Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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288 mit dem Glaube» an et«: Vernunft, in berat Besitz der Mensch allein fti. Der Unterschied zwischen Thier« und Maischenseele ifi ihm zufolge nicht qualitativ, sonde» quantitativ•). Der Mensch gleicht Gott eben nicht mehr aljebeS ander» Stück de« Universum»'), und die Erde ist wie geschossen worden, sondern allmähltg entwickelt, und auf ihr wurden alle Wesen ebenfalls allmählig entwickelt'). DaN bringt mich ans de» Punkt Ihr« Sudetnandersetzung, Herr Doctor, an dem Sie ein wenig zu cavalierement mtt meiner Logik umgeh«. ES ist Absatz 2) JhreS Aufsatzes. Sie hatten mir die leine Vorlesung über den Satz vom zureichenden Grunde; vielleicht in der Meinunz, daß ich alS Naturforscher von so esoterisch« Feinheiten der Phüosophie keine Ahnung hätte. Ich könnte Ihn« zum Entgelt eine kleine Vorlesung über den RelattviSmu« halten, ohue der, wie ich meine, keine Naturforschung ^G»u»e»v»^cich«,öc »i |* *äol Daß die Bibel eia« körperliche Gottiihalichkeit entschiede» perhorresntt, braucht leinem Jude» gesagt zu werden. ») Die» kenn immrrhi» »l» offene Frag» betrachtet werden. Di« Bibel lehrt «bi, daß Gott de« Meaiche» die Seele rein gegeben hat, »d daß es Pfrcht de« Mensche» ist, di« Gouebenbildlichleit seiner Seele z» wahre» und zu sbrderr. *) wen» wir da» Wort „verhLUaißmößig" emschiebe», so lehrt die Bibel dasselbe. Ter Abstand , »wischen Gon und Mensch ist im BerhLltniß zu dem zraschea Mensch uad lthier eia so unenneßlicher, daß der letztere dagegen verschwindet. Dies« Niedrigkeit, Winzigkeit, Richtigkeit de» Mensche» wird von der Bibel und von den religiöse» Dichter» hinlLnglich hervorgehobe». r> Di« Bibel lehrt resp. erzählt allerding», daß di« Artnnterschied« in der Schöpaag von Lafaag an bestände» haben (Brrcb), Lalnmd und Midrasch sprechen ei noch bestimmter am> (z. B. Rösch hasch. II»). Eine Grnndlehre de» JudeItchnm« ist ei aber dirnm Ieine»w«g», uad wen» man NU» de» Segenkheis beweise» würde, so ist di« entgegengesetzt« Ansicht auch nicht »nvertrtglich mit der Bibel, da sich in chr uad der Tradition LnkUlage staden. Daß di« Religion mit der Fiage von ursprünglicher »rtverschiedenheit oder Latwi-teling gar nicht» zn schaffen hat, steht ohaedie« jeder «in. bestehen kan», (vir lassen hier eine längere Erörterung Über philosophische und naturwissenschaftlich« Themuta, die für eine» TheÜ der Leser unerquicklich sei« würde, au«. Herr Dohm selbst schließt sie mtt dm Wort« ab:) ,Mr brauch« tat« also kein« unuöthige Mühe zur Erreichung einer Verständigung zu geben, die doch nur damtt endigen würde, daß Jeder bet sedter vorstellungsweise beharrt, die er ja auch nicht willkürlich hat, sondern al« «»Ssiuß feiner Thätigkett, seine« Bildung«- und «utwickeluug«. gange«, seiner gauzeu Individualität. Ich könnte schließen, hätten Sie mir nicht noch am Schluß einige Fragen vorgelegt, die ich zu beantwort« habe. Sie fragen, ob «S besser und zweckmäßiger fei, dm Kindern und dm schlicht« L«tm statt der mosaisch« Schöpfungsgeschichte die Darwin'sche Theorie von der natürlich« Züchtung vorzutragm? Ich antworte unbedenklich: Ja! Ich sehe nicht eia, warum so leicht faßliche Wahrheit«, wie die Darwin'sche Theorie, dm „schlicht«" Leut« mtzogm werdm sollten. Und da nicht« Verfängliche« in ethischer Beziehung darin zu find« ist, so wüßte ich auch nicht, warum sie dm Kinde« nicht sollte gelehrt werdm. Ich selbst habe mir schon oft da» Vergnüg« gemacht, Kinder i« diese Vorstellung« einzuführm, und sie Hab« darum nicht« BöseS gethan •), haben nur erst recht nach weiterer Belehrung gesucht. Die zwette Frage verstehe ich nicht recht. Wa» hat die Darwin'sche Theorie mtt dem Jammer auf Erd«, mtt der Derschiedmhett de» Besitze« und der Ansicht« zu thuu? Wie mir scheint, nicht mehr al« die Lehre de« Eopernicu«, daß die Erde •) Da» ist wohl möglich, ja glaublich. Die kehre allein bewirkt weder Gate» noch Böse», da» Wirksamste bleibt da» Beispiel, di« ganze sittlich« »tmosphäre, in der die Jugend athmet. Bi» jetzt ist aber unser ganze» sociale« Lebe» »och von der Aastcht getragen uad durchweht, di« in bemselben nicht blo« eine» Kampf um da« Dafei» erblickt. iZeuilleton. Juanita. Bor D. Schornstein. (Fortsetzung.) DaS warm in Wirklichkeit alles nur Gerüchte, dmn Niemaud wußte etwas bestimmtes über diesm Punkt. Diego d'Almora «rar eir. redlicher und offenherziger Mann; er empfing Alle, die in seinem bescheidmm Hause verkehrten, mit der größtm LiebmSwürdigkett, aber er war auch andererseits sehr tiscret und sprach mit Nikmaudem über keine Familimverhältniffe. Fernando seiner» feüs hatte dm jung« Leuten, die ihm bei ihr« Zusammmkünftm Schmeicheleien über sein Glück sagt«, stet« auSweichmd geantwortet. So viel stand fert, daß Juanita schon glänzmde Partie« auszescklagen hatte, und die Stammgäste der „rothm Herberge" warm gut unterrichtet, wenn sie unter dm Letzter« dm Sohn des Graf« von Ramira, des Abgeordneten für Arragonim, nannten, der aus einer der ältest« und edelsten Familim des Landes stammte. Der stolze, prachtliibende Graf führte ein großes und glänzendes Haus, und daS stimmte wohl zum Klang feines NammS, aber nicht zum Stande seines Vermözms. Seine Finanzen warm durch rnd durch zerrüttet und er sah mit Unmhe in die Zukunft. Unter solchen Umständen hatte der Graf an eine Verbindung zwischm seinem ältesten Sohne und der Tochter von Diego d'Almora gedacht. Denn di.'se Verbindung konnte allein dm Glanz seine- HauseS wieder he.'ftellm. Aber zum grohm (Erstaunen de» Grafm hatte Diego d'Almora, statt mit freudiger Dankbarkeit einzufchlagm, auf das so schmeichelhafte Anerbieten unbestimmt und auSweichmd geantwortet, und seine Antwort sah einer Ablehnung sehr ähnlich. Der rachsüchttge und jähzomtge Graf sah sich in sei»« Hoff, nungm getäuscht, in seinem Stolz gedemüthigt. Er hatte geglaubt einem einfach« Hidalgo dadurch, daß er ihm eine Verbindung mit seiner Familie anttage, die größte Ehre anzuthun. Deshalb warf er einen heftigen Haß auf Diego d'Almora und schwur, dm ihm zuzefügtm Schimpf bluttz zu räch«. I» der erstm Aufregung hatte er daran gedacht, ihn als der Ketzerei dringend verdächtig bei der Inquisition zu dmunciren. Nicht« war leichter, als da«; zwei Zeuzm, der« Namen während de« ProcesfeS niemals gmannt wurdm, genügten, einm Mmfchm in die Gefängnisse deS heilig« Gericht« zu brinzm, und war er einmal da, so kam er selten wieder lebmdiz herau». Die höllischen Folter» qualm, denen man die Angeklagtm unterwarf, ließm sie Alle» eingestehm, was man von ihn« verlangte, und wenn einer der Unglücklichen die übermmschliche Kraft hatte diesm Marte« zu widersteh«, so wrr er erst recht verlor«; er wurde al» unbuf fertiger und hartnäckiger Ketzer verurtheilt. DaS Vermögm Diegos war übrigens an sich ein gmüzmder G«nd, ihn dm Verfolzunzm der Inquisition auSzusetzen. Viele der Unglück» lichm, die in dm Gefängnissm oder auf dm Scheiterhaufm starbm, hattm kein anderes Verbrechm begangen als da«, daß sie reich warm. Dmn das heilige Officium confiScirte in feinem Interesse alle Güter der Schlachtopfer, berat Nachkommen ent» ehrt, für infam erklärt und unfähig, irgend ein öffentliche« Amt zu bekleiden, dem äußerstm Elmd und der Verzweiflung nahe gebracht wurden. Jedoch daS wollte der Graf nicht; er hatte noch nicht ganz auf die Hoffnung verzichtet, irotzdem die gewünschte Verbindung herbeizuführm. Diego hatte formell sein« Anttag noch nicht zurückzewiesen, nichts bestättgte die Gerüchte über die Ehe FemandoS mit Juanita. Der Graf war also ensschlossm '