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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-06 · 27 (6.7.1870) · p. Seite 226

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
27 (6.7.1870)
Date
1870-07-06
Page
Seite 226 (sequence 6)
Language
German
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226 in der Provinz könnte damit geholfen werden! — Aber nein, die freigebigen und um di« Heil ihrer Mitmenschen besorgten Lord« ziehen £ schon seit mehreren Jahren vor, dafür in Posen einen Generalagenten zur L ekehrung von Juden zu unterhalten. „Sündhafter Mammon", du sollst Herrn vr. Heffter Ersatz bieten für sein« Bemühung m um da« Himmelreich! Da« Amt diese« SeligktttS-Gmeralagmtm ist in der 3hat sehr schwer und ohne seinen Unterazmtm, der aber bloß 10) Pfd. Sterl. erhält, würde er gar nicht« leisten — und mit demselben? — Einen Täufling habm sie nun endlich glücklich aufgestöbert und Ostermontag unter großen Feierlichkeiten in der Paulikirche zu Pose» getauft, wobtt der Eonsi'lorialrath Schultz e ministrirtt. Nun sollte die gläubige Seele de« weiland Caßriel Jsraelowitsch (er ist im Warschauer Gouvernement gebürtig) von vr. Heffter, bei dem er auch wohnte, weiteren Unterricht erhc lteu, um einst seinen mit Blindheit geschlagenen Stamme-gmossi« da- Hell bringe» zu können, da« er selbst gefunden — da begeht er die Dummheit, sich wegen seine« ÄlaubmSwechselil Gewiffm-bisse zu machen und sich am 16. ts«. in seiner Wohnung zu erhängen. Die arme Mission««Gesellschaft! Eine Seele der Hölle entriffen und die holt der Satan wieder. Und — der Satz vollendet sich von selbst. Don der rnsstschen «Krenze, im Juni. Die im Gouverne» ment Siedle« (Polen) belegene Stadt Lukow ist am 4./16. d. von einer furchtbaren FmerSbrunst heimg.ffucht worden. Auch viele Juden gehöre» zu den Abgebrannten, ron denen die Meisten fast gar nichi« von ihr«« Habseligkeiten ettm konnten. Da« Feuer soll in der Synagoge entstanden sei«. («chles.Z.) Sefterreich. 2» dm Bezirkm Wariaßikf und Hlentza» hatte nach der „Gegmw." die katholische Parrei am 14. Juni eine Wählerversammlung eiaberufen, wo unter Anderm auch Pater Dietrich sprach. Nachdem er sein Programm mtw ckelt, ermahnte er die Versammlung, nur Anhänger desselbm zu «ählm, „gleichviel ob sie Katholikm oder J-raelllm sind". (Bravo.) Gegm Schluß der Versammlung ergriff derselbe Redner noch einmal da« Wort zu einer Berichtigung, in der er au«sprach, daß ihm ein ehrlicher J-raeiit lieber sei al« eia schlechter Katholik. (Lebhafter Beifall.) Auch vr. Grub« gab seine Anschauunzm zum Lestm; er schimpft gegm die Laufs -ein-Katholiken und spricht e« ebmfall« au«, daß ihm ein unverdorbmer Jlraelst lieber sei al« ein Dutzend von Schttnkatholikm. Mag man nun auch etnm Theil dieser Amhemngm für Wahl Manöver faltm, immerhin sind so tolerante Redm katholischer Getstlichm ein erfrmliche« Zeichm der Zeit. frankrtU). 0. Watt», 20. Juni. (Ortg.-Cori:esp.) „Alle» hat seine zwei Seit«." In Ungar», Baden und Württemberg streitm sie 'Ich, ob Eentralisatton beste» oder Decentralifation; in Holland löst sich da» Emtral-Eonststortum der deustchm Judm auf — rt mag vielleicht Recht habm; ich kenne die Beweggründe nicht, welch.: dm Bruch dies,H Bande« zwischm dm verschtedmm dmssch-hovändtschm Gemeinden herdeigeführt habm. Aber Ein» steht nun fe*t: für die Administration ist die Einheit größerer Eomplexe ein 'Legen und ein Glück. Damm wird der Gemeindetag in Dmtschland gedeihm, wie unsere Schöpfung: die Alliance. Täglich mehr« sich die Beitrittöerklämngm und täglich lausm nme Offertm zur Adoption russischer Waismkinder ein und ihre Schul« im Orieni weism stet« einen Zuwachs an Schülem auf und ihr politischer Einfluß ist auch nicht gering anzuschlagm. Und unsere (Zentralbehörden? Ich null Ihn« hmte von einer Anstalt erzähl«, die »vir ohne dieselbe wohl nicht hättm: von dem Zufluchtshau« für jüdische Mädchen. Der erste Anstoß zu der Gründung einer solch« Anstatt ging von niemand Anderem au« al« — von einem jüdische» Mädchen, welche« irgmd eiq Vergeh« im Sefängniß Saint-Lazare abbüßm sollte. Da«. Mädchm aber war trotz seine« Fehltritt« doch — ein „jüdisch. Kind" und die Gesellschaft de« Gefängnisse«, wo nebm kleinen Sünderinnen auch Verbrecherinnen aller Art internirt warm, sagte ihm daher nicht zu. E« warf sich also eine« Tage«, al« die Kaiserin da« Befängniß besucht«, derselbm zu Fühm und bat, e« doch von dieser Gesellschaft zu beftetm — da« Zuflucht«», hau« ward gegründet. Die Direktion der Anstatt besteht außer dm Oberradbinern Isidor und Kahn und Anderm auch »och au« — wie soll ich sag« — Ehrendamm, eine Einrichtung, welche sich al« sehr vortheilhast herausstellt. Dieser Tage nun war die Kasterin zu Besuch in der Anstalt, und jme« Mädchm hatte Gelegmhett, ihr für die Erfüllung seiner Bitte zu danken. Und wie steht e« bei Ihn« um die Arbeit der Sttäflinge an Sabbat- und Festtagm? Belgien. Brüssel, 21. Juni. Da die clericale Pattei ttotz aller an sie ergangenen Mahnmfe und Warnungm fest darauf zu beharrm scheint» da« Andmkm an dm vor 500 Jahr« in Brüst«! begangmm Judmmord zu feiem, so schein« ihre Gegner mit dm gemacht« Drohung« wirklich Emst mach« zu wollen. Die Brüsseler Studmteaschast hat nämlich beschlossen, die Processton» die sich durch die Straßm beweg« soll, dadurch zu störe», daß sie sich dem Zuge anschließt, eine Maskerade auffühtt, btt welcher der Papst und die Kirche da« Objett der Darstellung bilden »verdm. Man hielt die« »mr für Großsprechertt; die am vorig« Donnerstag stattgehabte Frohrlttchnam-procesfion hat aber bewiesm, daß e« ernstlich gemeint war. Mehr al« 100 Student« ttatm der Processton in dm Weg, verhöhnt« die Priester und zog« unter Abfingung de« Liede» „der Papst lebt herttich in der Welt" und unter Hohngelächter von dann« Man kann also darau« annäherung«wttse schlteßm, zu welch« scandalösm Semm e« komm« wird, wmn die Gttstlichkttt auf ihrem vorhabm behartt. Ein clettcale« Blatt ist so cyntsch, zu behaupten, daß jme Judm damal» „gemäß dm Gesetzen de« Lande« und ordnungsgemäß" htngettchttt Word« sei«, worauf „L'Jndependance" dm Brüsseler Judm dm einfach« Rath gibt, dm nächst« Eharfttttag ebmfall« festlich zu begeh« und Lustbarkeiten zu veranstaltm, „da ja Jesu« vor 1840 Jahr« ebmfall« nach dm damalig« LandeSgesetzm gekreuzigt Word« stt". Daß da« al« Witz vielfach belacht wird, versteht sich von selbst. Denn die Judm dmk« an so etwa« gar nicht und verhaltm sich ganz ruhig. Nur Ein« bertttet ihn« besonder« vttt Aerger, daß nä«»l1ch die fromm« Väter dt« Kostüme zu dem Aufzug nirgend« ander« bekamm al» btt dem Theaterdirettor Felix in Patt«, dem Bruder der Rachel, der selbst ein Jude ist. Wie lange noch «erdm sich Judm selbst erntedrlgen? # Amerika. Au« Washington enthalten die „Jeivish Time«" etnm Bericht über ttne Sitzung de« Senat«, in welcher die Angelegmhttt der Rumänischen Judm zur Sprache gttommm ist. Am 1. Juni hatte Herr S. Wolf, der bttamtte „Recorder", Nachttcht von dm jüngstm Borgängm in Rumänien erhaltm, und er machte sofott die Angelrgmhttt nach all« Stttm hin bekannt und fordette alle Judm;« gemttnsamem vorgehm auf. Dann wandte er sich zunächst an dm Slaat»secrttär, der seine Sympathim für die Siumänsschen Judm erst jüngst durch dt« Emennung eine« Judm zum Eonsul in Bukarest bewiesm hatte. Derselbe war von der neue» Nachttcht im höchst« Grade aufgeregt: „hoffentlich »verde sie sich al« falsch envttsm; doch »»erde er sehr

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