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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-13 · 28 (13.7.1870) · p. Seite 234

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
28 (13.7.1870)
Date
1870-07-13
Page
Seite 234 (sequence 6)
Language
German
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234 augenblicklich, nachdem die Gklavenftagr so gut wie ganz gelöst ist, an einem, wie wir hier sagen, isaue, an einer praktisch« Krage um die die Partei« sich grupptren können. Sie «n§ handgreiflich sein, sonst erwärmt sie die Masten nicht. Die Frauenrechtsfrage will nicht recht ziehen, die Ehrtstianifkrung der Constitution? — Noch schrickt ein großer Th eil schandernd davor zurück. Doch im Geheimm wird gewühlt und die jesuitisch« (eS gibt bekanntlich Zefuttm in all« Gert«) Blätter streck» Fühlhörner auS. Man spricht gern von Christian Civilisation, Christian Oountry, und wenn Jemand dagegm remonstrtrt, so zieht man die Segel ein und hat bloß die inoderne Civilisation, das Land der Gesittung rc. gemeint. Augen!,licklich ruht der Kampf, da kine Präsidentenwahl bevorfteht, hier und da tauch« dagegm Localwagm auf, an den« man die Stimmung prüf« kann, z. B. Einführung de- Bibel» lefenS und christlicher Gesänge und Gebete in dm Volksschulen Die Richte-:» die in der Regel die Windrose sehr gmau kenn«, habm biSh.i immer zu Gunst« des MuckerthumS entschied«. Einer der ärgst« Mucker-Richter, Strong auS Pensylvanim, der sich schr lebhaft für die Jnserirung „GotteS und seines SohneS" fct die Constitution der Bereinigt« Staat« interesfirte und einschlägigen Sitzung« präfidirte, ist jetzt von Grant zum Mitglied der II. 8. Lupreme Court nominirt und vom Emate bestätigt nordm. Da der Richter hier zu Lande die höchst« Autorität ist, indem er über die Constitutionalüät der Gesetze sein Urtheil zu fäll« hat, so ist diese Emennung eine schwarze Wolke am Horizont der amerikanisch« Gevisim-ftethest. Und wir Judm zanken unS um Gebete, um dm Messias, um Orgeln, um Hutabnehmm und find zerklüftet. Für Bildung und Wiste» habm bisher l«ide Partei« wenig getha«, und die in der Mitte steht, wird in einem Lande nicht verstand«, in welchem mir zwei Partei« denkbar sind. Wohin stme« wir? Dafür bericht« unsere jüdisch«Blätter überConsirmationm, Bar-Mizwah's und ähnliche wichttge Dinge. Schließlich noch die Nachricht, daß durch die Bemühung des Her« Simon Wolf jetzt schon der zwette Jude als Konsul für Buchareft vorgeschlagm ist. Zuerst hake der Präsident ein« Her« Adolf Büchner, ein« Bucharester Juden, zu emennm die Absicht, jetzt hat er ein« Amwikaner, Her« Benjamin A. Peixotto, ernannt. Ob der Smai ihn bestättzt? Und ob er dm dorttgm Judm ein« Nutz« leisten kann? Ob er sich nicht von rumänischer Verschmitztheit übertölpeln lass« wird? blous verrons. Vermischte und neueste Nachrichten. Aus München geht unS die Probmummer eineseit dem 1. Juli eischeinmdm neu« Wochenblattes „Union, Organ für Politik, Theater und Kunst" zu. DaS politische Programm deS» felbm geht uns hier nichts an, «och wmiger seine Kunst- und Künstlerk.-itiken und Fehdm, wohl aber sürd folgende Sätze de» Prospekts erwähnenswert). „Die Angriffe, welche von ultra» montan« Blättem gegen nicht katholische ReligionSgenossmschaftm geschleudert wurd«, habm mit Recht die Entrüstung Aller heroorgerufm, welche so weit in der Civilisatioa sich auf» fchwangm, daß sie die Worte des Herrn „Du sollst dein« Nächst« lieb« wie dich felbft" vom Standpunkte des Staats» birgerS zum Staatsbürger, deS Mmsch« zum Mttmmschm an» zuwend« verstanden. Diese Angriffe habm die Entrüstung Aller Hervorruf« muff«, welch« einsahen, daß die Augegriffmm auS Achtung gegm sich selbst durch Austiahme eineS Kampfes mtt dem Gegner sich mcht beschmutz« konnten. Wir betracht« eS als eine der schönst« Pflicht« unserer Zeitung, dies« Kampf gegen rir Gebahrm aufzimehmm, daS jeder ehrmhaste politische Gegner nur »1t Verachtung «ahrnrhmm konnte; wir kö»w» um so freier dieser Aufgabe un« «ntnzich«, at« wir »ölig umckchängiz »ach all« «eff.« hin dafkh«, mb u»S behaupt« werden." Die Probmummer macht mit dich«, Streb« Ernst und bringt an erster Stell« «in« Leitarttkel von Alex. Slfäßer „die Judmbett und da« Judmthum in ihrer kulturgeschichtlich« Ledmtung; eine Apostrophe au alle Judenhaffer und Krinde de» Fortschritt«". Der Artikel ist gut, zweckentsprechend, würdig ge» halt«. Dm erheiternd« Schluß theil« wir hier.mit. „Bon Musikern dürf« wir nicht rchm, denn Richard Waguer klagt, daß Odin Judm al« Kapellmeister in der Walhalla anstellt. Wagner fährt al« Fenri-wolf mit klaffendem Rach« umher, daß sein Oberkiefer dm Himmel und der Unterkiefer die Erde berührr, und wäre Raum dazu, er würde ihn noch weiter aufsperrea. Feuer glüht ihm au» Augm und Rase. Die Midgarschlange speit Gift au-, daß Lust und Meer entzündet werde». Heimdal stößt aualler Macht ins Giallarhom und «eckt alle Götter. Die Esch« Hydrafil bebt und Alleerschrickt im Himmel und auf der Erde, d«n: „Da- Judmthum ist in die Musik ge» fahr«!" Die As« wappnm sich zum Kampfe. Der große Wurm speit Gift und tobtet im Tode noch dm Maier »Bär. Loki kämpft mit Heimdal und erschlägt Einer dm Andern. Widar wühlt wüthend gegm dm Wolf. Surtur schleudert Fmer über die Erde und verbrennt die ganze Welt, daß sie gesäubert ist von dm Judm und ihrer Cultur. Der heilige Sepp «st: Am«, Gloria in excelsis Deo! und Richard Wagner fingt: Wigliweia, Wigliwoia, Wigliwuia, wau, wau!" In Dresden wurde am 2-2. v. MtS. die hundertjährige Geburtstagsfeier W. T. Krug'« begangen. In dankbarer Würdigung der hohm Lerdimste, welche dieser Man« sich als Borkämpfer der Emancipation der Judm, besonderin Sachs« erworbm hat, sind von Dresdner J-raelstm 1250 Thlr. zu einer Krug-Stiftung bestimmt Word«, der« Zins« jährlich am 22. Juni an Studirmde (in Leipzig und Dre-dm) ohne Unterschied der Religion verthetlt «erd« soll«. Der Landtag de- Großh. Weimar hat I-eschloffm, dm Or. Heß zu pmsionirm und ein« nmm Lankrabbiner anzu» stell«, deffm Gehalt auf 900 Thlr. normirt, zur Hälfte von dm Judm aufgebracht, zur Hälfte au» Lande-mitteln bezahlt werden soll. Der Landrabbiner ist alS Schulaufseher Staatsbeamter. Auch die Pmsion wird auder Staatskasse bestritten. In Lemberg fand am 5. d. Mts. in der Vorstadt-Synagoge eine imposante Wählerversammluug statt, iu welcher u. 8. der Prediger Dr. Löwmstein sehr lebhaft gegm d» Föderalismus sprach. Auch der Borstand de» Verein« „Schomer Israel" betheiligte sich an der Debatte. Am folgend« Tage suchte dafür die Demokatmpartei dm Pöbel durch Plakate gegm die Judm zu fanattsirm und dies hat auch schon Früchte gettagm. Nach einrm Telegramme der „N. Fr. Pr." dauert« «och am 9. die nächttichm Exceffe gegm die Judm mtt obligazer Fmsterscheibm- Zertrümmerung fort. Ein iSraelittscher Schänker wurde förmlich auSgeplündert. DaS Milttär verhält sich passiv. Di« öffentliche Sicherhett ist gleich Rull. Der gemeinderäthlich« Kupferschmied PiontkowSki legt dem Bürgermeister in öffmtttch« Aufruf« Parteilichkeit»»-die Urheberschaft der Judmyceffe zur Last. Smolka proclamirt, daß die Demonstration« der christlich« Bevölkerung gegm die jüdische dm vorhandmm socialmationale» Riß nur erwettem und verbittet sich all« Ovationen. Di« Judm find vorderhand mtfchlossm, dm Ministerrath um Abhilfe anzurufen. Die Abwesmhett de» Polizeidirector» Hammer gerade im geg«- wärttgm Augenblicke wttd sehr bedauert. Englische und amerikaassche jüdssche Blätter widmm Ch. Dickens ehrende Nachrufe. Wir erwähnen dm deS „I. Chron.", welcher hervorhebt, daß Dickens zwar in sein« ätterm Roman« keineswegs judmfteundlich« Gesinnung gezeigt, dagegm in dm

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