Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 26 (29.6.1870)
- Date
- 1870-06-29
- Page
- Seite 214 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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314 t ' .r einander Kritik, Aberglaube, Phantasie und Leidenschast. Hier kämpfen Materialismus und Idealismus, 8uchstabmgü«be und Skepsis, Wiffenfchast und Religion — und nichts kommt heran», als wieder und wieder Unfriede", vr. De hrn will diese Frage» auf sich beruh« lasse«, er «eist die „Vermtschiuz von Glauben und Skepsis" ab, er sagt: „auch der an den persönlichen außerweltlichen Gott Glaubende mag hier eine Stellung nehmen, aber er mag sie konsequent durchführen und glauben, daß, wenn der liebe Gott allmächtig ist and die Welt geinacht hat, wie sie ist, er auch sicher diejenigen bat machen wollen, welche nicht an ihn glauben. Die Rabulistern aber, welche die Halbgläubigen bethätizen, wenn sie einen besonderen Teufel und weiß der Himmel. waS für Dinge noch erben dem lieben Gott annehmen, die ihm in seiner vollkommenen Schöpfung gegm seinen Will« Störung verursachen, die mögen sie ersparen; sie hat ebm nur denselben Werth, wie alle« Phantasiezespicle» sie ist und bleibt religiöSmetaphyfifche Dichtung, die sich aber leider von den Fesseln der Logik loSgrmacht hat." Soweit unsere Auszüge aus den Dohrn'schen Artikeln, soweit sie zum Verständniß und zur richtigen Würdigung unserer Entgegnung nothwmdig schienen. Wir haben sie ohne Zwischenrede, auch ohne Frage- oder Ausrusunzszeichen abdruck« lasten und bitten den Leser, dem das Eine oder Andere anstößig gewesen, unsere Widerlegung, welche da» nächste Blatt eröffnen wird, abzuwarten. (Zortsetzimg folgt.) Jur BeschneiLongsfrage. Wir stnd in de» Stand gesetzt, nachfolgend den wesentlichen Inhal» einer Eingabe mitzuthellm, welche in dem von uns schon besprochenen Fall einer vtrweigertm Beschneidung an die Behörde gerichtet ist, an welche der renitente Vater sich gewandt hatte, um die Einttagung seines unbeschnittenen Knaben in die jüdischen Geburtslisten zu erzwing«, obgleich dieselben dott nur von und V *c 7* für Jude» geführt «erden und nicht den Charakter von Civil» staadSregister» ttagen. Nachdem die untere Behörde sich für die Eintragung ausgesprochen, wurde der RecnrS » die Oberbehörde etwa folgendermaßen begründet. „Die jüdisch« GebnrtSltst« soll« offenbar nur die Fälle von Geburt« rr. «nsasten, welche bei Inden und Mitgliedem der jüdischen Gemeind« verkomm«. DaS Kriterium dafür, wer Jude und Mitglied einer jüdisch« Gemeind« ist, ist. nun allerdings zunächst die Abstammung, die Gebutt von jüdstch« Elte«, aber doch nicht diese allein! Dmn einerseits schließt daS Judenthum, wenn ihm auch da» Proselytenmacher, fem liegt, doch keineswegs Proselytm auS — andererseits aber kann eS gegm die Thatsache, daß geborme Juden auS dem Judenthum auSttetm und aufhörm Jud« zu sein, sich nicht verschließ«. Im Principe ist freilich der Charakter deS Jud« indelibel, auch durch die Taufe nicht aufzuhebm — ebmso wie nach katholischer Ansicht die Taufe indelibel ist. Sowenig aber ein katholischer Christ, der etwa zum MohamedaniSmuS übergeht — wenn er auch der Theorie nach Christ bleibt — in der Praxis als Christ bettachtet und behandelt werden kann: so wenig kann auch ei« Jute, der auS dem Jutmthum auStritt, mag er auch der Theorie nach Jude bleiben, in der Praxi« al» Jude bettachtet und behandelt werdm. ES kommt also auf die Frage an: durch welch« Handlung oder Unterlaffunz wird der faktische Austritt auS dem Jud«. thum erfolgen? Daß dazu nicht die Taufe erforderlich ist, ergibt die einfache Thatsache, daß nach der n«eftm Gesetzgebung die Erklä«ng vor dem Richter, nicht mehr Jude sein und zu einer andem Religion gehör« zu well«, genügt"). ») Et ist erst kürzlich ein Fall der Art iu H. vorge kommen, daß ei» Jade, um eine Livilehe schließru zu können, vor dem Richter erklärt hat, er sei an» dem Iudenchnme inigetretea und Memwnir geworden, woraus ohne Weitere» seine Trauung erfolgt ist — obgleich der Maim nach wie vor al» frommer Jude lebt und jetzt in bitterster Reue seinen Rücktritt zum Judeuthum erklär« hat, «vi« beim auch seine Frau Jüdin getvorden ist. ^Feuilleton*). Arber Börne und Heine. Bon Professor vr. Braetz. (Schluß.) Heine klügelte nmi sömtlich, um Schattmsettm au dem Jutmthum zu entdecken und so sich vor sich selbst zu rechtserttgm. AuS dieser Stimmung stamm« feine gehässig« Ausfälle auf daS Judenthum, daß eS z. B. „keine Religion, fondem ein Unglück fei". Später such te er die Kluft zwischen Judmthum und Christeuthum bis auf mre verschwindende Linie zu verringern, beide al» selbstquälerisch, mönchisch und nazaräisch zu bezeichn«, beide zugleich zu verunglimpf« und fick über beide hinweg zu einer hellenistischen Religion der „Wiederherstellung de» Fleisches" zu bekenn«. Je tiefet er in dm Lebensstrudel hineingeriffm wurde, desto mehr entschwand« Judmthum und Jud« auS seinem Gesichtskreise. Doch, man kann fast sag«, in licht« Augenblick« brach sein,: Liebe zum Judmthum wieder hervor, und er zeigte wieder sein« denkklare Anschauung von demselbm. Im zunehmend« Alter, als ein schweres Nerv«leid« dm Gedankenspiegel sein«» NeifteS noch Heller machte, und er d« Vorzug der auf Religiosität gebaut« Sittlichkett vor der Schön» hett erkannte, kehrte Heiüe zn seiner Jugendliebe, zu seiner Verehrung für da» Judmthum ganz und gar zurück. Seine „Ge» ständntsse" (1853—51) find begeisterte Hymnen auf die jüdische Geschichte und dm jüdisch« Stamm, und mm hött e» ihn« an, daß sie ernst gemeint warm. Für die Bibel hatte er, der *) In nächster Rmmn er beginnen wir, wie bereit» augekündigt, mit kr äußerst interessanten Roiiell« ,Zuanita". Red. feinfühlige Dichter, stets geschwärmt. Und nun war der Geist deS jüdisch« Gesetzes und der jüdischen Geschichte über dies« verirttm Sohn Israels gekommm und hatte ihm Offenbarung gebracht, die nur Wmige vor ihm in ihrer Tiefe begriff«, keiner ebm fo lichtvoll dargestellt hat. Wie für die WeiSheitStiefe in dm Gesetz« und dm GeisteSkamps in dm Jahrtausmdm der jüdisch« Geschichte, so hatte Heine auch ein richtige» Verständniß für da« echte Gold der Poesie, die dem größt« jüdisch« Dichter de» Mittelalter« «tströmt ist. Kaum hatte Michael Sach«, der Prediger mit der Psalmistenseele und der Prophetensprach«, die verhüllt« Schönheit« der „religiös« Poesie der Jud« iu Spanim" «tschleiert und besonder« dm verdunkelt« Glanz de» Dichter« Jehuda Haler! Alhaffau wieder hcrzestellt, als Heine, tief davon ergriffen, diesem stamm- und kunstgmösfischm Trouba» dour ein Dmkmal setzte. Mit seinem Zauberstabe erweckte er Jehuda Halwi'S Schattm aus dem Grabe und fühtte ihn in der ganz« Idealität seiner Erscheinung und in der ganz« Gluth seiner Begeisterung vor. BiS zu seinem letzt« Hauche kämpft« in Heine die zwei weltgeschichtlich« Bildungsprinzipien, die kmsche Sittlichkett de« JudeuthumS und die Formmfchönheit de« Griechenthum«, die er beide bewundette, aber nicht zu versöhn« vermochte. Er selbst ahnte, daß die harmonische Vermischung beider Elemente die Aufgabe der europäisch« Eivüisatton sei; aber er vermochte nicht, sie iu sich zu vollzieh«. AuS diesem Kampfe ging seine Zer» riffmhett hervor und auch sein Drang, um sie nicht Herr über sich werd« zu last«, sie beide durch Spott zu bemeistern. — Die Judenheit hat dies« ihr« beidm abtrünnig« Söhn«, Böme und Heine, viel zu verdanken. Sie habm, wen» anch