Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-20 · 29 (20.7.1870) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
29 (20.7.1870)
Date
1870-07-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935211--0337-5370058
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

n: rs. - isro. 1. Jahrgang. für die religiöse« ««d socialen Interessen des Jndenthums. Erscheint jeden Mittwoch. Prei« virrtrljLhrlich 20 Silbergroschen. -»serttonngeStßr ft« Ml dreispaltige Petitzeile oder deren -lau« l'/, Sgr. Verantwortlicher Redakteur und HeraaSgeber Rabbiner vr. A. Ikrexeufets in Stettin. Breslau. 20. Juli 1870. Z» beziehen durch all« Buchhandlungen und Posta« stallen. -n^ral^r-Annab«« tu der Schletter'schea vnchhandluag (H. Skuych) in BreSlau. Anhalt. Leitend« Artikel: Darwinismus »ud Religion. V. Berich» de« EbaigSderger Haupt.Sreuzcomitö». Eine Anfrage. — -entilet»,: Juanita. Ei» Drtullied. Berichte »nd Lorrespsudenzm: Deutschland: BreSlau. Emden. München. Oesterreich: von »er unter» Donau. Hu» Nieder-Ungarn. Vermischte nnd neneste Nachrichten: Berlin, «kmdeu. Semberg. Prag. Preßbnrg. Pest. Losoncz. Bukarest. Pari«. England. Amerika. Ltteratnrberichi. Briefkaste«. Becanzrn-Liste. Inserate. Darwinismu» und Religion, v. (Schluß.) Herr vr. Dohrn gab hierauf nachstehende Antioort, welck« wir mit einigen Anmerkungen und einem Schlußworte begleit«. Offener Aries an Kerrn vr. Arenenfek» in Stettin. Erst heute «halte ich die „Randbemerkungen", welche Sie, geehrter Herr, an meinen etwa» abrupten Aufsatz „Naturforschurg «nd Tradition" geknüpft haben. Jndeß find mir Ihre vo> trefflichen drei Artikel »och tmm« zu recht« Zeit gekommen, um zu erklären, — daß ich mit Ihnen so ziemlich ein« Meinung bin. Sie halten da» vielleicht für Spott, — e» ist ab« mein Ernst, um so mehr, al» ich bekennen darf, daß, wa» Sie bewogen hat gegen mich zu schreiben, mich bewog zu schreibe». E» ist mir nicht möglich, auf alle Ihre Einwürfe zu antworten, ab« ein paar Bemerkungen muß ich doch an Jh:e Adrefie richten. Sie fragen, welche Theologen ich kenne« gelernt hält«? Nun, H«r Doctor, Sie wiffen so gut, wie ich, daß e» wed>er Philosophen noch Naturforscher find, welche in den Gynodin tagen, Sie kennen die Väter d« Gchulregulative und die Consistorien de» preußischen Staate« gewiß ebenso gut wie ich, und Sie wissen, daß Knak, Ouistorp, Fournin rc. nicht einzelne Individuen sind, sond«n die Auswüchse ein« «tremen Richtung; sind Sie etwa d« Meinung, diese Richtung vndiene nicht bekämpft zu werden? Gewiß nicht, da» lehren die „Randbemerkungen". Nun, dann sind wir vielleicht bloß verschieden« Meinung üb« die Wahl der Waffen. Meine Waffen, die ich auzuwenden gedenke, sind die folgenden: Ich will — und da» Ich steht hi« al» Verttet« all« derjenige», di« denken wie i«h, ich sage also bess« wir — wir wollen die herrschende Richtung nicht al» Richtung vernlchtm, — sondern al« herrschend;; da wir e» ab« nicht können, indem wir sie von oben h« aligreisen, — Sie wiffen, daß wir da nicht» vermöge«, — so wollm wir ihr unten den Boden unter de« Füßen wegziehen. Wir wollm versuchen, die Autorität, welche die Kanzel a«»übt, zu entwerthen, — denn diese Autorität wird gemißbraucht. Wir wolleu tie Kanzel zwiage», mit un» den Kampf um da» Dasein zu kämpfen, — nicht «eil wir blutdürstig sind und die Kanzclwdu« zerfteische» möchten, sondern weil wir hoffe«, daß die Kpuzel, z« Anspannung all« Kräfte gezwungen, von selbst diejatige Richtung abwerfen ««de, dir wie eine böse Geschwulst dem OrganiSmu» d« Gesellschaft auffitzt und diesen Kampf d« einzelnen Organe v«anlaßt. Wir haben nicht» gegen die Theologie, wenn sie dm beidm letztm «Albe» ihre« Namm» treu bleibt, aber wir habm alle» gegen sie, wenn sie ihre Träg« mtt «in« Autorität bekleidet, welche ihnen «laubt, ungesttaft diese., beiden Gtlbm in» Gesicht zu schlage». Wir müssen in die gesunden Theile d« Theologie etnscynetdm, wenn wir die Geschwulst de» Pietttmu» und d« Orthodoxie befeittgm wollm. Sie kämpfm in Ihrem Aufsatze zegm mich, al« einm 93«» treter de» Materialismus. Nun, wa» ich eben gesagt habe, wird Ihnen beweisen, daß mir d« Materiali»mu« nur al» Waffe gilt. Ich accepttre ihn nicht al» meine Uederzeugunz * *). Aber dagegm muß ich ihn doch in Schutz nehmm, al« fei er absolut unzulänglich, al« Philosophie aufzutreten. Er ist so gut und geschloffm al» philosophische» System, wie irzmd ein and«e», und wo « nur conseauent und kritisch bekannt wird, wüßte ich nicht» gegen ihn einzuwenden. Er ist eben eine der großm Grund- Hypothesen, wie auch der Idealikmu«, d« Dualismus ic. Nur hat er die unglückliche Etgmfchast, unreifen Geistern übermäßig zu gefallm und von schlechtm Köpfen pcpularisirt zu werdm. Dafür kann indessen meine« Erachten» der Materialismus nicht» *). D« Darwinismus ist im Gegensatz zu Ihrer Meinung nach meiner Auffassung mit keiner specififchm philosophischen Richtung verbundm. Ich könnte Darwinist sein und an dn Realität d« Außenwelt zweifeln, könnte die natürliche Züchtung lehrm und Dualist sein, — kurz, bn Darwinismus ist neutral. Ab« « ist unverträglich mit dem Glaubm an die Schöpfung d« Erde, wie sie von der Bibel gelehrt wird*). Er ist unverträglich mit dem Glaubm an die Gottähnlichkeit de» Mmfchen, sobald dies« Glaube die menschliche Gestalt einschliest*). Er ist unverträglich ») DaS konnten »oir freilich nicht wiffen. *) Eine vortrefflich« Bemerkung und ei» sehr bemerken» werthe» Gestäuduiß, welchel auch andere gründliche Naturforscher ausgesprochen haben. Ein« weiter« Beleuchtung des Materialismus als philosophischen Systems ist hier nicht am Platze. *) Vena unter „Schöpfung" di« Hervorbriagung d«S ersten Srnudstoffei aus nicht» stmo «erstanden wird, so ist damit di« „allmählige iweitere) Entwieielung^', »eiche Darwin lehrt» durchaus nicht »»dertrögltch. *) Hier sö^iue» Herr^ Dohr» christliche Reminiscenzeu »on ei»««

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.