Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- Seite 242 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935211--0342-5370063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
242 dieselben kämpfen und dich „orthodox" find, d. h. die nur derjenige alS „Neologen" ic. verschreie» kenn, der auf Vernunft oder auf Ehrlichkeit total verzichtet hat. Uwere Bekanntschaft mit den Persönlichkeiten ir Ungarn ist gering, wir wollen also nur Einen nennen, Herrn Rabbiner Hirsch in Altofm. — Angesichts dieser Thatsachen behaupten wir also: entweder es gibt Ein Judenthum, velcheS Alle umfaßt, die sich nicht in Wort >>nd That von d«m Prinzip der Lehre und deS Gesetzes lossazen; oder eS gibt mehr alS ein Judenthum, eS kommt zu einer Spaltung — und es will uns schon bedünken, daß die Schomre-hadath sie durchsetzen werden — aüsr dann wird es sich zeigen, daß eS auch nicht zweierlei Judenthum gibt, nicht eine ottbodoxe Partei, auch nicht zwei oder fünf, sondern zehn! — und der Text, in dem diese Steigerung vorkommt, fährt fort '171 D2SKC NSP'irs« 1V bis ihr der Spaltungen satt habt!) Vermischte und neueste Nachrichten. Die todte Saison hat uns schon feit Mitte devorigen MonatS die Fortsetzung unserer „Wochenberichte" unmöglich gemacht, stellen wir denn das Wenige, was an Nachrichten und Zeitung rauszüzen vorliegt, in gewohnter Weise zusammm. Vcn den beiden in Berlin erschienenen jüdischen Zeitungen hat daS Organ des Herrn vr. Naschör daS Concurrenzblatt nur um 14 Tage überlebt. Dazegm ist daS orthodoxe Blatt unter dem Titel „jüdische Presse" und unter Redaftion der Herren vr. En och in Fulda und vr. Karpeleü erschienen. Rach den beiden ersten Nummern schon ein Urtheil abgeben zu wollen, wäre voreilig, doch scheint die von unserem H. Korrespondenten in Nr. 22 gehegte (un!) bei seiner Kenntniß der Sache auch nicht io die Luft gebaute) Erwartung sich erfüllen zu sollen. Möge es so bleiben! Wir bemerken mit Genuzthuung, daß die ungarischen Verhältnisse in zwei Briefen unbefangen besprochen sind, ifi wird die vorhandene ttefzehende Verschiedenheit der religiös« Ansichten in jenem Lande, wie natürlich, anerkannt, trotzdem aber der Einheit, dem Fortbestehm eines 1« 17, lebhaft das Wort geredet. Zwar hat die Redaktion selbst sich noch nicht ausgesprochen, aber üa Jedermann weiß, daß Herr vr. Hildesheimer hinter dem Blatte steht, und da dieser die ungarischen „Orthodoxen" zur Genüge kennt, so ist nicht anzunehmen, daß die „jüdische Presse" mit dem „Magyar Zsidü" Zusammengehen werde. Ueber die Vormundschaftsfrage haben die polüischen Blätter den Bescheid des Berliner Stadtgerichts gebracht, unsere Leser werden darüber genügend unterrichtet sein. Die Sache ist für uns damit vollständi g erledigt. Die Bestellung eines Juden zum Vormund über Christen und umgekehrt ist für gesetzlich zulässig erklärt, und wenn der Vater iu diesem Sinne verfügt bat, so werden die Gerichte nach dessen Wunsche verfahren. Dagegen haben die vormundschaftlichen Behörden ohne Zwessel ein Recht, nach der Religion des zu bestellendm Vormundes zu j fragen, und daß sie bei sonst gleichen Umständen einen Vormund s wählen werden, der mit dem Mündel gleicher Religion ist, ballen wir für ebenso gerecht und natürlich, als wir diejenigen für Thoren halten, welchen das Gegentheil besser erscheint, und die da meinen, daß die Religionsverschiedenheit ebenso unwesentlich sei, wie etwa die Verschiedenheit deS Geschäftes. > Dafür ist nun ein gewisser Herr F. so glücklich, eine andere i Frage »er Gleichberechtigung der Juden in Preußen entdeckt zu! haben. Er hat sich in der „Voss. Ztg " über Wetter Nichtzu j beklagen, alS daß „die preußssche« Logen sich der Aufnahme von 1 Juden in den Freimaurerbund beharrlich widersetzen". Ir Emde» ist bei: dortige allzemnu geachtete Landrabbiner vr. Hamburger mit Tod abgezangen. .N2t"7ki An den Reichstagswahlen in Oesterreich habm sich die Juden, wie es scheint, überall lebhaft betheiligt. In Lemberg hat bei der (in voriger Nummer erwähnten) Versammlung in der Synagoge nicht nur vr. Löwenstein, sondern auch der Rabb. Schau! Natansohn gesprochen und die Candidaten der Partei, zwei Christen und einen Juden, empfohlen. Letzterer, vr. Fränkel» ist gewählt; Abends fand, wie der „Lemb. Israelit" sagt „das obligate Scheibenetnwerfen" statt. Die Juden scheinen dort, rein polnssch gewählt zu haben, der Verein Schomer JiSrael will die Juden polonisirea. In Böhmen, zunächst Prag, dagegen spaltet der Kampf zwischen Deutsche» und Czeche» auch daS Lager Israels. Wir referiren beides einfach und denken so wenig daran, den Juden in Galizien oder Böhmen unsere Sympathien vorzutragen, als ihnen in der polittschen und NationalitätSsrage Rath zu ertheilm; dagegen können wir nicht umhin auszusprechen, daß unS die Wuth, mtt der die Prager „Gegenwart" fiir daS Czechenthum Partei nimmt, befremdet. Wir sagen eben nur „beftemdet", wir verstehen die betreffenden Artikel, obgleich sie in einer deutschen Mundart geschrieben sind, ebensowenig, alS wenn sie czechisch wären. Vorläufig rechnen wir weder die Czechen unter die Culturvölker, noch ihre Sprache unter die Cultursprachm; waS also die Juden beim Anschluß an Volk und Sprache gewinnen könnten, das verstehen wir nicht. In Preßburg ist am 4. Juli Eduard Horn, ein Jude, zum Vertreter der Stadt im Reichstage an Stelle deS FinanzministerS Lonyay zewähll worden. Bor 22 Jahren hat dieselbe Stadt noch ernstliche Judenverfolgungen in ihren Mauern gesehen. Pesth. „Hon" meldet, daß die Häupter der orthodoxen Partei mit Genehmigung deS Kultusministers noch in diesem Monat hier zusammentreten und ein Statut für orthodoxe Gemeinden berathen werden. UebrigenS wird die Ordnung der ungarisch-jüdischen Zustände am besten durch eine Zuschrift der drei Lehrer an der israelitischen Elementarschule zu Losonez charakterisirt, welche wir dem „Pest. Lloyd" entnehmen. ES heißt da: „XU ergebenst Beseitigten .... kämpfen seit langer Zeit wegen Br» Haltung ihre» Leben». Fünf, sage fünf Monate find bereit» vorüber, seitdem sie leinen Behalt bekamen, und doch haben sie sonst keine Eiuküastr. Wir ergebenst Befertigteo wendeten nn» mehreremale um Hülfe au da» löbliche Lber-Stuhlrichteramt, doch vergeblich. Wir «endeten nn» an den Herr» Schnlinsptkwr; er erklärte nn« schriftlich, daß laut h 38 den Lonsessionen ihre Amonomie unbeschränkt ausrecht erhalten blub, wir mögen demnach den llivilweg, da» löblich« Ober-Stnhlrichteramt, mit unserer Bitte augeheu; doch dieser Weg wurde bereit» mehrmal» gemacht. Wir wendeten nn» daher mit unserem unterthänigste« Besuche au S«. Excelleuz den Herr» ikulru»miaifter; daraus wurden wir von der hochlöblich«» Studieu-Ober-Direction an» Preßbürg amtlich verständigt, daß Se. Excellenz der Herr Lultulminister am '21. März d. I. unter Z. 6423 au dU löbliche Behörde de» Reozrader Lomitatc» wegen sogleicher All»folgung unsere» rückständigen Behalte» einen Aufruf ergehen zu lassen geruhte. Seit dUser Zeit aber unterbreiteten wir drei Besuche an den gnädigen Herr» ersten Bicegespaa de» Reograder Co* mitat», damit er doch wegen AnSfolguug unsere» Behalte», dem hohen Ansruse gemäß, eine baldige Berfüguog treffen möge; doch blUbeu leider alle dUse drei Besuche für uns ohne jedweden Erfolg. Wir wendeten un» daher am 14. Juni abermal» au Se. Excellenz den Herrn Cultu»niiaiftrr; wir erkläneu in unsere« unterthävigsteu Besuche, daß nn» bi» heute «egen Au»- folgung unsere« rückständigen Behalte« noch immer von Seiten der Behörde keine Hilfe geleistet wurde. Indem wir mit Veröffentlichung dieser unserer Beschwerden SU, hochverehrter Herr Rrdactenr, um einen gefälligen Rath auzugehen nn» erlauben, wohin wU nn» in unserer traurige» Lage wenden sollen, da wir un» doch schon zweimal an Sr. Excellenz den Herrn Lultu»minister gewendet haben, verbleiben wir der i»raelitisch« Lehrkörper." Bukarest. Für die Aufhebung der EonsularjuriSdtctton in Rumänien, welche von dem Laude fett Jahren mit allen erdenklichen Mittel« angestrebt und von feine« Verttetern bei dm Mächtm betrieb« wird, dürste der Urtheilsfpruch, dm das rumänische Seschwormmgericht in Galatz am 7. gefällt hat, nicht gerade günstig wirkm. Bor Gericht standm dtejenigm