Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-13 · 28 (13.7.1870) · p. Seite 233

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
28 (13.7.1870)
Date
1870-07-13
Page
Seite 233 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935210--0332-5370054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

große» Dorfe der Wüste, eist die Stadt der Magyaren. Alle», was in Pest als ei« Werk der Ltvilifatio«, all ein Zeichen der europäischen Euttur betrachtet werden kan«, ist durch jüdisch« Geist oder durch jüdische» Geld zu Staude gebracht worden. Würde e» in Pest keine Juden geben, so würde die Landeshauptstadt auf dem Niveau deS großen Debreczin stehen und die, reichen Grundbesitzer und EomitatSheldea würden in ihrem eigenen Reichthum, ihrem eigen« Staub und Koth erstick«. Pest ist heute weder eine deutsche, noch eine ungarische, sondern eine jüdische Stadt, und wir freuen unS dessen im Jutereffe der Magyar« und der Civilisation. Wir bittm da- „Vaterland" um alle eventuell hinauSgeworfmen Juden. Mehr Judm — mehr Licht." Zum Prediger inAlsü-Kubin und zugleich zumDirector der dort neu errichteten Schule ist Dr. S. Maybaum auS MiSkolcz gewählt worden. K. Hstrng, 3. Juli. (Orig.-Corr) Der Magistrat hat beschloffe», die hiesige deutsche Haupt- und Unterrealschule in der Josefstadt (früher Judenstad:), die einzige deutsche Hauptschule Prag'S, die etwa 300 Schüler zählt» mit dem Ende dieses Monat» aufzulösen. Diese Schule, dieselbe, in welcher einst | Herz Homburg, Peter Beer, Mayer u. A. gewirkt haben, war > 1848 von der jüdischen Cultusgemeinde in die Hände deS i Magistrateübergezangen, und da nun diesem an der Ezechisirung d'r Stadt mehr gelegen ist als an der Bildung unserer Jugend» j so hält er sich an den Wortlaut eine- Vertrags, der im Laufe i der nächsten Tage Gegenstand der Interpellation des vr. Wiener i im LandeSschulrathe sein wird. Obwohl der Magistrat die! Lehrer der aufzulösenden Schule, von denen 3 voraussichtlich; noch längere Zeit zu wirk« im Stande sein dürsten, an eine! „christliche Schule" versetzen wird? Ein gesetzliches Hinderniß j steht dem allerdings nicht im Wege, aber man bezweifelt eS doch. K. Zsirsg, 6. Juli. (Orig-Corr.) Die Statthalterei verlangt einen Bericht des Stadtrathe» über die Auflösung der Josefstädter Hauptschule und beabsichtigt energisch gegen diese Willkühr einzuschreiten. Amerika. W. Nordamerika, 17. Juni. (Orig.-Corresp.) Eine gewaltige Auflegung herrschte unter unS einige Tage vor und nach SchewuoS über die Verfolgung unierer rumänischen Glaubensbrüder. Sie wissen, daß durch den Agenten der America» I Press Association die Schreckensnachricht zu unS in einer Gestatt herüberkam, daß man glauben mußte, eS wäre, Gott behüte, keine jüdische Seele in Rumänien übrig geblieben. Der Herr hatte die Nachricht durch die Alliance JSraslite erhalten, sie aber echt amerikanisch aufgeputzt, um sensattonal zu sein. Schauerlich klang jüdisch« und. viel« christlich« Ohr« da» Geschrei der ZeitungSbuben: „Great massacre of tbe Jews!" DaS ist echte» Kutter für die amerikanische Presse. Der Agent der ander« Gesellschaft aber, die sich Associated. Press nennt, hatte eS nicht der Mühe werth gehakt«, der Vorgänge in Botufchan vom 28., und 29. Mai telegraphisch zu erwähnen, und somitdurste die ganze Sache nicht wahr sein. Die hervorragendsten Blätter gehör« der Associated Press an, und erst schwiegen sie die jüdische Angelegmheü tobt und später schlugen sie sie todt. „Eine Zeitungsente, nichts als eine Zeitungsente! In Botufchan war nichts als eine gewöhnliche Wahlstörung; auch nicht einmal daS: einige Bub« prügelt« sich und schlug« auS Verfehm einige Fensterscheiben ein." Crömieux und die Alliance Jsraölite werd« als Verbreiter g«ndloser Nachricht« bloßg-stellt. Der greise Montefiore, der auf die bettesfmde Auflage von Newyork d« Sachverhalt in wmigen Worten teleg-aphirte, wird unbeachtet gelassen. Die flanzösisch« und deutsch« Blätter werd« deSavouirt, und somit ist di« Sache abgethan. Für die rumänisch« Judm, falls sie unserer Hilfe bedürfm, ist die Uebertreibung deS einen und daS beharrliche 8«gnm des andem ThrilS der Presse ein Unglück. Schon waren in all« groß« Stadt« Maffmverfammlungen vorbereitet, um die Sympathien auszusprechen und zu erreg«, Gelder zu sammeln, die Regierung zu bestürm« u. s. w. DaS Alles ist jetzt verschob« und wohl für immer. Schon hatte der Congreß auf telegraphische Petitionen und durch die Bemühungen des unermüdlichen Simon Wolf zu Washington hin der Sache sich anzunehm« Anstalt« zettoffm. Jetzt liegt sie im Comitö. für auswärtige Anzelezmheitm begraben. Präsident Grant war von all« Seit« bestürmt wordm, im Nmnm der Vereinigt« Staat« ein Wort zu Gunst« der Humanität zu sprechm. Er versprach Erkundigung« einzuziehm und hat — keine erhalt«, weil er keine verlangt hat. DaS ist jetzt das zweite Mal, daß er sich der bedrückt« Juden anzunehmen bereit erklärt und Nichts thut, während er der nächst«» in Newyork zufammm» tretmd« allgemein« evangelischen Eonferenz im DorauS leine Sympathi« als Präsident (im Verein mit dem Vice-Präsidmten und dem Secretair deS Auswärtigen) zugesichert hat, waS von dem liberalen Theil der republikanisch« Presse ebm so übel vermerkt wird, wie von der demokratischen Partei, die, wie alle Unterdrückt«, sehr liberal ist. Ueberhaupt tritt die religiöse Bewegung hier zu Lande immer stärker in den Vordergrund. ES fehlt den Partei« einig, daß Diego d'Almora große Reichthümer besitze, während Fe«ando arm sei. Er war eines Tages in die Stadt gekommen, man wußte nicht woher, augmscheinlich aber in einer sehr traurig« Lage, bis ihn ein Zufall, wie man glaubte, mit Diego d'Almora in Verbindung brachte. Dieser interessirte sich für dm jung« Mann und gewährre ihm Schutz und Beistand. Niemand wunderte sich darüber, dmn Diego war der wohlthätigste Mann in Saragossa; niemals hatte sich ein Armer, ein Unglücklicher vergeblich an ihn gewendet. Femando hatte, es verstand«, die ganze Gunst seines Beschützers zu gewinnen, i Der Letztere hatte ihn in feine Geschäfte eingeweiht, er rertraute ihm fein ganzes Vermözm an, und, wie man allgemein > glaubte, ging er damtt um, ihn zu seinem Schwiegersohn zu; machen. i (Fortsetzung folgt.) I itcue Entdeckungen auf dem Gebiete de» jüdischen Leremoniale verdanken wir dem Pitaval'schm Roman „Pole, Jude unv Franzose oder die liönigiseinde". Sie können sich würdig dem bekannten Schnitzer Heine's anreihen, wonach derselbe im „Rabbi von Bacharach" am Prsachfest die Opferung Jsaafs „leinen" läßt. Pitaval aber erzählt (Bd. 2, pag. 2<J ff.) wörtlich wie folgt: „Benjamin Meyer legte die kranke Mutter aus ihr Bett und legt« ihr das heilige Tepbillin auf die Stirne. (Dazu unten die erklärend« Anmerkung: T'phillin, ein Denkzettel zum Gebet für die Juden, ähnlich wie der Rosenkranz bei den Katholiken.) SS war von Seide und hatte ein himmelblaue» Schnürchen und Franzen von gezwirnter Wolle. Tr öffnete die «leidung auf feiner Brust und zog ein Benttlchen hervor, da» er über dem Herzen getragen. SS war au» dem Leder eines gereinigten (!) Dhiere». Tr drückte es an die »ugin, um sie jb heiligen für die Schrift, dann öffnete er den Beutel und nahm mit den Fingerspitzen das Blctt heraus, welche» er dort verschlossen, damit e» kein uukofcherer Blick «thrilige." Bon waonin wohl dem Autor solche lkundc kommen mag? Tr ist doch sonst gut unterrichtet und weiß, daß ,Jakob Zewh Sabbathai folgte; und trotzdem daß die Rabbineu Brandbriefe gegen die Sekte schleuderte», vermehrte sich dieselbe immer mehr, bis 1750 Jakob Frank den Sohar schrieb, welcher die Kabbala für die Lehre der Sabbachianer au»legte." K.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.