Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 27 (6.7.1870)
- Date
- 1870-07-06
- Page
- Seite 225 (sequence 5)
- Language
- German
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225 Doch genug davon. Wir find der festen Ueberzeugung, daß, wenn der Verfasser beim Worte gehalten werden sollte, er fich selber mit'aller Kraft seine« religiösen Gefühle« gegen die Ausführung feine« Plane« sträuben würde. Aber da« ist eben charakteristisch für unsere politischen Zustände: wo da« gerechtfertigte Verlangen der Erfüllung entbehrt, da tauchen gleich ungerechtfertigte, unerfüllbare Wünsche auf. Ich möchte doch da« Land kennen, wo ein solcher ModuS im Religionsunterricht herrscht. Nur im WolkenkukukSheim oder im platonischen Staate mag er bestehen. Und so lange wir noch verschiedene Religionen haben, kann selbst ein Protcstantenverein, der eben unserem Verfasser nicht weit gmug geht, nur getrenntm Religionsunterricht berücksichtigen. Und darum soll hier eben ronstatirt «erden, daß wir in unseren, diese brennende Frage betreffenden, Bestrebungen auch Grenzen kennen, daß wir nicht die Toleranz de» Staate« k tunt prix selbst um den Preis unserer Religion acceptiren." H. Berichte und Korrespondenzen. Deutschland. W. $xefetb, 24. Juni. (Orig.-Eorrcsp ) Eine Ansprache! de« Oberrabbiners Dr. Horowitz, die Alliance JSraelite Universelle 1 betreffend, hat gute Früchte getragen. Bis beute sind in hiesiger Gemeinde über 60 Mitglieder beigetreten, die Zahl derer im Sprengel ist noch nicht bekannt; diese wird jedoch, wie ich höre und hoffe, nicht geringer sein und voraussichtlich noch täglich zunchmen. — Nicht minder erfreulich ist die Thatsache, daß in Folge Aufrufs deS Synagogenvorstandes die Gemeinde zwei russische Waisenknaben adoptiit hat. die auffälliger Weise bi« heute noch nicht angekommm sind, aber jeden Tag erwartet wer- > den. Ein Waisenmädchen ist außerdem im Sprengel angenommen. Ist Israel nicht heilig? P Aus dem Aehdistrict, Juni. (Orig.-Corr.) Als am > 27. April d. I. sieben Juden aus Czarnikau von dem Schwurj gerichtShof in Schneidemühl wegen verschiedener eu xro» be- 1 triebener Betrügereien zu vieljähriger Zuchthausstrafe verurtheilt | wurden, bediente sich der Staatsanwalt Herr Martins im Ein-! gange seines PlaidoyerS der Worte: „Die Juden nennen sich seit j Jahrtausenden daS auserwählte Volk, ja sie sind auserwählt | durch ihre Verworfenheit." Diese in öffentlicher Verhand« j lung gethane Aeußerung wurde zur Kenntniß des Justizministers ' gebracht, und obwohl der StaatSanwalt seine Worte nur im Hinblick auf dm vdkliezmdm Fall gesprochen habm wollte, wurde er von seine: Vorgesetzten Behörde gerügt und sofort nach Deutsch-Erone versetzt. ^«derßar«. '(Nach dem un« freundlichst eknzefandten Jahresbericht.) In der iSraeliftkchm Waifen-ErziehungSanstalt für Knabm und Mädchen in Weftphalm und Rheinland zu Paderborn befinden sich gegenwärtig dreiunddreißig Zöglinge. Don diesm besucht einer daS hiesige Gymnasium, vierundzwanzig Zöglinge werdm von dem AnstaltSlehrer unterrichtet. Die acht SSaifenmäbdien genießen den Unterricht bei einer Lehrerin, welche in der Anstalt wohnt. „ES ist unser unausgesetztes, emsteS Streben," beißt eS in dem Bericht, „unsere Zöglinge, unter sorgsanier Berücksichtigung ihrer Anlagen und Fähigkeiten, zu tüchtigen, brauchbaren Mmschen heranzubilden, und jedes Kind nach feinm Kräften und in der seiner Entwickelung mtsprechmdm Weise sorgsam zu erziehen. Denn nach unserm Statutm ist daS Maß der dm Zözlinzm mitzutheilenden geistigen Bildung kein allgemein vorgeschriebenes, sondem eS soll Anlage und Neigung jede» Einzelnen bei bin: Ausbildung möglichst zur Richtschnur genomnien werdm, weil wir eS für unsere Pflicht halten, keine Anlage unserer Zöglinge untergehen zu lassm, die geistige Bildung unserer Zögl inge nach Möglichkeit und nach allm Richtunzm hin, so weit eS die Fähigkeiten der Einzelnen zulaffm, ohne auf die Kosten Rücksicht zu nehmen, auf jede Weise zu fördern. Eine große Aufmerksam teil richten wir auf die religiöse Erziehung unserer Zöglinge." Seit dem vierzehnjährigen Bestehm der Anstalt haben fünfundfünfzig Waism Aufnahme, Verpflegung und Erziehung im Waisenhause empfangen. Davon wurden: 1 Drucke: und Setzer, 1 Schlosser, 4 widmeten sich dem Banquiergeschäft, 1 widmete sich dem höbcren kehrrache, 8 widmeten sich der Handlung, 2 Mädchen erlernten das Putzgeschäft, 2 Mädchen traten in Dienstverhältnisse, 3 kehrten zur Mutter zurück, 33 sind gegenwärtig in der Anstalt. Die Einnahmen betrugen in diesem Jahre 7085 Tblr., die Äuszabm 6464 Thlr. Unter den Schmkungen an die Anstalt befindet sich eine Obligation von 1000 Thlrn. von Herrn RothSfeld in Cassel. H. Aus der Provinz Üfofftt, im Juni. (Orig.-Corre'p.) Dreihundert Pfund Sterling jährlich — wie viel Gutes könnte damit geschehen! Wie viel Menschen könntm z. B. in London dafür vom Hungertode gerettet werden! Und wie Vielen hier von der Gardunja erkauft. Er bezahlte die Dienste der schrecklichen Gesellschaft mehr als reichlich, und Fernando's Ankunft versprach Mateo immer ein gkänzmdeS Geschäft. Als sich der Letztere mit dem jungen Mann allein befand, wiederholte er die Frage, auf welche Femando noch nicht Zeit gehabt hatte zu antwortm, die Frage nach dem Begehren deS jungm Mannes. „Ihr wißt, Mateo," begann Femando, „daß in den nächsten Tagm große FesÜichkcitm in Saragoffa vor sich gehm werden. Unser gnädiger König, Seine allerchristlichste Majestät Philipp II. wünscht, daß man in allm Hauptstädtm Spaniens seine glorreichen Siege über Portugal feiere." „DaS weiß ich," sagte Mateo zufriedenm Tones, denn er berechnete bereits die zahlreichen Vortheile, die die Gardunja aus diesem Umstande ziehen konnte „Die ganze Provinz," fuhr Femando fort, „wird den glänzendm Festm, die man gebm wird, beiwohnen wollm; einige Bekannte meines Herm werdm ohne Zweifel auch kvmmm, und ... ." „Nicht daS geringste Hindemiß soll ihnm in dm Weg ge-! legt werden, sie werden wohlbehalten in Saragossa ankommm. ' Seid unbesorgt, Fernando." „Natürlich," antwortete dieser. i „Wie viel von Euren Freunden dürftm wohl kommen?" 1 „Das kann ich nicht bestimmt sagen, fünf oder sechs, denk' 1 ich. Jedenfalls werdet Ihr je nachdem bezahlt bekommm." i „Ich vnstehe schon," eirtzcznete Mateo und steckte das Geld, | welches ihm Fernande reichte, mit selbstzufriedmera Grinsen ein, „das letzte Losungswort wird für Eure Freunde ausreichen. Wenn noch welche kommen sollkm, auf die Ihr nicht zählt..." „Wird man Euch auch dafür bezahlm." „Das ist selbstverständlich, ich wollte nur bemcrkm, daß sie freim Durchgang Haber,. Sie sind Freunde von Diego d'Almcra, und ich habe nicht vergessen . . . ." „Sprechen wir nicht mehr davon, Mateo!" Der junge Mann machte eine kurze Berbmgung vor dem Capatoz un!) wandte fich zum Rückweg nach der Stadt, während Mateo in die „rothe Herberge" einttat. (ForTsetzung folgt.)