Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 27 (6.7.1870)
- Date
- 1870-07-06
- Page
- Seite 222 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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222 forfchunz gebunden ist. Da» eine dieser Principien ist der „Satz vom zureichend« Grunde". ES muß alleS, wa» da ist und wird, ein« zureichend« Grund Hab«, und im Verfolg dieseunabänderlich« und unveräußerlich« DmkgesetzeS find wir gezwungen, überall bis an die äußerst mögliche Gr«ze deS Forsch«- nach dem Grunde vorzudringm. ES ist eine „alte Annahme", daß es eine solche „Grenze" gebe, d. h. daß wir dm letzten Grund, dm Urgrund der Dinge, nicht zu erfaffm vermögm. Nicht» verstößt aber mehr gezm da- Dmkgefetz, gezm die Logik, aldie Behauptung, etwasei „von selbst" oder „zufällig" mtstand« oder so gewordm. Nun sind wir weit entfemt, Her« Dohm persönlich angreifm zu wollm, wa» der Fall sein würde, wenn wir ihm eine logische Finte, die absichtliche Anwmdung eine» Trugschluffe» unterschieb« wollt«; aber wir können un» nicht helfm, in dem wa» er gegeben hat, liegt ein solcher Verstoß gegm da» fragliche Princip der Logik vor. Er hat allerdings gesagt, daß er nicht da» Ganze, sondem nur An« dmtungm geben volle, aber wmn er eine Ueberzmgung in un» umstoß« will, die, wie er selbst sagt, „so gut ein Stuck unsere« Selbst ist, wie die fünf Finger an der Hand", wmn er also gleichsam die Amputation eine» Finger» mit un» vornehm« will, dann habm wir ein Recht, ein« vollen Beweis zu verlang«. Die Autorität eine» Namen» in der Naturwiffmfchaft thut e» allerdings nicht und bloße» „Bangemachm" auch nicht. Nun stellt Herr Dohm uns nne Reihe von Frag« auf; er fragt nach dem Warum? er weist die Unzulänglichkeit der überliefert« Erklärung« nach, sie dring«, zeigt er, nicht bi» zum letzt« Gmnde vor. — DaS hieße in seinem Gleichniß: er zeigt un», daß der Finger nicht im normal« Gesundheitszustände sei. Doch lass« wir da» Gleichniß fall«, e» hinkt, sagt er selbst. Aber wir erwart« nun von ihm eine gründliche, eine endgültige Lösung de» Räthsel», eine runde und klare Antwort aus da» „Warum?" WaS hör« wir? „Zu einem gewiffen, sehr weit zurückliegend« Zeitpunkte gab es nur einige wenige verschiedene Organismen. Woher diese wmigm gekommen, soll vorläufig unerörtert bleib«. -An einem Waldrande leben, sag« wir einmal, 100 3n» sectm-Arten." — „Hier kann ich schon nicht weiter fort", sag« wir mit Faust. Soviel Worte, soviel Fragen! Wir wollen kein Gewicht aus die ersten Worte leg« „zu einem gewissen — Zeitpunkt", nicht daran erinnern, daß da», wa» wir al» wissenschaftliche Auseinandersetzung, als gründliche Lösung unserer Zweifel, als Beseitigung aller alt« Tradition« begrüß« soll«, ganz wie jede» Kindermärchm mit „es war einmal" anfänzt. Nein, wir wiss«, daß Hypothek« immer Hypothek« bleib«, daß eine Hypothese ebm immer von einer felbstgeschaffe» nen Lorau«setz«ag oder von einer gewiffm Annahme auSgeht, daß sie zu einer solch« ihre Zuflucht nimmt, wo der wahre oder der letzte Gmnd einer Erscheinung nicht erkmnbar vorliegt. Wir haben daher gezm dm Darwinismus al» Hypothese nicht» einzuwmdm, aber eine wirkliche Lösung, mehr alS Hypothese?! „ES gab eiust OrganiSmm"; Orgaui». mm? woher? „verschiedme" — wie so dmn verschied««?! „Waldrand, Jnsectm", woher denn diese?! Herr Dohm sagt freilich „da» soll vorläufig unerörtert bleibm." Vorläufig?! Werdm wir e« nächst«» erfahr«?! Doch wir brechm auch vorläufig ab und wollm unS erst einmal nach dem geschichtlich« Zufammm» hange umsehm. 3) Naturforschung und Geschichte der Philosophie. „Warum nicht gar?" ruft ohne. Zweifel Herr Dohm, „verschont mich mit Eurer Philosophie!" Wir wiss«, daß Naturforschung und Philosophie da» Tafeltuch zwischm einander zerschnitt« habm; wir sprich« auch off« au», daß erster« recht gethan hat, der letzter« Dimst und Gehorsam zu kündig«. Aber da» ist ein häuslicher Zwist zwischm dm beidm Wissenschaft«; wir ander« Lmte habm damit nicht» zu schaff«, und die Philosophie liegt un» nicht im Banne der Verachtung, welch« manche Naturforscher über sie auSgesprochm habm. Wir werdm übrig«» auch nicht mit philosophischen Argument« lästig fall« und nur au» der Geschichte dieser Wiffmschaft eine einzige Notiz herübernehm«. Denn dazu ist doch die Geschichte da, daß wir die Geistesarbeit früherer Jahrhunderte benutz«, nicht alle» al» n« und noch nicht dagewesm anseh« und nicht genöthigt sind alle Jrrthümer n.'ch einmal durchzumachm und jede längst gegebene Widerlegung abermals aufzusuchen. Also Darwin (aber in der Thal wohl wmiger Darwin als seine Jünger und Apostel, denn solche pfleg« weiter zu geh« und schärfer aufzutretm, al» der Meister) macht dm Versuch, das Welträthsel au» der Annahme blo» stofflicher Klemmte und ihrer Bewegung zu erklär«. Ein solcher Erklärung»-Versuch ist älter al» Sokrates, ist nachher noch mehrmals und in verschiedmer Weise aufgetaucht. Darwin schlägt natürlich einen anderen Weg ein, als der alte Demokrit; aber Aristoteles hat ein für alle Mal gezeigt, daß diese Versuche daran scheitern müssen, daß e» unmöglich ist den erst« Anstoß zu der ersten Bewegung der stofflichen Elemmte und zu den verschied«« Richtungen dieser Bewegung zu erklär«. Nun ist die Naturwissenschaft weit, weit über Aristotele» hlnau», Feuilleton. Iuanita. Boa L. Schornstein. 1. Die letzt« Sonnenstrahl« vergoldet« die Thürme und Zinn« von Saragossa und begann« bereit» dem tief« Schalt« der Nacht zu weich«; da» Geräusch de» Tage» legte sich nach und nach, und nur seit« sah man ein« verspätet« Wanderer die sttllm Gaflm durchschreit«. Die größte Einsamkeit umgab jmm jung« Mann, welcher die Stadt eben verlass« hatte und vor der „rothm Herberge", die außerhalb der Mauern an der Landsttaße nach Frankreich zu lag, seine Schritte anhielt. Die Thür« und Fmster de» Hause» waren weit geöffnet, so daß da» Auge mit Leichtigkeit das geräumige Drrderzimmer übersehen, und die sonderbar« Gestalt«, die sich in demselbm befand«, einer gmaum Prüfung unterwerfm konnte. E» war ein Gemisch von Gitano» und Schmuggle«, von Dimern der Inquisition, heimathlosm Landstreichem und Räubem, die zu d« schrecklich« Band« der Gardunja gehörten. Sie saß« in Grupp« um die Tische, spielend und trinkend, und scherzend I und plaudernd. Einige eingerauchte Oellampen belmchteten! die Scene, und ihr dämmemde» und röthliche» Licht ließ trotz- > dem alle diese gebräunt« Gestalten mit dm »»»geprägt«! Zügen und d« wild« Geberdm deutlich genug erschein«, um ein« unheimlichen, beinahe schauerlichen Anblick zu gewähr«.! Der junge Mann blickte einige Sekunden in da» Zimmer der „rothen Herberge" und ein Zeichen der Ungeduld verrieth, daß er offmbar nicht gesund«, wen er gesucht. Er that ein« Schritt nach dem Hause zu, als habe er die Absicht hinein;«» geh«, schtm jedoch dies« Gedanken bald aufzugebm, dmn er begann langsam vor der Herberge auf und ab zu geh«, wobei er sich damit begnügte, von Zeit zu Zeit einen forschenden Blick durch'» Fenster zu werfm. Drinnen aber ward man bald auf da» auffallmde Gebühren de» Unbekannt« aufmerksam. Die meisten dieser Lmte hattm schon häufig Gelegenheit gehabt, mtt der Gerechtigkeit in Conflict zu gerathen; mindest«» ein kleine« Verbrechen hatte Jeder auf dem Gewiffm. Da» geheimnißvolle Wes« des jung« Manne» mußte ihn« daher höchst bedmklich erschein«. „Beim heilig« Jakob", rief einer von ihnen, ein Guapo oder Bandit erster Klasse in der Gardunja, ein Mann mtt