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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-06 · 27 (6.7.1870) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
27 (6.7.1870)
Date
1870-07-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1. Jahrgang fattwMstkt Wochen-Zchrift fit die religiösen und socialen Interessen des Zndenthums. Erscheint jede« Mittwoch. Prei« oirrtrljährlich 20 Silbergr-sche». JifMimfrtifi Ha N dreispaltige Petiqeilr oder bcren Raum IV» «flt. verautwortlicher Redakteur und HerarZgeber Rabbiner Dr. A. grermrfets in Stettin. Breslau, 6. Juli 18^0. Zu bezieh» durch all« vuchhaudluugeu und Postaiistalteu. -userateu-Zuuah«« l« »er Lchlettcr'scheu vuchhaudlung (H. Skutsch) tu Breslau. Hutzelt. Nette«»« Artikel: Darmiuilmu« »ad Religio», lll. — Der «eligioueuuterricht iu der c»»sessi,a«i»sea Schul«. -e»tü«t»«: Juauita. Bericht« ««» «orrrspaudeazeu: Deuts,hlaud: «reseld. »u, de« Retzdistrikt. P-Lerboru. »u» der Provioz Posen. Boa der russtscheu »reaze. «»« Oesterreich. Frankreich: Pan«, velgieu: vrüffel. Amerika) Washington. Litervturbericht. vacaazeu- Liste. Inserate. Darwiniomn» und Religion, in. Schon als im Herbst 1863, in den zehn Bußtagen, die deutsche Naturforscherversamralung in Stettin tagte, und die Darwinsche Theorie, von begeisterten und redegewandt« Aposteln derselben vorgetragm, groß«« Aufsehen im Publikum erregte, Geister und Gemüther vielfach bewegte, fand ich mich bemüßigt, am Vorabend de» VersöhmmgStage» eine Predigt über „die Grundlehrm de» Judmthum» und die Naturwissenschaft";;n halten, um die Gemüther M beruhigen und — man wrgrije den für den Fall wirklich zatreffmdea AuSdruck — die vielfach verwirrt gewordenen Köpfe zurechtzusetzen. Die Predigt st später gedruckt worden. Uv, so eher schim jetzt eine Antwort an Herrn vr. Dohrn angezeigt. Dieselbe lautete: ginige Hlitnststeuterstnuge« zu der Abhandlung de» Herrn vr. Anton Dohrn „Nalurforschvng und Tradition". Die nachstehenden Bemerkungen beabsichtigen durchaus keine Beurtheilunz, keine Kritik ober gar Widerlegung der Darwin'fchm Theorie, der Verfasser hat dazu weder Beruf noch Veranlassung, e» gilt nur einige bescheidene Anmerkungen zu dem von Her m vr. Dohm Vorgetragenm. 1) Naturforschung und Tradition betitelt sich die Abhandlung. Allerdings bezeichn« diese beidm Begriffe einen Gegensatz, bernt wenn man bei dem Ueber» lieferten stehen bleibm will, so ist nicht nur Naturforfchurg, sonder» jede Forschung und jeder Fortschritt der Erkmntniß ausgeschlossen. Und wmn man sagm wollte: „so ist eS überliefert, dabei mußt du stehm bleiben, darüber darfst du nicht forschen", so ist da» freilich — auch eine Ansicht, die ihre Vertreter hat, aber diese Ansicht ist nach Herm vr. Dohm'» Meinung, n>ie nach der unsrigm, unvernünftig, d. h. sie verzichtet auf den G ebrauch de« Dmkvermögen», und ebm deSwegm ist e» unnttz, sich gegen sie zu erhitzm, sie zu bekämpf«; wer auf vemünftige Gründe nicht hör« will, ist nicht zu belehr«. Blinde» Glaub« an Ueberlieferte» und Forschung find Gegmfätze, daS ist sonnenklar. Mt der Annahme von lleberliefertem überhaupt steht eS fteilich ant>er». Auch der Naturforscher maß immer wieder an Tradtrte», auf Glaub« AngenommmeS zurückgeh«, d«n sonst müßte jeber wieder von vom anfangm, müsite dm Verlauf jeder Natmerscheinunz abwartm und jede« Experiment wiederhol«, um sich von der Richtigkeit und Wahrheit selbst zu ülerzmz«. Wir leg« jedoch hierauf kein Gewicht. Herr Dohm nimmt Tradition auch nicht in diesem Sinne, sondem er hat eine bestimmte Tradttion im Auge, nämlich die hergebrachte Ansicht, daß eine Gottheit die Welt im Ganz« und die organischm Wes« insbesondere erschaff« habe, sowie die andere, damit in tiefinnerem Zusammmhang stehmde, daß da» Psychische in dm organischm Wes« und im Menschen insbesondere, hauptsächlich da» Intellektuelle, zwar mit dem Leiblichen verknüpft, aber nicht mir diesem idmtisch und nicht au» ihm ab» zuleitm fei. Dies ist eine „Tradition", die sich allerdings mck die Bibel stiitzt, aber nur theilweife, denn auch ohne Bibel findet sie sich und hat sich gesund« bei allen civilisirten Völkem, soweit wir die Geschichte der Menschheit kmnm. Zwar nicht überall und nicht immer in ganz gleicher Weise, sondem mit einig« Modifikationen, wie es sich nicht ander« erwart« läßt; auch ist der Zeitraum, dm wir mein« und kmnm, ein sehr winziger im Derhältniß zu dm hunderttausmd, zu d« Million« oder Milliarden Jahren, mit dmen die Naturforscher rechnm; aber jme Ansichten stimmen in dm Grundzüzm doch überein, und der Zeitraum, dm wir kmnm, ist nach unse« mmschlichm Begriff« (nach unserer Kurzlebigkeit und Kurzsichtigkeit, wie man zuweilei in Predigten hört) immerhin ein ganz respektabler. Mit diesem sog. vouaonsus onminm (allgemeinen Ansicht) wollm wir ftellich gar nicht» bewiesen Hab«, denn eS Hab« sich uralte und allgemein verbreitete Meinungen schon oft alS falsch erwiesm; aber da» ist gewiß, daß wir unwiderleglilhe oder doch genügende Beweise verlangen, ehe wir von jmm lass«. Herr Dohrn stellt die Darwin'sche Theorie in seiner Darstellung j«m in dec Mmschheit überliefert« Ansichten gegenüber und glaubt letzte:- vernichtend widerlegt zu Hab«. Wir wollm sehm. 2) Naturforschung und Logik betiteln wir unsere zweite Anmerkung. Die mmschlichm Ansicht« sind in allen Stück«, auch in der Naturforfchung, sehr verschied«; aber nebm der Mathematik ist die Logik dtejmige Wissenschaft, diejmige Seite unsere» Dmkprocesse», in der e» keine Verschiedenheit geb« kann. Die Lehrsätze de» Pythagora» und Euklid, wie die logisch« Regeln de» Aristoteles und seiner Vorgänger steh« noch heut, werdm nach Million« Jahr« noch unerschüttert fest stehen. Die Logik erbaut sich, wie allbekannt, auf nur drei Grundprtnctpim, an die als/ auch die Natur-

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