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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-27 · 30 (27.7.1870) · p. Seite 247

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
30 (27.7.1870)
Date
1870-07-27
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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24? briligfltbt«, reise», sittenstreng«,, j« woht „alttrstamentarsschen" Geiste der Religio» namrtr» tat, wo» na» Etviklsation nannte, Dienst de» Saal (bei Golde«), de« Moloch (des menschenwürgenden Kriegsruhms) und der > starte (laßt es Euch übersetz«»!). 8er hat Recht befallen? — Der ftnfaiirr Hch»tßrett. Die Angelegenheit, betreffend die Eröffnung der beiden höheren Lehranstattm in Breslau, nimmt selbstverständlich weit über die unmittelbar betheiligten Kreise hinaus ein lebhafte« Interesse in Anspruch und darf gewiß in einem, noch dazu in Breslau erscheinenden, jüdische Interessen vertretenden Blatte einer eingehmden Besprechung nicht entzogen werden. Selbst aber für den Fall, daß man die Ansicht geltend machte, es brauche da, wo dem Juden sein Recht selbst durch dt« Nichtjuden gewahrt «erde, der Jude am Kampfe sich nicht »u betheiligen, würde doch da« Stadium, tu welche« die Sache durch den letzten mtttelst des Provinzial - Schul - Collegiums an den Magistrat zu Breslau ergangenen Erlaß des Eultusminister« getreten ist, es dem Juden zur Pflicht machen, seine Anschauung von dem Stande der Dinge auszusprechen. Zwar ist die Angelegenheit noch auf demselben Puntte, auf dem sie vor dem Erlaß war; der Erlaß erhebt den Fuß» als ob er einen Schritt thun wolle, und kommt doch nicht um eine« Haare« Brette von der Stelle. Aber das ist 'nicht zu leugnen und das muß — selbst wenn es Beftemden erregen sollte — ausgesprochen werden, daß der Magistrat zu Breslau, ohne es zu wollen, dem Minister gleichsam die Handhabe zu seinem letzten Erlaß geboten hat, und daß auf Grund der Aeußerung de« Magisttats der Minister mit einigem Anschein zu seiner Forderung berechtigt ist. Wir meinen die Aeußerung de« Magistrat«, wonach den projecttrteu Lehranstalten im Allgemeinen der „christliche Charakter" beiwohnen solle, und müssen selbst sagen, daß zwischen einer „Anstalt mit allgemein christlichem Charakter" (wie Magistrat sagt) und einer „christlichen Anstalt" (wie der Minister sagt) zwar ein feiner Unterschied gefunden werden kann, aber nicht muß. Bei einem näheren Eingehen auf die Begründung der Aeußerung de« Mazisttat« wird man au« dem an sich unerquicklichen Stteit vielleicht doch an Klarheit über die dabei einschlazenden Momente gewinnen. Ein gleichsam officiöser Artikel der „Schles. Ztg." intcr» pretirt die Aeußerung de« Magisttats dahin, daß er die Bezeichnung de« christlichen Eharakter« offenkundiger Wesse nur dahin verstaube» wisse» wolle; „daß du« innere Wesen der nesen Bll» dnngsstötte» auf der allgemeinen christlichen Grundlage unsere« nationalen Cultnrlebe»« beruhe» und mit derselben in Einklang stehen werde." Wäre dieser Satz richttg, so könnt« es dem Herrn Minister nicht verdacht werden, wenn er Bedenken gegen Anstellung jüdsscher Lehrer hat und eine solche als eiw! unter befo»beien Cautele» zu gewährende Concesfion bettachtet. Ist unser nuttonale« Eultnrleben auch nur „allgemein" chttstlich, so ist in de« aus solchem Grund« beruhenden Bildungsstätten für jüdssche Lehrer kein Platz. Allein jener Satz ist zunächst unklar und sodann überhaupt unrichtig. Sr ist unklar, denn wo« heißt „allgemein christlich" im Gegensatz zu „christlich"? Soll mtt „allgemein christlich" vielleicht über den Unterschied zwischen christlichen Secten hinweggegangen und den Katholik« ebensowohl wie den Evangelischen u. s. w. die Zugehörigkeit zur Christlichkett gewahrt bleiben? Mit dieser Erklärung, die übttgen« sprachlich wie sachlich sich am besten rechssertigen läßt, ist der Erlaß de» Herrn Minister« vollkommen einverstanden, denn sie schließt den Inden au«; ja der Erlaß scheint von einer solchen Auffassung der Aeußerung de« Magistrat« au»zugehen. Wenn ihm also ein jüdsscher Lehrer zur Bestätigung präsentirt wird, so fragt er: Wird dieser gar nicht chttstlich« Mann an einer Anstalt von allgemein christlichem Charakter mit Erfolg wirken könne»? — Die Antwort wird Jeder lttcht errathen können. Aber der Magistrat hat so etwa« überhaupt nicht gemeint; er hat sich falsch ausgedrückt. Er wollte sagen, daß seine Anstalten auf humaner, sittlicher Basi« beruhen sollten, und hat dafür „allgemttn chttstlich" gesagt. Er hat sich einem sehr verbreiteten, aber darum nicht minder falschen Sprachgebrauch an» geschlossen» wonach Christenthum mit Menschenthum identtsch ist; einem Sprachgebrauch, der in Ausschließung und Intoleranz wurzttt und jedenfalls zu Mißverständnissen Anlaß gibt. Chttstlich refp. jüdisch ist dasjenige, wa« auf fpettfifch christlichen resp. jüdischen GlaubenSmcinungen, Anschauungen, Pflichten u. s. w. beruht. Z. B. der Glaube an die Dreieinigkeit ist christlich; der Sabbath ist ttne jüdische Institution; die Feier de« Osterfeste« al« da« der Auferstehung Christt ist chttstlich, die Feier de« Passah al« da» der Befteiung au« Aegypten ist jütisch u. s. iv. Dagegen hat unser Culturlcben und die darauf beruhend« Bildungsstätten weder mit dem Christenthum noch mit dem Judenthum etwas zu thun. Da« Studium alter und neuer Sprachen, da« Erlernen von Geschichte und Geographie, die Beschäftigung mit Mathematik und Naturwissenschaften ist nicht christlich und nicht jüdisch. Die Entdeckung Amerika'« uitd die Erfindung der Eine unerklärliche Unruhe erregte sttn ganze« Wesen, und je länger er schweigend und in ernste Gedanken versunken dahinschtttt, al« ob er die Anwesenheit seiner Juantta gar nicht merke, desto mehr überhäufte er sie mit Liebkosungen; oft hielt er plötzlich in der Promenade inne und wandte sich zu sttner Tochter, als wollte er mit ihr sprechen, aber er schwieg, denn ein neuer Gedanke schien feine Worte auf den Lippen zuttickzuhalten. Iuanita bemerkte die Auftegung ihre« Vater» und fühlte sich dadurch ebenfall» beängstigt. Hundett Mal war sie im Begttff ihn zu ftagen, wa« er habe, und immer vermochte sie, von ttner unbesiegbaren Macht zurückgehalten, kein Wort hervorzubttngen. . Diego war heute schnell müde geworden, denn, nachdem er ttnige Mal die alte Akazien-Allee durchschritten hatte, stand er wiederum sttll. „Gehen wir hinttn," sagte er zu Juantta, „gehen wir hinein, mtt» Kind, ich fühle mich außerordentttch ermüdet; übttgen« m»ß ich Dich sprechen, und was ich Dir zu lagen habe, läßt sich besser im Zimmer als hier im Garten abmachen." Wenn Diego oh« Zeugen mtt seiner Tochter sprechen wollte, so waren die Umstände dazu gerade jetzt sehr günstig; oder vielmehr er hatte selber diese Umstände herbeizuführen gewußt, j Fernando war mit den in Saragossa angekommenen Freundm | ausgegangrn; der einzige Bediente de« Hause« hatte sie auf i Diego« Befehl begleitet und die Dienstmagd wurde durch die Sorge für die Witthschaft, die in den letzten Tagen durch die i Anwesenheit der Gäste größer war al« gewöhnlich, in der Küche ' zurückgehalten. Da« Hau« war in Folge dessen einsam und! verlassen.! Diego wollte seine Tochter in sein eigenes Zimmer führ«; j er stieg die Stufen der Frtttteppe hinan und durchschritt mehrere , Gemächer, bi« er in sein Kabinet gelangte, da« am äußersten Ende de« Erdgeschosse« lag. Al« sie in dasselbe eiugetreteu waren, schloß Diego die Thür«! ab »nb zog di« Fenstervorhänge dicht zusammen, nachdem er sich i die lleberzeugung verschafft hatte, daß sich Niemand im Hof» j befinde. Juantta folgte mit «achseude» Erstaun« de« geheimnißvollen Gebahren ihre« Vaters, ttne unerklärlich« Unruh« hott» sich ihrer bemächtigt. Die Mitthettungen. di» ihr bevorstonde»

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