Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 30 (27.7.1870)
- Date
- 1870-07-27
- Page
- Seite 251 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermischte und neueste Nachrichtm. In Berli» verschied am 7. d. früh der Rabbiner Michael Landsberger. Nicht nur die dortige jüdische Gemeinde, sondern die ganze jüdische Wissenschaft erleidet durch diesen Tod «inen schweren, fast unersetzlichen Verlust. AlS eine anerkannte talmudifche Autorität war der Dahingefchiedene fett länger als vierzig Jahren Lehrer an dem in der jüdischen Gemeinde bestehenden „Beth Hammidrasch", und auS der großen Zahl junger Leute, welche in dieser Zeit seinen Lehrstuhl umgaben, ist eine nicht unbedeutende Zahl von Männern hervorgegangen, welche jetzt alS Rabbiner und Prediger zum Theil größerer jüdischer Gemeindm eine ebm so ehrenvolle alS geachtete Stellung einnehmen. Mü»che», 16. Juli. Die auf Ende d. M. anberaumte iSraeiitikch« Synode ist wegen der politischen Wirren auf unbestimmte Zeit vertagt worden. («. «. Z.) Li» riftatr Betrug wird an» Prag geweidet. Li» dortiger allgemein geochteter Mann (Jude) erhielt aoc einig« Lag» Mn Grand-Rab bin jn Pari» ei» Telegramm de» Inhalt», daß sein Bahn in Pari» angekommen, jeder Snbstftenz entblößt sei und daher einer genügenden Unterstützung benöthige. Da« Telegramm gelangt« zufällig in später Abendstunde nach Prag »nd versetzte die ganze Familie, welche dm jnngm Mann in Wien «LhMe, wo er al» Hörer der Rechte sein« Studien vollend« soll» i» nicht geringe Bestürzung. Lm nächst« Morgen w»rde de» Grand-Rabbi» nach Pari» trkegraphir», daß er den jungen Mann mit dem Röthigsten für d« erst« RngenbKck versorg« soll«. Bald aber stellte sich heran», daß der Graud- Rabbtn mnthmaßlich von einem jung« Inden, der sich früher in Wim anfgehalt« und dm Prager Stuäiom« jurin gekannt, in betrügerischer Weis« «tzstisleirt worden. Da» Eentral-Eonsistorium (Hauptcommisfion) der Juden in H«lla«d hat sich aufgelöst'). Der Board of DeputieS der Juden in England hat wiederum eine Sitzung gehalten. Die von Herrn vr. Adler befürwortete Adoption russischer Waise« wurde wiederholt abgelehnt. (Wohl nur als nicht zur Eompetenz de« Board gehörig — denn sonst wäre e» unbegreiflich!) E» wurde angezeigt, daß man mit mehreren Parlamentsmitgliedern, unter Anderen mit Sergeant Simon (J-raelit) in Verbindung getreten fei, um in die Factory Bill, daS Gesetz über Arbeit in Fabriken und Werkstätten, eine Elausel zu bringen, welche jüdischen Fabrikanten, welche am Sonnabend nicht arbeiten lasten» gestattm soll, Joden in der Fabrik oder Werkstatt bis 2 Uhr Nachmittags am Sonntag zu beschäftigen, vorausgesetzt, daß die Thören geschlossen find und störende» Getäusch nicht gemacht wird. Die Bill hat die zweite Lesung pasfirt und ist einem Ausschuß überwiesen. Der Bischof von Exeter überreicht im Oberhause eine Petition von Juden zu Gunsten deS llniverfitätSgesetzi.'S (Abschaffung der Juden auSschlteßenden Eidesformel). — Der jüngst verstorbene Lord Seymour hat in seinem Testament« mehrere jüdische WohlthätigkeitSauftalten mit erheblich« Summen bedacht. Ueber das Rabbinat in Kruukreich enthält „Rev. JSr." betrübende Geständniste. ES heißt: „Man darf da« Seminar (dl Pari«) nicht zu stark wegen der wissenschaftlichen llnbedeutendheit de« französischen Rabbinat« im großen Ganzen — denn eS gibt zu« Glück AuSnahmm — in Anspruch nehmen. Diese Unb^eutendhett macht sich in Frankreich überall fühlbar, Gaston Boisfier hat der Ecole normale vorwerfen dürfen, daß sie fett 36 Jahre« keinen einzigen Philologe» oder Grammattker von Ruf hervorgebracht hat. Kraukreich liebt zu sehr die Form «nd vernachläffigt die Gründlichkeit, Geschichte, Sprachen, selbst die Philosophie. Nehmen wir noch die Schwierigkeit hinzu, welche den Rabbinern, die in der Provinz arbeiten, im Wege stehen."— ' *) Diese Rachricht ip schon einige «och» alt. Wir hat« sie prrückg-h-l«»», «eil wir kein« Abschluß über Ursache nnd Zusammenhang der Sache sind« könnt«. Wir bitten Her« F. n» gütige Mittheilnng. Aber welche treffliche Arbeiteir haben bei un» Rabbiner geliefert, die nicht nur nicht in Hauptstädten, sondern in abgelegensten Städtchen wohnen'. Die Baukosten deS neuen jüdischen Hospital» in Rew-Aork sind auf 256,666 Dollar« veranschlagt, obgleich die Stadt den Platz geschenkt hat. Der bekannte Pianofabrikant Steinway daselbst hat zu einem Bazar für daS Monet-Sinai-Hofpital und jüdische Waisenhaus ein Instrument im Weikh von 1200 Dollar«, ein f. g. Grand-Piano, geschenkt. Herr Benj. Peixotto ist wirklich zum amerikanischen Konsul für Rumänien ernannt. Wenn wir unS erinnern, daß die rumänischen Judenverfolgungen während de« Krieges von 1666, mit der Zerstörung der Synagoge zu Bukarest am 17. Tamu«, begonnen habm, als die Welt, anderweitig in Anspruch genommen, den Schrei der Verfolgten nicht hörte, so haben wir jetzt doppelte Ursache unS über die Mission deS Herrn Peixotto, den amerikanische Blätter alS den rechten Mann bezeichnen, zu freuen. Vielleicht sendet ihn Gott alS .Heilung vor der Plage". In Texa» habm Grmidsteinlegungm zu zwei Synagogm stattgefundm, am S. Juni in Galveston, am 16. in Houston. Jme ist die erste Synagoge in Texas überhaupt. Daß die Grundsteinlegung unter freimaurrrischen Feierlichkeiten stattgefnudm hat, ist seltsam. Literaturbericht. Aeteler, L., Die Gliederung deS Buches JeremiaS. Mit Erlaubniß kirchlicher Obrigkeit. Münster. W. Niemann. 8. 137 S. 1870. Wir gesteh«, nicht ohne eia gewisse» BornrtheU die mit Lrlanbniß kirchlicher Obrigkeit gedruckten Bücher in di« Hand zu nehmen, und diese» BornrtheU rechtfertigt der Juhe'ä dieser Schrift durchaus. Falsch« Grundsätze sind kraft der Autorität der katholischen Lirche nnd nach Willkühr de» Bersaffer» ans dm heiligen Text angewmdet «ordm. Da kann denn da» Resnftat, da« Buch Irremia sei „eine einheitliche Christologie, welche die furchtbare Strafe für die Berfchmähuug de» angebotenen Heil» verkündet", nicht ebm unerwartet erscheinen. Ueberraschmd aber find doch immerhin manche Sätze, in denen der wissenschaftliche Wahn de« Bersaffer« gipfelt. So z. B. daß der Name Jehova'» der Logo» sei, dm Jeremia» verkündet, habe (S. 16), oder daß lhechiel gegm Muhamedaner, Schitmatiker und Protestanten geeifert habe (S. 128), oder daß „nach Zsaia», Jeremia» und Ezechiel Rußland Träger und Hauptrepräseutant unchriftlicher Priucipim in unserer (de» Her« Neteler) Zett sei" (S. Ir9). Da gegen solchm Unfinn alle Recmsentm der Welt vergeben» kämpfm würdm, bemühm wir uu« und belästigen wir dm Leser nicht mit weiterm Nachweisen. J. chrätz, Monatsschrift, Juli-Heft 1870 enthält: Da« Lrdbebm in dm Tagen Usia'». (Forfetzung.) Bon Rabbiner vr. M. Rahm er. — Halachah-kritische Forschungen. Bon I»r. Dünner. — Line seltene poetanische Sammlung. Bon Ad. Neubauer. — Lthmologisch« Stndim zur «und« der rabbinbchm Sprache and Llterchümer. (Forts.) von vr. I. Perle«. — Da» Zeitwort LID. Bon Rabbiner D. Oppenheim. — Lroge (Ipori) bei Joseph»« Lut. IX, 10, «. Bon vr. I. Perle». — Rrcmftonm. Bon de« großm Grätzlchm Srschichtswerk werdm demnächst die Bände V, V! ». VII in zweiter Auslage erscheinen, da die erste schon seit langer Zeit vergrifim ist. L« «erd» dann also wieder alle bisher erschimmm neun Bände complet zu habm sein. Rabb. I. Maroni in Florenz kündigt eine italienisch« Ueberfetznug de» „Morr" an. (Ldm. J«r.) lvrieskafien dar Redaaton »ed. da« „Israel. Lehrer". Sie soll« nächst»« Ihr» Will« habm! — Herr L in Schipp. Ich kann Ihrem Wunsch« nicht entsprechen, rath« auch durchan» von der Nachahmung so unjüdischer und mindesten» abgeschmackter Dinge ab. Wegm rlnregelmäßigkriten wo»« Sie sich an das Postamt »enden.