Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-06-29 · 26 (29.6.1870) · p. Seite 217

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
26 (29.6.1870)
Date
1870-06-29
Page
Seite 217 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5934980-5935207--0314-5370038
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

217 «tmt |i loftspteN« nb brt br« vibrrtzanb brr J»br», wrlch« bk Mitztonoschnle« >w«r euäoützen, abrr chrtfiliche Prinztpie» nicht «N in br» Kauf nryme», milohnrnb ftnbrn. Unrichtig ist «s «brr, «enn Ihr sarrrsponbrnt meint, baß in Kempen ti« lrtztr Gchnl» in nnsrrrr Provinz tin» grgangru sei. Leider besteht ein« fofdp noch ta Srant», einer Gemeind«, bi« sich sonst gern z» br« streng «rthobrpe» zählt, bi« abrr boch, «rnn auch »ur schrtnbar, ihr« Kinder brr Msfion prriägiebt» nab so einen BOT bfn juf sich labet, wie es größer wohl leinen geben kan». Oesterreich. L. S««z, 15. Juni. (Orig.-Corresp.) Gestatten Sie Nlir über eine erhebende Feier zu berichten, die am gestrige« Lage hier l»ei Gelegenheit der Grundsteinlegung des israelitischen Tempels stattfand, über eine Feier, die in Rücksicht des Ortes und der cb« »altenden Verhältnisse Beachlung verdient. — Dl« junge, aber doch bereit» über 1<X> Familien zählende Cultusgemeind« Sanz, von der errungenen Freiheit den würdigsten Gebrauch macherd, läßt ein prachtvolles Gotteshaus entstehen ln einer Stadt, roo ln früheren Jahren religiöse Unduldsamkeit sich ln aulgiebtgftrr Weise kundgegeben. Zu der auf gestern 11 UI» vormittags anberaumten Grundsteinlegung fanden sich auf dem Bauplatz« die Spitzen der kaiserlichen Behörden und die Stadtbehörde, die Vorstände der einzelnen Corporation»«, Deputationen sämmtticher Vereine, so wie auch ein beträchtlicher Ll-eil der übrige« Bevölkerung ein Nachdem die Psalmen 27 und 122 abgesungen worden, hielt Herr Rabbiner Dr. Frank eine auf die Feier bqügltch« und de» Umständen und der Zeit in vollkommenster Weise Rechnung tragende Festrede. Dann wurde die Gründungsurkunde von dem Vorsteher-Stellvertreter Herrn Dr. 8ö«y verlesen. — Die Grundsteinlegung eröffnet« der Herr Rabbiner mit dem üblichen Hammrr« schlage. Besonders feierlich war der Moment, tu welchem der Landtagsabgeordnete und Bürgermeister der Stadt, Herr Dr. Haßmann den Hammerfchlag mst de» Wort«: „In, Namen der konfessionellen Gleichberechtigung!" begleitete. Zum Schlüsse wurde noch Psalm 132 abgesungen. Es sei mir nur noch erlaubt, jenen Ehrenmann zu nennen, der um da» Zustandekommen, dieses gottgefälligen Werkes das größte Verdienst hat. ES ist dies der Vorsteher der hiesigen israelitischen Cnltusgemeinlre Herr Joachim Lederer, der, sein persönliches Jntereffe den allgemeinen Wohle unterordnend, ja sogar aufopfernd, alle erdenkliche Mühe aufwandte und noch aufwendet, den Bau sein« Vollendung baldigst zuzuführen. 0. Briefe aus A«ß«r», I. Aus Ungarn? Gibt es dort schon „wieder etwa» Neues?" — Nein, für heute nicht» „Neue»", mir von dem Alten, von den sich immer gleichbleibenden Schomre Hadath einiges Charakteristische. In Nr. 19 ihre» Organs, d.>» „M. Zsidö", läßt sich ein gewisser Hammerschlag also vernehmei«: „Wir sehen un» genöthizt, ihr ganzes Streben al» eiwm Betyüren- (Räuber-) Streich zu bezeichnen —. Wollen die Herrm hierdurch den Reichstag dupiren, dann find sie nicht blos Schelw e, sondern dumme Kerl»." DaS ist zwar eine recht niedliche Proke, aber noch immer nicht das non plus ultra, wa» der „M. Zf." leisten kann, da» Blatt, besten Sudeleien bei den Mitglied«.-« der Schomre Hadath auf gleicher Stufe der Helligkeit, weim nicht auf höherer, mtt dem Schulchan Aruch stehen. Ich kam jüngst durch mehrere solcher frommen Gemeinde,, was bekam ich da zu hören und zu sehen! E» langte eben ein Schreiben von dem Dlstrictspräses an den Vorstand an. Der Herr Gemeindevorsteher legte da» Schreiben seinen College» «r it den zahmen Worten vor: „Da Hab' ich einen Brief von dem Posche Jisroel erhalten." Al» demselben Herrn Vorsteher tie Ausgabe zugefallen war, einen Lehrer anzustellen, legte der würdige Mann alle etngelaufene» Offerten zurück: sie enthielte «icht da», was er wünsche. Erst als ein Gesuch kam, worin der Bewerbe, statt aller Lehrbefähigung seine Mitgliedschaft beim Schomre-Habath-Verein nachwie», erklärte er den rechten Mam« gefunden zu haben, dem man die Jugend ohne Gefahr anvertrauen dürfe. Ein Juwel von einem Vorsteher, nicht wahr? In einer andern Gemeinde wurde vor etwa 15 Jahren eine Synagoge ei-baut. Der Vorstand trug der modernm Bauart Rechnung, dir Almemor fand oben setam Platz. Zur Einweihung der Synagoge ließ er den Prediger einer benachbarten Gemeinde kommen und über Fortschritt, Aufklärung, Neugestaltung des Gottesdienstes sprechen und jauchzte ihm sogar Beifall zu. Da» geschah im Jahre 1855, und 1870? Der Vorstand ist derselbe, aber er ist „ftomm" geworden, ganz nach nagelneuer.Manter, er «eint bittere Thränen über seine jugendlichen Verirrungen, der Almrmor wird in di« Mitte gerückt, und wer heute an den Vorstand das Ansinnen stellen wollte, einen modernen Prediger die Kanzel bistreten zu lasten, dem riefe er in sein«.» hochheiligen Eifer zu: >uur»d«w» >itl Die nagelneue Frömmigkeit, das ursprüngliche Fabrikal der 72 pesak beth din-Gelehtte», die weder schreiben noch lesen können, dafür aber zu Heiligen in der n"! Potenz erhoben find, wirkt epidemisch, besonders seit dem Entstehen des Schomre Hadath- Vereins, der, wie ich hier ausdrücklich bemerke, mtt den ungarische« Orthodoxen nicht eines und dasselbe ist. Er hat die Gemüther total umgevandelt, das Feuer der Frömmigkeit in ihrer Brust Ibis zum Entsetzen ougefacht. Aber denken Sie ja nicht an die echt jüdische Frömmigkeit, nein, unsere Schomre Hadath-Mitglieder können dieser Frömmtgkett nicht die Pforten ihres Herzens öffnen, da der „Schalom" auch einen wesenttichen Vestandthetl derselben ««»macht und wirkliche Herzensretnheit ihr vornehmster Ausgangspunkt ist. Die Herren predigen vielmehr ein alleinseligmachendes Judenthum, verdammen und verketzern, sind aber, namentlich dir Broschürenhelden und „M. Zstdö"» Arttkel-Lerfetttger, arge Gesetzesübertreter! Sie «erden es kaum für möglich halt«, wenn ich Ihnen mttthetle, das: ich bei meiner erwähnten Reise durch Gemeinden gekommen biit, wo die Führer der Schomre Hadath schon Jahre hindurch ihren Fleifchbedarf au» der trefnen Bank beziehen, am Sabbath gernüthlich in ihrm weitgeöffneten Laden mit dem brennend« Glimmstengel im Munde ohne alle Scheu stehen, ihren Sühn«, keine jüdische Erziehung geben, dabei aber doch in nagelneuer Frömmigkeit arbeiten, und hoch und theuer auf jede» Wort deS Pefak beth din schwören. Ja, so sieht eS in unserem Lande au». Gott bester'»! Wie», 12. Juni. (Orig.-Correfp.) Die soeben beendete 1V. allgemetre deutsche Lehrerversommlung hat auch in da» — im Sommer gewöhnlich staznirende — jüdische Gcmeindeleben erneuete Bewegung gebracht. Eine Menge jüdi'cher Lehrer aus allen Gauen des Reichs waren anwesend. Die hiesige jüdische Gemeinde bat in eigenthümlichem Gegensätze zu ihrer sonstigen Generosität eiacn fast beschämend geringen Beitrag zur Bestreitung der Kosten der Versammlung geliefert. Dies ist indessen nicht die einzige unangenehme Erfahrung, die uns der Lehrertag bereitet hat. Seine ganze Erscheinung selbst machte nicht ebm den freundlichsten Eindruck und war wmig geeignet zu impontten und dem Lehrerstande jene Anerkennung zu erringen, die ihm jeder Gebildete wünschen muß. Die hiesigen Zeitungen machen besten kein Hehl; sie find alle darin einig, daß fast nur die norddeutschen Lehrer zur Sache gesprochen, die österreichischen aber — mtt geringen Ausnahmen — den Flugsand der Phrase angehäust haben. Wer am meisten auf da» Concordat, die Geistlichkeit und selbst auf die Religion losdonnertr, der hatte die »ur» pop«I»ri> für sich, vor drei Jahren hätten wtt dies begreiflich gesunden; abvc jetzt sollte man die Dinge besonnen und ernsthaft beurtheilen und Reales an di« Stelle der bloßen Auflösung setzen. Leider haben die jüdischen Lehrer ihre chrstt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.