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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-06 · 27 (6.7.1870) · p. Seite 224

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
27 (6.7.1870)
Date
1870-07-06
Page
Seite 224 (sequence 4)
Language
German
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224 Derjenige, wacher nicht mit einem dieser beiden Vorschläge zufrieden zu «teilen ist, ungenügsam und überhaupt nicht zufrieden zu stellen ft. Mehr könnm und dürfen wir wahrlich nicht verlangen. Entweder den Andern Nicht- und unS auch Nicht-, oder unL jo viel wie der Anderen. Unser Verfasser aber will etwaganz Neue-'). Et soll an der Schule einzeführt werden „die streng objective, reir wissenschaftliche Darstellung aller im Staate, resp. an der Schule vorhandenen Religionen, ihrer Eittenlehre und Geschichte mit Bezug auf ihre Urkunden, an welchem Unterrichte alle Schüler ohne Unterschied de- Bekenntnisse- Theil nehmm könnten." Eigene Worte de» Verfasser»? Und dienennt er konfessionslosen Religionsunterricht, wir cber — religionslosen Religionsunterricht. Kann diewirklich Jenand im Ernste als Religionsunterricht betrachten? Natürlich wird hier Religionsunterricht mit NelizionSzeschichte oder Religionsphilosophie confundirt und diesoll in den Gymnasien, ja in den Elementarschulen die Stelle degewöhnlichen Religionsunterrichtersten?! Darf dies überhaupt Kindern gebeten werden? Ist diewohl je ausführbar? Denken wir uns: Ein christlicher Lehrer gibt seinen jüdischen, katholischen, protestantischen und natürlich arch mennonirischen u.s.w. Schülern eine streng objective Dartellung von Test Hin, Zizkt, Mazzot rc. — denn diese gehören doch wohl zur Sittmlehre mit Bezug auf di« religiös,>n Urkunden — zugleich ab.r auch von den Dogmen über die Dreieinigkeit in ihrer geschichtlichen Entwickelung. Oder er soll ihnen vielleicht reine strenge Religionsphilosophie vortragen, den Kindern? Oder, um alle Möglichkeiten zu erschöpfen, soll jeder Lehrer bloß seir e Eonfession allen Kindern objektiv darstellen? Also der jüdische oder der fteireligiöse Lehrer — vorausgesetzt, daß alle Conffsionen untex den Lehrern vertreten sind — soll seine Religion entwickeln, aber natürlich stillschweigend hinzufügen 7 Denkt bei Leibe nickt, daß ich diele euch besonders empfehlen will, denn hinterher muß ja sofort der christliche Lehrer in reiner Objektivität seine Religion entwickeln. „Und nun, lieben Kinder, wählet!" Es ist uns beim testen Willen unerfindlich, wie sich der Verfasser die Ausführung seines Projektes gedacht hat. Objective Darstellung! Wo ist wohl das Tribunal das über die strenge Objektivität wachen kawi? Und wenn sie nun nicht so streng auSfällt — welch' unheilvolles Manoeuvre für Kinder! Was *) laf. wohl nicht, toern wir Herrn Buchtolz recht verstanden haben; wir wollen ihm jedock, nicht oorgreifen. Red. so treffend in Bezug auf die projertirte parteüose Lehrweife der Berliner theologischen Facultät gesagt worden ist, trifft rnicht hier in besonder» hohem Maße zu? Und ist denn über- Haupt die Religion ein so rein wissenschaftlicher, der objektiven Darstellung fähiger Gegenstand? Man kann wohl dm Kindern beispielsweise sazm: Die Einm behauptm oder behauptetm, daS Licht sei ein wirklicher materieller Stoff; die Anderm, eS bestehe auS dm Schwingungm im Aether. E« ist ziemlich gleichgülftg, zu welcher Ansicht sich die Kinder früher oder später neigm, eS hat auch nichtzu fagm, wmn sich der Lehrer selber gar kein bestimmte- Urtheil darüber gebildet hat. Ist dieaber auch in RelizionSsachen gleichgültig? — Dr. Buchholz sagt, daß selbst der orthodoxeste Jude gegen den konfessionslosen Religionsunterricht nichts einzuwendm habm wird. Wir jedoch glaubm sicher und fest, daß selbst der höchst reformistisch gesinnte Jude oder Christ, wmn er ebm feine Kinder jüdisch resp. christlich unterrichten lassm will, sie nicht der Gefahr solcher Experimmte auSsetzm wird. Doch Dr. Buchholz fragt selber: WaS soll auS dm jüdifchm ReligionSfchulm werdm? und antwortet: Sie habm sich ebm mit dem Unterrichte im Urtexte und der hebräischm Sprache zu beschäftigen. Also so weit sind wir, besondere ReligionSfchulm werdm vorausgesetzt. Wozu nun all der Lärm? Fehlt unS wirklich nicktweiter, als eine „gründliche (!) Kenntniß auch der nichtjüdischen Religionen?" Hat es damit solche Eile, gleich in der Schule? Dmn die Ansicht, daß dies die Humanität und die Toleranz im socialm Lebm begünstigen werte, ist eine reine Geschmackssache. Wir sind z. B. ganz der entgegmzesetzten Ansicht. — Der Verfasser geht aber auch von Prämissen aus, die nur einm verlockmden Schein der Wahrheit haben. Er sagt, „daß keine Religion-» schule in der Welt eine Schule der Frömmigkeit sein kann noch soll". Femer „der Religionsunterricht darf icicht die Frömmigkeit al» sein Ziel betrachtm". DaS ist eine sehr gewagte, gefährliche und nicht minder falsche Behauptung. Weil die Frömmigkeit eigmtlich zu Hause geübt werden muß, jetzt aber da nicht so häufig anzutreffen ist, darum soll sie in der Schule auch nicht beizebracht werdm? Welcher gewissenhafte, von seiner Religion wahrhaft überzeugte Religionslehrer wird sich bloß mit dem historischen oder philcsophischm Secirmesser den Kindern gegen» überstellm und nicht auch suchen, sie von der Wahrheit seiner Religion zu überzeuzm, nicht euch auS ihr Folgerungen für das praktische Leben ziehen und c>u sie auch warme ermahnende, eben die Frömmigkeit betreffende Worte richten?!. sauren Wein nicht im Stick. Ihr seht doch wohl, daß Ihr Fernando lindert mit mir zu sprechen, und Ihr wißt, wmn er kommt, gibt es immer zu verdienen, viel zu verdienen." „Ja, das ist wahr " 'antworteten die Banditen im Chor, „Herr Fernando lebe bodbl“ „So «eid doch endlich stille, verdammte Schwätzer", schrie Mateo zornig, „ihr wollt Euch wohl die ganze heilige Hermandad auf dm HalS hetzen, unk Ihr wißt wahrhaftig Alle gut genug, wie blutwenig Sehnsucht Ihr nach ihr habt. Geht, trinkt, spielt, aber schweigt! Kein Wert mehr!" Die Räuber gingen, ohne zu antworten, in die „rothe Herberge" zurück. Der Mann, dem dieses Gesindel mit solcher Unterwürfigkeit gehorchte, nahm in der Brüderschaft der Gardunja oder „des Raubes" e ne hohe Stellung ein. Er war Capatoz oder Hauptmann einer Provinz. Diese geheime Verbindung wurde im Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts gegründet und bestand thci.weise noch vor ungefähr vierzig Jahren. Sie war auS Räubern aller Art zufammmgefetzt und nach allm Seitm hin regelmäßig organisirt. Ihr Zweck war: auf Bestellung allerlei Lerbrechm im Großm zu verübm. Sie prügelte, verwundete, verstümmelte, ertränkte oder ermordete auf die Art, die man gewünscht hatte, und je nach dem Preise, den man zahlen konnte. Ja eS ging so weit, daß eine Rangstufe von Verbrechen aufgestellt und für jedes derselben ein Minimalpreis festgesetzt war. Nach dm Statutm stand an der Spitze ein Oberhauptmann, der oft ein bedeutender Mann war und mitunter sogar eine her» vorragmde Stellung am königlichm Hofe einnahm. Jede Volksklasse war hier vertreten, Lmte aller Stände gehörten ihr an, sei es als Helfershelfer oder als Beschützer, oder auch nur weil sie derselben zu Dank verpflichtet waren. Die Gardunja hatte aber außer dem Preise, mit denc man die Schandtha.en b-.zahlen mußte, auch noch eine andere Einnahmequelle, nämlich auS denjmizm Summen, die sie dafür erhob, daß sie den Reisendm Schutz und Hülfe versprach. Sie stellte dann Geleitsbriefe auS, oder sie gab Losungsworte, vor denm sich die Dolche und Karabiner der Banditen, wie vom Zauber gebannt, senkten. Und um einer derartigen Unterhandlung willen hatte der junge Mann den Provinzialhauptmann der Gardunja ausgesucht. Die beidm Männer begegnetm einander heute nicht zum ersten Male. Fernando oder eigentlich Diego d'Almora, dessen Schützling er war, hatte schon häufig zu ähnlichen Zwecken Geleitbriefe

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