Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-06 · 27 (6.7.1870) · p. Seite 227

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
27 (6.7.1870)
Date
1870-07-06
Page
Seite 227 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935208--0325-5370048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

227 gerne Alle» thun, waS er nur zu thun im Stande sei, und er hoffe, -daß der Somzreß einmal einen entscheidenden Schritt zu Gunsten der Unglücklichen thun werde." Sodann wandte sich Herr Wolf an den Obmann de» Somit»'» für auswärtige Angelegenheiten, Senator Sumner, mit der Bitte um feinen Beistand, sorgte dafür, daß am Morgen de» 3. Juli alle Blätter in Washington einen ausführlichen Bericht über die Vorgänge in Rumänien brachten; am folgendm Tage legte er dann allen Senatoren auf ihre Plätze einen Brief, in welchem er sie „im Namen aller J-raeliten und im Ramm der Menschlichkeit, deren Priester die Senatoren in diesem Tempel der Freiheit feien," um Hilfe bat. In der Sitzung vom 3. nun zeigt Herr Morton an, daß am Tage vorher in Jndianopoli», Inda., ein große» Meeting der dortigen J-raeliten getagt und eine Resolution angenommen habe, welche er dem Somit» für auswärtige Angelegenheiten zur Berücksichtigung zu überweisen beantrage. Dieselbe lautet: „Unsere Herzen find von Schmerz und Lummer erfüllt über den schrecklichen Akt vor. Barbarei, verübt in einem Lande und von einem Bolle, welche« Unsprnch aus LivUisation macht m>d die christliche Religion bekennt. Wir fordern unsere Senatoren uud Repräsentanten im Congreß aus, diese« Gegenstand dem Präsidenten zur Abhilfe za überweisen und ihn zu bewegen, zu Gunsten diese» verfolgte» und mißhandelten Bolle« unmittelbar einznlchreiten und allen Einfluß und alle Macht aufzubieten, daß seine Regeeruug jene unglückliche Bevöllermtg ohne Lusschub schütze und ihre Leiden erleichtere. Wir fordern die ganze civilistrte Welt und die Bevölkerung unsere» Staate« in«besoadere auf, ihre Verabscheuung solch unerhörterNiedermetzelunge» aulzusprecheu und im Namen der bürgerlichen und religiösen Freiheit und der allgemeinen Menschlichkeit von unserer Regierung zu verlangen. daß fie ihre» mächtige» Einfluß ausbiete, damir nicht feruer unschuldige« Blut vergossen werde." Man sieht au» dieser Resolution, daß Frau Fama auch hier wieder einmal bedeutend übertrieben hatte, ein Punkt, der noch während der Sitzung selbst der Sache sehr schadete, und der gewiß, wie zu befürchten steht, für die Folge schädlich wirken wird. Nachdem also die Resolution au» Jndianopoli» vom Bice- Präsidentm entgegengenommen und dem Somit» für auSwättigc Angelegenheiten überwiesen werden war, stellte Sumner den Antrag: „Leu Präsidenten der vereinigten Staaten auszufordern, alle Nachrichten, die sich allensall« über die berichtete Judenverfolgung uud -Ermordung in Rumänien im Befitze der Regierung befinden, dem Senat zukomme» zu lassen, sall« die« nicht den össentlichen Interessen zuwider sei." dt wurde beschlossen, sofort in die Debatte über diesen Antrag «tnzutteten, den Sumner motivirte: Die Nachrichten au» Rumänien seien so nnerhört schrecklich, daß er sie schwer begreifen könne — sie seien unglaublich. Im Interesse der Menschlichkeit, in deren Dienst dt« große Republik stehe, möge der Senat seinen Anttag annehmen. Morton weist darauf hin, daß die Resolution au» Jndianopoli» von sehr glaubwürdigen, angesehenen und hochgestellten Männern herrühre und ihm empfohlen worden sei. Sprague weiß nicht, wozu man sich erst noch informiren wolle; die Juden in Rumänien würden wegen ihre» Dermögenö und wegen ihrer Stellung verfolgt, und da sei e» Pflicht eine» Jeden, fchlelintgst Abhilfe zu treffen. Stewart: Man dürfe e» nicht zur Sitte werden lassen, daß Jeder, der sich Retchthum erworben, ermordet werden dürfe. (Heiterkeit.) S» wäre höchst unangenehm, wenn man ein solche« Verfahren in den Bereinigten Staaten anerkenne. Darauf hin wurde der Antrag Sumner'» angenommen. Winchester stellt weiter den Antrag: ,/tat Repräseutanteu-Hau« der vereinigten Staaten möge erklären, mit tiefem vedauern und Abscheu »on den ungeheueren Freveln gehört zu haben, womit da« rumänische Volt durch seine Judenverfolgungen da» erhabene Prineip der Gewiss««freihkit verletzt habe." Schenk räth, vor Annahme diese» Anttage» erst sichere Nachrichten abzuwatten, und da» Hau» tritt dieser Ansicht bei. So enbrfe diese interessante Sitzung. Wir danken Gott, daß die Nachrichten, wie sie nachAmerika gekommen sind, im höchsten Grade überttieben waren. Aber e» ist doch ttöstlich, zu sehen, wie der größte Theil der amerikanischen Presse auf der Seite de» Rechts und der Gerechttgkeit steht, und wie die Regierung der Bereinigten Staaten mannhaft für die Gleichberechtigung aller Menschen eintritt. Nicht tninbr wichtig ist e» darauf hin;uweisen, daß bei diesem Anlasse an sehr vielen Orten (nicht blo» in Jndianopoli») Volksversammlungen berufen worden find, an denen auch Nichtjuden und selbst nichtjüdische Geistliche theilnahmen, wie die» z. B. in der Bundeshauptstadt selbst der Fall war. Sollt,« wir in Deutschland darau» nicht» lernen können? Noch wollen wir bemerkm, daß der Bericht der „Jewish Time»" au» der Feder de» Herrn Wolf selbst herrühtt, der denselben mit folgender Aufforderung schließt: „Laßt uns mit allen gesetzlichen siMeln gegen Rumänien Vorgehen! Laßt un» nicht warten, bi» dieselbe Macht, welche diesen Staat geschaffen, ihr Werk zerstöre! Laßt un» . . . — alle Conflicte mit dem Preßgesetz vermeiden. Literaturbericht. Kit«» Fsßiler, knlsostin»« ävsoriptione» ex e»oculo IV, V et VI. St. Gallen. Huber u. Co., 1868. 8. 147 Seit,«. ZAilkia« Kepworth $ix«tt, Da» heilige Land» au» dem Engl, von I. E. A. Martin. Jena. Costenoble, 1870. 8. 422 Seiten. Der Nestor der Palästiuasorscher und der König der Touristen verissenNichen jener die ältesten» dieser eine der »niesten Beschreibungen de« ljeiligeu Lande«. E« lassen sich daher nicht gut größere Gegensätze denken, »l« diese zwei Lüerte. In To bler« schöuer Sammelschrist finden wir zuerst hie Ressebeschreibung eine« frommen christlichen Pilger«, der im Jahre b.83 »on Bordeaux über Konstantiuopel nach Jerusalem minderte; im zweiten Stück irzählt Hieronymu« die Resse seiner schwärmerischen Freundin, de« Sprossen >>er Grieche» uid Setpionen, der heiliggesprochenen Pauls,. Die kurzen Beschreibungen wt heiligen Orten endlich, die wir an dritter und vierter Stelle linden, find kaum dem Verfasser nach bekannt und nur vermuthunglweise t>em Eucheriu« und Theodor»« zugeschrteb«. Da» hohe Alter ist'», da« lüesen dürftiger Notizen» diesen trockenen Distanzenangaben, diesen «underltrotzenden Miltheilungen idren Werth für Alterthumtforschnng und Geschichte >«r Geographie verleiht. Manche», wie die meisten Angaben de« Bordeaux» lülger«, ist durchau« authentisch, weil e» au» Aktenstücken de« kaiserlich rö- ,nischen Krieg«»mte« geschöplt ist. von der Atmosphäre, die über diesen itrzählungen lugt, gibt da« H. Kapitel der peroirrlmttlo S. Pnulmeine Vorstellung »der dik Wunderberichte bei Tbeodoru». Hier heißt e« (Cap. 18), laß die Salzsäule der Fra« koth bei wachsendem Monde zu- und bei abnehmendem Monde abnehme, daß da» heilige Kreuz bei Nacht s» hell leuchte, nie die Sonne am Tage, und wa« dergleichen Abenteuerlichkeiten mehr find. Daß Tol'ler alle diese sehr Übel erhaltenen Stücke in durchau« go» irinigtem Texte un« voriegt, daß seine Anmerkungen höchst lehrreich find, r ersteht sich von selbst. Hier und da würden wir jedoch eine etwa» sanfter» Behandlung de« Texte« gewünscht haben. von Dixon'S Buch erwarte man Alle», nur keine treue Beschreibung le« heiligen La« de«, die zu geben der Verfasser auch nie beabflchlizt hat. 2« enthält Studien über Seenerte und Politik der heiligen Geschichte, „im Zelt, im Sattel, im älhan entworfen". E« legt un» Skizzen, Forschungen, Phantasten und Aperxü» über heilige und profane Geschichte vor, über Seelen und Parteien — längst erstorbene und noch heut lebende —, e» bringt sehr fromme und sel r srivole Betrachtung«, poetische und prosaische, komische und tragische Darstellungen von Erlebtem und Gedachtem. Prächtig geschrieben, »oitzig dargestell:, werden diese farbenglühenden Beschreibung« de« heilig« lande« lausend bewundernde Leser finden» die dem Verfasser seine Sünde» (egen die geschichtliche Wahrheit um der interessanten Leetllre willen ger» l ergeben «erden. Ob auch die Bibel, ob auch Philo und Josevhu«, die sehr l äuflg benutzt r nd fast eben so häufig mißverstand« worden find, diese Slia» t« verzeihen würd«, wmn sie über ihn zu Gericht jäßen, bezweifeln wir. J.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.