Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
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243 Person«, die an der Iudenhe-e in Lekntjch thetlgenomm« hatl«, bet welcher Gelegenheit bekanntlich die Synagoge und viel Prtvatetgenlhum der Judm in Lekntsch zerstört und die JSrattitm selbst vielfach mißhandelt Word« warm. Man »ar auf da- Urtheil über die Thetlnehmer au diese« Unfug um so «ehr gespannt, als tu der fftengen Bestrafung derselbm die einzige Garantie gegm eine Wiederholung derartiger Vorfälle ge» leg« haben würde. Da- Beschwormeugericht in Galatz aber hat die Angeklagtm sämmtlich freigesprochen. — Paris. „Siscle" meldet, daß in dem von unerwählt« ErbschaftSprozeffe tu Algier, bet welchem Crsmieux und Fröre gegm einander plädirt Hab«, von dem kaiserlich« Gerichtshöfe nach dem mosaisch« Recht zu Gunst« derEöhne erkannt worderi ist. Vielleicht eriuuern sich Leser einer vor etwa einem Arhre in England (Lardiff) vorgefallmm vekehrung-geschichte. Die Tochter eine- Zudm Ramm- Lyonhatte da- EltemlauS verlaffm, man vermuthete augutm Gründen, daß «in Missionär, Ramm- ThomaS, sie verlockt habe. Der Vater reclavrirt« sein Kind» wurde aber von Thema- und Frau höhnisch ab» gewiesm, er möge seine Tochter such«, er «erde ste nicht find«. Andere fromme Christ« hattm, mit dm Seelmfängem im Bund«, da- Mädchen versteckt und von Ort zu Ort geführt. Lyontrat gegm die Thoma-' klagend auf. Bet dm Gericht-- verhaudluugm wurdm von Seit« de- Richter» die Verklagt« mit Tadel über ihr schändliche- Verfahr« überhäuft, fie verirren dm Prozeß moralisch, aber juriÄfch liest sich ihn« ncht» anhabm. Lyon» hat Wetter geklagt, hat — in England ist die Prozeßführung bekannttich entsetzlich kostspielig—fein Bermiig« eingebüßt und hat jetzt in höherer Instanz verlor«, immer »ach dem Luchstabm, nicht in der öffentlich« Meinung. Er hat sich nun an den Board of Deputier gewmdet, dieser hat am 30. lftmi Sitzung gehatt«, er bedcmert dm Later, bedauert» daß er die Klage fortgesetzt, und erklärt nicht helfm zu können. „Jew. N ec." bringt ei» fulmttianteS „Eingesandt", deffm Vorwürfe zeg« dm Board os Deputier jedoch gewiß ungerecht find, denn wenn dieser erklärt, daß Recht-gelehrte von dem Wetter« Verfolge der Cache entschied« abgerathm Hab«, so ist an der Richtizkett dieser Angabe doch nicht zu zweifeln. Da- „Eingesandt" fordert zur Bildung eine- „Schutzverein-" auf, e» sei ja jetzt kein Haumehr vor dem Eindringen der Seelenfänger ficher. Wir begreif« denSchmerzenS» schrei. aber erzieht doch eure Kinder so, daß fie der Misfionäre spotten! DaS ist der beste und einfachste Schutz! Wir th eilen aber noch ein« charakteristisch« Zug mit. Eine der frommen Damm, welche bei dem Versteck« der Miß Lyonhilfreiche Hand geboten Hab«, schreibt an eine Genossin: „Die Mutter ist dem Versteck (vouLnsmeut!) der Tochter ganz nahe, fie möchte sterbm — ich sage vor innerem Grimm — sie sag« vor Kummer. Sie find jetzt in großer Wuth. Bittm Sie dm HEr«, daß er ihre Anstrengung« vereitele." Waist schlimmer, sagt ,Messern matt", die schmßliche Gotteslästerung oder die Grausamkeit? — Die Zeitungen schein« in der Berurthei ung der ThomaS und ihrer Helfershelfer einstimmig zu fein, aber der Gesetzesbuchstabe schützt jme. Dabei gerir« sich die ThcmaS noch als Märtyrer, und ihre GesinnungSgenossm sammeln Geld für fie! Merke Dir, Leser, dm Fall und obige Amßemng und schleudere sie gelegmüich dm Lobpreise« christlicher Liebe inS Angesicht. Bei Gelezmhett des Selbstmordeeine» Täufling» in Pos« (s. Nr. 27) fragt „Rev. JSr.", ob die MissionSgosellschaft dm vr. Heffter wchl deSavouiren, entlass« werde? Wir ftagm nicht — der Elende sonnt sich zweifelsohne im Glanze de» durch die Angriffe der Presse auf ihn fallend« DulderscheineS «nd — feine SCO Pfd. Sterl.! Er hat das Geschäft gemacht, steckt die Provision ein, und wenn sich der Gekcufte nachher erhängt, waS geh" da» ihn an? — Wenn wir noch einmal auf die Angelegmhett der von Heß vollzogen« .^Trauung" zurückkommen, so geschieht e« um zu conftafir«, hgß dir jLdijchm Blätter in L»erika ebmso wie die europäischen einstimmig dm Mann verurtheilm. Wir warm in der That auf da» Urtheil der „Jew. Times", de» OrgauS der Radikal«, gespannt, aber auch hier wird die betreffende Ehe ohne alle Clausel als Blutschande bezeichnet. „Wenn die Heerde irre geht, wehe dem Hirt«", schließt der betreffende Artikel. Wozu also „nach einer Mücke mit Kanon« schieß«?" Auch in dieser Beziehung stimm« die amerikanischen Blätter sämmttich mtt unserer Ansicht überein, zum Theil mit ausdrücklicher Httnveisung auf die „Wochenschrift". Wir geb« unfern Lese« ein« köstlich« vluockor der „Jew. Tim." zum Besten. Dir „Rm. 3»r." hatte da» „Anathem" de» „JSraelitm" getadelt und dabei einem Her« Sauvestre, einem Christen, welcher behauptet hatte, daß da» Judmthum ebenso intolerant wie die päpstliche Hierarchie sei, zuge«fm: „Degainez, Mr. Sauvwtre, voici 1'mmu I" <Zi«h« Sie vo« Leder, Herr S.< da ist der Feind!) Der vorherzeh«de Satz schließt mit: l« raddin 0r.S«a, darau» macht „Je«. T.": „die Rabbiner vr.Heß, Dezainez und Sauvestre." Literaturbericht. Aatatdß Ar. 117. Lidliotdoo» dvdrnicn et jadaica. Verzeichniß von Werk« aus dem Gebiete der hebräischen, jüdisch« und orientalisch« LÜeratur. Zu bezieh« durch die Schletterffche Buchhandlung (H. Skutsch) in BreSlau. BreSlau 1870. «0 S. Der deutsch« vnchtzandtt zerfällt tu zwei wesenUich von einander getrennte Zweig». Der ein« umfaßt den Verlag der neu erschienene» Werke, der andere bildet den Handel mit alten Büchern, Während der Handrl mit neue» Büchern einem fartwlhrenden Wechsel unterworfen ist, «dem jede» .nene Buch nach einiger Zeit de« Werth des neuen verliert, begreift der Handel mit älteren Werte» einen immer wachsenden Zeitraum io sich: eia alte« Vach wird eben nie wieder neu. Um solche Werke für den Hansel za besitze«, maß der Buchhändler mnherspüre» und suchen, ob er etwa« stadet, was für ihn Werth hat. E» gehört eia eaormer Sammelfleiß dazu, vielleicht längere Zeit aas eia Werk za fahudeu, da» für irgend eine Bibliothek gesucht wird, oder aus eia ganz unscheinbare» Bändchen, da» zur Lomplerirong eine« Werke« srhft. Diese Mühe wird dann durch di« Anfertigung eine» Katalog» atgrschloffe» and gekrönt, der die Berbinduag de« Verkäufer» mit dem ltäaser cinleitea soll. Ander« ist e« mit de« vachhaadel und dem Antiquariat hebräischer Werke. Der Handel mit neuen Büchern dieser Lattung ist eia ganz geringer, weil di« Bersaffer größtentheil» ihre Werke in eigenen Verlag nehmen. Größer ist aber der Handel mit älteren Werken. Die Antiquare betrachten diele ihre Waare als eine Sammlung von Rantäten, die (o rar find, daß sie nicht einmal durch eine Annonce in die Oessentlichkeit dringen, sondern von den ltänsern beim A ntiquar gesucht werden müssen. Der Preis wird von dem Berkäaser, je nachdem er sich de» Käufer anfiehr, gestellt. Linen stortfchri« in dieser Beziehung bilden in »euerer Zeit diejenigen Antiquariate mit hebräischen Werten, die durch Kataloge ihre Schätz« de« Verkehr bekannt machen. Vreslau gehört jetzt auch zu denjenigen wenigen Städten, in welchen sich rr-eaigsteu« eine Buchhandlung die Mühe giedt, ihre werthvolle hebräische Bibliothek durch einen Katalog dem Publikum anzozeigeu. Die Schletter'sche Buchhandlung (H. Skutsch) in Bre-lau hat jüngst den in der Ueberschrift be^icha-teu Katalog herautgegeben. Lr enthält der kostbaren und seltenen Werke so viele, daß wir, anstatt einzelne Werke zur Lharafterifiruag de» Lanzen hervorzuheten, wie die« gewöhnlich geschieht, nur auf die Durchsicht de» Katalog» selbst hiaweisen könue». Die einzelnen Abtheilungen find: I. Hebräische uud rabbinisch« Wette. II. Exegese de» alten Testament». III. Jüdische kireratur in deutscher Sprache. IV. Predigtta und Lebechllcher in deutscher Sprache. V. Hebräisch« und chaldäisch« Sprache. VI. Phönizische und auder« semitische Inschriften. VII. Syrische Sprache. VIII. Arabische Sprache. IX. Perfische Sprache. X. Sanskrit und andere Sprachen. XI. Zur Geschichte und Lergraphie de« Orient». C. Briefkasten der stkedmtio« Der Aussatz über den Schulstrnt hat dies, Woche noch e>nmal zurückgelogt wwdw, u.üff». — -E.-« V. Ihre Nachricht «ar schon anterweit «itgttheilt, wettere Berichte erwünscht, vr. D. i, C. Sehr angenehm.