . „Nun denn, ich bitte Gott, den allliebetiden Vater, tausendmal um Vergebung wegen der Entweihung seines heiligm und hvchgebmedeiten NamenS. ich flehe ihn täglich an, mir zur verzeihm, daß ich mich niederwerfe vor Bilde« von Holz und Stein.-Und doch ist dieser Gott eine-TazeS herabgestiezm auf dm Berg Sinai und hat der ganzen Welt verkündet: „Du sollst keine ander« Götter habm neben mir," Du sollst Dir kein Götzmbild machen!" Ich flehe diesm Gott um die Gnade an daß er mich einst lebm lasse in der Beobachtung dewahre». Gesetzes und der heiligm Gebote, die er ruf dem flammend« B«ge gegebm!-Weißt Du jetzt, waS meine Schuld ist? Kennst Du jetzt meine Feinde? . . . O, meine theure Juanita, ich hin-ein Maraime, ich bin ein — Jude. Und die Inquisition wacht!" lFvrtsetzuag folgt.)